(2.5.2018)

Ein klares Wort zu Bayern  (Teil II)

Ein Gastkommentar von Bernhard Mihm, Stadtrat a. D.

Der Entschluß der Bayerischen Staatsregierung, im Eingangsbereich aller Dienstgebäude ein Kreuz anbringen zu lassen, hat eine Debatte um Wesen und Sinn der Darstellung des Kreuzes entfacht. Gerade auch katholische Bischöfe haben eingewandt, das Kreuz als im Glauben zu erfassendes Heilszeichen könne weder „von oben verordnet“ noch zum „Kultursymbol“ gemacht werden.

Ich halte diese Einwände für nicht nur nicht stichhaltig, sondern für Erhaltung und Weitergabe des Glaubens geradezu kontraproduktiv. Sie bezeichnen die offensive Akzeptanz einer Dekadenz der Religion.

Selbstverständlich ist das Kreuz zunächst Ausdruck des Glaubens an Christus und sein Erlösungswerk. Dieser Glaube ist ebenso selbstverständlich höchst persönlich und zudem gnadengewirkt. Aber Gnade setzt Natur voraus. Offenheit für Gnade dürfte in einer gesellschaftlichen Umgebung, die vom Glauben geprägt ist, eher bestehen als in einem Lebensumfeld, das Hinweise auf den Gegenstand des Glaubens nicht kennt.

Glauben, Hoffnung und Liebe, diese drei drängen nach Ausdruck, nach Handgreiflichkeit. Und so sind Kult und Kultur stets Folgen der Anwesenheit von Glauben, Hoffnung und Liebe gewesen. Kult und Kultur, nicht ohne Sinn miteinander eng verwandte Worte, sind solch handgreiflicher Ausdruck: Kult im Gottesdienst, Kultur im täglichen Leben. Weil aber Kultur tägliches Leben ist, tägliches Zusammenleben zumal, vermählt sie Religiöses mit dem ein oder anderen Aspekt. So darf man nicht ungestraft das eine gegen das andere stellen oder ausspielen.

Die von den Kritikern der Bayerischen Staatsregierung geführte Argumentation will den Einzelnen in seiner Selbstbestimmung und Würde schützen, und argumentiert doch in einer Weise, die nur auf der Grundlage christlichen Denkens möglich ist. Denn es war, wie der britische Historiker Siedentop herausgearbeitet hat, der „Erfinder des Individuums“. Römische Hausgewalt hat es ebenso überwunden wie germanisches oder slawisches Stammesdenken und auch die islamische „Umma“ degradiert das Individuum zum bloßen Teil eines übergreifenden Ganzen. „Die Würde des Menschen ist unantastbar“, diese Statuierung ist ohne christliche Geistesgeschichte gar nicht vorstellbar. Von daher ist das Kreuz jenseits der Glaubensüberzeugung eines jeden entweder Erinnerung daran oder Herausforderung dazu. Die mit der Würdeaussage der Verfassung begründete Art, in Staat und Gesellschaft zusammenzuleben zu bedenken. Es fordert werthaltige Integration in unser Gemeinwesen.

„Zur Sache: Das Kreuz“ riefen die oldenburger Katholiken dem Gauleiter zu, als er ihnen die Entfernung der Kruzifixe aus den Schulen schmackhaft machen wollte. Diese  Bekenntnisglut anzufachen, wäre auch jetzt Aufgabe zumal von Hirten und Oberhirten.