An die

Kongregation für das katholische Bildungswesen

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I-00193 Roma

 

  

 

  Ad limina -Besuch der deutschen Bischöfe

  Religionsunterricht und Katechese

 

Den Medien ist zurzeit zu entnehmen, dass  die deutschen Bischöfe in unterschiedlichen Arbeitsgruppen darüber nachdenken, wie der Glaube wieder intensiver auf das kirchliche Fundament ausgerichtet werden könne. Die Anliegen unserer Bischöfe in ihrer Einheit mit dem Papst wollen wir unterstützen. Die Mitglieder des Arbeitskreises von Katholiken im Raum Frankfurt nehmen diese Bemühungen zum Anlass und reichen gemäß Canon 212 §2. des CIC zu der von Cardinal Lehmann aufgeworfenen Frage unsere Überlegungen ein mit der Bitte, diese in die weiteren pastoralen Überlegungen und Beschlüsse einzubeziehen.

 

Leider müssen wir feststellen, dass die `Verdunstung´ des Glaubens (so Cardinal Lehmann) z.T. von Vertretern der katholischen Kirche mitverschuldet ist. Zu belegen ist die Entwicklung an Schulbüchern, im Religionsunterricht und in der Sakramentenlehre (insbesondere Kommunion- und Firmvorbereitung) und in der Katechese.

 

Der Zeittrend des New Ages -seit 1970 deutlich erkennbar- wurde nicht mit genügender Aufmerksamkeit als Gefahr für die Kirche  und die Gläubigen zur Kenntnis genommen. Einzelne Mahner wurden nicht gehört; die zuständigen Gremien auf diözesaner und Bischofskonferenzebene passten sich dem Zeitgeist an. Fachleute wie Professor Ruster oder Dr. David Berger haben seit Jahren kritische Anmerkungen nicht nur zu den Religionsbüchern von Hubertus Halbfas, dem die Lehrerlaubnis entzogen ist, vorgenommen - vergeblich.

 

Einige maßgebliche Fachleute in der Religionspädagogik, die die Zeitströmungen erkannten,  haben  Korrekturen vorgeschlagen. Von den maßgeblichen Verantwortlichen der katholischen Kirche werden sie nicht umgesetzt. Der Arbeitskreis hat 2004 eine Broschüre "Kritik am katholischen Religionsunterricht" herausgegeben - ohne entsprechende Berücksichtigung zu finden. Ebenso veröffentlichte der Initiativkreis Münster  unter dem Titel "Der Kampf um den Religionsunterricht - Wie sollen sie an den glauben, von dem sie nicht gehört haben?"  eine Broschüre, in dem sie den Notstand im Religionsunterricht darstellten.

 

Die längst überholte Korrelationsdidaktik ist immer noch in den Lehrplänen für katholische Religion (so Hessen) zu finden. Elemente aus dem New Age -Weglassen der Erbsünde, Erlösungstod Jesu, dafür Selbstfindung und Selbstverwirklichung (von Prof. Frankl - Wiener Schule - als falscher Zeitgeist deklariert), sind in den katholischen Unterrichtsbüchern dennoch zu finden.

 

Ein aktuell von 14 deutschen Diözesen herausgegebenes Unterrichtswerk mit dem Titel "Impulse" führt bei Fachleuten zu Kopfschütteln und stellt keineswegs einen Beitrag gegen die von Cardinal Lehmann diagnostizierte Verdunstung des Glaubens, sondern ist im Gegeteil ein Beitrag zur weiteren Verdunstung.

 

Die Mitglieder des Arbeitskreises wenden sich daher an die zuständigen Behörden der Weltkirche mit folgendem Anliegen.

 

Der Religionsunterricht in der Schule muss Glaubenswissen vermitteln für eine im Glauben orientierte Lebensführung.

 

In seiner derzeitigen anthropozentrischen, von den vermeintlich einheitlichen "Erfahrungen" der Schüler ausgehenden Konzeption kann dieses Ziel nicht erreicht werden. Der Glaube wird nicht mehr als organische Ganzheit aus sich selbst dargestellt, sondern nur noch als ausschnitthafte Spiegelung von einzelnen anthropologischen Erfahrungen. Diese Fragmentierung der Glaubensaussage leistet der Beliebigkeit Vorschub und stellt die ´Ernsthaftigkeit` der einzelnen Inhalte - so weit sie noch behandelt werden - in Frage. Insbesondere ist die Christologie davon betroffen.

 

Wir halten es für notwendig in dieser Situation die folgenden Forderungen zu stellen:

 

1. Der Religionsunterricht benötigt mit einer strukturierten, aus dem Ganzen der Überlieferung und der Lehre der Kirche schöpfenden Grundgestaltung der Glaubensvermittlung ein neues Konzept. Das Apostolische Glaubensbekenntnis, Sakramentenlehre, Dekalog und das Gebet des Herrn sind dabei unverzichtbare Elemente.

 

2.  Die Hypertrophie der Vermittlungsmethoden gegenüber den Inhalten muss aufgegeben werden.

  

3. Ein Schüler-Katechismus sollte eine klare Zusammenfassung der Glaubenswahrheiten bieten

 

4.  Die Konfessionalität des Religionsunterrichtes darf nicht aufgeweicht werden.

 

5. Qualifizierte Ausbildungsinhalte auf der Grundlage der kirchlichen Lehre sind ohne 

    Zeitgeistanfälligkeiten vorzugeben und zu vermitteln.

 

6. Ein qualifizierte Umsetzung im katholischen Religionsunterricht und in der Katechese muss gewährleistet sein.

      

 

  Für den Arbeitskreis

 

(Siegfried Karl Lauinger)