Kriegsende 8. Mai 1945: Wer war schuld?

Die Katholiken waren es nicht, die diese Kriegsverbrechen begingen

Der ZDF-Fernsehfilm Unsere Mütter, unsere Väter will die nationalsozialistischen Kriegsverbrechen von Nazi-Soldaten und Denunziation an Juden allen damaligen Deutschen aufhalsen. Wir Katholiken protestieren gegen diese Verbrechen und die Vereinnahmung  unserer Eltern- und Großeltern dafür. Die hatten schon vor der Machtergreifung gegen Hitler gestimmt  und diese katholischen Zentrumswähler  blieben auch später weitgehend NS-resistent.

In dem dreiteiligen Fernsehfilm „Unsere Mütter, unsere Väter“ werden die Wege und Entwicklungen von fünf jungen Menschen im Verlauf des 2. Weltkriegs seit Beginn des Krieges gegen die Sowjetunion dargestellt. Die jungen Leute Anfang zwanzig zeigen verschiedene Charaktertypen und repräsentieren damalige Gruppen wie Krankenschwestern, Soldaten, Offiziere, Karrieristen und Ausgegrenzte.

Ein Thema des Films ist das Verhalten der jungen Leute zu Juden und Judenverfolgung. Die Film-Soldaten werden Zeuge davon, wie ukrainische Hilfskräfte der SS erwachsene Juden und ihre Kinder brutal aus den Häusern treiben. Die Wehrmachts-Soldaten sind geschockt, Leutnant Wilhelm Winter protestiert gegen den brutalen Zugriff an einem kleinen Mädchen. Dann kommt ein SS-Offizier und schießt mit seiner Pistole das Mädchen in den Kopf.

Dieser filmszenischen Verdichtung entspricht die historische Realität: Im Hinterland der Ostfront „säuberten“ die SS-Einsatzgruppen systematisch die Städte und Dörfer von Juden. Insgesamt ermordeten die SS-Einheiten in den eroberten Gebieten Russlands etwa 560.000 Zivilisten, vorwiegend Juden, aber auch Zigeuner und behinderte Russen. Gleichzeitig ließ die SS-Führung in Polen KZ-Vernichtungslager bauen, in denen weitere Millionen deportierter Juden getötet wurden.

Einige wenige Wehrmachteinheiten waren an diesen mörderischen Judenaktionen beteiligt – etwa mit logistischer Unterstützung. Manche Offiziere und Generale protestierten aber auch gegen das brutale SS-Vorgehen, wenn sie es im Rückraum der Front mitbekamen. Von den insgesamt 8 Millionen deutschen Soldaten an der Ostfront waren sehr wenige am Holocaust beteiligt, die meisten wussten nichts von der systematischen Juden-Vernichtung. Das bestätigt eine überwältigende Zahl von ehemaligen Wehrmachts-Soldaten und Offiziere wie Helmut Schmidt, Hans-Dietrich Genscher oder der ehemalige SPIEGEL-Herausgeber Rudolf Augstein – um nur die prominentesten zu nennen.

Die meisten Krankenschwestern waren keine „braunen Schwestern“

In Hinsicht auf NS-Ideologie und Judenverfolgung wird das Verhalten deutscher Krankenschwestern in den zahlreichen Lazaretten anders dargestellt als bei den Soldaten. Im Film meldet sich Charlotte freiwillig als Rotkreuz-Schwester für Frontlazarette. Sie macht das augenscheinlich als eine nazi-ideologisierte junge Frau. Aus dieser Haltung heraus denunziert sie eine jüdische Ärztin, die daraufhin von der SS abgeholt wird. Eine zweite junge Schwester bestärkt sie im judenfeindlichen Nazi-Fanatismus.

Die Filmemacher haben den Anspruch, dass die Lebensläufe paradigmatisch sind, die Protagonisten exemplarisch für ihre Gruppen handeln, die Figuren „eine gewisse Bandbreite abdecken“, also die Frontschwester Charlotte für die etwa 500.000 damaligen Krankenschwestern steht. Damit legt der Film eine bestimmte Tendenz nahe, als wenn alle deutschen Krankenschwestern NS-gläubig und  mehr oder weniger in die Judenvernichtung der Nazis verstrickt gewesen wären.

Ich habe das gleiche getan wie amerikanische Krankenschwestern

Diese These aber ist Ideologie. Sie hat nichts mit der historischen Wahrheit oder der „verdichteten Realität“ zu tun, wie der Film sie beansprucht. Sicherlich gab es zahlreiche NS-fanatisierte Frontschwestern wie die beiden im Film oder die sogenannten „braunen Schwestern“ in den Euthanasieanstalten wie Hadamar, aber hunderttausende  Schwestern haben nicht ihre jüdischen Mitschwestern denunziert, keine Todesspritzen für Behinderte vorbereitet oder ihren Dienst nicht im Sinne der nationalsozialistischen Propaganda verstanden.

Ein Beispiel aus dem Westerwalddorf Frickhofen: Margarete B. war von 1941 bis zum Kriegsende in einem deutschen Lazarett bei Zagreb / Kroation dienstverpflichtet. Nach dem Krieg wurde sie vom Ortskommandanten der amerikanischen Besatzung in Frickhofen vorgeladen und mit dem anklagenden Vorwurf konfrontiert, sie habe sich als Krankenschwester im Dienst des Nazi-Regimes schuldig gemacht. Darauf sagte sie mit gutem Gewissen: ‚Ich habe das gleiche getan wie die amerikanischen Krankenschwestern auch – nämlich kranke und verletzte Soldaten und auch Zivilisten gepflegt und versorgt.’

Das Kriegsverhalten allein aus den Krieg zu erklären greift zu kurz

Im Mittelpunkt des Films stehen zwei Soldaten-Brüder und damit das Heer von Millionen Wehrmachtssoldaten an der Ostfront: Leutnant Wilhelm steht für die Klasse der Offiziere, sein jüngerer Bruder bleibt einfacher Gefreiter. Das Kriegsgeschehen an der Ostfront von 1941 bis 45 wird aus der Perspektive dieser beiden Protagonisten erzählt. Die beiden machen im Verlauf des Krieges eine gegensätzliche Einstellungsentwicklung durch: Friedhelm wird von einem Kriegsskeptiker, der die grausame Logik der Krieges durchschaut, zu einer Tötungsmaschine; sein Bruder Wilhelm entwickelt sich von einem pflichtschuldigen Offizier zum desillusionierten Deserteur. Eine ähnliche Entwicklung in ihrem Bereich macht die Krankenschwester Charlotte durch. In weiteren soldatischen Nebenrollen werden Charaktere von ängstlichen, draufgängerischen, zynischen oder blauäugigen Soldatentypen skizziert.

In weiten Teilen wirkt der Film wie ein Stück unter dem Titel: ‚Studien zur charakterlichen  Entwicklung unter den Bedingungen eines Krieges’ - mit dem Anspruch zu erklären, wie der Krieg die Menschen verändern würde. Es hat aber eine gewisse Beliebigkeit an sich, wenn der ehemals pflichttreue Leutnant Winter am Schluss seinem Vorgesetzten das Messer in den Rücken stößt, während der kriegsskeptische Friedhelm als Büttel der Nazi-Offiziere zum kalten Kriegsmörder wird. Warum lässt sich die nazi-gläubige Charlotte zu subversiven Aktionen hinreißen? Nebenbei widerlegt der Film bei den positiven Entwicklungen seine eigene Grundthese, dass „dieser Krieg alles Schlechte in uns zum Vorschein bringen“ würde. Letztlich scheitert der Film an seinem eigenen Anspruch, Kriegsverhalten allein aus den Kriegsverhältnissen erklären zu wollen.

Die nationalsozialistische Vorlaufgeschichte zum Krieg

Der 2. Weltkrieg und insbesondere der Angriffskrieg gegen Stalins Sowjetunion ist ohne die vorlaufende Dekade mit nationalsozialistischer Raum- und Rassen-Ideologie, Volksverdummung, anti-marxistischer Kritik, Kriegspropaganda und Kriegsplanung nicht zu verstehen. Der Film-Produzent Nico Hoffmann berichtet, dass seine Mutter als fanatisches BDM-Mädchen den Russlandkrieg glorifiziert und noch jahrelang nach dem Krieg um „den Verlust von Hitler“ gerungen hätte. Im Film selbst aber wird ausgeblendet, dass und wie schon lange vor dem Krieg die Millionen Gefolgsleute Hitlers zu aggressiven Eroberungsrassisten konditioniert wurden.

Die kriegsvorbereitenden Indoktrinationen begannen schon vor 1933: Damals unterhielten sich zwei achtjährige Westerwälder Jungen über die bevorstehende Reichspräsidentenwahlen im April 1932. Die Kandidaten-Konstellation war: Hindenburg gegen Hitler. Der eine Bub aus einer Zentrumswählerfamilie sprach sich für Hindenburg aus. Der andere Junge aus einer Familie von NSDAP-Wählern äußerte sich verächtlich über Hindenburg und prahlte damit, dass er Hitler wählen würde. „Für den Führer würde ich sogar mein Leben opfern.“ Er musste es zehn Jahre später im Russlandkrieg.

Auch der andere Junge wurde mit 18 zur Wehrmacht eingezogen. Er ließ sich in drei Kriegsjahren nichts zuschulden kommen. Denn die Katholiken hatten schon bei den letzten freien Wahlen im Jahre 1932 deutlich gegen die Nazi-Partei gestimmt. In mehreren Westerwald-Dörfern musste die NSDAP mit unter drei Prozent der Stimmen einen reichsweiten Negativ-Rekord hinnehmen.

 

Verteilung der Katholiken in Deutschland nach dem Zensus von 1934:
Gebiete mit katholischer Bevölkerungsmehrheit sind dunkel unterlegt↓

Verteilung der NSDAP-Wähler bei den letzten freien Wahlen 1932: in katholischen Regionen (helle Felder) hatte die Hitler-Partei keine Chance↓

 

 

Die kirchentreuen Katholiken blieben resistent gegen die Nazi-Ideologie

Die katholischen Zentrumswähler verhielten sich auch nach der Machtergreifung der NS-Partei weitgehend NS-resistent. Insbesondere die Mitglieder der katholischen Jugend in den Westerwalddörfern blieben zum großen Teil immun gegenüber der Nazi-Ideologie, unterstützt von ihre Kaplänen und dem Diözesan-Jugendpfarrer Dirichs. Die erwachsenen Katholiken wurden durch mehrere bischöfliche Hirtenbriefe und die päpstliche Enzyklika „Mit brennender Sorge“ in ihrer Ablehnung der NS-Rassenideologie bestärkt. (Vgl. den Artikel vom 14. 3. auf dieser Seite.) Die anti-nazistische Haltung der kirchentreuen Frickhöfer Jugend zeigte sich Ende der 30er Jahre in mehrer Aktionen – so die Errichtung des Kreuzes auf dem ehemaligen Nazi-Lagerplatz am Blasiusberg, Kopieren und Verteilen der Protest-Predigt des Bischofs von Galen und das Niederreißen der Hakenkreuzfahne im damals NS-besetzten Karlsheim in Kirchähr. Der Kreis der kirchentreuen Katholiken – etwa 15 bis 20 Prozent der Bevölkerung – blieben auch als Wehrmachtssoldaten weitgehend resistent gegen die rassistische NS-Ideologie und den arischen Weltherrschaftswahn.

Im Russlandkrieg konnten die NS-Anhänger ihre Nazi-Sau herauslassen

Dass sich der helle Geist und Schießverweigerer Friedhelm plötzlich zum zynischen Zivilistenmörder wandelt, ist weder im Film nachvollziehbar aufgezeigt noch in der Wirklichkeit wahrscheinlich. Wahrscheinlicher und belegt ist, dass die Soldatentypen, die schon vorher glühende Nazis und überzeugte Rassisten waren, solches unsoldatisches Verhalten wie Zivilistentöten an den Tag legten, das teilweise noch brutaler war als im Film gezeigt.

Ein Heimkehrer aus sowjetischer Gefangenschaft erzählte nach dem Krieg, was er persönlich gesehen hatte: Ein Nazi-Soldat hatte mit seiner Pistole  ein Russenmädchen auf offener Straße abgeschossen. Darauf von den empörten Kameraden angesprochen, sagte er nur: „Das war doch nur eine Russin.“ Solches Verhalten von Nazi-Soldaten war die Frucht der nationalsozialistischen Rassismus-Ideologie von den „slawischen Untermenschen“. Himmler hatte seinen Leuten eingebläut, dass ihnen „das Leben von tausenden Russenweibern“ gleichgültig sein sollte, „wenn nur der Panzergraben gebaut“ würde. Es war diese rassistische Nazi-Disposition, die der Russlandkrieg ‚zum Vorschein brachte’; die überzeugten NS-Anhänger konnten ihren Rassismus im Krieg ausleben, ihre innere Nazi-Sau herauslassen und sich an russischen Zivilisten austoben. Der Krieg spülte solchen Nazi-Mob als Zivilistenmörder an die schmutzige Oberfläche – so wie der von Marat aufgewiegelte Revolutionspöbel bei dem Mord an 1500 wehrlosen Gefangenen im September 1792.

Bis zu einem Viertel der Wehrmachtssoldaten waren fanatisierte Nazis

Diesen entscheidenden Unterschied zwischen den Nazi-ideologisierten Soldaten einerseits und den NS-Distanzierten oder Mitläufern andererseits blendet der Film aus. Ein ungefähres Verhältnis der beiden Gruppen lässt sich aus folgenden Daten erschließen: Bei den letzten freien Wahlen 1932 hatten ca. 25 Prozent der Deutschen für Hitler gestimmt. Die Zahl von 25 Prozent entspricht auch in etwa dem Anteil der „Belasteten“ aus den alliierten Nazi-Erfassungsbögen von 1946. Demnach wäre ein Anteil von einem Viertel mehr oder weniger fanatisierter Nazi-Soldaten anzusetzen. Aus dieser Gruppe sind dann auch vorwiegend die Täter zu suchen, die rassistische und kriegsverbrecherische Aktionen begingen. Die Mehrheit der Wehrmachtssoldaten sind also zu den unfreiwillig Dienstverpflichteten zu zählen, die der NS-Ideologie reserviert bis resistent gegenüberstanden.

Vorurteile der Filmemacher: alle deutschen Soldaten waren böse

Der Film dagegen schert alle Wehrmachtssoldaten über einen Kamm. Damit entlastet er zum einen die wirklichen Nazi-Täter, indem er sie in der grauen Masse verschwinden lässt, zum andern belastet er die Mehrheit der Nazi-distanzierten deutschen Soldaten, indem sie mit den fanatischen Nazisoldaten in einen Topf geworfen werden. Der 38jährige Film-Regiesseur Philipp Kadelbach, der sein Handwerk bei Werbefilmen lernte, ging an den Film von vornherein mit  dem Vorurteil heran: „Den guten Wehrmachtssoldaten gibt es nicht!“ (FAZ 15. 3. 2013). Das heißt auch im Umkehrschluss: Alle deutschen Wehrmachtssoldaten wären mehr oder weniger böse bzw. in Verbrechen verwickelt gewesen, insbesondere auch gegen die russische Zivilbevölkerung. Der Film zeigt mehrere Szenen, in denen das Drangsalieren, Schikanieren und Töten den einfachen Wehrmachtssoldaten zugeschoben wird. In Wirklichkeit war die große Mehrheit der deutschen Soldaten nicht an diesen kriegsverbrecherischen Übergriffen beteiligt.

Soldat mit Vogel – guter Soldat; Soldat mit Totenkopf – schlechter Soldat

Ein katholischer „gezogener“ Wehrmachtssoldat aus dem Westerwald erzählte eine ganz andere Geschichte, die andere Kameraden ohne Nazi-Gesinnung ähnlich erlebt haben dürften:
Einmal wurde er von seiner Einheit in Russland ausgeschickt, in einem russischen Dorf  Vieh zu requirieren. Der Soldat fand in einem Haus eine Kuh vor, die er laut Auftrag mitnehmen musste. Die Hausbewohner waren eine ältere Frau und ihre Tochter mit einem kleinen Kind. Als er den Frauen seinen Auftrag deutlich machte, ging das Jammern und Weinen los: Die junge Frau zeigte auf das Kleinkind und bedeutete, dass sie die Kuhmilch unbedingt für ihr Kind bräuchte. Der deutsche Soldat ließ sich bewegen, von seinem militärischen Auftrag abzulassen, fürchtete aber Repressionen und dass die Kuh bei einer erneuten Requirierung doch mitgenommen werden würde. Er überlegte, dass und wie man die Kuh verstecken könnte. Bei der Inspektion des Hauses kam man gemeinsam auf die Idee, die Kuh über die Treppe auf den Speicher zu bugsieren: Die ältere Frau zog von vorn mit einem Halsband, die beiden Jüngeren, also der deutsche Soldat und die junge russische Mutter, drückten und stemmten von hinten die Kuh Stufe um Stufe nach oben. Die russischen Frauen zeigten sich dankbar und glücklich, als er sich  zu seiner Einheit verabschiedete. Der Deutsche hatte mit seinem Verhalten zu der damals bei der russischen Bevölkerung verbreiteten Einschätzung beigetragen: „Soldat mit Vogel – guter Soldat. Soldat mit Totenkopf – böser Soldat.“ (Mit „Vogel“ war der Reichsadler gemeint, der als Identitätszeichen an der Wehrmachtsjacke eingenäht war. Der „Totenkopf“ war das Zeichen der SS-Einheiten („Totenkopfverbände“), die im Hinterland der Front ihr mörderisches Regiment führten.)

1942 im Kaukasus: Wehrmachtssoldaten und OT-Arbeiter mit tscherkessischen Dorfbewohnern vom Stamm der Kabardiner im Ort Stary Uruk

Die Deutschen sind nicht „das Tätervolk“, wie der SPIEGEL behauptet

Von den fünf Freunden am Ausgangspunkt des Films im Sommer 1941 werden vier im Laufe der Kriegs-Filmgeschichte in Schuld und Verbrechen verstrickt gezeigt – nur der fünfte, Viktor Goldstein, macht alles richtig und ist in seinem Verhalten immer untadelig. Die Botschaft ist klar: die Juden sind die Guten und die Deutschen sind die mehr oder weniger Bösen im 2. Weltkrieg – gleich ob sie als Wehrmachtsoldaten, Lazarettschwester oder in der Heimat agieren.

Die Tendenz, den Deutschen als Volk und Rasse alle Verbrechen der Nazis aufzuhalsen, wurde von der politischen Klasse  seit dem Erscheinen des Goldhagenbuches „Hitlers willige Vollstrecker“ zu einer politischen Korrektheitsnorm verfestigt. Der SPIEGEL schrieb am 3. 11. 2003, dass die Deutschen das „wahre Tätervolk“ seien. Am 1. 9. 2009 titelte das angebliche Nachrichten-Magazin  anlässlich des Kriegsbeginns 70 Jahre vorher: „Der Krieg der Deutschen. 1939: wie ein Volk die Welt überfiel“.

 

Titelbild

Auch Politiker bedienen die anti-patriotische Schuldrhetorik

Manche Politiker haben sich in ihrer Einschätzung zum 2. Weltkrieg der Schuldrhetorik des negativen Patriotismus angepasst. Martin Schulz, Präsident des Europäischen Parlaments, schreibt zu dem Film: „Die Deutschen überzogen die Welt mit diesem furchtbaren Krieg…“ (FAZ 20. 3.). Dann sogar in der Wir-Form unter Einschluss von Schulz’ Vorfahren: Dass „wir Deutschen die Welt mit den abscheulichsten Verbrechen überzogen hatten….“.
Für den FAZ-Leser Dr. Norbert Hämmerer aus Walluff ist diese Aussage „absolut inakzeptabel. Es waren nicht ‚wir Deutsche’, es waren die nationalsozialistischen Verbrecher. Mein Vater ist, wie viele seiner Kameraden, nur gezwungen in den Krieg gezogen. Meine Mutter wurde als Krankenschwester gegen ihren Willen in die NS-Schwesternschaft eingegliedert. Sie hat viel riskiert, als sie behinderte Kinder vor der Euthanasie bewahren wollte. Dem Konzentrationslager entging sie nur, weil man sie an die Front strafversetzte. Deshalb ist für mich eine Formulierung der Form ‚wir Deutschen’ unerträglich, zumal man aus ihr eine Kollektivschuld herauslesen kann, die bis zum heutigen Tage gilt“ (FAZ 25. 3.).

Skandalöse Schulbuchdarstellung durch Ausblendung der Nazi-Verbrecher

Inzwischen wird auch den Schülern diese undifferenzierte Sicht vom deutschen Tätervolk eingetrichtert. In dem Schulbuch „Geschichte und Geschehen“ für die 9/10 Klasse aus dem bisher angesehenen Ernst-Klett-Verlag, 1. Auflage 2007, wird auf drei Textseiten der 2. Weltkrieg behandelt. Dabei verwenden die Autoren 29 Mal den Ausdruck „deutsch“/“Deutschland“ im Zusammenhang mit der Kriegsführung im Westen und dem Vernichtungskrieg im Osten. Nur einmal dagegen werden die „Nationalsozialisten“ erwähnt, die verantwortlichen Nazigrößen verschweigt man vollständig. Das Lehrwerk vermittelt somit den Schülerinnen und Schülern den Eindruck, als wenn der Vernichtungskrieg im Osten ein Wesensmerkmal ‚der Deutschen’ gewesen wäre.

Skandalös an dieser Schulbuchdarstellung – in etwas abgeschwächter Form auch im Film – ist dies:
● Es werden weder die nationalsozialistische Rassenideologie von den slawischen „Untermenschen“ als ideologische Triebkräfte zum Krieg behandelt, noch die faschistische „Volk-ohne-Raum“-Politik der Nazi-Führer aufgezeigt - mit den entsprechenden Germanisierungsplänen für den imperialistischen Krieg gegen die Sowjetunion.
● Hinsichtlich der nationalsozialistischen Tätergruppen und ihrer Verantwortung werden nicht genannt:

• Himmler und die SS-Führung, der SD als Gestapo der SS, das Rasse- und Siedlungsamt mit ihren Vollstreckungsbrigaden im Vernichtungskrieg hinter der Front,
• die NS-Parteiführer wie Goebbels und Göring, der mächtige NS-Partei-Apparat, der alle Staatsaktionen dominierte, sowie 11 Millionen NSDAP-Mitglieder, die die nationalsozialistische Eroberungs- und Großmachtpolitik ideologisch mittrugen und die Kerntruppe der kriegsverbrecherischen Aktionen bildeten.
• Nicht ein einziges Mal erwähnt wird der beherrschende Diktator und Kriegstreiber Adolf Hitler, der den Krieg von Anfang an gewollt, geplant, vorbereitet und vom Zaun gebrochen hatte sowie als Oberbefehlshaber über das Heer eine dominante Stellung einnahm:

Der Diktator Hitler war nicht legitimiert, für die Deutschen zu sprechen

Hitler hatte schon vor Kriegsbeginn am 22. August 1939 im engsten Kreis von Generälen seine Vernichtungskriegsziele und Kriegsführungsmethoden im Osten klar angesagt:
„Ich habe Befehl gegeben - und ich lasse jeden füsilieren, der auch nur ein Wort der Kritik äußert -, dass das Kriegsziel nicht im Erreichen von bestimmten Linien, sondern in der physischen Vernichtung des Gegners besteht. So habe ich, einstweilen nur im Osten, meine Totenkopfverbände bereitgestellt mit dem Befehl, unbarmherzig und mitleidlos Mann, Weib und Kind polnischer Abstammung und Sprache in den Tod zu schicken. Wer redet heute noch von der Vernichtung der Armenier?“

Aber agierte Hitler nicht legitim für Deutschland?

Nein: Hitler war zwar 1932 von einem Viertel der Deutschen gewählt und 1933 legal zum Reichskanzler ernannt worden, aber schon im ersten Machtjahr beseitigte er mit Terror und Manipulation alle demokratischen Wahl- und Kontrollrechte. Nach der damals geltenden (Weimarer) Verfassung hätten 1937 reguläre Reichstagswahlen stattfinden müssen. Jedenfalls war Hitler 1939 als unkontrollierbarer Diktator nicht mehr legitimiert, für Deutschland und die Deutschen zu sprechen und zu handeln.

Eine Neuauflage der NS-Propaganda „vom Krieg der Deutschen gegen die Russen“

Der Film und das Schulbuch blenden die Nazi-Ideologie und ebenfalls die NS–Führung in Staat und Partei aus, als wenn ‚die Deutschen’ von sich aus in den Krieg gezogen wären - ohne Führer und oberste Führung. Sie vermitteln den Eindruck, als ob der Krieg ein Kampf ‚der Deutschen’ gegen „die Russen“ gewesen wäre – so ein Ausdruck aus dem Klett-Geschichtsbuch. Die Reduzierung der sowjetischen Völker als Kriegsgegner auf ‚die Russen’ entspricht der damaligen nationalsozialistischen Propagandasprache. Die NS-Ideologie stellte den Krieg im Osten als einen Rassenkrieg oder Krieg der Völker dar zwischen den arischen Deutschen und den slawischen Russen. Wenn nun Film und Buch ebenfalls ‚die Deutschen’ als Kriegssubjekt gegen ‚die Russen’ ins Feld führen, dann reproduzieren die Film- und Buchmacher auf subtile Weise die nationalsozialistische Rassen-Propaganda für die heutige Schuljugend. Im Schulbuch noch mehr als im Film verschwinden die Nazis unter der Masse ‚der Deutschen’ und die spezifischen NS- und SS-Verbrechen werden allen Deutschen in die Schuhe geschoben.

Es gab in der ZDF-Redaktion ernsthafte Überlegungen, den Film „unsere Mütter, unsere Väter“ mit dem oben genannten SPIEGEL-Schlagzeile zu belegen: „Der Krieg der Deutschen“. Aber auch ohne diese ausdrückliche Titel-Botschaft vermittelt der Film den Eindruck: Alle damaligen Deutschen an der Front und daheim wären mehr oder weniger für die Nazi-Verbrechen mitschuldig gewesen – außer natürlich die jüdischen Deutschen, die als die allein Guten der Geschichte idealisiert werden. Daniel Cohn-Bendit, aus einer Nazi-verfolgten jüdischen Familie stammend, hat in der Gesprächsrunde im Anschluss an den Film darauf hingewiesen, dass das in diesem Zusammenhang verwendete Gut-Bös-Schema nicht angemessen sei: ‚Die Opfergruppen einer Verfolgungsaktion sind nicht automatisch die Guten.’ Man sollte ergänzen: Die einzelnen Mitglieder der Tätergruppe  sind nicht alle die Bösen, wie der Film es suggeriert. „Die Schwächen des Films“, so der FAZ-Leser und Zeitzeuge Ulrich Hering, „liegen darin, dass er Kriegsgeschehen mit zeitgeistgerechter Indoktrination, sprich Kriegsschuld, vermischt“.

Zum Schluss DDR-Propaganda vom angeblich sowjetischen Befreier

In diese moralische Schwarz-weiß-Zeichnung des Films werden auch die Sowjets bzw. Russen einbezogen. Im dritten Filmteil besetzen Soldaten der Roten Armee ein Lazarett, das vom deutschen Personal kurz vorher fluchtartig verlassen wurde. Der Film zeigt zwar, wie Sowjet-Soldaten die zurückgebliebenen Schwerverletzten einfach abknallen und eine deutsche Krankenschwester vergewaltigen. Dann aber wird die ideologische Film-Botschaft durch den Mund einer Sowjet-Kommissarin verkündet: „Die Rote Armee ist keine Truppe von Vergewaltigern, sondern von Befreiern.“ Vermutlich hat so einen Satz nur ein in der DDR sozialisierter Drehbuchschreiber wie Stefan Kolditz im Kopf. Denn in der kommunistischen DDR mussten die Sowjets per Staatsdekret als die Sieger und die Guten der Geschichte bejubelt werden, während die Verbrechen der Roten Armee absolut tabuisiert wurden.

Der Vormarsch der Roten Armee - eine Schreckenszeit für Frauen

Nach der historischen Realität ist der obige Satz in beiden Teilen falsch: Aufgehetzt von Sowjet-Propagandisten und geduldet von Stalin, vergewaltigten die Rotarmisten allein in Budapest 50.000 Ungarinnen. In deutschen Gebieten wurden nach den Forschungen von Gerhard Reichling bis zu zwei Millionen Frauen und Mädchen von Mitgliedern der Roten Armee während des Vormarsches bis Berlin vergewaltigt, davon 1,4 Millionen in den Vertreibungsgebieten Ostpreußen, Ostpommern, Ostbrandenburg und Schlesien, 500.000 in der sowjetischen Besatzungszone und 100.000 Frauen in Berlin. Insgesamt 12 Prozent der Vergewaltigungen endeten tödlich für die Opfer.

Das ZDF ist schlecht beraten, die millionenfachen Kriegsverbrechen der Sowjet-Armee an Zivilisten zu vertuschen. Auch die oft gebrauchte Exculpationsformel, wie sie Sigmar Gabriel bei Günter Jauch wiederholte, dass die schrecklichen Taten von Stalins Rotarmisten als Folgereaktion des Hitlerkriegs eingeordnet werden müssten – und damit relativiert werden -, dürfte nur zur weiteren Verdrängung der Verbrechen der Roten Armee beitragen.

Es ist ebenfalls ein politisches Märchen – zum zweiten Aussageteil der Sowjetkommissarin -, dass die Sowjets als „Befreier“ gekommen wären. Auf drei baltische Länder und fünf Balkan-Staaten setzte Stalin den Stiefel der Roten Armee, um diese Völker mit kommunistischen Zwangssystemen zu tyrannisieren. In der sowjetisch besetzten Zone in Ostdeutschland ersetzte die sowjetische Militäradministration die braune Nazi-Diktatur durch einen roten totalitären Staat, der dann sein Volk mit Mauer und Stacheldraht zusammenhalten musste.

Die DDR-Kommunisten ließen den totalitären Staat rotlackiert wiedererstehen

Dass dieses riesige Volksgefängnis im Film mit dem „besseren Deutschland“ zusammengebracht wird, ist eine weitere kommunistische Propagandaformel des ehemaligen DDR-Schreibers. Der hatte schon bei dem Dresden-Film die absurdesten Konstellationen entwickelt, indem er einen der britischen Bombenwerfer, die sogar Churchill mit ‚Bestien’ verglichen hatte, zum moralischen Helden bei der Total-Zerstörung  von Dresden machte.

Ein neues Klischee gegen die Polen

Während der Film die Kriegsverbrechen Stalins und seiner sowjetischen Rotarmisten kleinredet und dann unter den Teppich der Geschichte kehrt, platziert man im dritten Filmteil ein übles Klischee gegen die Polen: Die polnischer Partisanen der „Heimatarmee“ (AK) werden dargestellt, als wenn sie der nationalsozialistischen SS in ihrem Judenhass in nichts nachständen. Mit der Aussage eines Untergrundkämpfers: „Die Juden ertränken wir wie die Katzen!“ überträgt der Film die barbarische Nazi-Sprache vom „Ausmerzen der jüdischen Bazillen“ auf die polnische Widerstandsarmee. Zudem stehen nach der konzeptionellen Logik des Films die Gruppe der polnischen Partisanen als antisemitische Protagonisten mehr oder weniger für ‚die Polen’. Es ist daher wenig verwunderlich, dass ausnahmslos alle polnischen Medien empört sind über die Film-Darstellung von angeblich erbarmungslos antisemitischen Polen, die einen gestoppten Auschwitz-Zug erneut verriegeln und die todgeweihten Juden ihrem Schicksal überlassen würden.

Wer erklärt den Deutschen, dass die polnische AK nicht die SS war?

So fragt ein führender polnischer Publizist. Denn diese Geschichtsklitterung sei eher ein Ergebnis von „Dummheit und Ignoranz“ als von bewusster Verleumdung der Polen. So oder so sind die Vorwürfe an die deutsche Seite sehr ernsthaft und schwerwiegend. Immerhin wurde dieser Film im Auftrag und mit institutioneller Begleitung vom ZDF erstellt, einer öffentlich-rechtlichen Sendanstalt, die von allen Deutschen mit Gebühren zwangsfinanziert, vom deutschen Staat reguliert und allen gesellschaftlich relevanten Gruppen im Verwaltungsrat kontrolliert wird. Einige polnische Journalisten sehen in den Partisanen-Szenen des dritten Filmteils den Versuch deutscher Großmedien, Schuld und Verantwortung der deutschen NS- und SS-Schergen an den KZ-Judenmorden zumindest teilweise auf ‚die Polen’ zu überwälzen. Schließlich sind die Polen-Szenen erst nachträglich auf Betreiben des ZDF in das Drehbuch eingefügt worden. Und sie passen nicht einmal zum Konzept des Filmes von den vier nicht-jüdischen deutschen Protagonisten, deren Verstrickungen in NS-Ideologie und Hitler-Krieg über drei Kriegsjahre verfolgt werden. So ist der Verdacht von polnischer Seite zumindest verständlich, dass das ZDF mit den Klischee-Szenen von den polnischen Antisemiten den  unterschwelligen Versuch gemacht haben könnte, die „Schuld an den Gaskammern“ mit den Polen teilen zu wollen.

Sollen die Polen für die Nazi-Verbrechen mithaftbar gemacht werden?

Mit dieser Kritik an dem pauschalen Antisemitismus-Vorwurf soll durchaus nicht bestritten werden, dass es insbesondere im ehemals sowjetisch besetzten  Ost-Polen während der deutschen Besatzung und unmittelbar danach zu Pogromen gegen Juden kam. Das ist in der polnischen Öffentlichkeit bekannt und wird auch debattiert. Das Erinnern an die Ermordung von Juden durch polnische Dorfbewohner in Jedwabne ist seit Jahren Teil des national-polnischen Gedenkens. Aber die deutsche Filmdarstellung vom durchgängigen Antisemitismus der AK stößt den Polen bitter auf.

Von den polnischen Journalisten und Politikern  wird wahrgenommen, dass die deutsche Medien die Verbrechen der Nazis allen Deutschen zuschieben, aber sie verwahren sich dagegen, die Polen in gleicher Weise für Nazi-Verbrechen haftbar zu machen. Schließlich waren Millionen Polen die ersten Opfer vom Vernichtungskrieg Hitlers, der mit seinen Totenkopfbrigaden „Mann, Weib und Kind polnischer Abstammung und Sprache unbarmherzig und mitleidlos“ in Tod und Vergessen schicken wollte, wie Hitler im kleinen Kreis von Generälen kurz vor Beginn des Überfalls auf Polen androhte.

Niemand half den verfolgten Juden mehr als polnische Katholiken

Polen verweisen nicht ohne Stolz darauf, dass in ihrem Land, wo die NS-Besatzer Hilfe für Juden härter als anderswo bestraften (nämlich mit der Ermordung der ganzen Familie), ein ausgedehntes System des Untergrundbeistandes für jüdische Verfolgte existiert habe. Verstecke und falsche Papiere für Juden besorgte damals die Organisation „Zegota“, die eng verbunden war mit der Heimatarmee AK – also jener Untergrundarmee, die das ZDF pauschal als Hort des schlimmsten Antisemitismus denunziert. Von dieser Organisation sowie Einzelpersonen und kirchlichen Stellen – wie der Kreis um Karol Wojtyla, dem späteren Papst Johannes Paul II. – gingen vielfache Hilfestellungen für verfolgte Juden aus. Nach einem FAZ-Beitrag vom 6. 4. 2013 hat die israelische Gedenkstätte Yad Vaschem  6.394 Polen mit dem Titel ‚Gerechte unter den Völkern’ ausgezeichnet – mehr als das Zehnfache der 525 ‚Gerechte’ aus Deutschland.

Die verleumderischen Filmszenen zur AK sind eine freche Unverschämtheit

Bei einem solch großen Filmprojekt zu einem zeitgeschichtlich sensiblen Thema muss man davon ausgehen, dass höchste und erfahrene Programm-Verantwortliche des ZDF daran beteiligt waren bzw. es absegneten. Insofern ist es kaum vorstellbar, dass diese einseitigen und verleumderischen Filmszenen von der angeblich antisemitischen AK aus „Ignoranz und Dummheit“ in den Dreiteiler eingefügt wurden. Man muss es eher als freche Unverschämtheit ansehen, dass die deutsche Sendeanstalt die polnische Heimatarmee AK nach Ideologie und Praxis als Helfershelfer der Nazi-SS darstellt. Diese Bewertung gilt umso mehr, als die tumbe deutsche Trampeltour durch die deutsch-polnische Beziehungsgeschichte in eine Zeit fällt, in der in Polen eine ernsthafte Diskussion zu Kriegsdimensionen zu beobachten ist, die Deutsche und Deutschland betreffen. Der FAZ-Journalist Konrad Schuller notiert: Es gebe in Polen „eine auf hohem Niveau geführte innerpolnische Debatte über die Vertreibung der Deutschen und die eigene Verantwortung dafür, Museen greifen das deutsche Erbe in Schlesien auf, und an den Ruinen der Internierungslager, wo Deutsche nach dem Krieg zu Tode gequält wurden, sind Gedenktafeln angebracht worden.“ Schullers abschließendes Urteil lautet: „Polen bemüht sich um differenzierte Urteile.“

Filmhistoriographische Wiedergutmachung ist angesagt

Dieses Resümee ist zugleich beschämend für das ZDF und seine undifferenzierte Sicht auf die polnischen AK. Die öffentlich-rechtliche Sendeanstalt sollte über Wiedergutmachung nachdenken – etwa durch einen konstruktiven Beitrag zur jüngeren Geschichte von Deutschen und Polen. Dazu würde sich ein deutsch-polnisches Dokumentar- und Spielfilmprojekt über die verschiedenen Dimensionen und Aktionen der polnische Heimatarmee AK anbieten. Der Schreiber dieser Zeilen könnte mit einem spannenden Exposé für eine solche Filmgeschichte aushelfen.
Auch die Frankfurter Allgemeine, die den Kriegsfilm mit den verleumderischen Polen-Szenen in höchsten Tönen gelobt und propagiert hat, sollte mit einer seriösen Dokumentation über die AK Wiedergutmachung leisten.

Hubert Hecker