Vorschlag für die Neugestaltung des zurzeit in Bearbeitung befindlichen einheitlichen Gebet- und Gesangbuch „Gottes Lob“ der deutschen Bistümer,

 

Oberbrechen, den 02. November   2007

 

An

Hochwürdigsten Herrn Erzbischof

des Erzbistum Köln

Seine Eminenz Joachim Kardinal Meisner 

Erzbischöfliches Generalvikariat

 

Marzellenstr. 32

59668 Köln

 

 

Neugestaltung des einheitlichen kirchlichen Gebet- und Gesangbuches im deutschen Sprachraum, „Gottes – Lob“

 

Hochwürdigste Eminenz;

 

im Auftrag der „Arbeitsgemeinschaft von Katholiken im Raum Frankfurt“ wende ich mich bezüglich der in Vorbereitung befindlichen Neugestaltung des einheitlichen Gesang- und Gebetbuches  für den deutschen Sprachraum, das „Gottes – Lob“, an Sie.  Da Sie, Hochwürdigste Eminenz, für die Liturgie in der Deutschen Bischofskonferenz die Redaktion übernommen haben, erlauben wir uns, Ihnen unsere Überlegungen und Anregungen mitzuteilen.

Wir  bitten Sie um Ihre wohlwollende Kenntnisnahme und Unterrichtung der zuständigen Organe in der  Deutschen Bischofskonferenz. .

 

  1. Vorgeschichte der Gebet- und Gesangbücher in der Kirche in Deutschland

 

·         Bis zum Abschluss der  Liturgiereform nach dem 2. vatikanischen Konzil hatten alle deutschen Diözesen ihre je eigenen Gebet- und Gesangbücher. Der Aufbau war sehr häufig in der Form gegeben, dass der Beginn die Ordnung der Heiligen Messe in den Sprachen lateinisch / deutsch war. Teilweise erfolgte die Gliederung zur Jahresordnung mit der Angabe, welche Schriftteile zur Lesung und zum Evangelium vorgegeben sind. Das Tages- und Kirchengebet war in deutscher Sprache zum großen Teil eingefügt;

·        Es folgten die einzelnen Ordnungen für die Sakramentenspende, wie Beichte, Firmung, Eheschließung, Krankensalbung, Begräbnis, sowie die Gebetsordnung für die Gestaltungsmöglichkeiten der Tageszeiten von Laudes, Vesper und Komplet,  sowie aller anderen Andachtsformen, wie Rosenkranz, Kreuzweg und andere Andachten gemäß den Vorgaben für das Kirchenjahr. Auch wurde  allen katholischen Grundgebeten teilweise zweisprachig in lateinisch / deutsch, ein Raum gewidmet. Der Form der bischöflichen Segensspende wurde ebenfalls ein Raum gegeben.

·        Die Gesänge wurden je nach  Sprache - lateinische oder deutsche Messen sowie nach den Anlässen des Kirchenjahres - entsprechend geordnet angeboten.

 

  1. Die Handlung  des Erzbistums Köln nach Kriegsende  und Beendigung der Liturgiereform in der Umstellung des Gesang- und Gebetsbuch der Erzdiözese;

 

 

  1. Das Verhalten der deutschen  Bischofskonferenz, der einzelnen deutschen Bistümer und dessen  Einfluß auf die liturgische Entwicklung in der Kirche in Deutschland.

 

·        In der Zeit nach der erfolgten liturgischen Neuordnung wurde in den deutschen Diözesen das diözesane Gebet- und Gesangbuch weiter benutzt. Bei der liturgischen Umstellung wurden regional unterschiedliche Einlageblätter für das Gesangbuch verteilt, mit dem Hinweis auf ein später entstehendes einheitliches Gesangbuch.

·        Die Verteilung wurde teilweise in den Pfarreien vorgenommen oder auch unterlassen. Dies unterlag der eigenen Wertschätzung. Überall bildeten sich liturgische Arbeitskreise, durch diese  wurden unterschiedliche liturgische Anordnungen getroffen und vor Ort umgesetzt. Aus diesen unterschiedlichen Verhaltensformen hat sich der unterschiedliche Liturgische Handlungsablauf nach eigenen Formen entwickelt. Sehr viele Gläubige wurden verunsichert. Manche Gläubigen verärgert, dies konnte soweit gehen, dass bisher in der Gemeinde aktive Mitglieder sich zurückzogen und teilweise die katholische Kirche verließen.

·        Im Jahre 1975 haben die deutschen Bischöfe in der DBK  ein für den deutschen Sprachraum einheitlich gültiges Gebet- und Gesangbuch, das  „Gottes Lob“ , herausgegeben. Die erste Betrachtung zeigte, dass der perfekte Aufbau der Ausgabe des Erzbistums Köln vom Osterfest 1971 keine Verwendung gefunden hat.

·        In der Ausgabe von 1975 wurde der für kirchliche Gebetbücher übliche Aufbau im Ordo der Heiligen Messe aufgegeben. Lieder, die zum Gesamtgut der katholisch gläubigen  Menschen gehörten, wurden nicht berücksichtigt. Sehr viele geschätzte Lieder wurden gegen besonders moderne Formen ausgetauscht.

·        Diese Defizite führten dazu, dass sehr viele Kirchengemeinden teilweise eigene Nachträge als Einlage in das Gotteslob erstellten und der Gemeinde zum Kauf anboten. So gab es auch Kirchengemeinden, die ein eigenes Ersatzbuch, mit deutlicher Ordovorgabe und Sakramentenpastoral herausgaben und dem einheitlichen Buch der DBK beilegten.

·        In diesem Zustand hat sich zwangsläufig neben guten Einflüssen auch ein sehr die Ordnung störender Individualismus in den Pfarreien breit gemacht. Zum Schaden in der Kirche in Deutschland wird in fast keiner Pfarrei zum Beginn der Heiligen Messe das Allgemeine Schuldbekenntnis gesprochen. Nach der Opferung (Gabenbereitung) wird in fast keiner Heiligen Messe die Bitte mit dem Zuspruch der Opferannahme gesprochen.

·        Diese reichhaltigen Gebete werden  nur noch vernommen, bei Übertragungen der Heiligen Messe über die Medien, welche evtl.  der Heilige Vater selbst zelebriert. Hier fragen z.B. meine Enkelkinder, sowie andere Kinder und Jugendlichen, „dürfen diese Gebete nur bei Papstmessen gebetet werden?“

 

  1. Anregung zur Erstellung des neuen einheitlichen Gebet- und Gesangbuches für die Bistümer im deutschen Sprachraum:

 

Für die Neugestaltung des einheitlichen Gebet- und Gesangbuches der Bistümer im deutschen Sprachraum schlagen wir vor:

:

·         Als Grundlage sollte das Gebet- und Gesangbuch des Erzbistums Köln vom Osterfest 1971 gelten. Damit wird die Ordnung der Heiligen Messe im ordentlichen Ritus vorbildlich aufgezeigt. Ebenso das ganze Gebetsleben der Kirche. Das Liedgut müsste so gewählt werden, dass nicht wieder vor Ort eigene Zusatzbücher veröffentlicht werden müssen. Die textliche Umgestaltung einiger Lieder aus vermeintlich theologischer  Sicht  oder bezogen auf die Geschlechtergerechtigkeit  sollte bzw. müßte unterlassen werden. Die meisten dieser Änderungen werden auch heute von den Gläubigen nicht gesungen und beachtet, sei es das Lied „Stille Nacht“ oder andere Lieder, die aus Brüdern  Christen oder Geschwister machen. Diese Veränderungen haben die Gläubigen nicht angenommen. Auch nach 32 Jahren Benutzung des Buches „Gottes Lob“.

·        Die Veröffentlichung des päpstlichen Dokumentes Motu proprio  „Summorum Pontificum“ und die von der DBK veröffentlichten Leitlinien  müssen auch die außerordentliche Form des Heiligen  Messopfers in dieses neue Buch einbinden. Hier sollte im Anhang nach dem jeweiligen Diözesanteil der Ordo die außerordentliche Form des Heiligen Messopfers eingefügt werden. Sinnvoller Weise sollten die Druckplatten vom Gebet und Gesangbuch des  Erzbistums Köln vom 19. Juli 1949, mit Abänderung des Jahres 1962 verwendet werden. Auch sollte die Ordnung der Heiligen Messe in der ordentlichen Form wie im Erzbistum Köln 1971 vorgegeben, mit dieser Druckplatte eingearbeitet werden.

·        Wenn die Druckplatten aus dem Jahre 1971 und 1949 des Erzbistums Köln zur Verwendung kommen, dann wird  auch eine Kosteneinsparung ermöglicht. Das Gebet- und Gesangbuch würde nach dem Kölner Muster, nach unserer Auffassung, eine zweckmäßige  und handliche Form und Gestaltung erhalten.

Die optische Vorgabe der Ritusordnung könnte dazu beitragen, dass die liturgischen Eigenmächtigkeiten vor Ort abgebaut werden. Die Gläubigen könnten durch das Erkennen der Ordo aus der kirchlichen Tradition (außerordentliche Form) wie auch nach dem zweiten vatikanischen Konzil ( ordentliche Form ) aufgezeigt werden. Alle Gläubigen der katholischen Kirche würden sich mit einem so gestalteten Buch wieder finden. Kein Gläubiger würde ausgegrenzt, der sehr an der Tradition anhängende wie auch der für die Modernität offene Gläubige. Ein einheitliches Gesang- und Gebetbuch ist nicht wegen der  Einheitlichkeit innerhalb der Diözesen gegeben, wenn  die  an  die  Tradition gebunden Gläubigen ausgeschlossen sind und ausgeschlossen bleiben.

Wir dürfen und können nur dann von einem einheitlichen Buch sprechen, wenn alle Gläubigen in und durch dieses Buch beheimatet sind. Nur so ergibt sich das Bild einer im Glauben vereinigten Kirche. Es darf nicht das Bild innerhalb der Kirche entstehen, als seien Gläubige, die vermehrt einen Wert auf die Tradition der Kirche legen, unberührbar. Ohne Tradition gäbe es kein zweites vatikanisches Konzil und ohne die Tradition gäbe es keinen Glauben. Dieses Konzil hat kein Dogma beschlossen, vielmehr  haben sich die Väter des Konzils selbst den Namen eines Pastoralkonzils gegeben.

Wir, die Katholiken aus dem Großraum Frankfurt und Umgebung bitten Sie, sehr geehrter Herr Kardinal, unsere Überlegungen zu überprüfen und bei der Erstellung des neuen Buches zu beachten.

 

Für Ihr Verständnis bedankt sich

der Frankfurter Arbeitskreis

und grüßt Sie

Hochachtungsvoll

Zeichen: SK.Lau