Spanischer Bürgerkrieg  (Juli 2006)

 

Wenige Tage vor dem 18. Juli 1936 endete im spanischen Protektorat in Marokko ein Manöver der dort stationierten spanischen Truppen mit einer Schlussparade, an der 18.000 Mann teilnahmen. Im Anschluss an das Manöver teilte Oberstleutnant Yagüe einer Gruppe von Offizieren in einer geheimen Besprechung mit, dass eine von Marokko ausgehende militärische Erhebung gegen das in Spanien herrschende republikanische Regime nur noch von einem entsprechenden Bescheid des auf den Kanarischen Inseln stationierten Generals Franco und des auf dem spanischen Festland eingesetzten Generals Mola abhänge. Es wird berichtet, dass Yagüe seine Mitteilung mit den Worten schloss: „Und jetzt, meine Herren, helfe uns Gott.“

Am 18. Juli 1936, also vor 70 Jahren, war es dann soweit. Um 11 Uhr morgens [soweit man aus dem ausgewerteten Bericht folgern kann, um 11 Uhr morgens desselben 18. Juli 1936] wurde den Anhängern des Putsches in Madrid die seltsam anmutende Nachricht telegraphisch übermittelt: „Der Kakao ist bereits gekauft“, eine verschlüsselte Botschaft, die besagte, dass die militärische Erhebung in Marokko ihren Lauf genommen hatte.

Doch nicht nur Militärs in Madrid wurden in Kenntnis gesetzt. Von General Franco gingen Funksprüche nach Sevilla, Barcelona, Valencia, Zaragoza, Burgos, Valladolid, La Coruña und an die Admirale von El Ferrol, Cádiz und Cartagena.

In Sevilla erklärte General Queipo de Llano den Kriegszustand, in anderen Provinzen geschah das Gleiche. Ab dem 27. Juli 1936 flogen 20 Flugzeuge die spanischen Kampfverbände von Marokko nach Südspanien ein.

Der Militärputsch brachte jedoch keineswegs ganz Spanien sofort unter die Kontrolle der Aufständischen; er scheiterte in Madrid und Barcelona. Nicht nur Katalonien und Teile des Baskenlandes, annähernd die ganze Südhälfte Spaniens mit Ausnahme von Sevilla und Cádiz blieben noch im Juli 1936 unter der Kontrolle des republikanischen Regimes.

Spanien war zweigeteilt. Einigkeit konnte nicht erzielt werden. Es begann somit ein Bürgerkrieg, an dem nicht nur die verfeindeten spanischen Lager teilnahmen. Den Aufständischen halfen Deutschland und Italien. Die Republik erhielt Unterstützung von der Sowjetunion. Die großen westlichen Demokratien blieben neutral. Tausende Personen gingen freiwillig nach Spanien und bildeten die Internationalen Brigaden, um an der Seite der Republikaner zu kämpfen.

Am 1. April 1939 verkündete General Franco das für seine Truppen siegreiche Ende des Krieges. Der Spanische Bürgerkrieg riss wohl zwischen einer halben und einer Million Menschen in den Tod.

 

Der Spanische Bürgerkrieg dürfte nach wie vor oft als Kampf zwischen Faschismus (Franco) und Demokratie (Republik) verkauft werden. Und nicht wenige dürften Franco mit Hitler und Mussolini in einen Topf werfen. Bedauerlicherweise, denn eine solche Sicht ist historisch unhaltbar.

Die Protagonisten der Militärerhebung in Spanien trieb keineswegs die gottlose, antichristliche Ideologie des Nationalsozialismus zur Tat. Auch hatte der Ausbruch des Bürgerkriegs in Spanien nichts mit dem Faschismus in Italien zu tun.

Franco fasste den Kampf als „Kreuzzug [...] gegen [die] Feinde der Religion, des Vaterlandes und der christlichen Zivilisation“ auf, wie er anläßlich des Sieges 1939 Papst Pius XII. auf dessen Telegramm antwortete, in dem der Papst Gott für den „erwünschten katholischen Sieg“ dankte (zit. nach der noch heute existierenden Zeitung ABC vom 2. April 1939).

Wie konnte es zu solch einem „Kreuzzug“ mit einem vom Papst in Dankbarkeit gewürdigten Ende kommen ?

Um dies zu begreifen, müssen wir die Anfänge und die Zeit der II. Republik in Spanien betrachten.

Nachdem bei Kommunalwahlen am 12. April 1931 antimonarchische republikanisch-sozialistische Kräfte in mehreren großen Städten Spaniens, darunter Madrid, mit großer Mehrheit gewannen, verließ der spanische König Alfons XIII. in der Nacht vom 14. auf den 15. April 1931 Spanien, ohne auf seine Rechte zu verzichten, und begab sich zunächst nach Marseille. In seinem Abschiedsmanifest begründete er sein freiwilliges Exil mit dem aufrichtigen Wunsch, einen Bürgerkrieg zu vermeiden.

Mit der neuen republikanischen Verfassung und der neuen republikanischen Regierung hörte Spanien auf, eine Monarchie zu sein. Und Spanien war jetzt ein klar laizistischer, nicht ein katholischer Staat. Doch nicht nur das.

Am 11. Mai 1931, ein Monat nach den besagten Kommunalwahlen, wurden acht Klöster Madrids ein Raub der Flammen. Der führende republikanische Politiker Azaña, ein Mann von antiklerikaler Gesinnung, prägte, so wird es jedenfalls berichtet, in diesem Zusammenhang den Satz: „Alle Klöster von Madrid sind nicht das Leben eines Republikaners wert.“ Polizei und Feuerwehr griffen erst am 12. Mai 1931 ein. Die Kirchenbrände setzten sich in Provinzstädten vor allem Andalusiens fort.

Noch 1931 wurde der Primas von Spanien, Kardinal Segura, auf Befehl der Regierung des Landes verwiesen. In den Jahren 1931-1933 kam eine kirchenfeindliche Gesetzgebung in Gang. So wurde den Kongregationen das Recht entzogen, zu unterrichten, die Auflösung der Kongregationen mit besonderem Gehorsamsgelübde angeordnet, ein Scheidungsgesetz verabschiedet. 1932 setzte sich der Generaldirektor der Grundschulbildung, ein Sozialist und (Arrarás zufolge) Hochgrad-Freimaurer für den Laizismus in den Grundschulen ein. Bald wurden aus allen die Kreuze entfernt und die konfessionellen Praktiken unterdrückt. Am 23. Januar 1932 wurde der Jesuitenorden in Spanien aufgelöst, alle seine Niederlassungen konfisziert. Im Februar 1932 rissen ein paar Übeltäter das Bild der Allerreinsten Jungfrau Maria in der Kathedrale von Valencia nieder, woraufhin Hunderte von Personen, knieend auf dem Platz vor der Kapelle Unserer Lieben Frau der Desamparados spontan einen Sühnerosenkranz beteten, wobei sie gestört, aber nicht aufgehalten werden konnten.

Gegen die kirchenfeindliche Gesetzgebung erhob der Hl. Vater in seiner Enzyklika «Dilectissima Nobis» seine Stimme.

Die Jahre 1932/1933 waren nicht nur Jahre kirchenfeindlicher Staatsaktionen, sondern zugleich Jahre blutiger Unruhen.

Im Januar 1932 brach die große anarchogewerkschaftliche Rebellion des Tals von Llobregat aus. Dazu kamen Generalstreiks in Asturias, Salamanca, Toledo, Córdoba, Talavera, Melilla, eine erste Militärerhebung in Sevilla, die zusammenbrach, da in Madrid eine solche gewaltsam niedergeschlagen wurde.

1933, ein „Jahr des Hasses“: Revolutionsversuch in Barbastro, der sich fortpflanzt in Zaragoza, Barcelona, Huesca, Teruel, Logroño. Fünf republikanische Regierungen lösen allein im Jahre 1933 einander ab.

Als bei Neuwahlen im November 1933 die Rechten siegen und 1934 an einer Koalitionsregierung beteiligt werden, rufen die Sozialisten den Generalstreik aus, dessen Ziel die Errichtung einer Arbeiterrepublik in Spanien ist. Die Regierung erklärt den Kriegszustand. Die Revolte in Barcelona kann auf Befehl der Regierung niedergeschlagen werden. Der Generalstreik weitet sich in Asturias zu einer blutigen Revolution aus, die vom Heer beendet wird: über 1000 Tote, über 2000 Verletzte in Asturias. 1935, kein besseres Jahr. Von öffentlicher Ordnung kann nicht die Rede sein. Zehn republikanische Regierungen lösen von Dezember 1933 bis 1936 einander ab.

Die Wahlen vom 16. Februar 1936 bescheren den Linksrepublikanern, Sozialisten, Kommunisten den Wahlsieg. Obwohl die Sozialisten die stärkste Fraktion stellen, weigern sie sich, an der Regierung mitzuarbeiten. Die Siegesaufmärsche der Anhänger der Linken arten z. T. in Angriffe auf Kirchen aus. Als der Chef der Monarchisten, der Abgeordnete Calvo Sotelo, der parlamentarische Immunität genießt, in der Nacht vom 12. auf den 13. Juli 1936 von Polizisten, also Vertretern der Staatsgewalt, vor den Augen seiner Frau aus seiner Wohnung abgeführt und im Polizeiwagen durch Genickschuss ermordet und auf einem Friedhof anonym abgeladen wird, erscheint das Maß voll.

Fünf Tage nach diesem Mord bricht der Spanische Bürgerkrieg aus.

In Francos Manifest vom 18. Juli 1936 ruft Franco das Militär, ja alle Spanier, die ihr Land lieben, zur Verteidigung der Nation auf, zur Wiederherstellung der öffentlichen Ordnung, zur Niederschlagung der kommunistischen Gefahr.

Der Spanische Bürgerkrieg – ein „Kreuzzug“?

Für viele wurde er jedenfalls zum Kreuzweg.

Während des Pontifikats Johannes Pauls II. wurden über 100 Priester, Ordensschwestern, katholische Laien, die während des Spanischen Bürgerkriegs das blutige Martyrium erlitten, selig gesprochen. Und das sind „nur“ die Seligen! Fast 90% der Priester und der Bischof der kleinen Diözese Barbastro beispielsweise wurden Opfer des Terrors. Man kann hier durchaus von einer spanischen Christenverfolgung sprechen. Dabei soll keineswegs verschwiegen werden, dass auch der Tod vieler Menschen zu beklagen ist, die Opfer von Kräften des nationalen Lagers wurden.

Francos Diktatur endete 1975 mit seinem Tod. Heute geht Spanien den Weg der westlichen Demokratien mit, der geprägt ist von materiellem Wohlstand, zugleich aber von Massenabtreibung, Verführung großer Teile unserer Jugend, Infragestellung und Herabwürdigung von Ehe und Familie.

Ihr spanischen Märtyrer, bittet für uns!

 Raoul Meurer

(Der Beitrag ist am 18. Juli 2006 in ‚Die Tagespost’ erschienen)