Leserbrief zu: „Geschiedenen eine zweite Chance geben“                                                                          (25.10.2015)

in: Der SONNTAG, Kirchenzeitung des Bistums Limburg, vom 4. 10. 2015

 

Unter der Überschrift „Geschiedenen eine zweite Chance geben“ berichtet der SONNTAG  über eine Umfrage unter Ehejubilaren zu der Frage, wie die Kirche sich zur Wiederverheiratung von Geschiedenen verhalten solle. Alle drei befragten Paare stellten die Trennung von Eheleuten unter den Gesichtspunkt: ‚Der Mensch irrt sich. Es passiert halt, dass man bei der Wahl des Partners daneben liegt. Dann macht man es eben beim zweiten Mal besser. Auf jeden Fall sollten Geschiedene eine zweite Chance erhalten und wieder kirchlich heiraten dürfen.’

 

Eine solche Eheauffassung nach dem Muster von Versuch, Irrtum und zweiter Chance findet in der säkularen Welt sicherlich breite Zustimmung. Doch die Kirche kann nicht auf diese Linie einschwenken, wenn sie bei ihrem Anspruch bleibt, der biblischen Lehre Christi zu folgen. Danach ist eine gültig geschlossene sakramentale Ehe unauflöslich. Und daran wollen und werden auch Papst und Synode nichts ändern (können). Bischöfe und Pfarrer, Religionslehrer und auch die kirchliche Publizistik müssen sich aber fragen, ob sie ihrer Pflicht zur Darlegung der biblisch-kirchlichen Ehelehre genügend nachgekommen sind, um der „Verdunstung des Glaubens“ entgegenzuwirken.

 

Hubert Hecker