Leserbrief:

Ein Kardinal schmiedet das  Brecheisen und Freiburg benutzt es raffiniert zum Türaufbrechen                    (04.05.2013)

Die Ankündigung von Erzbischof Zollitsch, sich um die Zulassung von wiederverheirateten  Geschiedenen zur heiligen Kommunion und die Einführung eines Frauendiakonates zu bemühen, ist nichts anderes als der Vollzug einer durchsichtigen Spekulation auf den Pontifikatswechsel in Rom . Man hofft, beim „Pastoren-Papst“ Franziskus durchbringen zu können, was unter dem „Charismatiker-Papst“ Johannes Paul II. gescheitert war und beim „Gelehrten -Papst“ Benedikt XVI. aussichtslos erschien.

„Barmherzig“ will man sein gegenüber wiederverheirateten Geschiedenen. Im heute leider kaum noch zitierten Katalog der „geistigen Werke der Barmherzigkeit“ finde ich freilich solche „Barmherzigkeit“ nicht. „Den Sünder zurechtweisen“ steht da, und nicht etwa, ihnen entgegenzukommen. Denn nach Scheidung einer gültigen Ehe jemanden anderen zu heiraten, erfüllt den Tatbestand des Ehebruches, einer objektiv schweren Sünde also; einer schweren Sünde übrigens, die in aller Regel ein Dauerzustand ist und die dann mangels guten Vorsatzes gar nicht gültig gebeichtet werden könnte. Und schwer sündhaft bleibt ein Verhalten auch, wenn es „sozial adäquat“ ist. Anderes zu behaupten hieße, die Mahnung zu ignorieren, sich nicht dieser Welt anzugleichen (Röm 12,2). Für die von Freiburg aus betriebene Neuerung kommt die Gerichtsrede über den unangemessenen Umgang mit der eucharistischen Speise zum Tragen (1 Kor 11,27-29); für irgendwelche Verharmlosungen bleibt da kein Spielraum.

Nun mögen sich heutzutage viele nicht über die sittliche Tragweite solchen Tuns im Klaren sein. Barmherzigkeit kann dann aber nur heißen, ihr Gewissen aufzuklären und zu schärfen, nicht aber, alles so zu belassen, wie es ist, oder das Gewissen gar zu betäuben.

Beim Frauendiakonat sucht man nach einem Werkzeug, die Tür zur Frauenordination überhaupt aufzubrechen. Leider hat Kurienkardinal Walter Kasper, um die römische Sedisvakanz herum, das Brecheisen geschmiedet, indem er ein spezielles Frauendiakonat ins Spiel gebracht hat. Dessen Inhaberinnen könnten sich aber dann in Pastoral und Liturgie so gerieren, dass sie von geweihten Diakonen kaum noch zu unterscheiden wären. Die Kraft des Faktischen, so hofft man, könnte die Weltkirche dazu verleiten, etwas zu tun, von dem Johannes Paul II. unmissverständlich gesagt hat, von Christus dazu nicht ermächtigt zu sein.

Wenn von Erzbischof Zollitsch zu hören ist, alles solle auf dem Boden der Kirchenlehre geschehen, ist dies bestenfalls eine Aporie. Tatsächlich spekuliert man auf die pastorale Akzentuierung jedenfalls zu Beginn des neuen Pontifikates. Papst Franziskus wird schon kraft seiner Persönlichkeit, aber nicht zuletzt unter dem Beistand des Heiligen Geistes die Raffinesse durchschauen, mit der man von Deutschland aus auf ihn einzuwirken versucht.

Bernhard Mihm, 33100 Paderborn
in: Die Tagespost Nr. 54, 4. Mai 2013