(23.12.2016)

In der Tagespost vom 13.12.2016 erschienen zwei Leserbriefe unter dem Titel „Die Ehe hat nichts mit der Liebe zu tun“ bezugnehmend auf den Erlass des Hessischen Kultusministers zur Sexualerziehung. Herr Oberstudienrat i.R. Hubert Hecker gibt darauf wie folgt eine Antwort, die der Arbeitskreis von Katholiken unsern Lesern nicht vorenthalten möchte.

Die beiden Leserbriefschreiber Udo Wolf und Felix Lehmann gehen von der falschen These aus, dass alle Grundgesetzartikel von 1 bis 19 „ausschließlich“ individualrechtlich zu verstehen seien. Demnach würde der Art. 6 ein Freiheitsrecht für jedes Individuum beinhalten, „heiraten zu dürfen, wann und wen es will“. Im Unterschied zu den ausdrücklichen Rechte-Artikeln z. B. 5, 8 oder 9 formuliert das Grundgesetz im Artikel 6 aber den Schutz der Institution „Ehe und Familie“ – ähnlich wie im Artikel 13 das Eigentum geschützt und gewährleistet wird.

Auch der Zugang zur Ehe ist nicht so beliebig, wie Wolf es darstellt. Die kontinuierliche Rechtsprechung des Verfassungsgerichts seit 65 Jahren lässt eine Eheschließung nur zwischen Mann und Frau zu – letztlich mit der Begründung durch das vorgegebene Naturrecht. Enge Verwandtschaft bilden weitere Ehehindernisse.

Weil es kein Grundrecht auf Heiraten sowie Ehe und Familie gibt, führt auch die Argumentation von Leserbriefschreiber Lehmann ins Leere, nach der alle Menschen grundgesetzlich die gleichen Rechte hätten. Daher ist seine Diskriminierungsklage in diesem Fall obsolet, da ohne Rechtebasis. Im Übrigen geht es im Artikel 3 nicht um „Gleichstellung“, sondern um juristische Gleichbehandlung vor und durch die positiven Gesetze sowie um „Gleichberechtigung von Männern  und Frauen“.

Das Privileg von Artikel 6 gilt nur in der Verbindung „Ehe und Familie“. Das Grundgesetz geht davon aus, dass die Fertilität der (heterosexuellen) Ehe in der Regel in eine Familie mündet, die somit grundsätzlich ehebasiert ist. Die Bedeutung der Familie als Zielordnung der Ehe ergibt sich auch daraus, dass vier der fünf Absätze des Artikels 6 von  Elternschaft und Kindern handeln.

Homosexuelle Partnerschaften sind von Natur aus steril. Sie können von sich aus keine Familie werden. Genauso wenig wie es ein Recht auf Ehe gibt, besteht ein solches auf Kinder, auch nicht durch Adoptionen. Kinder dagegen haben ein Recht auf Vater und Mutter. Die natürliche, bipolare Elternschaft ist zugleich die beste Basis für die Kindererziehung. Gleichgeschlechtliche Paare können für ihre soziale Elternschaft nur die Genderideologie vorbringen, nach der die Geschlechter austauschbar wären – und damit auch die von Vater und Mutter. Diese substantiellen Defizite einer homosexuellen Elternschaft können auch mit empirischen Befragungsstudien nicht aus der Welt geschaffen werden.  

Hubert Hecker