Leserbrief

Wieder eine prophetische Wegweisung

Mit seinem kritischen Wort zur Familienpolitik hat sich Kardinal Meisner wieder einmal als prophetische Gestalt  in der deutschen Kirche erwiesen. Freilich sollte er nicht nur in der Politik, sondern noch mehr und zuvörderst in der Kirche gehört werden.

Die ihm widersprechende Abgeordnete Fischbach ist nicht nur eine CDU-Politikerin, sondern auch Bundesvorsitzende der Katholischen Frauengemeinschaft. Und in den Führungsetagen des deutschen Laienkatholizismus wird gezeugt, was dann oft in der Politik geboren wird.  Die CDU ist keine kirchliche Organisation und wird nach einem schon 1920 gesprochenen Wort des österreichischen Prälaten-Kanzlers Ignaz Seipel in der Anwerbung ihrer Anhänger und Wähler sowie der dafür entwickelten Positionen nicht allzu zimperlich sein können.

Da ist es nun viel schlimmer, wenn sich kirchliche Vereinigungen und sich als Vertretungsorgane des Kirchenvolkes  gerierende Institutionen auf die Seite des gesellschaftlichen Mainstreams stellen. Und der ist in der Frauenfrage zu Lasten der Kinder und des Nachwuchses unseres Volkes geprägt von einer höchst unheiligen Allianz zwischen linken Emanzipationsideologen und einem entfesselten ökonomischen Denken, das in den Frauen nur mehr eine Reservearmee für den für die Arbeitgeber schwieriger werdenden Arbeitsmarkt sieht. Regierung und Parteien, auch die CDU, werden von zwei ganz unterschiedlichen Seiten in die Zange genommen. Da täte eine Entlastungsaktion seitens der organisierten Christen gut. Kardinal Meisner hat dazu das Signal gesetzt. Ob man ihm beim Zentralkomitee der deutschen Katholiken, bei den Frauenverbänden, bei Kolping, KAB und KU wohl folgen wird?

Bernhard Mihm, 33100 Paderborn

In: Die Tagespost, 25. Mai 2013