Unseriöser Journalismus der Frankfurter Rundschau   Juli 2012

Der FR- Redakteur Karl- Heinz Karisch verteidigt in einem Leitartikel vom 6.7.12 den umstrittenen Blut-Gen-Test für pränatale Diagnostik, indem er zunächst alle Kritiker abschießt:

Er rüpelt gegen kritische Einwände zum Bluttest von MdB Hubert Hüppe und nennt ihn einen Glaubenskrieger, beschimpft eine ihm nicht passende Rechtsstudie als „Gefälligkeitsgutachten“ und droht mit „Absurditäten der Pränatal-Diagnostik“.

Ist das seriöser Journalismus?

Es geht bei dem neuen Verfahren darum, dass mit einem Bluttest von einer Schwangeren die Behinderung eines ungeborenen Kindes mit den Symptomen von Down-Syndrom leicht erkannt werden soll.

Schon jetzt werden 90 Prozent der Ungeborenen abgetrieben, bei denen mit aufwändigen Fruchtwasseruntersuchungen auf Down-Syndrom diagnostiziert wurde.

Mit dem neuen, leicht praktizierbaren  Verfahren kann die Pränataldiagnostik breiter und gezielter angewandt werden, so dass sie zu einer „Rasterfahndung nach Menschen mit Down-Syndrom“ (Hüppe) mutiert.

Der Test ist nach dem Gendiagnosegesetz sowie dem Gleichheitsgrundsatz nach Art. 3 GG illegal, da er nicht der Heilung eines Menschen dient, sondern der pränatalen  Selektion von Behinderten und anschließender Tötung eines Menschen – so Prof. Gärditz in einem Rechtsgutachten.

Karisch wendet ein, dass „vorsorgende Tests aus der modernen Medizin“ nicht wegzudenken sind. Aber auch dieser Vergleich ist unseriös:

Als wenn ein einfacher Gen-Test auf Darmkrebs – statt aufwändiger Darmspiegelung - mit dem Ziel einer rechtzeitigen Heilbehandlung vergleichbar wäre mit dem Selektions-Pränatal-Gentest zu dem einzigen Ziel, behinderte Kinder schon vor der Geburt auszusortieren!

Es gehört schon einige Chuzpe dazu, die selektive Abtreibung von behinderten Kindern als „Selbstbestimmungsrecht der Frauen“ oder als „legale Entscheidung der Eltern“ vorzuschwindeln.

Es kann doch nicht so schwer sein für einen des Lesens kundigen Zeitungsredakteur, den § 218a (2) StGB nachzuschlagen und auch zu verstehen, dass eine Abtreibung von einem behinderten Kind nur nach einer ärztlichen Indikation zu „schwerwiegender Beeinträchtigung des seelischen Gesundheitszustandes der Schwangeren“ als „nicht rechtswidrig“ angesehen wird.

Und schließlich beschwört der FR- Leitartikler „das düstere Erbe der Nazizeit“ – etwa gegen die Selektion von Behinderten, die die Nazis hunderttausendfach praktizierten? Nein, im Gegenteil!

Die Nazis hätten zwar massenhaft „geistig und körperlich behinderte Menschen vernichtet“ und deshalb sollte „Deutschland hier sensibler als die Nachbarländer agieren“ – also sensibler bei der Selektion von Behinderten?

Karisch scheint eine gesellschaftliche Selektionsrampe für Behinderte zu befürworten, wenn er säuberlich unterscheidet:

• Geborene „Behinderte und andere Schwache bedürfen des besonderen Schutzes unserer Gesellschaft“.

• Für die ungeborenen Behinderten dagegen kennt Karisch anscheinend keine Schranke zum grundgesetzlich garantierten Lebensschutz. Auch auf dem Hintergrund der düsteren Nazi-Praxis, bei der NS-Ärzte ab 1935 tausende von behinderten Ungeborenen  abschlachteten, könne nicht die Konsequenz gezogen werden, dass auch heute behinderte „Embryos nicht abgetrieben werden“ dürften.