- Arbeitskreis von Katholiken im Raum Frankfurt -

Frankfurt / Main, Februar 2008

Presseerklärung

Warum um alles in der Welt?

Erzbischof Robert Zollitsch von Freiburg sollte mit einem Rücktritt als Vorsitzender der deutschen Bischofskonferenz den Schaden mindern, den seine Zölibatsdiskussion in der Kirche angerichtet hat.

Bei seinem ersten Gespräch mit der nichtkirchlichen Presse legte der neue Vorsitzende ein altes Reizthema aufs Tablett. Im ‘Spiegel’- Interview sprach er sich beim Thema Zölibat „gegen Denkverbote“ aus.

Der Vorsitzende der Bischofskonferenz „denkt über ein Ende des Zölibats nach“ – folgerte der ‘Spiegel’ logischerweise, zumal der Freiburger Erzbischof eine stichhaltige Begründung liefert:

Die Verbindung zwischen Priestertum und Ehelosigkeit sei „nicht theologisch notwendig“ – also nur kirchenpraktisch begründet.

Im zweiten Teil des Gesprächs führte der Erzbischof seine Überlegungen kirchenpolitisch ad absurdum: Für die Abschaffung des Zölibats wäre ein Konzil notwendig, das derzeit von niemandem angestrebt wird.

Für eine Zölibats-Revolution würde auch niemals ein Konzils-Konsens gefunden werden – ist Erzbischof Zollitsch überzeugt.

Warum um alles in der Welt und Kirche macht dann der neugewählte Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz vor der erstaunten Öffentlichkeit die Zölibatsdebatte zu seinem primären Programmpunkt?

Auch wenn der Erzbischof in zwei weiteren Interviews inzwischen zurückgerudert ist, auch wenn der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller sich gegen eine „Neuauflage der alten Zölibatsdebatte“ ausspricht:

Der Schaden, den der neue Vorsitzende der Bischofskonferenz mit seinem Erstinterview angerichtet hat, ist immens.

Innerkirchlich hat er jene Kräfte gestärkt, die schon immer gegen das Zölibat waren, weil sie Amt und Sakrament des Priestertums als banale Leitungsfunktion betrachten – ähnlich wie bei den protestantischen Gemeinschaften.

Für die heutigen Priester ist der Vorstoß zur neuen Zölibatsdebatte ein Schuß in den Rücken, insofern der Erzbischof ihnen signalisiert, daß der bewährte und wohlbegründete Priesterzölibat zur Diskussion und Disposition gestellt werden kann.

Auch für die Seminaristen und Seminar-Kandidaten bedeuten die Denkübungen eines herausgehobenen deutschen Bischofs zum möglichen Ende des Zölibats eine schwere Verunsicherung auf dem Weg zum Priestertum.

Erzbischof Zollitsch sollte sich ernsthaft überlegen, ob er mit einem Rücktritt als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz nicht den beträchtlichen Schaden, den er mit seiner völlig überflüssigen Neuauflage der unfruchtbaren Zölibatsdebatte angerichtet hat, von der Kirche abwenden oder wenigstens minimieren kann.