Arbeitskreis von Katholiken im Raum Frankfurt / Main

                                                                                              Frankfurt / Main, im Mai 2009

 

Zusammenfassung zu der Presseerklärung: „Für die ungeteilte Annahme des II. Vatikanischen Konzils innerhalb der katholischen Kirche Deutschlands“

Die Priesterbruderschaft Pius X. kritisiert Teile des II. Vatikanischen Konzils. Das hat nach der Exkommunikationsaufhebung durch Papst Benedikt XVI. in der kirchlichen Öffentlichkeit Empörung ausgelöst.
Deutsche Bischöfe und die Bischofskonferenz, Theologieprofessoren und Religionslehrer sowie eine Vielzahl von Laiengremien haben diesen offenen Verstoß gegen den Geist des letzten Konzils als kirchlichen Skandal gebrandmarkt. Sie fordern kategorisch von der Piusbruderschaft die uneingeschränkte Anerkennung der Beschlüsse des II. Vatikanischen Konzils.

Hinter dieser Empörung und Forderung bezüglich der Konzilsbeschlüsse verbirgt sich ein anderer Skandal. Die lautstarken Meinungsführer des deutschen Katholizismus vertreten nicht ansatzweise, was sie von der Piusbruderschaft fordern: die vollständige Zustimmung zu den Konzilsbeschlüssen.
Sie verhalten sich wie der untreue Sohn des biblischen Weinbergbesitzers: Sie sagen ja, heucheln Gehorsam zum (Hl.) Vater und machen hinterrücks etwas völlig anderes – die Umdeutung und Verdrehung der Konzilsbeschlüsse ins Gegenteil.

Die Konzilsväter bekräftigen die lehramtliche Aussage, dass Jesus Christus der „alleinige Mittler“ zwischen Gott und Menschen ist. In ihm ist die ganze Offenbarung präsent. Allein durch die Taufe und als Glied der  Kirche können die Menschen zur Fülle des Heils kommen.

Die meisten deutschen Theologen und Kirchenleute dagegen relativieren den Wahrheits-anspruch Christi und der Kirche, halten die religiösen Wege der Juden, Moslems und anderer Religionen für gleichwertig heilbedeutsam und lehnen deshalb christliche Mission ab.

Das Konzil bestätigt im Ökumenismus-Dekret die Lehrtradition, dass allein durch  die katholische Kirche Christi Erlösungswerk fortgeführt und vollendet wird. Die Kirche als mystischer Leib Christi ist in dem „apostolischen Bischofskollegium mit dem Papst an der Spitze“ repräsentiert.
Somit sind die christlich-reformatorischen Gemeinschaften wegen des fehlenden Weihesakraments und der ungültigen Eucharistiefeier nicht Kirchen im eigentlichen Sinne.

In deutsch-kirchlichen Kreisen bis hin auf Bischofsebene wird dagegen das relativistische Konzept der versöhnten Verschiedenheit vermittelt, nach dem die gleichwertigen christlichen Konfessionen als legitime Vielfalt der einen geistlichen oder zukünftigen Kirche Christi anzusehen seien.

Die Konzilsbischöfe lehren in Übereinstimmung mit der Tradition, dass sich die Gewissensbildung  allein an der Wahrheit Christi orientiert, vermittelt durch die authentische kirchliche Lehre, die mit den sittlichen Prinzipien des Naturrechts übereinstimmt.
Als unumstößliche sittliche Wahrheit bekräftigen die Konzilsväter die Unauflöslichkeit der Ehe ebenso wie das unantastbare Lebensrecht der ungeborenen Kinder. Abtreibung wird als „abscheuliches Verbrechen“ gekennzeichnet und die Mithilfe dazui ebenfalls verurteilt.

An theologischen Hochschulen und im katholischen Religionsunterricht werden dagegen beliebig-individuelle Entscheidungen des „schöpferischen Gewissens“ als letztgültig angesehen, so etwa bei Scheidung und Wiederverheiratung oder bei dem Letztent-scheidungsrecht einer Schwangeren über Leben und Tod ihres ungeborenen Kindes.

Anlage: vollständige Presseerklärung: „Für die ungeteilte Annahme des II. Vatikanischen Konzils innerhalb der katholischen Kirche Deutschlands“


Arbeitskreis von Katholiken im Raum Frankfurt

                                                                                              Frankfurt/Main, im Mai 2009

Erklärung:

„Für die ungeteilte Annahme des II. Vatikanischen Konzils innerhalb der katholischen Kirche Deutschlands“

 

Im Zusammenhang mit der Diskussion um die Aufhebung der Exkommunikation von vier Bischöfen der Priesterbruderschaft St. Pius X. durch Papst Benedikt XVI. haben die deutschen Bischöfe wiederholt auf die besondere Bedeutung der Dokumente des II. Vatikanischen Konzils hingewiesen, deren uneingeschränkte Anerkennung durch die Priesterbruderschaft gefordert wird.
Die Kritik der deutschen Bischöfe am Verhalten der Priesterbruderschaft darf indes nicht in Vergessenheit geraten lassen, dass es hinsichtlich der ungeteilten Annahme des II. Vatikanischen Konzils auch innerhalb der katholischen Kirche Deutschlands, d. h. im unmittelbaren Verantwortungsbereich der deutschen Bischöfe, erhebliche Defizite gibt.

Innerhalb der katholischen Kirche Deutschlands gibt es Strömungen und Aktivitäten, die darauf abzielen, den Wahrheitsanspruch der christlichen Offenbarung zu relativieren, den religiösen Pluralismus prinzipiell zu rechtfertigen und demzufolge die Missionstätigkeit der Kirche im Sinne der Glaubensverbreitung einzustellen. Auch die immer wieder vorgebrachte Behauptung, es gebe für das jüdische Volk einen eigenen, vom Glauben an Jesus Christus unabhängigen Heilsweg, bedeutet eine Relativierung der Einzigkeit und Heilsuniversalität Jesu Christi.
Die Väter des II. Vatikanischen Konzils bezeugen demgegenüber, dass Jesus Christus der „einzige Mittler“ (unicus/unus Mediator) zwischen Gott und den Menschen (Dogmatische Konstitution über die Kirche „Lumen gentium“, Art. 8, 14, 28, 49, 60, 62) sowie „die Fülle der ganzen Offenbarung“ (Dogmatische Konstitution über die göttliche Offenbarung „Dei Verbum“, Art. 2) ist. Da in keinem anderen das Heil ist, müssen „sich alle zu ihm, der durch die Verkündigung der Kirche erkannt wird, bekehren sowie ihm und seinem Leib, der Kirche, durch die Taufe eingegliedert werden“ (Dekret über die Missionstätigkeit der Kirche „Ad gentes“, Art. 7).

Innerhalb der katholischen Kirche Deutschlands gibt es Strömungen und Aktivitäten, die darauf abzielen, die verschiedenen christlichen Konfessionen als gleichwertig und die Unterschiede zwischen den Konfessionen als legitime Vielfalt der einen Kirche Christi, verstanden als Summe der einzelnen Konfessionen, anzusehen. Auch die immer wieder erhobene Forderung, die aus der Reformation des 16. Jahrhunderts hervorgegangenen kirchlichen Gemeinschaften als „Kirchen im eigentlichen Sinn“ anzuerkennen, ist Folge dieses relativistischen Konzepts der „Einheit in versöhnter Verschiedenheit“.
Die Väter des II. Vatikanischen Konzils bezeugen demgegenüber, „nur durch die katholische Kirche Christi, die das allgemeine Hilfsmittel des Heiles ist“, sei ein „Zutritt zu der ganzen Fülle der Heilsmittel“ möglich (Dekret über den Ökumenismus „Unitatis redintegratio“, Art. 3). „Denn einzig dem Apostelkollegium, an dessen Spitze Petrus steht, hat der Herr, so glauben wir, alle Güter des Neuen Bundes anvertraut, um den einen Leib Christi auf Erden zu konstituieren, welchem alle völlig eingegliedert werden müssen, die schon auf irgendeine Weise zum Volke Gottes gehören“ (Ebda.). Im Blick auf die kirchlichen Gemeinschaften bezeugen die Konzilsväter, diese hätten „vor allem wegen des Fehlens des Weihesakramentes die ursprüngliche und vollständige Wirklichkeit (substantia) des eucharistischen Mysteriums nicht bewahrt“ (Ebda., Art. 22).

Innerhalb der katholischen Kirche Deutschlands gibt es Strömungen und Aktivitäten, die darauf abzielen, das Gewissen in eine von der objektiven Norm unabhängige „schöpferische“ Instanz, die als ihre eigene Norm fungiert und nicht hinterfragbar ihr eignes Gesetz erlässt, umzudeuten. Diese ausgesprochen subtile Form des ethischen Relativismus begegnet beispielsweise dort, wo die Entscheidung über den Kommunionempfang von wiederverheirateten Geschiedenen und damit de facto auch über die Rechtmäßigkeit der (zivilen) Wiederheirat dem Gewissen der Betroffenen überlassen wird. Der ethische Relativismus zeigt sich auch dort, wo die Geburtenregelung dem Urteil der Ehegatten anheimgestellt wird. Nicht zuletzt tritt er auch dort zutage, wo der Frau im Rahmen der nachweispflichtigen Schwangerschaftskonfliktberatung, wie sie „Donum Vitae“ durchführt, das Letztentscheidungsrecht über Leben und Tod ihres ungebornen Kindes eingeräumt wird.
Die Väter der II. Vatikanischen Konzils bezeugen demgegenüber, dass die Christgläubigen „bei ihrer Gewissensbildung (…) die heilige und sichere Lehre der Kirche sorgfältig vor Augen haben“ müssen (Erklärung über die Religionsfreiheit „Dignitatis humanae“, Art. 14). „Denn nach dem Willen Christi ist die katholische Kirche die Lehrerin der Wahrheit; ihre Aufgabe ist es, die Wahrheit, die Christus ist, zu verkündigen und authentisch zu lehren, zugleich auch die Prinzipien der sittlichen Ordnung, die aus dem Wesen des Menschen selbst hervorgehen, autoritativ zu erklären  und zu bestätigen“ (Ebda.). Im Blick auf die Ehe bezeugen die Konzilsväter deren „unauflösliche Einheit“ (Pastoralkonstitution über die Kirche in der Welt von heute „Gaudium et spes“, Art. 48) und sprechen sich dagegen aus, „in der Geburtenregelung Wege zu beschreiten, die das Lehramt in Auslegung des göttlichen Gesetzes verwirft“ (Ebda., Art. 51). Was schließlich die Abtreibung betrifft, lassen die Konzilsväter keinen Zweifel daran, dass es sich dabei um ein „verabscheuungswürdiges Verbrechen“ (nefandum crimen) handelt (Ebda).

Diese vom Geist des Relativismus geleiteten Strömungen und Aktivitäten begegnen – nicht überball und jederzeit, aber immer wieder – in der wissenschaftlichen Theologie und im schulischen Religionsunterricht,  in Predigt und Erwachsenenbildung, in kirchlichen Räten und Verbänden.

Wir bitten die deutschen Bischöfe, diesen Strömungen und Aktivitäten, die eine ernste Gefahr für die Einheit der katholischen Kirche bedeuten, mit Entscheidenheit entgegenzutreten und die ungeteilte Annahme des II. Vatikanischen Konzils innerhalb ihres Verantwortungsbereichs sicherzustellen.

 

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