Die Dialog-Krippe                   (25.12.2013)

 

Die „Dialogkrippe“ – welche zuerst Bahnhofskrippe und später auch Solidaritäts-, ebenso Friedenskrippe genannt wurde – unterscheidet sich in mehr als einer Hinsicht von den herkömmlichen Weihnachtskrippen. Die Unterschiede betreffen freilich nicht den Kern. Die Grundbotschaft: Und das Wort ist Fleisch geworden – überdauert unverändert die Zeiten.

Dann aber beginnen sogleich die Unterschiede. Weil nicht wenige Zeitgenossen vielfach die Kirche meiden – sowohl wortwörtlich als auch im übertragenen Sinn – steht die Dialogkrippe in einem öffentlichen, nicht sakralen Raum z.B. in Bahnhöfen oder Flughäfen.

Weil viele Menschen keine Perspektive der Hoffnung kennen, die stärker ist als der Tod, will die Dialogkrippe auf die christliche Hoffnung verweisen, welche in der Menschwerdung Gottes verankert ist.

Weil der Mensch von heute häufig verloren ist und keinen tragenden Lebenssinn finden kann, will die Dialogrippe ihm  die Quelle der Sinnfindung näherbringen.

Weil Menschen in dem Umgetriebenwerden des Alltags und in der virtuellen Welt des Fernsehens, Computers und Internets... letztendlich oft geknickt sind (wie ein Schilfrohr) möchte die Dialogkrippe zum Innehalten, zur Besinnung, zur Reflexion und Meditation, aber auch zum Schauen einladen, um ihnen zu helfen das geistige Leiden zu überwinden, welches Sinnleere und Hoffnungslosigkeit bewirken.

Weil es unzählige Menschen gibt, denen es am allerelementarsten mangelt, möchte die Dialogkrippe das Herz und das Gewissen der Satten und „beati possidentes“ berühren: Solidarität als Arznei gegen das Hungern, Dürsten, Obdachlosigkeit bzw. Slums, Darben... Analphabetismus, Perspektivlosigkeit.

Weil es viel Gräben und Mauern, Konflikte, Zerwürfnisse, Argwohn, Selbstherrlichkeit, Feindseligkeiten, Hass und Gewalt, Gier, möchte die Krippe schreien: Dialog, Dialog, Dialog.

Weil man Freude und Glück aus Drogen, Alkohol, der Vergnügungsindustrie, betäubenden Lärm, Events... schöpfen möchte, möchte die Dialogkrippe auf andere Wege zu einem gelungenen und erfüllten Leben kraft der Frohen Botschaft aufmerksam machen.

Weil sehr vieles im Argen liegt – nicht nur die Dritte Welt – und Frauen, Kinder, Familien, Kranke, Einsame, Bedrohte, Diskriminierte, Verfolgte ohne Zahl häufig sogar um ihre nackte Existenz bangen müssen, möchte die Dialogkrippe die vielerorts unerreichten Ziele benennen wie Friede, Sicherheit, Toleranz, menschenwürdiges Leben, einklagbare Menschenrechte... Daher hat jede Dialogkrippe noch eine zweite Botschaft z.B. „Bethlehem und der Friede weltweit“.

Weil Menschen wahre Vorbilder brauchen, stehen jeder Krippe große Christen bzw. überragende Menschen zur Seite wie Charles de Foucauld, Edith Stein, Mutter Teresa, Janusz Korczak, Pier Giorgio Frassati, Gilbert Keith Chesterton..., Johannes XXIII.

Nicht unwichtig ist, dass die großen Krippenfiguren seit 13 Jahren von Jugendlichen geschnitzt werden und dass ihre Krippen bislang in 5 Ländern stehen.

Sollte man, dass Krippenunterfangen mit einschlägigen Adjektiven kennzeichnen, so wäre jedenfalls diese nicht zu übergehen: dialogisch, biblisch, ökumenisch, multikulturell, international, schlicht.

Was den Dialogkrippen fern liegt, das ist das Folgende: Disneyland, Verspieltheit, Idyllisches, Unechtes, Künstliches.

Die Krippen heißen deshalb dialogisch, weil der verhältnismäßig junge Begriff „Dialog“ ziemlich deckungsgleich für den alterwürdigen (und stets jungen) Begriff Gottes- und Menschliebe steht.

Die Dialogkrippe möchte an den Dialog Gottes mit den Menschen erinnern.

In Jesus Christus hat uns Gott seine Liebe geschenkt: „zuerst“, „bis zur Vollendung“, „übergroß“ (und völlig ungeschuldet). Ein Wort von einem Bischof bringt alles auf einen Nenner: Mach´s wie Gott. Werde Mensch.

 

Witold Broniewski