Wieviel Gewalt steckt in Koran und Islam?   (27.09.2014)

Die Gräueltaten  von muslimischen Kriegern im Nordirak, in Nigeria und Somalia drängen immer stärker die  Frage in den Vordergrund: Wie gewalthaltig ist der Islam? Von Hubert Hecker.

Die Nachrichten von Enthauptungen und Kreuzigungen, Plünderungen und Vertreibungen gegen Christen und Jesiden im Nordirak haben die Islam-Experten der Kirche verunsichert. Kardinal Jean-Lois Tauran, der Präsident des Päpstlichen Rates für den interreligiösen Dialog, zeigte sich überrascht von dem Terror der Muslime. Er hätte gedacht, dass es solche religiös begründeten Massaker und Zerstörung von Kulturorten nicht mehr geben würde. Dabei hätten ihn die Terror-Milizen von Boko Haran in Nigeria und die muslimischen Kampf-Kommandos al-Shebaab in Somalia schon seit Jahren eines Besseren belehren können.

Schönreden ‚des Islam’ in allen interreligiösen Dialog-Gremien

In den letzten Jahren haben kirchliche Dialog-Gremien auf allen Ebenen den Islam und seine Glaubensrichtungen schöngeredet – und nun werden sie abrupt aus ihren interreligiösen Träumen gerissen. Schnell wird die Behauptung nachgeschoben, dass die Muslime des „Islamischen Staats“ (IS) nicht den wahren oder authentischen Islam praktizieren würden. „Ich weiß“ – so Kardinal Reinhard Marx, „der Islam ist nicht das, was IS ist.“ Bisher hieß es regelmäßig, ‚den Islam’ gibt es nicht. Und nun maßt sich das kirchliche Lehramt an, sogar ‚den wahren Islam’ zu kennen.

Da es bei den Muslimen kein einheitsstiftendes Lehramt gibt, kann sich jede Glaubensrichtung mit Berufung auf Koranstellen als der ‚wahre Islam’ ausgeben und die anderen Denominationen als Abtrünnige verfluchen oder als Häretiker bekämpfen. Diese Spaltungen und inner-islamische Kämpfe sind an sich nichts Neues, da sie sich durch die Geschichte der muslimischen Länder ziehen. Nur interreligiöse Illusionisten sind davon überrascht, wenn die Terroristen des „Islamischen Staates“ (IS) sich als Anhänger des wahren Islam bekennen. Das gleiche behaupten übrigens die Schiiten von sich – und bekämpfen die sunnitischen IS-Muslime als „Ungläubige“.

Aber auch durch die Kenntnisse von islamischer Lehre und Geschichte lassen sich die kirchlichen Oberen nicht auf den Boden der Realität bringen. Der vatikanische Dialog-Präsident und wenig später Kardinal Marx forderten die Führer der Sunniten und Schiiten zu einer öffentlichen Erklärung auf, dass „der Islam“ niemals Gewalt, Mord oder Unterdrückung im Namen Gottes rechtfertigen oder zulassen würde.

In ähnlicher Weise drückte es kürzlich der Vatikan-Vertreter bei den Vereinten Nationen in Genf, Erzbischof Silvano Tomasi, aus – in diesem Fall allgemein formuliert an die Führer der unterschiedlichen Religionen: Sie trügen „eine besondere Verantwortung, klarzustellen, dass keine Religion diese moralisch verwerflichen, grausamen und barbarischen Verbrechen rechtfertigen kann“.

Es ist natürlich richtig zu fordern, dass die von IS-Muslimen begangenen „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ (UN-Menschenrechtskommissariat) weltweit von allen politischen und zivilgesellschaftlichen Instanzen geächtet werden – auch von den Religionsführern. Aber wieso verbindet der Vatikan die Verurteilung der muslimischen Gewalt-Exzesse mit einer Ehrenrettung aller Religionen, die allesamt niemals Gewalttätigkeit rechtfertigen würden? Ist es nicht eine Anmaßung der Kirchen-Vertreter, insbesondere die Islam-Religion von allen Aufrufen zu Gewalt, Mord und Unterdrückung reinwaschen zu wollen? Aus einer Melange an Unkenntnis und geschöntem Islam versteigt sich Kardinal Koch, Präsident des Päpstlichen Einheitsrates, zu der Behauptung, dass der ‚Islamische Staat’ (IS) in seinen „ideologischen Grundlagen nichts mit der islamischen Religion zu tun“ habe.

Doch die Analyse der koranischen Urschrift des Islam sowie die kriegerischen Aufrufe Mohammeds zeigen eine andere Wirklichkeit: eine blutige Spur von Gewalt und Krieg, Eroberung und Unterdrückung im Namen Allahs.

Papst Benedikt XVI. hatte schon 2006 vor den islamischen Gewalttendenzen gewarnt

Es lohnt sich, bei der Frage nach Islam und Gewalt die Regensburger Rede von Papst Benedikt (2006) sowie die Reaktionen der islamischen Welt darauf noch einmal zu studieren. Damals hatte der inzwischen emeritierte Papst die Kritik eines byzantinischen Kaisers an den Gewaltaufrufen von Koran und Muslimen zitiert. Dagegen hatte Benedikt die christliche Vernunft-Philosophie gestellt - mit dem Resümee: „Mit Gewalt den Glauben zu verbreiten, steht im Widerspruch zum Logos, dem Wesen Gottes. Daher ist nicht vernunftmäßig zu handeln dem Wesen Gottes zuwider.“

Auf diese Passage der Papstrede hatten die linken Leitmedien im Einklang mit muslimischen Sprechern empört reagiert. Als besonders anstößig wurde kritisiert, dass Benedikt es gewagt hatte, die offensichtlichen Gewalttendenzen des Islam so deutlich zur Sprache zu bringen. Darüber hinaus hatte der Papst angedeutet, dass die Gewaltexzesse von Muslimen durch die islamische Gottesvorstellung befördert würden: Da Allah als absolut transzendent gedacht wird, „ist sein Wille an keine unserer Kategorien gebunden – und sei es die der Vernünftigkeit“ – so der Papst. Allah könnte von Menschen jede beliebige Tat fordern – also auch Gewalttätigkeiten. Dagegen stehe die biblisch-christliche Theologie, nach der Gott als ‚Logos’ die Welt erschafft und lenkt, also nicht gegen die Vernunft handelt.  

Nachdem sich die erste Empörung über die Papstrede gelegt hatte, schrieben 38 – und ein Jahr später 138 – Moslem-Führer einen Rechtfertigungsbrief an den Papst. Darin behaupteten sie, dass der Islam niemals befürworten würde, was sie mit „unvernünftiger Gewalt“ umschrieben. Mit dieser Wort-Wendung war allerdings die Argumentation des Papstes schon unterlaufen.

Moslemführer reden die kriegerische Gewalt-Sure 9 schön

Noch aufschlussreicher waren die weiteren Begründungen der Moslem-Führer, gestützt auf den Koran: „Aus der Furcht Gottes heraus sollen alle Handlungen, alle Kraft und alle Gewalt der Muslime völlig auf Gott gerichtet sein.“ Als Beispiel für die menschliche Kraft und Gewalt auf Allah hin wird ein Zitat aus der Sure 9,36-39 angeführt: Wer ausziehe auf Allahs Weg, werde belohnt mit dem paradiesischen Jenseits. Die Moslem-Führer interpretieren den „Auszug auf Allahs Weg“ als gläubiges Vertrauen und Liebe zu Gott. Was sie den Lesern verschweigen ist die Kriegs-Bedeutung des „Auszugs“ im Koran-Kontext, wie es etwa in Sure 9,41 heißt: „Ziehet aus, leicht und schwer bewaffnet, und eifert mit Gut und Blut in Allahs Weg“.

In der Koran-Sure 9 ist mit dem „Auszug auf Allahs Weg“ eben nicht ein friedlicher Glaubensweg gemeint, sondern eindeutig der  Kriegszug Mohammeds im Jahre 630 gegen die nordarabische Christenstadt Tabuk im Bereich des byzantinischen Reiches: „Oh ihr Gläubigen, kämpft wider die Ungläubigen an euren Grenzen und lasst sie die Härte in euch verspüren.“ – Sure 9,123.

Mohammeds Angriffskrieg gegen christliche Städte und Regionen - das islamische Kriegsmuster für alle weiteren muslimischen Krieger bis zu den heutigen IS-Terroristen

Die Städte und Stämme um Tabuk hatten weder einen Angriff auf arabische Positionen gezeigt noch aggressive Signale gesetzt. Ihr einziges ‚Vergehen’ war, Nicht-Muslime – „Ungläubige“ – zu sein und an der „Grenze“ zu Arabien zu leben, also in Reichweite von Mohammeds Heer.

Genau in dieser Konstellation finden sich die Christen im Nord-Irak wieder: die ISIS-Muslime fühlen sich durch Mohammed und Koran ins Recht gesetzt, einen Angriffskrieg gegen die Christen als Ungläubige zu führen, sie zu vertreiben oder zu unterwerfen, weil sie in Reichweite ihres Heeres leben.

Für den Auszug zum Krieg auf Allahs Weg brauchte Mohammed wohlgerüstete Krieger und einen großen Troß: „So rüstet wider sie, was ihr vermögt an Kräften und Rossehaufen, damit in Schrecken zu setzten Allahs Feind und euern Feind. Und was ihr auch spendet in Allahs Weg, er wird es euch wiedergeben“ (Sure 9,60). Die Kehrseite dazu in Vers 39: „Wenn ihr nicht auszieht, wird Allah euch strafen mit schmerzlicher Strafe.“

Mohammed hielt sein Kriegsheer mit Strafdrohungen und Belohnungsversprechen zusammen: „Eins der beiden schönsten Dinge wird uns treffen: Sieg oder Märtyrertod“ – Sieg und irdische Beute oder Kampftod und Paradiesbelohnung  (Sure 9,52). Auch die islamischen ISIS-Dschihadisten locken mit irdischen Wohltaten für den Krieg: Sie zahlen aus den Einnahmen der erbeuteten Ölquellen den höchsten Sold aller Nahost-Kampfgruppen.

Mohammeds Kriegszug nach Norden war beschwerlich in der Sommerhitze und deshalb begnügte er sich damit, kleinere christliche Städte und Stämme im Umkreis von Tabuk zu bekämpfen, bis sie sich bekehrten oder als Vasallen unterwarfen und Kopfsteuer-Tribut bezahlten.

Dieses Muster – Krieg, Unterwerfung, Sondersteuer – sollte für die Nachfolger Mohammeds wegweisend sein bei der Eroberung von christlichen Ländern in Syrien, ganz Nordafrika bis hin nach Spanien.

Aufruf zur Erschlagung der Polytheisten

Im Zusammenhang mit diesem Kriegszug gegen die Christen gibt Mohammed auch Anweisungen, wie die Allah-Gläubigen mit den „Polytheisten“ verfahren sollten. Er gab den Heiden und „Götzendienern“ unmittelbar nach dem Tabuk-Kriegszug noch eine Frist von vier Monaten, nach denen er ihnen den totalen Krieg erklärte: „Sind aber die heiligen Monate verflossen, so erschlagt die Götzendiener, wo ihr sie findet und packt sie und belagert sie und lauert ihnen in jedem Hinterhalt auf. So sie jedoch bereuen und das Gebet verrichten und die Armensteuer zahlen, so lasst sie ihres Weges ziehen.“ – Sure 9, Vers 5.

Während Mohammed den unterworfenen und tributzahlenden Christen das nackte Leben gnädig beließ, zeigte er sich gnadenlos gegen alle „Polytheisten“. Der Koran-Vers 5 in Sure 9 ist ein Aufruf an Mohammeds Gefolgsleute, die Heiden im Namen Allahs zu ermorden. Sie konnten nur ihr Leben retten, wenn sie sich zum Islam bekannten. Das aber muss als eine Bekehrung unter erpresserischen Bedingungen gewertet werden, wenn die Wahl-Alternative der eigene gewaltsame Tod ist. Somit entwertet diese Koran-Stelle einen anderes Mohammed-Zitat, dass in Religionsdingen keine Gewalt anzuwenden sei.   

Die Jesiden im heutigen Nord-Irak gelten bei den Sunniten als Polytheisten, gar als Teufelsanbeter, weil sie unter anderem einen Engel verehren, den Muslime als ‚Iblis ’ - Teufel – deuten. Auf diesem Hintergrund ist es nur allzu verständlich, dass die Jesiden um ihr Leben rennen und Hals über Kopf ins Gebirge flüchten, wenn die IS-Terroristen ihre Städte und Dörfer angreifen.

Ein Resümee:

▪ Die IS-Muslime können sich bei ihren kriegerischen Gewaltakten gegen Christen und Heiden  auf zahlreiche Anweisungen Mohammeds im Koran stützen. Ihre „ideologischen Grundlagen“ sind die gewalthaltigen Suren im Koran.

▪ Die vielfachen Versprechungen Mohammeds an seine Krieger über irdisches Beutemachen und himmlische Paradies-Belohnungen sowie „schmerzliche Strafen“ bei Kriegsdienstverweigerung wirken bis heute als Gewaltverführung für junge Leute und kriegerischer Brandbeschleuniger bei Konflikten.

▪ Mit dem historischen Kriegszug von 630 gegen die Christenstadt Tabuk hat Mohammed  für Geschichte und Gegenwart ein Muster vorgegeben, wie Muslime ihre Herrschaft durch Krieg und Unterwerfung, Bekehrung oder Tributzahlung ausweiten können bzw. sollten.

  Mohammeds Aufruf an seine Anhänger, die Heiden ‚im Hinterhalt aufzulauern oder sie zu erschlagen, wo sie angetroffen werden’ (vgl. Sure 9,5) schlägt allen Menschenrechts-Beteuerungen von Islam-Vertretern ins Gesicht.

  Es gibt einige friedlich-versöhnliche Stellen im Koran, aber mehr noch aggressiv-kriegerische Aufrufe zu Gewalt und Krieg, erpresserische Bekehrung oder Unterdrückung von Andersgläubigen im Namen Allahs. Von daher sind alle Versuche, den Islam als allein friedlich hinzustellen, unglaubwürdig.  

▪ Bei Aufrufen, Kommentaren oder Gesprächen mit Moslem-Führern sollten diese Tatsachen nicht selbstbetrügerisch schöngefärbt werden, sondern die Muslime mit der bis heute virulenten Gewalt-Geschichte im Koran und Früh-Islam konfrontiert werden.

▪ Auch die Deutung von islamischen Theologen in Deutschland, nach der sich die Gewalt-Exzesse der IS-Muslime allein aus „desolaten soziopolitischen Umständen“ erklären ließen, sollte als Ablenkungs-Argumentation zurückgewiesen werden.

Die Aufgabe:

Um den Terror der IS-Muslime zu bekämpfen, werden Waffenlieferungen an die Kurden nicht ausreichen. Ebenso wird die wohlfeile Verurteilung von islamischem Dschihad und archaischem Scharia-Staat den Strom von gewaltverführten Jugendlichen zu den schwarzen IS-Fahnen nicht aufhalten. Auch der dogmatische Streit um den „wahren Islam“ dürfte den IS-Muslimen wenig schaden -  im Gegenteil: Die IS-Milizen betonen stets ihre Nähe zu Mohammeds ursprünglichem Kampf-Islam. Diese Propagandalinie nutzen auch die Salafisten-Prediger in Deutschland, um Jugendliche für den Dschihad zu radikalisieren.

Der Islam-Wissenschaftler Carsten Polanz stellt fest:
“Die (muslimischen) Extremisten nutzen  koranische Aufforderungen zum Kampf gegen die ‚Ungläubigen’ sowie abwertende Aussagen (des Korans) über Juden, Christen und Heiden, um einen permanenten Kriegszustand zu propagieren. Gewalt ist in diesem Denken als Mittel gegen angeblich islamfeindliche Mächte legitim. Der persönliche Kampfeinsatz wird als der einzig sichere Weg zum Paradies geschildert. “

Um der „Radikalisierung den Nährboden zu entziehen“, führt kein Weg daran vorbei, sich mit den Gewaltaufrufen der islamischen Grundlagenschriften auseinanderzusetzen und sie als Verstoß gegen die universale Ethik von Menschenrechten und Religionsfreiheit zu verurteilen.