Heilig-Rock-Wallfahrt nach Trier   (April 2012)

Der unzerteilte Leibrock Christi wird vom Trierer Bischof Ackermann zum Symbol einer protestantischen Patchwork- Kirche zerredet und zerteilt.   
Von Edgar Sondermann.   

Es ist erfreulich, dass aus dem Bistum Limburg am 29. April etwa 1.500 Pilger nach Trier zur Verehrung der Tunika Christi pilgern.

Die diesjährige Pilgerschaft ist eine Jubiläumswallfahrt. Denn im Jahre 1512 wurde der Heilige Rock in Trier zum ersten Mal zur Verehrung öffentlich ausgestellt.

In dem altehrwürdigen Gewand verehren die Christen den ungeteilten Leibrock Christ, den dieser auf dem Kreuzweg trug.

Eine heilbedeutsame Reliquie für Kirche und Katholiken

Seit 500 Jahren ist die Reliquie für Millionen Pilger zur Heilung für Leib und Seele geworden. Verehrung und Anblick der Tunika Christi stärkte die Christen auf ihrem Pilgerweg zum Himmel im Glauben an den, welcher in diesem Gewand durch sein Leiden und Sterben aus der Knechtschaft der Sünde erlöste.

Tausende sind durch die Begegnung mit der Christus-Reliquie zu Akten der Beichte und Buße, Umkehr und Besserung bewegt worden – heißt es in einem älteren Pilgerbericht. Millionen Katholiken erwarben den Pilger-Ablass zum Erlass der zeitlichen Sündenstrafen. Zahlreiche Krankenheilungen waren die Früchte von gebets- und glaubensintensiven Pilgerschaften.

Für die  Medien dagegen war die Heilsbedeutung des Heiligen Rocks  immer schon Anlaß zu antikatholischen Kampagnen. Bis heute kursiert die unchristliche Magie-Behauptung, nach der die Pilger ohne Andacht und Glauben, sondern allein durch den Anblick des Stoffes eine automatische Heilwirkung erwarten würden.

Auch die Protestanten beteiligten sich an Verleumdungen der Art, die Verehrung der Christus-Reliquie führe weg von Christus. Das Gegenteil ist richtig:

In einem Pilgerbericht aus dem Westerwald zur Heilig-Rock-Wallfahrt 1844 heißt es:
Wir pilgerten nach Trier, „um voll heißer Sehnsucht das heilige Gewand zu schauen und zu verehren, der der einst getragen, welcher für alle am Kreuz litt und starb, welcher alle durch sein Leiden befreite aus der Knechtschaft der Sünde und ihnen ewiges Heil erwarb.“

Ähnlich christuszentriert schreibt unser Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst in einem Gebet zur Heilig-Rock-Wallfahrt:
„Ohne Naht gewebt verweist der Leibrock auf dich, wahrer Gott und wahrer Mensch: Du bist der Weg, den sich der Vater in der Mitte der Zeit zu uns Menschen gebahnt hat.“

Die Kirche hat immer darauf bestanden, dass der Heilige Rock eine echte Reliquie ist – das heißt eine historische Realie, die mit Christus und seinem Erlösungsleiden in Berührung stand und steht. Diese Tunika Christus ist eine kostbare Sakramentalie und daher heilswirksam für die andächtigen und gläubigen Pilger.

Für Bischof Ackermann ist die Herrenreliquie nur ein Symbol

Erstmals in der 500jährigen Wallfahrtsgeschichte bestreitet der jetzige Bischof von Trier, Mons. Stephan Ackermann, den Reliquien- und Sakramentaliencharakter des Heiligen Rocks. Der Oberhirte bezeichnet in seinem offiziellen Einladungsschreiben zur Heilig-Rock-Wallfahrt das Gewand lediglich als ein „Christussymbol, das unzählige Menschen aus aller Welt zusammenführt“.

Damit wird die reale Tunika Christi zu einer Allerwelts- Textilie degradiert, die man nur gedanklich-symbolisch mit einer Beziehung zu Christus auflädt: An  Christussymbolen gibt es viele wie etwa gemalte Christusbilder, das IHR- Kürzel oder das PX- Zeichen.

Aber weshalb sollte ein gläubiger Katholik nach Trier pilgern, wenn dort nicht das reale Gewand unseres Erlösers gezeigt würde, sondern eines der vielen  symbolischen Christushinweise?

Diese Verleugnung der Herrenreliquie und ihre Dekonstruktion zu einem Symbol ist Teil der bischöflichen Wallfahrtsstrategie: Der spezifisch katholische Charakter der Wallfahrt soll unterdrückt werden, damit der Werberadius für das Wallfahrtsevent erweitert werden kann.

Der Trierer Bischof will nämlich - wie ein Tourismusdirektor - um „Menschen aus aller Welt werben“. Werbeslogans von der Wallfahrtsdirektion bestätigen dieses erweiterte Kundenkonzept im Sektor ‚Sinnsuche und Esoterik’: „Alter Stoff, der der Sehnsucht der Menschen Beine macht.“ Oder im modernen Lebensberatungsdeutsch:
Das Ausstellungsevent soll „Suchende, Glaubende und Neugierige anziehen“, denn es spiegelt die „Hoffnungen unserer Zeit wieder“ und sei „Ermutigung für die Zukunft“.

Der Bischof will eine Protestantisierung der Wallfahrt

Daneben hat der Trierer Bischof eine Protestantisierung der traditionellen Katholikenwallfahrt im Auge: Es sollte alles bei der Wallfahrt vermieden werden, was in den Augen der Protestanten anstößig- katholisch wirken könnte. Deshalb hat Bischof Ackermann auch auf die Erteilung eines Pilger- Ablasses für die Wallfahrer verzichtet.

Nikolaus Schneider, Präses der evangelischen Landeskirche des Rheinlands und der Pfalz, ist begeistert von dieser „regelrechten Uminterpretation der Heilig-Rock-Wallfahrt“: „Die Reliquie, deren Verehrung die evangelische Tradition ablehnt, ist zwar noch Anlass der Trier-Wallfahrt, hat aber nach katholischer Lehre keine eigenständige Heilsbedeutung.“
Auch die Echtheit der Tunika spiele für die katholische Kirche keine Rolle mehr, meint der Präses mit Bezug auf Äußerungen von Bischof Ackermann lt. Limburger Kirchenzeitung vom 15. 1. 2012.

Der Trierer Oberhirte hat den protestantischen Gemeinschaften noch eine weitere Brücke gebaut mit dem Leitwort der diesjährigen Wallfahrt: „Und führe zusammen, was getrennt ist.“

Dieser Leitspruch bezieht sich auf das hohepriesterliche Gebet Jesu, in dem der Herr um das zukünftige Einssein der Jünger betet, wie es dann in der Kirche verwirklicht wurde. Deshalb bekennen wir Katholiken seither im Glaubenbekenntnis die „eine, heilige, katholische und apostolische Kirche“, auch wenn es Christen außerhalb der einen Kirche gibt.

Bischof Ackermann aber will dieses Wort nicht im Sinne Christi und des Konzils verstanden wissen, dass die von Christus gewollte Kirche in der einen katholischen Kirche subsistiert und somit die von der Kirche getrennten Christen zur einen katholischen  Kirche zusammengeführt werden sollten.

Kirche als Patchwork von Flickenkirchen

Der Trierer Oberhirte schließt sich eher dem protestantischen Kirchenverständnis an, nach dem es neben der katholischen, evangelischen und orthodoxen Kirche noch zahlreiche andere christliche Kirchen gebe, die alle gemeinsam auf dem Pilgerweg zur einen Kirche in der Zukunft seien.

Eine andere Vorstellung pluralistischer Kirchentheologie vertreten Protestanten in dem Sinn, dass die Kircheneinheit schon in der unsichtbaren geistlichen Einheit aller Christgläubigen existiere, während die äußerlich getrennten Teilkirchen noch auf dem Weg zur „sichtbaren Einheit“ wären.

Schließlich gibt es noch das Bild einer additiven Kircheneinheit, bei der die Einzelkirchen als Scherben angesehen werden, in denen das Gefäß der wahren Kirche schon immer ideel vorhanden sei, da es als ganzes eben aus den Scherben zusammengesetzt oder gedacht werden kann.

Alle diese protestantischen Kirchentheorien stimmen nicht mit der traditionellen Lehre der Kirche und auch nicht des Konzils überein.

Gleichwohl setzt Bischof Ackermann dieses protestantische Trennungs- und Einheitssymbolik in den Mittelpunkt jedweder Wallfahrtsaktivität, so dass der Eindruck entsteht, dass die Verehrung der Tunika Christi  nur noch ein „Anlass“ – wie Präses Schneider sagt - oder ein „Hintergrundsymbol“ für ein ökumenisches Gebetstreffen in Trier ist.

Wallfahrtsdirektor Prälat Georg Bätzing freut sich auf dieses Ökumene-Ereignis:

„Das Schöne ist, dass alle Mitglieds- und Gastkirchen der Arbeitsgemeinschaft der Christlichen Kirchen mitmachen. An jedem der 31 Wallfahrtstage gibt es ein zentrales Mittagsgebet, das ökumenisch gestaltet sein wird von den unterschiedlichen Vertretern und Vertreterinnen der Gliedkirchen des ACK.“

Der ungeteilte Leibrock als Symbol für menschliche Trennungserfahrungen

Aber nicht genug damit, dass die Bildsymbolik vom unzerteilten Leibrock Christi zu einem protestantischen Scherbenhaufen von Kirche zerredet und zerteilt wird. Die wichtigste Herrenreliquie nördlich der Alpen wird zu einem allgemeinen Menschheitssymbol von Trennungserfahrungen und Vereinigungshoffnungen banalisiert:  

Prälat Bätzig schwärmt in der „Pilgerzeitung“ der ‚Tagespost’ davon, dass das Leitwort angesichts der vielfältigen „Erfahrungen der Menschen von Trennungen und Zerrissenheit“ dem Einzelnen eine Perspektive von „Einheit im Sinne von heil sein, ganz sein“ vermitteln könne. Außerdem meine die Wallfahrtsbitte auch „Einheit im Blick auf den Auftrag der Kirche in der Welt, in der wir heute leben“

Die Parole drücke aus, „dass ganz vieles in der Welt, in unserem menschlichen Leben, in der Kirche getrennt ist“.

Wer hätte das gedacht!

Ein Ordinariatskader von circa fünfzig Hauptamtlichen hat sich seit zwei Jahren darum gekümmert, die Kirchenorganisation in Trier unter dem Motto von ‚Trennung und Zusammenführung’ so aufzustellen, dass für alle Bedürfnisse der kommenden Sinnsucher was Passendes angeboten werden kann.

Bischof Dr. Stephan Ackermann und sein Wallfahrtsdirektor Georg Bätzing werden sich in der Wallfahrtszeit sicherlich zerreißen, um insbesondere getrennt Lebende, die nach Trier kommen, darüber aufzuklären, was es sonst noch an Trennungen und Zusammenführungen im Leben der Welt gibt, was man bisher so noch nicht wusste.

Die katholischen Pilger dagegen werden - wie in den vergangenen 500 Jahren - die Verehrung des ungetrennten Leibrocks Christi in den Mittelpunkt ihrer Wallfahrt stellen und in der unzerteilten Tunika Christi das Zeichen für die „eine, heilige, katholische und apostolische Kirche“ erkennen.