(16.2.2018)

Der Verlust des Glaubens

 

Einschätzung zu zwei  Beiträgen zur Änderung des Vaterunsers durch den Vorsitzenden der deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Marx

veröffentlicht auf kath.net  am 06.12.2017 und 04.02. 2018

Der Papst hat die fragwürdige Diskussion zur Änderung der Vaterunser Bitte „und führe uns nicht in Versuchung“ angestoßen.

Kardinal Marx nahm dazu  am 06.12.2017 als DBK – Vorsitzender auf Kath.Net mit folgenden Worten Stellung :  „Ich sehe keine Notwendigkeit, das (Vaterunser) zu verändern“, er habe den Eindruck, dass die meisten Bischöfe das so sehen wie ich und keinen Handlungsbedarf sehen.  – „Jeden Tag ein Vaterunser ist das Minimalprogramm eines Christen“

Am 04.02.2017 begrüßte derselbe Kardinal Marx   die aktuelle Diskussion um die Vaterunser-Bitte „Führe uns nicht in Versuchung“ und sagte  Es ist sehr gut, dass wir über eine zentrale Frage unseres christlichen Betens so ernsthaft reden.“  und weiter sagte er dazu: „Das Vaterunser sei ein fester Bestandteil unserer christlichen Kultur“.

Die schnelle am vatikanischen Zeitgeist orientierte Wendung muss in Erstaunen versetzen. Ein Kardinal, der  heute so und morgen so redet, kann nicht mehr verstanden werden. Er kann insbesondere nicht für sich in Anspruch nehmen, die Wahrheit Christi zu verkünden, die eine Ewige ist. Er lässt auch nicht erkennen, dass seine Widersprüchlichkeiten der Aussagen  die Signatur des Heiligen Geistes tragen.

Schon der erste Satz ist falsch. Der Kardinal sagt:“ Es ist sehr gut, dass wir über eine zentrale Frage unseres christlichen Betens so ernsthaft reden.“ Das Vaterunser ist keine zentrale Frage, sondern eine zentrale Antwort  Christi, der sagte: Wenn ihr betet, dann betet so… Und diese Antwort hat für Christen bindend zu sein.

Der zweite Satz des Bischofs  erschüttert noch mehr: Das Vaterunser sei „ein fester Bestandteil unserer christlichen Kultur“. Hier muss die Frage gestellt werden, was ist eigentlich Kultur. Unter dem Anspruch auf Kultur ist ein sehr weites Feld zu verstehen, im weitesten Sinne alles, was der Mensch gestaltend für andere hervorbringt. Konkret, vom Schweizer Albhornbläser über die Stierhatz in Spanien, vom Tiroler Trachtenjanker und bis zum Bau von Kathedralen, um nur einige nennen erhebt vieles den Anspruch,  Kultur zu sein. Eines ist jedoch einigend: Kultur wird von Menschen für Menschen gemacht. Das jedoch trifft auf das Vaterunser nicht zu. Es stammt von der zweiten Person Gottes, dem Sohn, und ist uns Menschen zur Anbetung der ersten Person Gottes, des Vaters, gegeben worden. Also von Gott für Gott und nicht vom Mensch für den Menschen gegeben.

Ein Kardinal,  der das Gebet des Herrn nur mehr als ein Bestandteil der Kultur bezeichnet, vertritt   e i n e    a n d er e    K i r c h e  (Erzbischof Dr. Johannes Dyba)

Diese Definition kann allenfalls im Sinne der Terminologie der Freimaurer verstanden werden. Für das katholische Verständnis gilt, dass jemand,  der so redet und das Wort Christi zu einem Bestandteil der Kultur erklärt,  die Kirche Jesu Christi nie verstanden hat.

Möglicherweise ist aber Marx erst sehr spät klar geworden, dass mit dem Wunsch nach Änderung des Vater unser zugleich der Rubikon überschritten wird, die Grenze zur Kirche Jesu Christi. Es stellen sich deswegen Fragen zum Verständnis des Vater unser:

Vater unser: Welche Gemeinschaft ist mit dem unser gemeint, die Brüder Jesu Christi und zwar die Gemeinschaft der Gläubigen, die Jesus als den Sohn des lebendigen Gottes bekennen. Oder wird mit Vater der von Franziskus genannte Vater aller Konfessionen bezeichnet und sind unter „unser“ alle zu verstehen, unabhängig ihres Gottesbekenntnisses und ihrer Gottesvorstellung?  (Bei einem Empfang am 27.01.2018 für das Rote Kreuz betete Franziskus zu „Gott – Vater von uns allen, Vater aller Konfessionen“.)

 

Geheiligt werde Dein Name: Ist der so Betende bereit, Gott in tiefer Demut alle Ehre zu geben? 

Zu uns komme Dein Reich: Wie kann der Gläubige von Herzen so beten, wenn die aktive Ausbreitung des Reiches von Franziskus als Proselytenmacherei bezeichnet wird.

Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern ist die Anerkennung der göttlichen Gerechtigkeit und die Unterstellung des Betenden unter diese Gerechtigkeit. Der Betende erkennt an, dass er mit dem Maß gemessen wird, mit dem er selber misst, nach dem Motto Barmherzigkeit den Barmherzigen.

Führe uns nicht in Versuchung: Der Sohn Gottes, unser Herr, selbst wurde vom Geist zur Versuchung in die Wüste geführt und gab  dem Versucher (nicht den Geist, der ihn führte) drei Antworten:

·         Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von jedem Wort, das aus dem Mund Gottes kommt

·         Du sollst deinen Herrn und Gott nicht auf die Probe stellen.

·         Weg mit Dir, Satan …. Dem Herrn alleine sollst Du dienen und ihn alleine anbeten.

 

Die Versuchung ist die Bewährung in der Nachfolge Christi. Warum soll diese Bitte geändert werden? Der zweite Satzteil: „sondern erlöse uns von dem Übel“ gibt die Antwort.

 

Zuletzt sei zusammenfassend  nochmals darauf hingewiesen,

·         dass das Vaterunser aus dem Munde Gottes kommt,

·         dass es seit nahezu 2000 Jahren in der Sprache der Kirche       gebetet wird,  und

·         dass für die Menschen gilt, dass sie von dem Wort leben, das aus dem Munde Gottes gekommen ist  (Matth. 4,3).

 

 Dies ist nach der Metapher des Rubikon die erkennbare Grenzlinie zwischen der Kirche Jesu Christi und einer synkretistischen Neokirche, die verkündet, sie habe die Deutungshoheit über das Wort Gottes und hier Konkret über das Gebet des Herrn

 

 

Im Auftrag der Mitglieder des Arbeitskreises von Katholiken

 

Dr. med. dent. Dieter Fasen