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Leserbrief zu: „Ein Glaubensbuch von ’Kirche in Not“, Leserbrief DT Nr. 17

Der Schwund an Glaubenswissen und Glaubenssubstanz bei Jugendlichen ist zum Teil auf die schulischen Religionsbücher zurückzuführen. In dem weit verbreiteten Religionsbuch von Werner Trutwin für die 6. Klasse heißt es nach zwei Seiten Einleitung zu dem Thema: „Das Gute und das Böse“: „Vielleicht denkt ihr jetzt: Wer soll das verstehen? Dann könnt ihr euch mit dem Gedanken trösten, dass auch viele Erwachsene den Unterschied … nicht verstehen“ (Zeit der Freude, S. 228). Die Bemerkung lässt erahnen, in welchem Umfang viele Religionsbücher den Glauben und die Lehre der Kirche verunklaren, verwischen, verunstalten oder verkürzen. Es bedarf vieler Energien von Seiten eines Religionslehrers, mit anderen Materialien und Inhalten sowie teilweise gegen Lehrplananweisungen die unverkürzte Glaubens- und Sittenlehre der Kirche den Schülern aufzuschließen, das, wozu er eigentlich gesendet ist (missio) und wozu die Bischöfe den Leitfaden zu erstellen verpflichtet wären. 

Wir Religionslehrer brauchen dringend einen jugendgerechten „Leitfaden des Glauben“. Ich kann mich dem Appell an die Bischöfe, einen Schulkatechismus in Auftrag zu geben, nur anschließen (Leserbrief vom 9. 2.). Gleichzeitig sollte vorhandene Katechismus-Ansätze (Glaubensbuch der „Kirche in Not“, „Glaube ist schön“ etc.) erprobt und weiterentwickelt sowie neue, kirchentreue Glaubensbücher geschrieben werden.

Allerdings muss noch auf einen weiteren Missstand hingewiesen werden. Die Religionsbücher orientieren sich weitgehend an den bischöflich genehmigten Schullehrplänen und da liegt eben auch einiges im Argen.

In den hessischen Lehrplänen für kath. Religion (Bistümer Limburg, Mainz und Fulda) kommen Wort und Inhalt der Erbsünde z. B. nicht vor. Entsprechend kann auch nicht der Erlösungstod Jesu Christi behandelt und gewürdigt werden, von der unblutigen Repräsentation in der hl. Messe ganz zu schweigen.  Die Christologie wird rein arianisch ausgeführt, d. h. Jesus wird ausschließlich als guter und „wahrer“ Mensch vorgestellt, der ein besonders inniges Gottesverhältnis gehabt habe. Die Deutung seines Erlösertodes erschöpft sich in der Feststellung über seine  ermutigende Tat der Solidarität; die Auferstehung wird als eine Art Tagtraumerfahrung hingestellt, die jeder Mensch machen könnte.

Es ist auch zu berücksichtigen, dass eine Anzahl Religionslehrer von eben dieser modernistischen Theologie infiltriert ist, nach der die Lehrpläne gestaltet sind. Im Bistum Trier z. B. hat der bekannte Irrlehrer Prof. em. Gotthold Hasenhüttl bis zum letzten Jahr mehrere Generationen von Religionslehrer ausgebildet.        

In dieser trostlosen Lage des Religionsunterrichts gibt es jedoch einen Funken Hoffnung: In der Verlautbarung der Deutschen Bischofskonferenz vom Februar 2005 kann man eine vorsichtige Absetzbewegung von dem Würzburger Synodenpapier über den Religionsunterricht erkennen, das seit dreißig Jahren die schulische Religionspädagogik in das Korsett der „Korrelationsdidaktik“ einzwängt und ausrichtet. In dem Papier heißt es, dass  mit den Schülern – insbesondere in der Primarstufe - die Grundvollzüge von Glauben und Kirche einzuüben sind, also nicht nur – wie bisher – über die Grundgebete und Rituale zu sprechen, sondern sie am Lernort Schule und Kirche verstärkt zu vollziehen. (Die Notwendigkeit dieser schulischen Einübung wird spätestens dann klar, wenn manche Firmbewerber weder das Kreuzzeichen richtig vollziehen noch das Vater unser frei sprechen können.) Mit dieser religionspädagogischen Aufwertung der kirchlich-liturgisch-religiösen Praxis ist die perspektivische Chance verbunden, dass der sakramentale Charakter der Kirche und ihrer sakramentalen Praxis wieder in den Mittelpunkt des schulischen Religionsunterrichts gerückt wird.

 

Hubert Hecker, Oberstudienrat 

65599 Dornburg-Frickhofen