(23.10.2017)

Nachdenkenswertes zu „Chancen und Grenzen des Dialogs mit dem Islam“

 

Der Arbeitskreis von Katholiken sandte Bischof Bätzing, Bistum Limburg, als Antwort auf sein Statement vor der Herbstvollversammlung der deutschen Bischofskonferenz mit dem Titel „Chancen und Grenzen des Dialogs mit dem Islam“

folgenden Brief.

Auf drei wichtige Punkte ist vorab hinzuweisen:

1.   Das von Bischof Bätzing zitierte Kapitel zum Islam in nostra aetate ist mit 10,5 Zeilen im vatikanischen Text extrem kurz und nur wenig aussagefähig.

2.   Bei dem Konzilspapier nostra aetate handelt es sich um eine Erklärung und nicht um ein Dekret, also ein Papier ohne Rechtsverbindlichkeit und damit auch ohne Verbindlichkeit für den Glauben.

3.   Bei einer Textanalyse der ersten beiden Seiten von nostra aetate ist davon auszugehen, dass der Text nicht aus katholischer Feder stammt. Es werden darin Fragen als zu Klärende formuliert, die in der katholischen Lehre nicht offen sind und deren Beantwortung immer zum festen katholischen Glaubensgut gehörte. 

 

 

 

Offener Brief

als Antwort auf ein Statement von Bischof Dr. Bätzing

anlässlich der Herbstvollversammlung 2017 der deutschen Bischofskonferenz  in Fulda mit dem Titel „Chancen und Grenzen des Dialogs mit dem Islam“

 

 

Eure Excellenz,

Hochwürdiger Herr Bischof Dr. Bätzing!

 

 

Als  Bischof von Limburg und Vorsitzender der Unterkommission für den Interreligiösen Dialog der Deutschen Bischofskonferenz, nahmen Sie anlässlich der Tagung der deutschen Bischofskonferenz in Fulda zum Thema „Chancen und Grenzen des Dialogs“ im interreligiösen Dialog mit dem Islam in einem Statement Stellung. Sie verwiesen  auf nostra aetate und riefen diese Erklärung als Kronzeugen für Ihr Statement auf, ohne jedoch konkret daraus zu zitieren. Sie erzeugten so Stimmungen und blieben den Beleg für den Inhalt Ihrer Rede durch Zitate aus dem Text schuldig.

Aus diesem Grunde verweisen wir auf den Text von nostra aetate und ergänzen  dies  durch eine weitergehende und differenzierende Betrachtung des Islam und des islamischen Gottesbildes in der bekannten Regensburger Rede von Papst Benedikt XVI. Gerade der Teil der Regensburger Rede, der sich mit den Unterschieden zwischen dem christlichen und islamischen Gottes – und Menschenbild beschäftigt, war nie Anlass einer kontroversen Diskussion und gilt allgemein als anerkannt.

Der zentrale Satz in Ihrer Rede ,War die Kirche naiv, als sie in Nostra aetate die verbindenden Glaubensinhalte von Islam und Christentum herausstellte und sich zum Dialog bekannte?“  hinterlässt die Frage: Welche Glaubensinhalte stellt nostra aetate als verbindlich dar und welche  bedürfen einer Diskussion, damit die Betrachtung nicht kryptogam wird.  Sie gingen dann in Ihrem Statement noch weiter, indem Sie vom Islam „als die dem Christentum so sehr verwandte Weltreligion Islamsprachen.

Können die Christen diese Aussagen und Zitate von Ihnen bei Beurteilung der Gemeinsamkeiten und Unterschiede als richtig anerkennen?  Eine wesentliche Frage wird sein: Sind die Gottesbilder des Christentums und des Islams als Machwerk der Menschen erklärbar und sogar vergleichbar oder offenbart sich dahinter ein Gedankengut, das primär nicht dem Denken der Menschen entspricht? 

Das Gottesbild der Moslems ist fest gefügt.  Allah gilt als allmächtig. Er existiert ohne Ort und Zeit und  er ist einzig. Er hat weder einen Anfang noch ein Ende, er braucht nichts und ist bedürfnislos, er ist allmächtig, alles geschieht, was er will, er weiß alles, hört alles und sieht alles. Sein Leben ähnelt nicht dem menschlichen Leben und es ist nicht an eine Seele, Fleisch oder Herz gebunden. Er spricht ohne Zunge und Lippen und ist unvergleichbar.

Diese moslemische Beschreibung  Allah´s hat Ähnlichkeiten mit christlichen Vorstellungen über Gott.

Die Unterschiede beginnen aber bei der Vorstellung: Hier der  Gott in drei Personen, dem Vater, der die Welt erschuf, dem Sohn, der den Menschen erlöste und dem Geist der den Menschen heiligt und dort Allah,  außer dem es keinen Gott gibt.

Allah ist für Moslems der hochheilige König, dem das Heil innewohnt. Er ist der Mächtige, Gewaltige und Stolze. Dabei gilt gerade der Stolz oder superbia im Christentum als Sünde und das Gegenteil die Demut oder humilitas als Tugend. Hier trennen sich bereits die christlichen und moslemischen Vorstellungen fundamental. Im Magnifikat betet die Gottesmutter:  denn er hat auf die Niedrigkeit (humilitas) seiner Magd geschaut…Er zerstreut die im Herzen voll Hochmut (superbia) sind.

Benedikt XVI ging in seiner Regensburger Rede näher auf die weitere moslemische Gottesvorstellung ein, indem er ausführte :                                                                                                                                                                               

„Für die moslemische Lehre  ist Gott absolut transzendent. Sein Wille ist an keine unserer Kategorien gebunden und sei es die der Vernünftigkeit.[6] Benedikt verweist dabei auf Khoury, der  in seinem Werk eine Arbeit des bekannten französischen Islamologen R. Arnaldez zitiert, welcher darauf hinweist, dass Ibn Hazm so weit gehe zu erklären, dass Gott auch nicht durch sein eigenes Wort gehalten sei und dass nichts ihn dazu verpflichte, uns die Wahrheit zu offenbaren. Wenn er es wollte, müsse der Mensch auch Götzendienst treiben.[7]

Benedikt zeigt damit die Trennlinie zwischen der christlichen und der mohamedanischen Gottesvorstellung. Hier der dreifaltige Gott, der an Kategorien, wie Liebe, Barmherzigkeit, Gerechtigkeit  einschließlich der Vernunft und  an sein Wort gebunden ist und dort Allah, der an nichts gebunden ist, noch nicht einmal an die Wahrheit. Vereinfacht ausgedrückt entspricht Allah damit den Vorstellungen eines Diktators, dem alles erlaubt ist.

 Paulus geht auf die zentrale Bedeutung der Wahrheit für den christlichen Glauben im 1. Brief an Timoteus Abs.2 Satz 4 ein, in dem er schreibt …  Gott, „welcher will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.. Damit wird die Erkenntnis der Wahrheit durch Gott zum zentralen Ziel des menschlichen Lebens. 

Die christliche Gottesvorstellung beinhaltet auch die Vollkommenheit Gottes . Deswegen stellt sich die Frage, ob der Allah, der an keine Kategorien auch nicht an die Wahrheit gebunden ist, auch als vollkommen bezeichnet werden kann.

Der große Unterschied zum Islam besteht darin, dass Gott dem Menschen nicht beziehungslos, sondern in drei Personen gegenübertritt und diese drei Personen ein einziger Gott sind, keine drei Götter. Dadurch wird die Gottesbeziehung für den Menschen eine persönliche, die der Islam so nicht hat.  Der Mensch soll Gott sogar Vater nennen und so als Gotteskind in eine intimste Beziehung zu Gott treten.

Ein weitere differenzierte Betrachtung bedarf das Gebet, die heilige Anrede Gottes, und hier vor allem den Lobpreis und die Anbetung.

Die Kirche war sich immer einig, dass der Lobpreis und die Anbetung anderer Götter, also auch Allahs, Götzendienst sind und den dreifaltigen Gott in der höchsten Form beleidigen und den Zugang zum wahren und dreifaltigen Gott verschließen. Auch dem wahren Bittgebet, wurde in der Gebetstechnik immer der Lobpreis vorangestellt, so wie Christus es uns gelehrt hat. Er sagte sogar, wenn ihr betet dann betet so :Vater unser, der du bist im Himmel, geheiligt werde Dein Name.“…  

Eine weitere verpflichtende christlichen Gebetstradition ist das Gebet für die Feinde, ein Gebet, das die Christen von anderen Religionen und auch vom Islam unterscheidet. Aus dieser Betrachtung des christlichen Gebetes ist erkennbar, dass es  ein ehrliches gemeinsames Gebet zwischen Christen und Moslems nicht geben kann, sosehr auch die persönliche Frömmigkeit vieler Moslems als vorbildlich anerkannt werden muss.

Der Vergleich von Christentum und Islam führt zu der Erkenntnis, dass beide sehr unterschiedlich sind. Stellt man  die Frage, welche der Religionen eher ein Machwerk der menschlichen Vorstellung ist, so muss dem Christentum zugestanden werden, dass es nicht mit den Gedanken der Welt übereinstimmt (Fulton Sheene). Der Tod am Kreuz als Sieg und die Schande des  Kreuzes  als Herrschaftssymbol des Christentums, sind Torheit in den Augen dieser Welt und entspringen nicht dem Denken der Welt. Dagegen entsprechen die Weiterverbreitung des Glaubens durch das Schwert im Islam und die fehlende Bindung an Kategorien und vor allem an die Wahrheit durchaus dem menschlichen Machtdenken. Wie Sie, Hochwürdigster Herr Bischof so  von der dem Christentum so verwandten Weltreligion sprechen konnten, bleibt rätselhaft. Diese Aussage ist irreführend und hält keiner Überprüfung stand.

Die Betrachtung dieses Statements führt jedoch auch zu der  Erkenntnis, dass hier nicht nur ein Bischof, wie Sie, das Verhältnis Christentum zum Islam falsch beurteilt, sondern dass die  deutsche Bischofskonferenz zu der falschen Beurteilung schweigt, die deutschen Katholiken über die Trennlinie im Unklaren lässt und dass sie nicht mehr bereit  ist, die Wahrheit Christi den ihnen anvertrauten Gläubigen  auftragsgemäß zu verkündigen. 

 

Für den Arbeitskreis von Katholiken im Raum Frankfurt

 

Dr. Dieter Fasen