Katholische Ehelehre im Religionsunterricht -  nur verkürzt und marginal vermittelt                                                                                                   (29.1.2016)

(Leserbrief veröffentlicht in der Deutschen Tagespost vom 26. Januar 2016)

Der Berliner Erzbischof Heiner Koch fragt in dem DT-Beitrag  „Christliche Ehe als Glaubenszeugnis“ mit Recht: Tut die Kirche genug dafür, dass die sakramentale Ehe als Glaubenszeugnis verstanden und gelebt wird? Es reiche nicht aus, Brautleuten Ehevorbereitungsangebote zu machen. Man müsse früher ansetzen und die kirchliche Ehelehre auch im Religionsunterricht und in der Firmkatechese thematisieren.

Im Lehrplan katholische Religionslehre in Hessen soll in der 10 Klasse das Thema „Einander lieben und miteinander leben“ behandelt werden. Aus der unspezifischen Formulierung ersieht man  den humanistischen Ansatz der Unterrichtseinheit, denn so könnte auch das Thema für den Ethikunterricht lauten. Jedenfalls steht die katholische Ehelehre nicht im Zentrum, sondern nur am Rande der 12stündigen Unterrichtssequenz. Diese Marginalität gilt erst recht in Bezug auf  den gesamten schulischen Religionsunterricht: In 13 Jahren mit jeweils zwei Wochenstunden Religionslehre soll nach Lehrplan vielleicht in einer oder höchstens zwei Stunden die kirchliche Ehe behandelt werden.

Neben dieser quantitativen Randständigkeit besteht auch ein schwerwiegender qualitativer Mangel bei der Themenbehandlung: Die substantiellen Elemente der katholischen Ehelehre – lebenslange Treue und Offenheit für Nachkommenschaft – sind im Lehrplan überhaupt nicht vorgesehen. Papst Franziskus hat erst kürzlich wieder bei seiner Rota-Ansprache eindringlich auf diese „wesentlichen Elemente der Ehe“ hingewiesen – nicht als „Ideal für wenige, sonder als Wirklichkeit der getauften Gläubigen“.

Erzbischof Koch weist darauf hin, dass das christliche Eheverständnis den Ehebegriff des Grundgesetzes mitgeprägt habe. Aber im Religionsunterricht wird der grundgesetzlich formulierte Zusammenhang von „Ehe und Familie“ gar nicht behandelt: dass Ehe auf Familie angelegt und die Familie ehebasiert ist. Dieser Mangel angesichts des Grundgesetzes ist erst recht ein Defizit gegenüber der katholischen Lehre. Insofern ist  das religionsunterrichtliche Thema ‚kirchliche Ehelehre’ damit eigentlich verfehlt. 

Das hat Folgen für die Praxis: In der Realität sehen und vermitteln nicht wenige Religionspädagogen die Ehe relativistisch in der Weise, wie sie das Lehrplansegment „Sehen“ beschreibt: „Neben der sakramentalen Ehe werden heutzutage auch andere Lebensformen (Single-Sein, Ehe auf Probe, Ehe ohne Trauschein, homosexuelle Partnerschaften) praktiziert und als Lebenserfüllung angesehen.“  Dieser Relativismus bezüglich der kirchlichen Ehe als eines unter vielen Angeboten setzt sich dann im Sozialkundeunterricht fort mit dem Schema, dass die „traditionelle Familie“ nur ein (auslaufendes) Modell neben anderen (modernen) Familienformen sei.

Da im katholischen Religionsunterricht das spezifische Profil der katholischen ‚Ehe und Familie’ nicht herausgestellt wird, unterbleibt wohl auch eine kritische Auseinandersetzung mit den medial vermittelten Zerrformen von Liebe, Ehe und Familie.

 Wenn es dem Familienbischof ernst ist mit der Verankerung der kirchlichen Ehelehre unter jungen Katholiken, dann müssten er und die verantwortlichen Bischöfe in den Bundesländern auf eine Revision der Religions-Lehrpläne drängen. Gleichzeitig sollten die Religionslehrer zu diesem Thema in Fortbildungen geschult werden, denn auch in den theologischen Fakultäten wird die kirchliche Ehelehre nur marginal vermittelt. Es wäre auch schon hilfreich, wenn die Bischöfe und Pfarrer  die sakramentale Ehe mit allen wesentlichen Elementen unverkürzt zum Gegenstand ihrer Verkündigung machen würden.

Hubert Hecker