Die Rache eines Journalisten                                                                                                                                                                                                                                 (8.12.2015)

Eine Leserzuschrift in der Frankfurter Allgemeinen stellte fest, dass die Berichterstattung und der Kommentar von Daniel Deckers zu der Causa Bischof Tebartz-van Elst „die gebotenen journalistische Distanz und Ausgewogenheit vermissen lassen“.

In einer beispiellosen Eskalation von sieben einzelnen Medienkampagnen hatte die regionale und später die überregionale Presse den Limburger Bischof  Franz-Peter Tebartz-van Elst zu Fall gebracht. Für manche besonnenen Zeitgenossen kam das mediale Einprügeln auf den „Protzbischof“ zuletzt einer sozialen Hinrichtung gleich. Das Triumpfgeheul der medialen Einschläger war groß, als der Papst den Bischof aus dem Bistum entsetzte. Auch nach der Veröffentlichung des Untersuchungsberichts mit der nüchternen Darlegung der Fakten und Fehler des Bischofs kamen die Medien von ihrem hysterischen Skandalisierungstonfall nicht auf das Niveau einer sachlichen und fairen Bewertung des Falles zurück.

Die Absetzung des Bischofs als „vermeintliche Höchststrafe“?

Für die mediale Lynchjustiz war die Absetzung des Bischofs durch Papst Franziskus in den verräterischen Worten von NNP-Chefredakteur Joachim Heidersdorf eine „vermeintliche Höchststrafe“. Die Pressemeute lechzte nach weiteren Strafschlägen. Sichtbar verärgert reagierten die einschlägigen Presseleute, als der Ex-Bischof in Rom als Delegat für die Neuevangelisierung eine neue Aufgabe erhielt, die seinen Qualifikationen entspricht. Da die Medien mit maßlosen Übertreibungen die Fehler des Bischofs aufgebauscht hatten, konnten sie auch die Entscheidung der weltlichen Justiz nicht akzeptieren, nach der der Staat sich nicht in die Vermögensverwaltung der autonomen Kirche einmischen konnte.

Der FAZ-Journalist Daniel Decker unterstellt in seinem Beitrag vom 10. 9. 2015 den weltlichen Behörden, dass sie nicht sach-rechtlich entschieden hätten, sondern nach willkürlichen Kriterien ein Verfahren nicht einleiten „wollten“.  Als nun auch die höchsten Entscheidungsträger im Vatikan nach mehrmonatiger Prüfung des Falles den Entschluss fassten, gegen den Bischof kein förmliches Strafverfahren zu eröffnen, polterte der FAZ-Mann mit einem grobklotzigen Kommentar.

Deckers rühmte sich, maßgeblich zum Sturz des Bischofs beigetragen zu haben

Daniel Deckers hatte mit seinem niederträchtigen FAZ-Artikel vom 24. Juni 2013 die siebte und damit finale Vollstreckungskampagne der Medien gegen den Limburger Bischof eingeleitet. Nach der Herausnahme des Bischofs aus dem Bistum rühmte er sich bei einer Podiumsdiskussion in Frankfurt, maßgeblich zum Sturz des Bischofs beigetragen zu haben – ähnlich wie einige Jahre vorher gegen Bischof Mixa von Augsburg. Nach der vorwiegend auf Person und Amtsführung gerichteten Artikel-Attacke schob er dann eine Reihe von Beiträgen nach, in denen er sich als Advokat und Reformator des Kirchenrechts aufführte. Dass nun der Vatikan kein kirchenrechtliches Strafverfahren einleitet, scheint seine journalistische Eitelkeit so getroffen zu haben, dass er darauf mit maßloser Kritik gegen Kurie und Kirche reagieren zu müssen glaubt.

Weiter im hysterischen Skandalisierungstonfall

Deckers  Ärger musste groß sein, wenn er seinen  Bericht vom 10. 9. 2015 auf Unwahrheit aufbaut. Er behauptet, die vatikanischen Behörden hätten nicht nur ein kirchenrechtliches Verfahren niedergeschlagen, sondern es überhaupt abgelehnt, „die Klage des Bistums auf Schadenersatz zu prüfen“. In der entsprechenden Mitteilung des Bistums Limburg heißt es dagegen: "Der Heilige Stuhl hat sich in den vergangenen Monaten intensiv mit den Fragen rund um den Bau des Bischofshauses in Limburg befasst.“ Im weiteren Artikel ist Deckers sichtlich bemüht, die im Untersuchungsbericht sachlich aufgelisteten Fehler des Bischofs ins Überdimensionale zu steigern, wie das in dem gesamten medialen Skandalisierungsprozess geschehen ist. Damit einher  geht eine Vorverurteilung des Bischofs, als wenn eine rechtlich relevante Schuld des Bischofs schon erwiesen wäre. Die Aussetzung der gebotenen Unschuldsvermutung war schon bei einem früheren Verfahren gegen den Bischof üblich in den Medien.

Verärgerung, weil „ein paar Kuriale“ nicht auf Deckers Ratschläge hören wollen

Nach dem Berichtsbeitrag packt der FAZ-Mann dann in einem Kommentar seine Keule aus, um in einem wütenden Rundumschlag auf Papst und Vatikan, Kurie und Kirche einzudreschen. Bei dem einleitenden Vorwurf, der  Papst und seine Kardinäle hielten sich wohl für „das Zentrum der römisch-katholischen Weltkirche“, fragt sich der Leser verblüfft, wo das Zentrum denn sonst verortet werden sollte – vielleicht an Rhein und Main bei der ergrauten Eminenz Kardinal Lehmann und seinem Adlatus Daniel Deckers? Dann geht es Schlag auf Schlag: Die vatikanische Behandlung der Causa Tebartz-van Elst hätte „die moralische Integrität“ von Papst und Kurie beschädigt. Nach Deckers Fernurteil wäre die strafrelevante Schuld des Bischofs ausreichend erwiesen, nämlich dass er „bewusst wesentliche kirchenrechtliche Normen missachtet“ hätte. Gleichwohl  würden „ein paar Kuriale im Vatikan“ nicht einmal einen Prozess eröffnen wollen.  Der verächtliche Ausdruck: ‚ein paar Kuriale’ zielt auf die Abqualifizierung der beiden höchsten Kurien-Bischöfe und engsten Mitarbeiter des Papstes, Kardinal Quellet von der Bischofskongregation und Kardinal Parolin, dem Staatssekretär von Papst Franziskus.

Die Rache des Journalisten: ein moralischer Bannfluch über Papst und Kurie

Nachdem ‚die paar Kuriale’ im Vatikan nicht auf Deckers kirchenrechtliche Kommentare gehört haben, rächt er sich nun damit, dass er die Kurie mit einem moralisch-juristischen Bannfluch belegt: Das vatikanische Vorgehen würde nach weltlichem Recht als „Strafvereitelung im Amt, wenn nicht als Rechtsbeugung“ geahndet werden. Dieses vernichtende Fernurteil über die vermeintliche Kirchenrechtsverbiegung in einem Fall weitet Deckers im nächsten Schritt pauschal auf die gesamte Kirche aus: Eine solche angebliche Rechtskorrumpierung sei sowieso die allgemeine kirchliche Praxis, da bei „unzähligen Missbrauchsopfern“ ähnlich gehandelt worden wäre.

Den Schluss seines kurzen Kommentars gipfelt Decker zu einem maßlosen Totalverriss der katholischen Kirche auf, mit dem er die schärfsten Kirchenkritiker zu übertrumpfen sucht:  Die Anwendung des Kirchenrechts sei in der Vergangenheit und Gegenwart ausschließlich „eine Frage der Opportunität“. Auch Papst Franziskus denke und handle allein nach opportunistischen Maximen. Zu diesem Vorwurf kommt Deckers, indem er die Kirchenleitung auf soziologische Machtausübung reduziert. Und dann folgert er: Jede Macht würde ihren Träger korrupt machen und die „absolute Macht“ (der römischen Kurie) würde demach „absolut korrumpieren“.

Der Vatikan lässt sich nicht von der Rachsucht einzelner Journalisten treiben

Mit dieser Zuschreibung hat Deckers beiläufig auch die eigene Pressezunft von jenem Verdacht auf Käuflichkeit und Korrumpierung reingewaschen, die sein FAZ-Kollege Udo Ulfkotte nachgewiesen hat. Denn wenn Korruption allein aus der Machtfülle resultiert, heißt das im Umkehrschluss, dass Journalisten gar nicht korrumpierbar sein können, da sie keine institutionelle Macht haben.

Der oben zitierte Leser ist nicht überrascht, dass es für Papst und Kurie „angesichts der gewesenen medialen Hetzte gegenüber dem Menschen Tebartz-van Elst“ geboten schien, die vielzitierte Barmherzigkeit walten zu lassen. Insbesondere habe man nicht die „Rachsucht einzelner Akteure, die allzu sehr aus der Hoffnung auf eine Bestrafung Tebartz-van Elsts spricht, befriedigen“ wollen. Der Causa-finita-Akt aus Rom sei „nicht nur barmherzig, sondern auch klug“.

Hubert Hecker