Ein Albtraum sozialtechnischer Vernunft   (27.04.2013 letzte Änderung am 14.05.2013)

Das Bundesverfassungsgericht verpflichtet seit 1993 den Staat, „Rechts- und Schutzanspruch des ungeborenen Lebens im allgemeinen Bewusstsein  zu erhalten und zu beleben“. In Wirklichkeit geschieht das Gegenteil: In den staatlichen Schulen werden die Jugendlichen mit Lektürestücken wie Max Frisch’ „Homo faber“ für den leichtfertigen Umgang mit  Abtreibung auf subtile Weise zugerichtet.

Wie konnte es seit den siebziger Jahren zu dem dramatischen Werteverfall beim Lebensschutz kommen? 1995 formulierte die sozialistische Bundestagsabgeordnete Christine Schenk die perverse (Un)Logik der Abtreibungsbefürworter: „Wenn es sich um eine gewollte Schwangerschaft handelt, ist der Fötus für die schwangere Frau ihr Kind, wenn es sich um eine ungewollte Schwangerschaft handelt, ein Etwas, das eine Bedrohung für ihren Lebensentwurf darstellt.“ Heute sehen 87 Prozent der Deutschen die vorgeburtliche Kindstötung nur noch als ein Kavaliersdelikt an – ähnlich wie zu schnelles Autofahren.  

Ungeborene Kinder sind „Parasiten“, geborene ein „Klotz am Bein“ der Frau

Schon bald nach dem 2. Weltkrieg begannen gottlose Schriftsteller damit, Abtreibung moralisch zu relativieren und zu rechtfertigen. Die atheistische Autorin Simone de Beauvoir gilt als die „Mutter der Abtreibung“. Mit dieser perversen Begriffskombination wird zugleich angedeutet, dass der Wert ‚Mütterlichkeit’ als liebende Sorge für das Kind in eine tödliche Distanzierung verkehrt wird. In ihrem Buch „Das andere Geschlecht“ (1949) bezeichnete de Beauvoir Schwangerschaft als „Verstümmlung“ der Frau  und ein ungeborenes Kind als „Parasit“, der nichts als ein Stück Fleisch sei, das man problemlos entfernen könne - wie einen Blinddarm. De Beauvoir ließ sich selbst zwei Mal ihren „Blinddarm“-Fötus durch Ärzte entfernen 

Mitte der 50er Jahre trat der Schweizer Schriftsteller Max Frisch als Propagandist einer ‚Kultur des Todes’ auf. Während de Beauvoir Abtreibung aus feministischen und sozialistischen Gründen propagierte, stellte Frisch in seinem Roman  „Homo faber“ aus technisch-rationalistischer Weltsicht alle Vorurteile zusammen, die die Tötung von ungeborenen Kindern rechtfertigen sollten. Die entsprechenden Passagen können auch als Schlüssel-Stellen des Romans gelesen werden, da in ihnen die Ansichten des ‚homo faber’ zu Frauen, Leben, Natur und Planungsrationalität verdichtet zum Ausdruck kommen

Ein Leben mit Ehebruch und Verlassen von Frau und Kindern

Biographischer Hintergrund für die leichtfertige Propagierung von Kindstötungen in Frisch’ Roman waren die leichtsinnigen Wechsel der Liebschaften des Autors:

Der Lebemann Max Frisch ließ seine Frau mit drei kleinen Kindern sitzen und begann eine Buhlschaft mit der Dichterin Ingeborg Bachmann. Im fortgeschrittenen Alter verbrauchte er weitere zwei junge Gespielinnen, die damals  im Alter von Frisch’ Töchtern standen.

Frauen und Mütter sind irrationalen Instinktmenschen

Im Roman heißt es über die Folgen einer solchen Liebschaft: „Mit Rücksicht auf unsere persönlichen Umstände hatten wir das Kind nicht haben wollen.“ Aber die Kindsmutter Hanna hielt sich nicht an die mörderische Vereinbarung, ihre Tochter im Mutterleib töten zu lassen. Sie schenkte dem Kind das Leben, als der Mann sie längst wieder verlassen hatte.

Max Frisch erklärt durch seinen Roman-Protagonisten Walter Faber aus der zynischen Perspektive eines technischen Macher-Menschen Frauen und Mütter zu irrationalen Instinktmenschen. Er macht die männlich-technische Rationalität zum Maßstab der Menschlichkeit, an dem gemessen die fraulich-mütterliche Liebe zum heranwachsenden Kind eher eine untermenschliche Instinktgetriebenheit darstelle:
Es gelte die „Schwäche der Frau für ihr Kind“ als auch den „Automatismus der Instinkte“ zu überwinden. Wenn das Kind erst im Leib der Frau heranwachse, „vergisst sie, dass sie es hat vermeiden wollen“. 

Darüber hinaus bedient Frisch/Faber das Klischee, Frauen seien intrigante und raffinierte Erpresserinnen, die Schwangerschaft „als Gefühl der Macht gegenüber dem Mann“ aufspielten. Auch würden sie „Mutterschaft als wirtschaftliches Kampfmittel“ einsetzen. Damit verdreht der Autor die traurige Bilanz von Abtreibungsentscheidungen in ihr Gegenteil: Bei mehr als 50 Prozent der Abtreibungen geht die tödliche Entscheidung auf soziale Erpressung aus dem Umfeld der Schwangeren zurück.

Argumentative Bauernfängerei

Über die medizinischen Details der grausamen Abtreibung legt der Homo faber den Nebel des dumm-dreisten Begriffs „Schwangerschaftsunterbrechung“. Dieses Lügenwort unterstellt, dass frau eine begonnene Schwangerschaft nach Abbruch fortsetzen könnte. Mit der Wort-Fokussierung allein auf die Schwangerschaft der Frau gerät aus dem Blickfeld, dass  die angebliche ‚Unterbrechung’ oder auch der ‚Abbruch’ einer Schwangerschaft die Tötung eines ungeborenen Kindes bedeutet. Über die medizinischen Methoden der Abtreibung durch mörderische Zerstückelung von ungeborenen Kleinkindern wird erst recht der Mantel des Verschweigens gelegt.

Schließlich versucht Frisch/Faber, den fundamentalen Unterschied zwischen Verhütung einer Befruchtung und Tötung eines heranwachsenden Kindes zu leugnen: In beiden Fällen sei es „ein menschlicher Wille, kein Kind zu haben!“ Das bedeutet eine argumentative Bauernfängerei, als wenn Wille oder Absicht ein Tötungsdelikt rechtfertigen könnten.

Bevölkerungspolitik mit Abtreibung

Für Frisch/Faber spielen diese intentionalen Überlegungen für Abtreibung aber eine zentrale Rolle, insofern sie als ‚Triumph des Willens’ über Gott und die Natur einzuordnen sind: „Der liebe Gott“ hätte die menschliche Überbevölkerung mit Seuchen reguliert. Seit der Mensch die Seuchen besiegt habe, müsse er auch die Fortpflanzung mittels Verhütung und Abtreibung regulieren. Max Frisch fährt fort: „Nur der Dschungel gebärt und verwest, wie die Natur es will. Der Mensch plant“. Abtreibung sei deshalb eine „Konsequenz der menschlichen Kultur“. Im Kampf gegen Kindbettfieber und Kindersterblichkeit nähmen „wir das Leben ernster als früher“. Schließlich: „Nicht zu vergessen die Automation: wir brauchen gar nicht mehr soviel Leute!“

Zu dieser Passage sind ein halbes Dutzend Fehler und Fehldeutungen anzukreiden:
♦ Der Begriff ‚Überbevölkerung’ enthält die Ideologie des Maltusianismus. Die besagt, dass die menschliche Reproduktionsrate immer schon überproportional wäre gegenüber den Kapazitäten von Nahrung und Raum. Diese ‚naturgesetzmäßige’ Tendenz zur Überbevölkerung wird nach Malthus periodisch durch ebenso natürliche Kriege, Hungersnöte und Seuchen reduziert. Die Falschheit dieser Ideologie ist ersichtlich, da die Erde seit Malthus’ Lebenszeit im 18. Jahrhundert ein Zigfaches der Menschen ernähren kann – u. a. durch die Steigerung der Produktivität bei allen Ressourcen.

Das Böse schiebt Frisch „dem lieben Gott“ in die Schuhe

♦ Besonders perfide ist, wie Frisch in seinem Roman den Schöpfer- und Weltengott einführt, nämlich als „lieben Gott“, um ihm dann hinterrücks die Verbreitung der bösen Seuchen in die Schuhe zu schieben. Dabei hat nach biblischer Lehre Gott die Schöpfung als „guten“ und geordneten Kosmos geschaffen. Krankheiten, Seuchen und Tod sowie alle weiteren Übel der Welt sind nach Genesis Kap. 2ff die Folgen der Erbsünde und als solche sind sie Elemente der Natur des Menschen und der Welt.

♦ Max Frisch unterstellt, dass die Reproduktion der Menschen früher wie im Dschungel geschehen sei, gebären und verwesen wie die Tiere, rein instinkt- und naturbestimmt. Dabei gehörten zu den frühesten Bestandteilen der menschlichen Kultur die komplexen Heirats-, Familien- und Verwandtschaftsregeln der Völker, mit denen immer schon Bevölkerungsregulierung betrieben wurde – etwa durch die Bindung der Heiratsfähigkeit an eine Hausstelle.

Eine Abtreibungsgesellschaft betreibt eine ‚Kultur des Todes’

♦ Erst nach dem Zurückdrängen von Seuchen sei der Mensch als planendes Kulturwesen aufgetreten. Verhütung und die Tötung von ungeborenen Kindern sind nach Frisch besondere Kulturleistungen. Eine Wohlstandsgesellschaft wie die deutsche mit jährlich hunderttausenden Abtreibungen betreibt aber eine „Kultur des Todes“, wie Papst Johannes Paul II. es ausdrückte.

♦ Der Abtreibungspropagandist Frisch entlarvt sich selbst, wenn er durch Faber behauptet, dass „wir das Leben ernster nehmen als früher“. Was ist das für eine Kultur, in der die Sterberate der geborenen Kinder gesenkt wird, aber gleichzeitig die Tötungsrate der ungeborenen Kinder jährlich ins Zigfache steigt?

♦ Schließlich liegt der ‚Homo faber’ mit dem Argument falsch, dass die Automation immer mehr Menschen überflüssig machen würde. Das Gegenteil ist richtig: In den letzten 50 Jahren ist in Deutschland bei steigendem Automationsgrad ebenfalls die Zahl der Beschäftigten deutlich angestiegen.

Massenabtreibung als Empfehlung postkolonialer Überheblichkeit

Der Schriftsteller hält es für ein Gebot der aufgeklärten Vernunft, die Überbevölkerung mit massenhafter Abtreibung zu stoppen. „Die Verdreifachung der Menschheit in einem Jahrhundert, die natürliche Überproduktion der Menschen wird zur Katastrophe“ – lautet die Skandalisierung des Autors. Besonders „die drohende Verdoppelung der arabischen Bevölkerung in zwanzig Jahren“ wie überhaupt in den „unterentwickelten Gebieten“ ist dem Autor des dekadenten Westens ein Dorn im Auge.

In postkolonialer Überheblichkeit will Frisch/Faber der Welt - und insbesondere den ehemaligen Kolonialvölkern - die westliche Ideologie mit  den Formeln der technischen Vernunft aufzwingen: Angesichts der begrenzten Nahrungsmittel und Rohstoffressourcen wäre die staatliche Abtreibungsfreigabe die einzig vernünftige und verantwortliche Alternative der Menschheit. 

Zurück zur Abtreibungspraxis der heidnischen Sklavenhaltergesellschaft

Der ‚Homo faber’ als Prototyp der technischen Zivilisation des Westens will die Menschenwelt allein mit der Sozialtechnologie eines Ingenieursbüros gestalten. Dazu müsste die Lebensorientierung an Gottes Geboten, Religion, Moral und der „Heiligkeit des Lebens“ aus den Köpfen radiert werden. Die wahren Schlüsselbegriffe der europäischen Kultur wie  Würde des Menschen, Recht auf Leben,  Ethik und Gewissen müssten dabei der Diktatur der technisch-instrumentellen Vernunft weichen.

Was Max Frisch hier als letzten Schrei der neuzeitlichen Aufklärungsvernunft präsentiert, ist ein alter heidnischer Hut: Bevölkerungsregulierung durch Abtreibungen hatte schon vor 2500 Jahren die altgriechische Sklavenhaltergesellschaft praktiziert. Aristoteles rechtfertigt in seiner Schrift ‚politeia’ diese Praxis. Erst mit dem Christentum und seiner Lehre, dass alle Menschen gleichermaßen Geschöpfe Gottes sind, wurde Abtreibung verboten - ebenso wie das Aussetzen von behinderten Kindern, was ebenfalls ein Kennzeichen der heidnischen Gesellschaften war von den Griechen und Römern bis zu den Wikingern. Die neu-heidnischen Nazis verfeinerten dann die Methoden zur „Verhütung erbkranken Nachwuchses“.

Kinder als sozialtechnische Plan-Produkte

Der unmenschliche Zynismus der sozialtechnologischen Vernunft zeigt sich auch in folgenden Ausführungen von Frisch: Es sei eines „modernen Menschen nicht würdig, ein Kind aus mechanisch-physiologischen Zufällen“ zu akzeptieren. „Kinder sind etwas, was wir wollen, beziehungsweise nicht wollen“ – als Produkte willentlicher Planung und Bestellung gewissermaßen.

Nach christlicher Lehre ist ein Kind die Frucht der Liebe zwischen Mann und Frau, die sich im freiwilligen Akt der Eheschließung ihre lebenslange liebende Treue geloben. Im Schutzraum der familiären Liebe kann ein Kind dann optimal aufwachsen. Bei Frisch reduziert sich der Liebesakt zwischen Mann und Frau auf einen „mechanisch-physiologischen Vorgang“, dem wahlweise Gefühle, der Wille oder Nicht-Wille zum Kind beigemischt werden kann.

Bedingungslose Diktatur der Technik

„Wo kämen wir hin ohne Schwangerschaftsunterbrechung? Fortschritt in Medizin und Technik nötigen gerade den verantwortungsbewußten Menschen zu neuen Maßnahmen.“ Der technikfanatische neue Mensch lehnt „Natur als Götze“ ab, weil er als Weltbauingenieur selbst an die Stelle Gottes tritt: „Wir leben technisch, der Mensch als Beherrscher der Natur, der Mensch als Ingenieur.“

Wer für den technischen Fortschritt in Form von Narkose-Operationen und DDT sei, für Glühbirnen und Atom-Energie, der müsse auch Abtreibungen gut und richtig finden. Es gebe nur die Alternative: bedingungsloser technischer Fortschritt mit allen Konsequenzen – oder „ab in den Dschungel!“

Abtreibungspropaganda in den Schulen

50 Jahre nach Niederschrift der neuen Technik-Heilslehre werden die Folgen dieser zerstörerischen Weltanschauung sichtbar: Umweltgifte und Atommüll bedrohen die Zukunft unserer physischen Lebensgrundlage, Massenabtreibungen machen die demographische Implosion der westlichen Gesellschaften wahrscheinlich.

Max Frisch hat als Schreibtischtäter und Parteitagsredner der SPD zur ideologischen und politischen Durchsetzung von staatlicher Abtreibungspolitik in Deutschland seit den 70er Jahren beigetragen. Das mag auch der Grund dafür sein, dass Kultusminister den Roman der Werteverwirrung seit 40 Jahren für die Schule wärmstens empfehlen oder sogar vorschreiben.

Der ‚Homo faber’ ist ein Reaktionär

In Baden-Württemberg ist das Werk ‚Homo faber’ für 2014 als Abiturthema gesetzt. Über diese literarisch-ideologische Schiene soll wohl in den Köpfen der Abiturienten der Boden bereitet werden für die scharfe Abtreibungspolitik der rot-grünen Landesregierung. Auf dem Hintergrund ist es angebracht, die verschiedenen Passagen zur ideologischen Rechtfertigung von Abtreibung besonders gründlich abzuklopfen. Nebenbei ergibt sich durch eine solche kritische Analyse auch ein Lerngewinn im Sinne der Abiturvorbereitung, denn diese Texteile können als Schlüssel-Argumentationen des ‚homo fabers’ gelesen werden, da in ihnen seine Ansichten zu Frauen, Leben, Natur und Planungsrationalität verdichtet zum Ausdruck kommen.

Bei der Interpretation muss natürlich auch die Darstellungsform des Schriftstellers berücksichtigt werden. Walter Faber wird als ein Vertreter der Aufklärung und Weltzugewandtheit vorgestellt. Durch Sprache, Form und Stil wird  seinen Ansichten die Aura von Rationalität und Fortschrittlichkeit verliehen. Eine kritische Lesung - gegen den Strich gebürstet - offenbart dagegen die Erkenntnis, dass sich unter dem Schein der Modernität reaktionäre Argumentationsmuster und Ideologien verbergen:

• Faber verneint das grundlegende Menschenrecht auf Leben (Art. 2 GG) für ungeborene Kinder.
• Er zeigt chauvinistische Verachtung für die emotionale Intelligenz von Frauen und Müttern.
• Der Machbarkeitswahn auch zu sozialen Beziehungen läuft auf eine totalitäre Beherrschungstechnik über die Gemeinwesen hinaus. 
• Mit der Vorrangstellung von Wollen und Planung im gesellschaftlichen Miteinander werden die moralischen und rechtlichen Begründungssysteme ausgehebelt.
• Faber zeigt postkoloniale Hybris, wenn in den ehemaligen Kolonialländern durch Massenabtreibung Bevölkerungspolitik betrieben werden soll.

Homo faber lernt nichts aus seinem Scheitern – und die Schüler auch nicht!

Nun wird eingewandt: Max Frisch habe mit der technik-fixierten Romanfigur des ‚homo faber’ und dessen Argumentationen nur das Zerrbild eines uneigentlichen Lebens darstellen wollen. Der Roman selbst entlarve den Traum von der vollständig plan- und machbaren Welt als Alptraum. Entscheidend sei, dass Frisch den Technik-Menschen Faber scheitern ließe, wodurch ihm die spätere lebenszugewandte Einstellung eröffnet würde.

Doch darin sind sich die meisten Interpreten einig: Der ‚homo faber’ ist gerade nicht nach dem Muster des klassischen Bildungsromans aufgebaut, bei dem sich der Protagonist durch Anerkennung seiner Schuldverstrickung und Abwendung von falschen Lebensorientierungen zu einer reiferen Persönlichkeit entwickelt. „Der homo faber scheitert, aber er lernt kaum etwas dazu“ – konstatiert Joachim Kaiser. „Faber wandelt sich nicht“, notiert Walter Schmitz. „Er bleibt an die Vergangenheit fixiert.“ Seine Änderungsentschlüsse und neuen Einstellungen sind so klischeehaft wie seine Äußerungen dazu – etwa: „Ich preise das Leben!“ Fabers Persönlichkeit bleibt ambivalent, in sich widersprüchlich – wie der ganze Roman:

Max Frisch zeigt zwar die Brüchigkeit der Weltanschauung seines Protagonisten, aber er hebt dessen reaktionäre Thesen nicht auf, lässt sie in der Schwebe weiterschwingen.
Die rationalistischen Prinzipien der sozialtechnischen Vernunft erweisen sich als nicht tragfähig, aber neue Werte-Perspektiven werden nicht aufgezeigt. Was bleibt ist ein Relativismus der Werte, eine postmoderne Ratlosigkeit.

Die verantwortlichen Lehrplan-Macher in den Kultus-Ministerien sollten sich ernsthaft fragen, ob dieser Roman der Werteverwirrung für die heranwachsenden jungen Menschen wirklich bildungs-sinnvoll und orientierungs-verantwortbar ist. Das Argument, dass man auch aus einem schlechten Beispiel (eines Romans) noch lernen könnte, dürfte als Begründung für eine Schul-Lektüre zu dünn sein.