Bischof Ackermann auf der Suche nach seiner Ökumene    (27.11.2013)

Zu den Äußerungen des Trierer Bischofs Ackermann anlässlich eines ökumenischen Gottesdienstes am Buß- und Bettag 2013 im Trierer Dom

In der ökumenistischen Betriebsamkeit läßt sich der Trierer Bischof Ackermann offensichtlich von keinem anderen Bischof in der deutschen Amtskirche übertreffen. Dabei greift er auch zu unkonventionellen  Methoden, sprich Argumenten: auch die evangelischen Partner seien von der Krise im Bistum Limburg betroffen und hätten kritische Fragen auszuhalten und Kirchenaustritte hinzunehmen. Es beschäme ihn aber auch, wie evangelische Christen durch innerkatholisches Verhalten betroffen sind, und er wolle diese Scham bekennen, es gebe eine eigenartige ökumenische Verbundenheit und eine Ökumene unter schmerzlichen Vorzeichen, predigte er im Trierer Dom anlässlich eines ökumenischen Gottesdienstes am Buß - und Bettag. Bei diesem Betroffenheitsgestus und einer solchen Offensive des  Fremdschämens konnte er dann von seinem evangelischen Partner als Replik  dessen Schuldbekenntnis dankbar entgegennehmen: die Protestanten hätten das konfessionelle Eigeninteresse an die erste Stelle gesetzt und die Rechte und die Würde von Christinnen und Christen anderer Konfession verletzt; und auch in der evangelischen Kirche, die das Priestertum aller Gläubigen vertrete, hätte es lange gedauert, bis Frauen Pfarrerinnen hätten werden können.

Was versteht  der Bischof unter Ökumene und einer Ökumene unter schmerzlichen Vorzeichen?  Offenkundig  meint er mit Ökumene die Protestantisierung der katholischen  Kirche; denn wie könnte er sonst seine Betroffenheit und Scham begründen, wenn nicht aus Sorge um die Protestanten mit ihrer jetzigen Glaubenspraxis und nicht wegen des Protestantismus in seiner theologischen Verfasstheit; denn er gibt seinen Repräsentanten ja ausgerechnet im Dom ein Forum für die Abschaffung des Weihepriestertums und für ihr, soziologisch betrachtet, aussterbendes Modell einer humanitären Organisation, in dem vom Christentum nur noch Elemente als Folklore geduldet sind. Und wie könnte er sonst gerade die Situation in Limburg  zur Führungskrise des Bischofs hochreden und instrumentalisieren, wo doch gerade der dortige Bischof der Protestantisierung der katholischen Kirche im Wege steht. Meint er mit den schmerzlichen Vorzeichen, dass  der katholischen Kirche  und den Protestanten  immer mehr Gläubige abhanden kommen  und man, wie er noch sagte, in ökumenischer Verbundenheit eine Schicksalsgemeinschaft sei? Meint er mit schmerzlich, dass mit den Kirchenaustritten, sprich geringeren Einnahmen an  Kirchensteuern, schmerzliche  Einschnitte  in den äußerlich noch gesund erscheinenden, viele Kirchenbeamte gut nährenden, innerlich aber kranken Korpus der Amtskirche folgen müssen.

Die schmerzlichen Einschnitte treiben den Bischof offenkundig so um, wie ihm seine Ökumene am Herzen liegt, wo er doch keine Gelegenheit ausläßt seinem ökumenistischen Faible zu frönen, sei es , dass er sich von einer Oberkirchenrätin das Kreuzzeichen auf die Stirn als sog. Tauferneuerungszeichen geben läßt , die Heilige Rock Wallfahrt zu einer ökumenischen Veranstaltung umfunktionierte und dazu die Reliquie zu einem für Protestanten akzeptablen Symbol herabstufte oder aktuell, wie er sich in der Presse zur Stellungnahme aus Rom zu der Freiburger Handreichung zur Kommunionspendung an wiederverheiratet Geschiedene zitieren läßt , dass  der Präfekt der Glaubenskongregation nicht einfach die Diskussion mit einer autoritativen Stellungnahme beenden könne.

Bei solcher episkopaler Umtriebigkeit  und Aufmüpfigkeit kann sich der Bischof des Beifalls der Presse und des größten Teils  der deutschen Amtskirche sicher sein, die ja die katholische Kirche schon so durchprotestantisiert hat, dass, wie der Bischof richtig feststellte, die Menschen nicht mehr zwischen den Konfessionen unterscheiden können, was ja ganz im Sinne seiner ökumenischen Verbundenheit ist. So werden über die Hintertür durch Fakten, die von der Kirche selbst in den letzten Jahrzehnten geschaffen wurden, die Demoskopie und der Dialogbetrieb willfährige Instrumente, um die Ökumene im Sinne des Protestantismus durchzusetzen. Denn diese geben doch ganz in protestantischer Manier, nämlich per Mehrheitsmeinung vor, wohin die Reise gehen soll.

Auf dieser Reise wird die Frage des Apostels Thomas “ Herr, wir wissen nicht, wo Du hingehst; wie können wir den Weg wissen? “ erst gar nicht gestellt, weil es nicht um die Wahrheit geht, sondern um Funktionalität.

Professor Dr. med. Eberhard Gross