„Outing“ von Ministerin Wolf (Juli 2007)

Der Fall Wolf ist nun heute bundesweit Gegenstand der Berichterstattung und Kommentierung. „DIE WELT“ setzt sich unter der Überschrift: „Die Bibelfeste“ mit der zeitlichen Nähe der Aussagen Wolfs zur Schöpfungslehre und deren „Outing“ ihrer lesbischen Beziehung auseinander. Die Vermutung des Verfassers, die Aussage zur Schöpfungslehre sei zeitlich bewusst so gesetzt, um dezidiert christliche Bürger zum Zeitpunkt des „Outings“ gnädig zu stimmen, halte ich für überzogen. Allerdings gibt es einen Pressebericht, wonach dieses „Outing“ nach Art und Gelegenheit mit Koch abgestimmt gewesen sei.

Der Umstand, dass eine sich betont „bibelfest“ gebende Politikerin zu ihrem Lesbentum bekennt, lenkt aber die Aufmerksamkeit auf eine Problematik jeglicher interkonfessioneller Zusammenarbeit, sei die nun politisch im Sinne der „Union“ oder kirchlich im Sinne der „Ökumene“. Man muss den Partner nehmen, wie er ist oder man muss es sein lassen.

Was anderes ist von Angehörigen einer Kirche und speziell der EKHN zu erwarten, die homosexuell lebende Pfarrer duldet und jedenfalls streckenweise homosexuelle Partner einsegnet?

Und wenn unsere Kirche völlig unbestritten mit einem derartigem Kirchentum „ökumenische Brüderlichkeit“ pflegt, wie soll dann eine CDU im wahrsten Sinn dieses Wortes päpstlicher sein als der Papst?

Das muss man m.E. den verunsicherten oder empörten Zeitgenossen unserer Prägung sagen, um sie vor kurzschlüssigen politischen Reaktionen zu bewahren. Denn solche Reaktionen ließen uns nur vom Regen in die Traufe geraten.

Freilich geben solche Erfahrungen aus dem prallen Leben Anlass, denkerisch tiefer zu schürfen und die ganze Problematik des Umgangs mit wahrlich in vielem „Andersgläubiger“, wie das früher durchaus zutreffend hieß, zu erfassen.

 

Herzlichst Ihr

 

Bernhard Mihm

Stadtrat a.D.