Angst vor Islamisierung                                     (27.12.2014)

 

Der Arbeitskreis von Katholiken veröffentlicht einen Brief des Juristen und ehemaligen Stadtverordnetenvorstehers der Stadt Frankfurt am Main an den Intendanten des Hessischen Rundfunks anlässlich eines Beitrags in der Hessenschau am 25.12.2014, 19.30 – 20.00 Uhr

 

Sehr geehrter Herr Intendant!

In diesen Wochen rätselt die deutsche Öffentlichkeit – Politik ebenso wie Medien – was die Menschen, vor allem in Dresden, zu den Kundgebungen von „PEGIDA“ treibe. Unterschiedliche gesellschaftliche Ursachen werden vermutet, politischer Extremismus wird unterstellt. Leider nähert man sich in den tonangebenden Debatten kaum der Frage, ob es da nicht doch „patriotische Europäer“ gebe, die sich gegen die „Islamisierung des Abendlandes“ wenden, jedenfalls vor einer solchen Islamisierung als heraufdämmernder Gefahr Angst verspüren.

Der Hessische Rundfunk hat in der „Hessenschau“ ausgerechnet am Ersten Weihnachtsfeiertag solche Ängste kräftig befeuert. Da trat am Ende der Sendung ein Muslim auf – in Deutschland integriert, als Zuwanderer mit einer zum Islam konvertierten eingesessen-deutschen Ehefrau – um zu wünschen: „Möge Allah seine Hand über Jesus halten“. Ich möchte dem Muslim selbst gar keine Vorhaltungen machen. Aber die Arrangeure dieses Auftrittes haben zumindest hirnlos gehandelt. Weihnachten ist, auch in der gegenwärtig vorherrschend säkularisierten Form begangen, ein genuin christliches Fest. Es hat seinen Gehalt  nicht nur darin, dass ein Menschenkind geboren worden ist, sondern dass Gott Mensch geworden ist in diesem unter prekären Umständen zur Welt gekommenen Kind. Und jener dreipersönliche Gott, dessen zweite Person Mensch geworden ist, ist ein ganz anderer Gott als der in heiligen Fernen unerreichbar thronende Willkürgott Allah. Der Allah des Korans ist ein Mischwesen mit vorislamisch-naturreligiösen, jüdischen und häretisch-christlichen Anteilen. Und dieses Mischwesen soll ein Menschenkind schützen, „seine Hand über ihm halten“, in dem auch die Zweite Person der Dreifaltigkeit gegenwärtig ist?  Die Menschen werden diese theologischen Zusammenhänge nicht immer begreifen oder auch nur kennen, sie spüren aber, dass es da etwas ganz anderes mit „Allah“ hat als mit der Gottesvorstellung, die sie vielleicht nur noch in Erinnerung an eine Großmutter mit sich tragen. Und so lau sie im  religiösen Sinn sie geworden sein mögen, kulturell empfinden sie diese Gottesvorstellung als Höchstwert. Und so möchten sie an Weihnachten eben Glocken klingeln hören und keine Muezzinrufe, in die Kirche zur stimmungsvollen Mette gehen und nicht in die Moschee, und sie wollen Weihnachtslieder singen, wie ihnen das die PEGIDA -Organisatoren aus welchen Gründen auch immer angeboten haben. Und all das hat der Hessische Rundfunk an Weihnachten mit seiner prominentesten Eigenproduktion gestärkt, und Menschen damit verstört. Törichter geht´s nimmer, wenn man PEGIDA das Wasser abgraben möchte. Aber vielleicht, so füge ich gar nicht blauäugig an, war das Ganze ja gar keine Ausgeburt von Torheit. In manchen intellektuellen Kreisen ist der Hass auf das Christentum und sein kulturelles Erbe so groß, dass man den Islam als Mittel zum Zweck gebraucht: Unter der Maske der Toleranz ihm gegenüber praktiziert man Intoleranz gegen jenes verhasste Christentum. Ich kann diesen Gedanken nur unter dem Vorbehalt des „vielleicht“ äußern. Leider kann ich auf Grund meiner Erfahrungen diesen Gedanken auch nicht unterdrücken, weil er sich von vorneherein als haltlose Unterstellung erwiese.

Bernhard Mihm