Gender-Theorie und ‚Homo-Ehe’ – ein Amoklauf gegen die Natur des Menschen und die Schöpfungsordnung

Französische Bischöfe demonstrieren gegen die Aufwertung der Homo-Partnerschaft zur  „Homo-Ehe“. Der Papst spricht Klartext zur Gender-Verirrung. Wann machen die deutschen Bischöfen ähnlich klare Aussagen?  (27.01.2013)

 

Mit einem Sternmarsch haben am Sonntag, dem 13.1.2013, in Paris mehr als 650.000 Franzosen gegen ein geplantes Gesetz der sozialistischen Regierung zur Einführung einer „Ehe für alle“ demonstriert. Auch Kirchenvertreter mit Kardinal Philippe Barbarin von Lyon an der Spitze waren darunter. Der Protest richtet sich gegen die Aufwertung der Homo-Partnerschaften zu einer vollen „Homo-Ehe“.

In Frankreich besteht schon seit 1999 die Regelung eines zivilrechtlichen Partnerschaftsvertrags zwischen Homosexuellen mit allen steuerrechtlichen Angleichungen an die Ehe. Allerdings dürfen die Homopaare keine Kinder adoptieren und keine künstliche Befruchtung anwenden. Das wollen die Sozialisten nun ändern.

Ein Angriff auf die Natur von Ehe und Familie

Auslöser für die breiten Proteste war die weitere geplante Neuregelung, dass der Homo-Partnerschaftsvertrag nicht mehr wie bisher vor einem Amtsrichter oder Notar geschlossen wird, sondern als zivilreligiöser Heiratsakt vor dem Bürgermeister im Prunksaal des Rathaus vollzogen werden kann.

Mit dieser symbolträchtigen, aber bedeutungstiefen Aufwertung der Homopaarungen durch ihre Gleichstellung mit Ehegatten geht ein tiefgreifender rechtlicher und anthropologischer Paradigmenwechsel einher, was auch die Breite und Tiefe der Proteste erklärt:

Die sozialistische Regierung will die naturrechtlich basierte Ehe zwischen Mann und Frau zu einer Vertragskonvention zwischen zwei beliebigen Menschen abschleifen. Im gleichen Abwasch soll dann auch die naturgegebene Elternpolarität als Vater und Mutter abgeschafft und zu „Elternteil 1“ und „Elternteil 2“ umgemünzt werden.

Die  Gendertheorie will die naturbasierte Geschlechterpolarität abschaffen

Im Hintergrund dieser politischen Initiative steht die Gender-Theorie. Deren Grundlage hatte vor 60 Jahren Simone de Beauvoir formuliert mit der Wahnsinnsthese, die Menschen wären von Geburt an oder von Natur aus nicht männlichen oder weiblichen Geschlechts mit der entsprechenden Polarität und gegenseitigen Attraktivität, sondern das Geschlecht eines Menschen sei eine reine gesellschaftliche Zuschreibung und insofern ein frei wählbarer Verhaltenskomplex („gender“).

Die Stoßrichtung der Gendertheorie geht also im Allgemeinen  gegen die naturbasierte Geschlechterpolarität von Mann und Frau und im Speziellen gegen Schutz und Förderung von Ehe und Familie als Keimzelle der menschlichen Gesellschaft.

Die „Ehe für alle“ als ‚Trojanisches Pferd’ der Homolobby

Der Großrabbiner von Frankreich, Gilles Bernheim, hat diese aggressive Tendenz der Gendertheorie so kritisiert: Die Forderung nach Gleichbehandlung aller sexuellen Orientierungen sei das ‚Trojanische Pferd’ im Kampf gegen die Heterosexualität. Mit der „Ehe für alle“ würde ein Fundament unserer Gesellschaft zerstört werden.

Die Frankfurter Allgemeine brachte das Kampfprogramm der Sozialisten als Wasserträger der französischen Homolobby auf den Punkt:
Die Einführung der „Ehe für alle“ sei der politische Versuch, die letzten Schutzrechte und Förderungsregeln „der bürgerlichen, von einer Frau und einem Mann geschlossenen Ehe abzuschaffen“.

Kardinal Philippe Barbarin von Lyon geißelte das sozialistische Vorhaben als fundamentalen Bruch mit der Institution Ehe. Wenn die Exklusivität der Ehe von Mann und Frau aufgelöst würden, stehe auch dem Verbot von Polygamie und Inzest nichts mehr im Wege – so die Warnung des Kirchenvertreters.

Die Übertragung von Form und Privilegien der Ehe auf sterile Homo-Partnerschaften bedeutet eine fundamentale Aushöhlung der natürlichen Basis der Gesellschaft. Sie ist ein Angriff auf die Institution von Ehe und Familie, die auf Naturrecht und Schöpfungsordnung gegründet ist und damit dem Wesen des Menschen entspricht.

Der Papst wehrt die Angriffe auf Ehe und Familie ab

In seiner Ansprache von Papst Benedikt XVI. beim Weihnachtsempfang für das Kardinalskollegium, die Mitglieder der Römischen Kurie und der Päpstlichen Familie am 21. Dezember 2012 ging Papst Benedikt XVI. auf dieses Thema ein:

„Der Großrabbiner von Frankreich, Gilles Bernheim, hat in einem sorgfältig dokumentierten und tief bewegenden Traktat gezeigt, dass der Angriff auf die wahre Gestalt der Familie aus Vater, Mutter, Kind, dem wir uns heute ausgesetzt sehen, noch eine Dimension tiefer reicht. Hatten wir bisher ein Missverständnis des Wesens menschlicher Freiheit als einen Grund für die Krise der Familie gesehen, so zeigt sich nun, dass dabei die Vision des Seins selbst, dessen, was Menschsein in Wirklichkeit bedeutet, im Spiele ist. Er zitiert das berühmt gewordene Wort von Simone de Beauvoir: „Man wird nicht als Frau geboren, sondern man wird dazu“.

In diesen Worten ist die Grundlegung dessen gegeben, was man heute unter dem Stichwort „gender“ als neue Philosophie der Geschlechtlichkeit darstellt. Das Geschlecht ist nach dieser Philosophie nicht mehr eine Vorgabe der Natur, die der Mensch annehmen und persönlich mit Sinn erfüllen muss, sondern es ist eine soziale Rolle, über die man selbst entscheidet, während bisher die Gesellschaft darüber entschieden habe.“

Die Gender-Theorie leugnet die Natur des Menschen

„Die tiefe Unwahrheit dieser Theorie und der in ihr liegenden anthropologischen Revolution ist offenkundig. Der Mensch bestreitet, dass er eine von seiner Leibhaftigkeit vorgegebene Natur hat, die für das Wesen Mensch kennzeichnend ist. Er leugnet seine Natur und entscheidet, dass sie ihm nicht vorgegeben ist, sondern dass er selber sie macht. Nach dem biblischen Schöpfungsbericht gehört es zum Wesen des Geschöpfes Mensch, dass er von Gott als Mann und als Frau geschaffen ist. Diese Dualität ist wesentlich für das Menschsein, wie Gott es ihm gegeben hat. Gerade diese Dualität als Vorgegebenheit wird bestritten. Es gilt nicht mehr, was im Schöpfungsbericht steht: „Als Mann und Frau schuf ER sie“ (Gen 1, 27). Nein, nun gilt, nicht ER schuf sie als Mann und Frau; die Gesellschaft hat es bisher getan, und nun entscheiden wir selbst darüber. Mann und Frau als Schöpfungswirklichkeiten, als Natur des Menschen gibt es nicht mehr.“

Als Mann und Frau schuf Gott den Menschen – Ehe und Familie entsprechen dem menschlichen Wesen

„Der Mensch bestreitet seine Natur. Er ist nur noch Geist und Wille. Die Manipulation der Natur, die wir heute für unsere Umwelt beklagen, wird hier zum Grundentscheid des Menschen im Umgang mit sich selber. Es gibt nur noch den abstrakten Menschen, der sich dann so etwas wie seine Natur selber wählt. Mann und Frau sind in ihrem Schöpfungsanspruch als einander ergänzende Gestalten des Menschseins bestritten. Wenn es aber die von der Schöpfung kommende Dualität von Mann und Frau nicht gibt, dann gibt es auch Familie als von der Schöpfung vorgegebene Wirklichkeit nicht mehr. Dann hat aber auch das Kind seinen bisherigen Ort und seine ihm eigene Würde verloren. Bernheim zeigt, dass es nun notwendig aus einem eigenen Rechtssubjekt zu einem Objekt wird, auf das man ein Recht hat und das man sich als sein Recht beschaffen kann. Wo die Freiheit des Machens zur Freiheit des Sich-selbst-Machens wird, wird notwendigerweise der Schöpfer selbst geleugnet und damit am Ende auch der Mensch als göttliche Schöpfung, als Ebenbild Gottes im Eigentlichen seines Seins entwürdigt. Im Kampf um die Familie geht es um den Menschen selbst. Und es wird sichtbar, dass dort, wo Gott geleugnet wird, auch die Würde des Menschen sich auflöst. Wer Gott verteidigt, verteidigt den Menschen.“

Die Gedanken in einem Leserbrief der ‚Tagespost’
vom 26. 1. 2013 gehen in ähnliche Richtung wie der obige Beitrag:

Unter der Überschrift: „Bischöfe würdigen deutsch-französische Freundschaft. Frankreichs Katholiken gehen auf die Straße“ schreibt die Leserin Sigrid Sels:
Die Bischöfe würdigten das 50jährige Bestehen des Elysee-Vertrags, „der von zwei katholischen Staatsmännern unterzeichnet und eine Politik der Verantwortung und Solidarität sowie unter anderem eine gemeinsamen Kultur- und Jugendpolitik einführen wollte.

Wenn der Geist der Unterzeichner noch heute lebendig in beiden Ländern wäre, „würden heute wenigstens die Katholiken beider Länder, angeführt von ihren Bischöfen, gegen die Zerstörung der christlichen Kultur des Abendlandes  - insbesondere der Familie als deren Grundlage – durch die Ideologie des Genderismus in die Öffentlichkeit gehen.“

In Frankreich ist dies in den letzten zwei Wochen in eindrucksvoller Weise geschehen, wo bis zu einer Million Katholiken öffentlich protestierten gegen die Einführung der Homo-‚Ehe’“, die Präsident Hollande staatlich legalisieren will.

Bei uns dagegen gibt es nichts Vergleichbares, „stattdessen seit Jahren ‚verständnisvolle’ Äußerungen führender hauptamtlicher Kirchenvertreter (wie zuletzt Kardinal Wölki aus Berlin), die es sogar ermöglichten, dass Homosexuelle bereits auf dem Kirchentag in München für ihre Haltung im offiziellen Programm Reklame machen durften. Ist das ‚Verantwortung und Solidarität’ der Veranstalter für die Zukunft eines christlichen Europas?“

Weiter meint die Leserin, dass nicht die in der bischöflichen Verlautbarung beklagten „Turbulenzen“ auf dem Gebiet des Euro das „unverantwortliche Verhalten auf verschiedenen Ebenen“ hervorgerufen hätten, „sondern der moralisch Niedergang mit all seinen auf persönlichen Vorteil allein bedachten Aktivitäten, vor allem auf dem Gebiet der Gender-Ideologie – mit ihrer familienzerstörenden Wirkung – sind das bedrohlichste Übel unserer Tage.“