Film-Päpstin Johanna: ein feministisches Lügenmärchen  (31.07.2013)

Vor einiger Zeit  zeigte ‚Das Erste’ zum wiederholten Mal den Historien-Schundfilm „Die Päpstin“. Darin wird die Kirche solange mit Dreck beworfen, bis die Kirchenleute als Dreckskerle dastehen.

 

In vielen Buchhandlungen gibt es Wühltische mit Historien-Geschichten auf dem Niveau von Arztromanen. Kein seriöser Produzent würde sie als Filmvorlage benützen– es sei denn, der Text richtet sich gegen die Kirche.

Aus diesem Grund wurde der Schundroman „Die Päpstin“ verfilmt. Vier Wochen nach der Wahl von Papst Franziskus wollte ‚Das Erste’ mit der Wiedervorführung des Filmes wohl zeigen, wie korrupt und verkommen Papst und Kirche gewesen seien.

Der Film ist ein infames Schmier- und Verleumdungsstück. Der Historienschinken setzt alle Vorurteile gegen die Kirche des Mittelalters in Szene, die sich Kirchenhasser ausgedacht haben.

Von der realen Geschichte der Kirche im Mittelalter wollen die Filmemacher nichts wissen:

• überragende Leistungen in Theologie und Philosophie
• die romanischen Dome und gotischen Kathedralen
• die Schulen und Universitäten des Mittelalters als kirchliche Gründungen
• die kirchlichen und kulturellen Leistungen der Orden
• die Kranken- und Armenfürsorge der Kirche
• die Bildungsarbeit der Frauenklöster
• die Gottesfriedensbewegung
• der Kampf gegen den heidnischen Hexenglauben

Zerrbilder von der Kirche

Der Päpstin-Film zeigt in seinem Hauptstrang ausschließlich Zerrbilder von Kirche und Kirchenleuten:

Ein verheirateter Priester verprügelt als Haustyrann Frau und Kinder.

Ein korrupter Bischof liebt hauptsächlich Wein, Weib und Saufgelage.

Ein Leiter der Bischofsschule traktiert und quält seine Schüler.

Ein Benediktinerabt lässt Mönche wegen böser Gedanken auspeitschen.

Ein Mönch verlangt wegen Lächerlichkeiten Selbstkasteiung.

Stimmungsmache gegen die Kirche

In der Zeit Karls des Großen (+814), in welcher der Film ansetzt, war die Kirche Trägerin der karolingischen Renaissance, einer Gründerzeit für die europäische Kultur. Im Film dagegen werden die Kirchenleute jener Zeit solange mit Dreck beworfen, bis sie als primitive Dreckskerle wahrgenommen werden. Das ist wohl auch die schmutzige Absicht der Filmemacher.

Alle Infam-Darstellungen der Kirche werden szenisch breit und abschreckend hässlich ins Bild gesetzt. Offenbar sollen den Zuschauern diese antikirchliche Propaganda tief eingeprägt werden. Der Film ist eine einzige Stimmungsmache gegen die Kirche.

Der Schundfilm hat nichts im Sinn, als gegen die Kirche zu hetzen. 

Ein Lügenmärchen mit Rückprojektionen von heutigen Selbstverwirklichungsprogramme ins Frühmittelalter

Die historische Wahrheit über die Kirche wird hinter flüchtigen Worten und Kommentaren versteckt. Auf diesem teuflisch-schwarz gemalten Kirchenhintergrund wird nun ein Lügenmärchen erzählt von aufgeklärter  Selbstverwirklichung:

Ein Mädchen will gegen den Willen seiner Eltern in eine Jungenschule und später in einen Mönchsorden eintreten.

Ihr Bruder will dagegen nicht in diese Schule, sondern Soldat werden.

Ein Mönch will seine Klostergelübde brechen und mit dem Schwert kämpfen.

Historisch lächerliche Konstrukte und Figuren

Diesen jungen Kraft-durch-Freude-Protagonisten werden Worte der modernen Selbstverwirklichungsphilosophie in den Mund gelegt. Man hat das Gefühl, dass sie gerade aus einem Selbstmanagement-Seminar der Volkshochschule gekommen sind.

Es ist aber absurd, für das Frühmittelalter eine weibliche Hauptperson zu konstruieren, die nach den Kategorien des Feminismus aus dem 20. Jahrhundert denkt und handelt.

Historisch ist es ebenso lächerlich, die Kirche als den Buhmann feministischer Geschichtsmärchen aufzutischen:
Allein aus dem antikirchlichen Ressentiment resultiert die Filmthese, die Kirche hätte im Mittelalter Mädchen und Frauen den Zugang zu Bildung und damit auch zu gesellschaftlicher Bedeutung verwehrt.

In mittelalterlichen Frauenklöstern wurde erstmals Mädchenbildung praktiziert

In Wahrheit waren die europäischen Frauenklöster die ersten Orte der Menschheitsgeschichte, wo Mädchen die damals übliche Bildung erwerben konnten. Zahlreiche gebildete Äbtissinnen hatten seit dem Frühmittelalter in allen christlichen Ländern Europas Einfluss auf Kirche und Gesellschaft.

Im Gegensatz zur Legendenfigur Johanna ist die angelsächsische Nonne Walburga eine historische Person des Mittelalters. Als ein historisch belegtes Gegenbeispiel zeigt sie die Falschheit des feministischen Film- und Lügenmärchens ‚Johanna’ auf.

Die Klöster waren Leuchttürme der Bildung im ‚finsteren Mittelalter’

Walburga wurde um 710 geboren, also 200 Jahre vor dem Legendenleben der Film-Johanna. Das war in den Jahrhunderten, die später die „dark ages“ genannt wurden. Damals waren durch die germanischen Völkerwanderungen mit dem Untergang der römischen Reichsverwaltung auch Wirtschaft und politische Zivilisation, Kultur- und Bildungswesen zusammengebrochen.

Die europäischen Benediktinerklöster waren die einzigen Orte, in denen das christianisierte Erbe der Antike bewahrt und tradiert wurde. Die Klöster waren wie Leuchttürme der Bildung in jenen Zeiten der kulturellen Finsternis.

Klostergelehrsamkeit für Mädchen im sächsischen England

Walburga wuchs in einer begüterten Familie in der Region Wessex im damals sächsischen Südengland auf. Mit 11 Jahren wurde sie in die Klosterschule von Wimborne in Dorset aufgenommen.

Das Benediktinerinnen-Kloster war zu dieser Zeit bekannt für seine Gelehrsamkeit und gute Ausbildung von jungen Frauen aus der westsächsischen Adelsschicht.

Dort verbrachte Walburga rund 26 Jahre ihres Lebens. Sie wurde von Äbtissin Tetta sorgfältig auf eine Aufgabe als Missionsleiterin in den zu dieser Zeit noch halb-heidnisch geprägten deutschen Landen vorbereitet.

Eine couragierte Frau aus einer engagierten Familie

Walburgas Brüder Willibald und Wunibald waren schon früher auf Pilgerfahrten nach Rom, Jerusalem und Konstantinopel gegangen, bis sie sich beide in Rom niederließen.

Willibald wurde von Papst Gregor nach Eichstätt zum Aufbau eines Missionsbistums geschickt. Sein Bruder Wunnibald kam später nach  und übernahm im fränkischen Heidenheim Aufbau und Vorstand  eines Benediktinerklosters.

Wunibald konnte seine Schwester Walburga während eines Besuchs in der angel-sächsischen Heimat für die Germanien-Mission gewinnen. Danach wanderten Walburga mit einigen Mitschwestern wie der späteren Biographin Hugeburc und Lioba an den Ärmelkanal.

Die Überfahrt nach Antwerpen verlief stürmisch und das Schiff geriet in Seenot. Aber auch die Wanderung der Frauen durch die Wälder Germaniens war gefahrvoll.

Walburga wird Äbtissin von einem Männer- und Frauenkloster

Zunächst lebte Walburga in einem von ihrer Verwandten Lioba geleiteten Kloster in Tauberbischofsheim.

Nach dem Tod ihres Bruders Wunibald im Jahre 761 übernahm Walburga die Leitung des von ihm zuvor gegründeten Männerklosters Heidenheim, einem wichtigen Missionsstützpunkt. Wenig später gründete sie ein Frauenkloster, von dem sie ebenfalls Äbtissin war.

Eine bedeutende Frau des christlichen Europas

Durch die Leitung dieses mächtigen Doppelklosters wurde Walburga zu einer der bedeutendsten Frauen des christlichen Europas. Sie ist ein prominentes Beispiel für die Entfaltungsmöglichkeiten, die vor allem für begabte und engagierte Frauen aus der Oberschicht bereit standen.

Der 754 im friesischen Dokkum erschlagene Bischof Bonifatius, ein Onkel der Walburga, war ebenfalls dafür bekannt, dass er gezielt Frauen für seine Missionsarbeit heranzog.

Walburgisnacht – Rückfall ins heidnische Dunkel des Aberglaubens

Im Mittelalter war neben dem Namenstag der Walburga auch die Feier ihrer Heiligsprechung und der Umbettung ihrer Gebeine am 1. Mai weit verbreitet. Daher hieß die Nacht zum 1. Mai Walburgisnacht. Die spätere Verbindung dieses Tages mit Hexentanz stellt einen Rückfall in heidnischen Aberglauben dar.

Starke Frauen wie Walburga braucht das Land

Am 1. Mai 2000 wurde einen Bronzestatue auf dem Walberla eingeweiht. Der ökumenische Gottesdienst  zu diesem Anlass stand unter dem Motto: „Starke Frauen braucht das Land – Walburga, eine mittelalterliche Heilige und Frauen von heute“. Dabei war auch die bayrische SPD-Politikerin Renate Schmidt anwesend. Walburga war als hochgebildete und tatkräftige Klosterfrau eine gemäß ihrem Namen wahre ‚Trutzburg’ des Christentums und eine echte Europäerin. Sie ist ein Real-Beispiel für die Bildungsinitiative der Kirche im Frühmittelalter und straft damit das kirchenfeindliche Filmlügenmärchen der ‚Päpstin Johanna’ Lügen.

Ausbildung auch für Bürgermädchen in mittelalterlichen Klöstern

Im Hochmittelalter ragen die beiden Heiligen Hildegard von Bingen († 1179) und Mechthild von Magdeburg († 1282) aus der großen Zahl von hochgebildeten Klosterfrauen heraus, die in Theologie und Medizin lehrten und publizierten. In den Frauenklöstern des Spätmittelalters wurden auch Bürgermädchen ausgebildet. Einer der berühmtesten Philosophen und Theologen des Mittelalters, Meister Eckhard (+ 1328), predigte und lehrte in Frauenklöstern.

Zur Zeit gibt es in der Herzog-August-Bibliothek Wolfenbüttel eine Ausstellung über „Bildung und Frömmigkeit in niedersächsischen Frauenklöstern“ zu sehen. Dort wird anhand von ABC-Fibeln, Lehr- und Andachtsbüchern ersichtlich, dass die Frauenklöster im 15. Jahrhundert den Nonnen „eine umfassende Bildung“ vermittelten, „die Kenntnisse der lateinischen Sprache einschloss“ – so die FAZ vom 3. April 2013.

Hochmut (wie Amtserschleichung) kommt vor den Fall

Übrigens steckt in der Person der ‚Päpstin Johanna’ – und damit in dem vorgeblichen Historienschinken - nicht ein Funke von geschichtlicher Wahrheit.

In mittelalterlichen Schriften war von der „Päpstin Johannes“ ausschließlich als Lehrbeispiel für schlechtes Verhalten die Rede: Wenn Männer oder Frauen  sich mit Täuschung eine hohe Stellung verschaffen oder mit falschen Vorspiegelungen Ämter erschleichen, die ihnen nicht zustehen, dann kommt das früher oder später ans Tageslicht. Denn: ‚Hochmut kommt vor den Fall!“

Hubert Hecker
Nächste Woche: Eine couragierte und glaubenstreue Klosterfrau in der  Zeit der Aufklärung