Politisch unkorrekte Gedanken zur demographischen Katastrophe

 

Die akut und aktuell gewordene „demographische Katastrophe“, das heißt ein die Gesellschaft bedrohender Kindermangel ist in aller Munde. Geradezu hektisch wird in der Politik versucht, mit finanziellen und sozialrechtlichen Maßnahmen gegenzusteuern. Diese Bemühungen erscheinen fragwürdig, denn der Kindermangel ist bei näherem Zusehen ein mentales Problem.

 

Das mentale Problem ist verursacht durch eine weitgehende Entkoppelung von praktizierter Sexualität und menschlicher Fortpflanzung. „Kinder bekommen die Leute immer“, meinte Konrad Adenauer und begründete darin die Sicherung der Sozialsysteme. Das aber war vor der durch die 68er Kulturrevolution angeheizten sexuellen Revolution und der Massenverbreitung der „Pille“.

 

Papst Paul VI. versuchte bereits vor Jahrzehnten, durch die Enzyklika „Humanae Vitae“ gegenzusteuern. Obwohl gerade Johannes Paul II. diese Linie unablässig beibehielt und die Lehre seines Vorgängers immer wieder einschärfte, werden selbst unter katholischen Christen in diesem Land Kinder nicht mehr als Gottesgeschenk angesehen, sondern als Planungsergebnis. Ursache dafür ist, dass die deutschen Bischöfe unmittelbar nach Erscheinen von „Humanae Vitae“ in völliger Verkennung ihrer Verantwortung meinten, der Enzyklika aus „pastoralen Erwägungen“ die Zähne ziehen zu sollen: In der „Königsteiner Erklärung“ machten sie die Befolgung oder Nichtbefolgung  der Lehre des Heiligen Vaters zur Gewissensentscheidung des Einzelnen. In der Lebenspraxis wurde daraus die zeitgeistorientierte Beliebigkeit.

 

Die sexuelle Revolution erstreckte sich indes auch auf die Homosexualität. Diese sinnwidrige Form menschlicher Geschlechtlichkeit, eine tragische Fehlsteuerung, die besseren Falls krankhaft bedingt, schlechterenfalls durch vermeidbare Beeinflussung erworben ist, bedeutet ebenfalls eine Entkoppelung ausgeübter Sexualität von Fortpflanzung  und trägt zur kollektiven Unfruchtbarkeit bei. Nun wird aus einer Fehlsteuerung eine legitime und schützenswerte „Orientierung“.

 

Hier nun muss neuerdings der CDU/CSU eine folgenschwere Fehlentscheidung vorgehalten werden. Entgegen allen von der Bundestagswahl eingenommenen Positionen und unter Desavouierung ihrer tapferen Wahlkämpfer  hat die Union in der Großen Koalition ihrem sozialdemokratischen Partner nachgegeben und trägt ein „Anti- Diskriminierungsgesetz“ mit, in dem über die Vorgaben der Europäischen Union  hinausgehend auch die „sexuelle Orientierung“ geschützt wird. Abseits aller moralischen Bewertungen wird dabei verkannt oder verdrängt, dass ein weiterer Beitrag zur mentalen Desorientierung hin zur demografischen Katastrophe geleistet wird.

 

Nichts fördert das Gemeinwohl besser als die Befolgung der Gesetze Gottes, wie sie die Kirche verkündet- jedenfalls dann, wenn sie sich selbst treu bleibt.  Nichts schadet ihm mehr als bequemer Opportunismus, der um eines Lieben Koalitionsfriedens willen Ethik beiseite lässt, die in diesen Gesetzen Gottes wurzelt.

 

 

Bernhard Mihm                                                                                                       Mai 2006

Stadtrat a.D.