Arbeitskreis von Katholiken    im Raum Frankfurt /Main

                                                                                                                                                                                                                                        Frankfurt/Main, 12. April 2010

 

 

Erklärung

zum Ökumenischen Kirchentag 2010 in München

 

Im Blick auf die Beziehungen der katholischen Kirche zu den Ostkirchen und kirchlichen Gemeinschaften des Westens hat Papst Benedikt XVI. während der Generalaudienz am 20. Januar 2010 hervorgehoben, daß die bilateralen theologischen Dialoge seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil dazu geführt hätten, „Annäherungen und auch Einvernehmen in verschiedenen Punkten zu finden.“   

Die Dankbarkeit über diese Fortschritte im ökumenischen Dialog darf aber nicht darüber hinwegsehen, daß es in manchen kirchlichen Gemeinschaften des Westens in jüngerer Zeit Entwicklungen gegeben hat, bei denen es sich um gravierende Rückschritte auf dem Weg zur Einheit der Christen handelt.

Für den Bereich der EKD sind an dieser Stelle neben der Frauenordination vor allem die Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften und die Anerkennung des Letztentscheidungsrechtes der Frau über Leben und Tod ihres ungeborenen Kindes zu nennen.

Der Angriff auf die biblische Schöpfungsordnung durch die Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften und die Legitimation des Rechts des Stärkeren durch die Anerkennung des Letztentscheidungsrechts der Frau über Leben und Tod ihres ungeborenen Kindes sind Ausdruck eines Dissenses, der nicht unter Verweis auf bestehende oder erreichte interkonfessionelle Gemeinsamkeiten in Kauf genommen werden darf.

Denn dieser Dissens betrifft fundamentale anthropologische und ethische Fragen; insofern ist er vergleichbar mit einem Tropfen Mineralöl, der eine große Menge sauberen Wassers ungenießbar macht. 

In diesem Zusammenhang ist auch die Kritik zu sehen, die in den letzten Monaten von Seiten der russisch-orthodoxen Kirche gegenüber der EKD geäußert worden ist. Dabei wurden „die wachsenden Differenzen in kirchlichen Schlüsselfragen“ beklagt und erhebliche Zweifel am Sinn des bisherigen Dialogs mit dem westlichen Protestantismus geäußert.

Vor diesem Hintergrund bitten wir die deutschen Bischöfe, die Beziehungen zur EKD innerhalb ihres Verantwortungsbereichs kritisch zu überprüfen. Dieses um so mehr, da manches dafür spricht, daß die aufgezeigten anthropologischen und ethischen Verwerfungen auch aufgrund der derzeitigen ökumenischen Praxis zunehmend das Bewußtsein der katholischen Christen in unserem Land bestimmen.  

Des weiteren bitten wir die deutschen Bischöfe, eine eventuell geplante Teilnahme am Ökumenischen Kirchentag zu überdenken. Angesichts der massiven Präsenz jener Interessensgruppen, die sexuelle Verhaltensweisen propagieren, die im Widerspruch zur biblischen Schöpfungsordnung stehen, kann eine Teilnahme sogar als verhaltene Billigung dieser Aktivitäten verstanden werden.

Abschließend möchten wir unser Befremden darüber zum Ausdruck bringen, daß Katholiken, die aus guten Gründen dem Ökumenischen Kirchentag ablehnend gegenüberstehen, als Kirchensteuerzahler gezwungen werden, einen finanziellen Beitrag zur Durchführung dieser höchst fragwürdigen Veranstaltung zu leisten.