Unsere Empfehlung zum Jahresanfang:

„Gleicht euch nicht dieser Welt an“ (Röm 12,2) - Katholisch bleiben im Zeitalter der Moderne[1]   (01.01.2014)

 

 

Wir hören es immer wieder - innerhalb und außerhalb der Kirche - und zwar seit Jahrzehnten: Die katholische Kirche habe den Anschluß an die Moderne verloren; sie müsse sich zur modernen Welt hin öffnen, den Schulterschluß mit der Welt von heute suchen, sich mit der modernen Welt versöhnen, sich zur Moderne bekehren usw.

 

Ob alle, die diese oder ähnliche Forderungen erheben, wirklich wissen, was es mit der Moderne, der modernen Welt, der Welt von heute auf sich hat?

     Diese Frage wird man im Blick auf die „Pastorale Konstitution über die Kirche in der Welt von heute Gaudium et spes“ sogar den Vätern des 2. Vatikanischen Konzils stellen dürfen.

     Dazu eine kritische Äußerung: „Hinter dem verschwommenen Begriff ‚Welt von heute‘ steht die Frage des Verhältnisses zur Neuzeit. Um sie zu klären, wäre nötig gewesen, das Wesentliche und Konstitutive für die Neuzeit genauer zu definieren. Das ist im ‚Schema XIII‘ nicht gelungen. Auch wenn die Pastoralkonstitution viel Wichtiges zum Verständnis von „Welt“ aussagt, […] ist ihr eine wesentliche Klärung in diesem Punkt nicht gelungen.“

     Diese Kritik kommt nicht vom sogenannten „rechten Rand“ der katholischen Kirche, sondern aus ihrer Mitte, von dem inzwischen emeritierten Papst Benedikt XVI. Sie findet sich im Vorwort des VII. Bandes seiner Gesammelten Schriften, der im letzten Jahr erschienen ist[2].

 

Für uns also Grund genug, zu fragen,

• was die wesentlichen Bestimmungen der Moderne sind;

• warum wir - um das schon einmal vorwegzunehmen - zur Moderne auf Distanz gehen müssen;

• was wir der Moderne als positive Alternative entgegensetzen können.

 

Die Renaissance

 

Um die wesentlichen Bestimmungen der Moderne zu verstehen, müssen wir sie als Teil einer umfassenderen geschichtlichen Epoche sehen: der „Neuzeit“.

     Die Historiker setzen den Beginn der Neuzeit um das Jahr 1500 an. Es ist die Zeit der Renaissance. Wörtlich bedeutet Renaissance „Wiedergeburt“. Gemeint ist damit die „Wiedergeburt“ der klassischen Antike, die „Rückkehr zu der griechisch-römischen Kultur“.

     Nun ist die Renaissance eine komplexe geistige Bewegung. Ebenso vielschichtig ist ihre Ausprägung im sogenannten Humanismus sowie ihr Verhältnis zur Antike und zum Mittelalter.

     Bei aller gebotenen Vorsicht können wir sagen: Die Renaissance hat ein ausgeprägtes Interesse am Menschen, an seiner Individualität, seiner Stellung, seinem Wesen und seiner Würde.

 

Dieses Interesse am Menschen ist an sich nicht zu beanstanden. Auch die christliche Anthropologie hat den Menschen im Blick.

 

     So heißt es im 1. Kapitel des Buches Genesis: „Dann sprach Gott: Laßt uns Menschen machen als unser Abbild, uns ähnlich“ (Gen 1, 26). - „Gott schuf also den Menschen als sein Abbild; als Abbild Gottes schuf er ihn. Als Mann und Frau schuf er sie“ (Gen 1,27).

     Und Psalm 8 bekräftigt: „Was ist der Mensch, daß du an ihn denkst, des Menschen Kind, daß du seiner dich annimmst? Du hast ihn nur wenig geringer gemacht als Gott, hast ihn mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt. Du hast ihn als Herrscher eingesetzt über das Werk deiner Hände, hast ihm alles zu Füßen gelegt“ (Ps 8, 5-7).

     Die christliche Anthropologie schaut jedoch nicht nur auf die Schöpfungsordnung, sondern auch auf die Erlösungsordnung.

     Deren Verbindung bringt das Gebet trefflich zum Ausdruck, das der Priester in der außerordentlichen Form des römischen Ritus bei der Vermischung des Weines mit Wasser während der Opferung spricht: „Gott, du hast den Menschen in seiner Würde wunderbar erschaffen und noch wunderbarer erneuert: laß uns durch das Geheimnis dieses Wassers und Weines teilnehmen an der Gottheit dessen, der sich herabgelassen hat, unsere Menschennatur anzunehmen, Jesus Christus, dein Sohn, unser Herr [...]“[3].

     Übrigens stammt dieses großartige Gebet aus dem sogenannten „finsteren“ Mittelalter. Leider ist es in der ordentlichen Form des römischen Ritus nur noch als Tagesgebet an Weihnachten in Gebrauch.

 

Zurück zur Renaissance: Im Jahr 1452 veröffentlichte Gianozzo Manetti (1396-1459) sein Werk „De dignitate et excellentia hominis“ - „Über die Würde und Erhabenheit des Menschen“[4].

     Darin heißt es, Gott habe den Menschen nach seinem Abbild gemacht, ihm eine Seele geschaffen, durch die er, da sie mit Vernunft und Unsterblichkeit, Verstand und Gedächtnis und freiem Willen ausgestattet sei, alle übrigen Lebewesen übertreffe und beherrsche[5].

     Mit dieser Feststellung bewegt sich Manetti zweifellos im Rahmen der christlichen Schöpfungslehre.

     Auf die Frage, auf welches Ziel hin Gott die Welt erschaffen habe, antwortet er: Die Welt sei nicht um der Welt willen gemacht worden[6]. Gott habe sie auch nicht für sich selbst gemacht, denn er brauche die Welt nicht[7]. Also sei die Welt um der Lebewesen willen gemacht worden[8]. Wenn aber die übrigen Lebewesen offensichtlich nur um des Menschen willen gemacht worden seien, müsse die Welt auf jeden Fall um des Menschen willen von Gott erschaffen worden sein[9]. Daher sei der Mensch nicht nur das wahrhaft Beste, sondern sogar mehr als das Beste[10].

     Diese Antwort zeigt eine beachtliche Verlagerung des Gewichts von Gott weg auf den Menschen hin. Das erste Ziel der Schöpfung ist nicht mehr die Selbstverherrlichung Gottes, die Offenbarung seiner eigenen Vollkommenheit. An deren Stelle tritt die Beseligung der Geschöpfe, die in der christlichen Schöpfungslehre stets als das zweite Schöpfungsziel gilt[11].

     Vor diesem Hintergrund verwundert es nicht, wenn Manetti in geradezu hymnischer Weise bekennt: „Unser sind die Länder, unser die Äcker, unser die Felder, unser die Berge, unser die Hügel, unser die Täler, unser die Weinstöcke, unser die Ölbäume, unser die Birnbäume, unser die Apfelbäume […]“[12]. - „Unser sind die Höhen des Himmels, unser die Himmelskörper, unser die Gestirne, unser die Sterne, unser die Planeten; und was noch wunderbarer erscheinen kann: unser sind die Engel, von denen man glaubt, daß sie, wie der Apostel sagt, als dienende Geister zum Nutzen der Menschen geschaffen worden sind“[13].

     Der Mensch als Mittelpunkt und Herr des Universums - diese Vorstellung zeugt von menschlicher Überheblichkeit.

     Welche Folgen diese Überheblichkeit im Bereich der Rechts- und Staatsphilosophie haben kann, zeigt Niccolò Machiavelli (1469-1527) in seinem bekannten und einflußreichen Werk „Il Principe“ - „Der Fürst“[14].

     Auf die Frage, inwieweit von den Fürsten die Treue bewahrt werden müsse, lautet seine zynische Antwort: Ein Fürst, insbesondere ein neuer Fürst, könne nicht all das beachten, dessentwillen die Menschen für gut gehalten würden; denn er sei, um seine Herrschaft zu behalten, oft gezwungen, gegen die Treue, die Barmherzigkeit, die Menschlichkeit und die Religion zu handeln[15].

     Wie bereits gesagt, ist die Renaissance eine vielschichtige geistige Bewegung. So gibt es auch Philosophen, die bei ihrem Interesse am Menschen Maß zu halten wissen. Zu diesen gehört gewiß der Jesuit Francisco Suárez (1548-1617), ein führender Vertreter der spanischen Scholastik und hervorragender Rechts- und Staatsphilosoph. Für ihn steht außer Zweifel, daß das Naturrecht „Prüfstein aller menschlichen Gesetze“ ist[16]. Von Natur aus seien alle Menschen frei geboren, und daher habe niemand (von Natur aus) eine politische Gewalt oder Herrschaft über einen anderen Menschen[17]. Die politische Gewalt entstehe erst dann, wenn mehrere Familien in einer organisierten Gemeinschaft zusammenkämen[18].

     So viel zur Renaissance. Sie steht am Beginn der Neuzeit, aber eher im Sinne eines „Prologs“, eines „Vorworts“. Der eigentliche Durchbruch dessen, was wir unter der „Moderne“ verstehen, erfolgt im Zeitalter der Aufklärung.

 

Die Aufklärung

 

Die Philosophie der Aufklärung, die im ausgehenden 17. Jahrhundert beginnt und das ganze 18. Jahrhundert bestimmt, hat ebenfalls ein ausgeprägtes Interesse am Menschen.

     Was ist „Aufklärung“? - Immanuel Kant (1724-1804) antwortet: „Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines andern zu bedienen. Sapere aude! Habe Mut dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung“[19].

     „Habe Mut dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“ - Warum eigentlich nicht? Auch Platon, Aristoteles, Augustinus, Thomas von Aquin, Leibniz und viele andere Philosophen vor Kant hatten diesen Mut. Ausschlaggebend ist allerdings, wie wir noch sehen werden, was unter dem menschlichen Verstand überhaupt zu verstehen ist.

     Wie die Renaissance hat auch die Aufklärung verschiedene Gesichter. Bringen wir es schon jetzt auf den Punkt: Es gibt eine „gute“ und eine „schlechte“ Aufklärung.

 

Die „gute“ Aufklärung

 

Wir beginnen mit der „guten“ Aufklärung: In seinem 1673 erschienenen Werk „Über die Pflicht des Menschen und des Bürgers nach dem Gesetz der Natur“ fordert der große Naturrechtslehrer Samuel von Pufendorf (1632-1694), daß jeder Mensch den anderen Menschen anerkenne und als jemanden behandle, der ihm von Natur aus gleich oder in gleicher Weise Mensch sei[20]. Er begründet diese Forderung damit, daß wir Menschen alle denselben Ursprung hätten, auf dieselbe Weise geboren würden, aufgezogen würden und stürben; und daß Gott niemandem ein dauerndes und unerschütterliches Glück garantiere[21]. Es gehöre daher zu den allgemeinen Pflichten des Naturrechts, daß niemand, der nicht ein besonderes Recht erworben habe, für sich mehr beanspruche als für die übrigen, sondern zulasse, daß die anderen zusammen mit ihm sich des gleichen Rechts erfreuten[22].

     Ein zweiter Vertreter der „guten“ Aufklärung sei hier nur kurz erwähnt: Der Philosoph und Mathematiker Christian Wolff (1679-1754). Er hat ein alle Bereiche des materiellen Rechts umfassendes System des Naturrechts entwickelt und „gilt als einer der ersten Verfechter des Völkerbundgedankens und als einer der Mitbegründer des modernen Völkerrechts“[23].

     Für Pufendorf und Wolff steht außer Frage: Alle moralischen, sozialen und rechtlichen Normen sind am Naturrecht zu messen, das Teil der von Gott geschaffenen natürlichen Ordnung ist, der auch der Mensch seine Würde verdankt.

     Sogar das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland vom 23. Mai 1949 nimmt Bezug auf diese natürliche Ordnung. Die Präambel spricht von der „Verantwortung vor Gott“, und Art. 2, Abs. 1 lautet: „Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt.“ Soweit wir wissen, haben die Väter und Mütter des Grundgesetzes den Bezug auf Gott und das Sittengesetz nicht als leere Worthülse verstanden, sondern ernst gemeint. Daß der ursprüngliche Gehalt des Grundgesetzes im nachhinein durch Gesetzgebung und Rechtssprechung z. T. ausgehöhlt worden ist, ist ein anderes Thema. Erinnert sei nur an die derzeitige rechtliche Regelung des Schwangerschaftsabbruchs.

 

Die „schlechte“ Aufklärung

 

Und damit sind wir bei der „schlechten“ Aufklärung: Zwei bis heute tonangebende Richtungen verdienen unsere besondere Beachtung: der Materialismus und der Agnostizismus.

     Der Materialismus findet sich vor allem in der materialistischen Schule innerhalb der französischen Aufklärung. Er bestreitet die Existenz jeder nichtmateriellen Wirklichkeit und damit auch die Existenz Gottes.

     Der Agnostizismus behauptet, daß die Wirklichkeit insgesamt oder zum Teil dem menschlichen Erkennen überhaupt nicht zugänglich sei.

 

Der bekannteste Vertreter des Agnostizismus ist der schon erwähnte Immanuel Kant. Als Ausgangspunkt der Erkenntnis sieht der Königsberger Philosoph „den rohen Stoff sinnlicher Eindrücke“, die sich ohne jede Gestalt, Beziehung oder Bedeutung zeigen. Sie bedürfen daher der Formung und Ordnung durch den Menschen. Formung und Ordnung sind jedoch willkürliche menschliche Setzungen, da ja auf der Objektseite keine strukturellen Merkmale erkennbar sind. Denn Strukturen, also inhaltliche Bestimmtheiten wie Ursache, Sinn oder Wesen, gehören zum „Ding an sich“, das niemals erkannt werden kann[24].

     Man höre und staune: Auf der einen Seite verkündet Kant großsprecherisch, die Aufklärung sei „der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit“ und der Mensch müsse den Mut haben, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen. Auf der anderen Seite kommt er zu dem kläglichen Ergebnis: Das „Ding an sich“; das, was hinter den „Erscheinungen“ ist; also genau das, worauf es bei der Erkenntnis ankommt: der geistige „Gehalt“ einer Sache, ihre Bedeutung, ihre Funktion, ihr Sinn, ihr Wesen: das alles sei dem menschlichen Erkennen überhaupt nicht zugänglich.

     M. a. W.: Kant entmachtet die menschliche Vernunft, er macht sie klein, ja „verstümmelt“ sie. „Es kreißen die Berge, geboren wird eine lächerliche Maus“[25]. Leider ist diese „lächerliche Maus“, die Kant in die Welt gesetzt hat, für uns kein Grund zum Lachen.

     Denn in dem Augenblick, wo die menschliche Vernunft über die letzten und grundlegenden Wirklichkeiten, über die Existenz und das Wesen Gottes, über den Ursprung und das Ziel der Welt, das Sein und das Sollen des Menschen überhaupt nichts mehr sagen kann, entsteht ein gefährliches geistiges Vakuum. Ein Vakuum, das zum Spielfeld für die menschliche Willkür wird. Jetzt kann sich jeder Mensch seine eigene „Wahrheit“ machen. Und was der Mensch „konstruiert“, kann er auch wieder „de-konstruieren“. Der Mensch wird - und das ist der Kern der „schlechten“ Aufklärung - zum Maß aller Dinge.

 

Übrigens ist diese Auffassung keine Erfindung der Neuzeit: In der abendländischen Geistesgeschichte begegnet sie uns zum ersten Mal im 5. Jahrhundert v. Chr., und zwar bei dem Sophisten Protagoras, der behauptete: „Aller Dinge Maß ist der Mensch, derer die sind, daß sie sind, derer die nicht sind, daß sie nicht sind“[26]. Protagoras will damit nicht sagen, daß der Mensch die Dinge um sich herum ins Leben ruft, sondern: Die Dinge haben keine Bedeutung, keine Funktion und keinen Sinn von sich aus, sondern nur insofern der Mensch ihnen diese Bestimmungen zuspricht.

     Um den Menschen als dem Maß aller Dinge geht es auch in einem Text, der vor fast 3000 Jahren in Palästina entstanden ist: der biblischen Sündenfallgeschichte. Dort spricht die Schlange zur Frau: „Sobald ihr [von den Früchten des Baumes in der Mitte des Gartens] eßt, gehen euch die Augen auf; ihr werdet wie Gott und erkennt Gut und Böse“ (Gen 3,5). „Gut und Böse“ erkennen, den Unterschied zwischen Gut und Böse erkennen - so möchten wir einwenden - kann doch keine Sünde sein, im Gegenteil. Gemeint ist hier aber etwas anderes: „Gut und Böse“ erkennen bedeutet so viel wie: definieren, festlegen, was Gut und Böse ist[27]. Ein wichtiger Aspekt der Ursünde besteht also darin, daß sich der Mensch anmaßt, das Maß aller Dinge zu sein. Der Mensch möchte autonom sein. „Non serviam.“ - „Ich werde nicht dienen.“

 

Der Mensch als das Maß aller Dinge - hier zeigt sich der Subjektivismus, der Relativismus, vor dem Papst Benedikt XVI. während seines Pontifikats immer wieder gewarnt hat. Er hat sogar im Blick auf unsere Zeit von einer „Diktatur des Relativismus“ gesprochen, „die nichts als endgültig anerkennt und als letztes Maß nur das eigene Ich und seine Gelüste gelten lässt“[28].

     Um welche „Gelüste“ es sich hierbei handelt, ist unschwer zu erkennen: In den meisten Fällen geht es um das ungeordnete Streben nach sexuellem Genuß, nach Besitz sowie den Willen zur Macht.

     Und was wird in diesem Zusammenhang aus der menschlichen Vernunft? Sie wird zur „instrumentellen Vernunft“, die sich mit einem bestimmten Segment der unmittelbar erfahrbaren Wirklichkeit beschäftigt und die dabei gewonnenen Erkenntnisse für beliebige Zwecke nutzbar macht, z. B. die Beherrschung der Natur oder die Herrschaft über andere Menschen. Gewiß: Die „instrumentelle Vernunft“ hat ohne Zweifel Gutes hervorgebracht, z. B. die neuzeitliche Medizin, die wir nicht missen möchten. Derselben Vernunft ist jedoch auch der „Mord an Millionen durch Verwaltung“[29] in den Konzentrationslagern der Nationalsozialisten zu verdanken.

 

Im Zeitalter der Moderne …

 

Halten wir fest: Es gibt eine „gute“ und eine „schlechte“ Aufklärung.

 

Die „gute“ Aufklärung ist sowohl vom griechisch-römischen Naturrechtsdenken als auch vom Christentum geprägt. Ihr haben die Menschen in der westlichen Welt z. B. die Abschaffung der Leibeigenschaft und der Sklaverei, die Vorstellung von der Gleichheit vor dem Gesetz und das Rechtsstaatsprinzip zu verdanken[30].

 

     Leider hat die „schlechte“ Aufklärung im Laufe der Zeit die „gute“ Aufklärung in den Schatten gestellt und ist gleichsam zum Markenzeichen der „Moderne“ geworden. Daher gebrauchen wir den Begriff „Moderne“ fortan im Sinn der „schlechten“ Aufklärung.

     Und es steht außer Frage: Diejenigen, die eine „Modernisierung“ der katholischen Kirche fordern, sind nicht darauf aus, das naturrechtliche Denken oder sogar eine „Ökologie des Menschen“, von der Papst Benedikt XVI. am 22. September 2011 im Deutschen Bundestag gesprochen hat[31], zu begünstigen, sondern möchten den Menschen zum Maß aller Dinge machen.

     Sie wollen z. B. Pluralität und Pluralismus als „Reichtum“ und „Bereicherung“ verstanden wissen (Kardinal Reinhard Marx[32]); eine „Kirche, die die Vielfalt des heutigen Lebens positiv akzeptiert“ (Erzbischof Robert Zollitsch[33]); eine offene und gastfreundliche Kirche, die keine Angst vor Veränderungen hat (Erzbischof Robert Zollitsch[34]); eine Kirche, in der „die Menschen Luft zum Atmen haben“ und es den Menschen zugestanden wird, „authentisch - und das heißt auch öffentlich - ihr Leben, ihre Neigungen und Zuneigungen zu leben“ (Magnus Striet[35], Professor für Fundamentaltheologie an der Universität Freiburg).

     Im Klartext: Man will eine Kirche, in der sich jeder seine eigene „Wahrheit“ machen kann, in der es in das Belieben des Einzelnen gestellt ist, ob und inwieweit er sich zur katholischen Glaubens- und Sittenlehre bekennt, solange er - und das gilt jedenfalls für Deutschland - bereit ist, Kirchensteuer zu zahlen.

 

Zurück zu unseren philosophischen Überlegungen: Um die verschiedenen Aspekte der Moderne zu strukturieren, bietet sich an dieser Stelle der Vergleich mit einer Sippschaft an.

     Im Mittelpunkt dieser Sippschaft steht der Subjektivismus: Der Mensch ist das Maß aller Dinge. Der Subjektivismus ist der Geist, besser: der „Ungeist“ der Moderne. Dieser wiederum hat einen Zwillingsbruder: den Relativismus. Beider Vater ist der atheistische Materialismus oder der Agnostizismus. Und der Subjektivismus und der Relativismus haben wiederum eigene Abkömmlinge. Es sind häßliche Abkömmlinge. Drei Beispiele:

     Der Hedonismus: Er sieht den Sinn der menschlichen Existenz in der bestmöglichen Erfüllung des Strebens nach irdischen Genüssen und kostet in Deutschland jedes Jahr mehr als 100.000 ungeborenen Kindern das Leben[36].

     Der Rechtspositivismus: Ihm zufolge hat das Recht keinerlei ethische Grundlage. Es gibt also kein Recht an sich, kein Naturrecht, das dem „positiven“, d. h. vom Menschen gesetzten Recht vorausgeht. Vielmehr ist „der normsetzende Wille des Staates die einzige Rechtsquelle“[37]. Wenn aber das Recht allein im Willen des staatlichen Souveräns gründet, sei es in dem Willen eines Alleinherrschers, eines Herrscherkollektivs oder einer demokratischen Mehrheit, kann - wie insbesondere die Geschichte des 20. Jahrhunderts zeigt - grundsätzlich auch das „Recht“ des Stärkeren als positives Recht gesetzt werden.

     Die Gender-Ideologie: Sie unterscheidet zwischen dem biologischen und dem „eigentlichen“ Geschlecht des Menschen. Die anatomischen und physiologischen Unterschiede zwischen Mann und Frau werden zwar nicht geleugnet, sie gelten jedoch als irrelevant für die Bestimmung des „eigentlichen“ Geschlechts. Bisher habe die Gesellschaft das biologische und das „eigentliche“ Geschlecht zu Unrecht in eins gesetzt, indem sie den Mann als einen Mann und die Frau als eine Frau angesehen habe. Nun gehe es darum, diesen Zusammenhang aufzulösen und es jedem Menschen zu ermöglichen, über „sein“ Geschlecht selbst zu entscheiden, sei es nun das männliche oder weibliche Geschlecht, das Geschlecht x, y oder z. Noch im Dezember letzten Jahres hat Papst Benedikt XVI. diese Ideologie als „tiefe Unwahrheit“, eine „anthropologische Revolution“, Leugnung des Schöpfers und Entwürdigung des Menschen bezeichnet[38].

 

Die Moderne hat sich die Freiheit und die Mündigkeit auf ihre Fahnen geschrieben. Hinsichtlich ihrer Abkömmlinge stellt sich allerdings die Frage, welche Freiheit und welche Mündigkeit eigentlich gemeint sind.

Eine treffliche Antwort gibt Nicolás Gómez Dávila: „Den Menschen befreien heißt, ihn unter das Joch von Habgier und Sex zu zwingen“[39]. - „Solange ihn seine Leidenschaften nicht versklavt haben, fühlt sich der Mensch nicht frei“[40].

     Besondere Beachtung verdient auch das vernichtende Urteil, das Max Horkheimer und Theodor W. Adorno, Mitbegründer der sogenannten Frankfurter Schule, über die Moderne gefällt haben.

     Horkheimer und Adorno haben, um der Verfolgung wegen ihrer jüdischen Abstammung zu entgehen, Deutschland in der Zeit des Nationalsozialismus verlassen. In ihrem 1944 im Exil in den USA veröffentlichten gemeinsamen Werk „Dialektik der Aufklärung“ beklagen sie: „Seit je hat Aufklärung im umfassendsten Sinn fortschreitenden Denkens das Ziel verfolgt, von den Menschen die Furcht zu nehmen und sie als Herren einzusetzen. Aber die vollends aufgeklärte Erde strahlt im Zeichen triumphalen Unheils“[41].

     Den Grund hierfür sehen Horkheimer und Adorno in dem verkürzten Vernunftbegriff der Aufklärung, in der „instrumentellen Vernunft“. Im Blick auf dieses Verständnis der Vernunft und seine Folgen stellen sie fest:

     „[Die aufgeklärte] Vernunft ist das Organ der Kalkulation, des Plans, gegen Ziele ist sie neutral, ihr Element ist die Koordination“[42]. - „Da die Vernunft keine inhaltlichen Ziele setzt, sind die Affekte alle gleich weit von ihr entfernt“[43]. - „Aufklärung […] nimmt Zusammenhang, Sinn, Leben ganz in die Subjektivität zurück, die sich in solcher Zurücknahme eigentlich erst konstituiert“[44]. - „[…] Denken gilt als sinnvoll nur nach Preisgabe des Sinns“[45]. - „Nachdem die objektive Ordnung der Natur als Vorurteil und Mythos sich erledigt hat, bleibt Natur als Masse von Materie übrig“[46]. - „Soweit Verstand, der am Richtmaß der Selbsterhaltung groß wurde, ein Gesetz des Lebens wahrnimmt, ist es das des Stärkeren“[47]. - „Güte und Wohltun werden zur Sünde, Herrschaft und Unterdrückung zur Tugend“[48].

 

… katholisch bleiben

 

Nunmehr sind wir, so hoffe ich, der Antwort auf die Frage, was die wesentlichen Bestimmungen der Moderne sind, ein Stück näher gekommen. Daß wir unter diesen Umständen zur Moderne auf Distanz gehen müssen, nicht „modern“ sein dürfen, versteht sich von selbst.

 

Auf einen wichtigen Aspekt wollen wir jedoch noch eingehen: Die ersten Christen, vor allem in den größeren Städten des römischen Reiches, lebten in einer Zeit, die unserer Zeit in mancherlei Hinsicht ähnlich war. Auch im 1. Jahrhundert n. Chr. gab es atheistische, materialistische und agnostische Strömungen, waren Subjektivismus, Relativismus und Hedonismus verbreitet.

     Wie die neutestamentlichen Briefe und die Offenbarung des Johannes zeigen, war es für die jungen Christengemeinden nicht leicht, den Versuchungen, die von diesem dekadenten Umfeld ausgingen, zu widerstehen. Mit z. T. schneidenden Worten werden die ersten Christen daher immer wieder ermahnt, gegenüber der heidnischen Lebensweise auf Distanz zu gehen.

     In diesem Zusammenhang begegnet uns auch die Aufforderung des Apostels Paulus an die Christen in Rom, mit der unser Vortrag überschrieben ist: „Gleicht euch nicht dieser Welt an“ (Röm 12,2).

     „Diese Welt“ meint gewiß nicht die von Gott geschaffene Welt, nicht die von Gott in die Schöpfung eingestiftete natürliche Ordnung, sondern die vom Menschen gemachte Welt, die vor Gott schuldig geworden ist[49], die Gott feindlich gegenüber steht[50], nicht zuletzt auch die römische Gesellschaft zur Zeit des Apostels Paulus.

     Und diese Welt war genau so krank und ebenso wenig zukunftsfähig wie die moderne Welt.

     Hierzu eine interessante Feststellung: „Die Sozialforscher Meinhard Miegel und Stefanie Wahl sagen voraus, dass die Kultur des Westens sich selbst zerstört, wenn sich die Individualisierung zum Individualismus weiterentwickle. Historischer Vorläufer sei das Römische Reich gewesen, das einen höchst individuellen und z. T. ausschweifenden Lebensstil gepflegt habe: sexuelle Freizügigkeit, Abtreibung, Rückgang der Geburtenquote, hohe Scheidungsraten, gesellschaftliche Aufwertung der Ehe- und Kinderlosigkeit“[51].

 

Was können wir nun - und das ist ja unsere dritte Frage - der Moderne als positive Alternative entgegensetzen? Ich denke, eine ganze Menge.

     Aus unserer Sicht setzen das wahre Glück und die wahre Freude des Menschen seine Gemeinschaft mit Gott in Zeit und Ewigkeit voraus.

     Wichtige Begleiter auf dem Weg zu Gott, der ja die Glückseligkeit selbst ist, sind z. B.

die Betrachtung der biblischen Heilsgeschichte, vor allem des Lebens, Sterbens und der Auferstehung Jesu; die Feier der Sakramente, insbesondere der hl. Messe in der außerordentlichen Form des römischen Ritus; das persönliche und gemeinschaftliche Gebet;

das bewußt erlebte Kirchenjahr; die Vertiefung in das Leben heiliger und heiligmäßiger Menschen; die Gemeinschaft mit gleichgesinnten Menschen;

     Da alles, was Gott geschaffen hat, gut ist (vgl. 1 Tim 4,4); ja alles „im Himmel und auf Erden“ durch Christus und auf Christus hin geschaffen worden ist (vgl. Kol 1, 16), ist auch die Betrachtung der Schönheit der Schöpfung ein Begleiter auf diesem Weg.

     Wegen der Gutheit der Schöpfung kann selbst der Gebrauch der irdischen Güter für uns eine Quelle der Freude sein. Es ist jedoch ein Gebrauch unter Vorbehalt, „sub specie aeternitatis“ – „unter der Vorstellung der Ewigkeit“.

     Da unser Umgang mit den irdischen Gütern immer zur Sünde geneigt ist, beten wir im Tagesgebet des 3. Sonntags nach Pfingsten darum, daß wir unter Gottes Leitung und Führung „durch die zeitlichen Güter so hindurchgehen, daß wir die ewigen nicht verlieren“[52].

     Wir können diesen Vorbehalt auch positiv sehen. Je mehr wir dankbar erkennen, daß es Gott ist, der uns die irdischen Güter schenkt, desto größer wird die Freude sein, die aus ihrem Gebrauch im Alltag, bei der Arbeit und in der Freizeit hervorgeht.

     Grund genug also, im Zeitalter der Moderne katholisch zu bleiben. Es lohnt sich wirklich.

 

„Gleicht euch nicht dieser Welt an“ (Röm 12,2) ruft Paulus den Christen in Rom und uns heute zu, und er fährt fort mit den Worten: „sondern wandelt euch und erneuert euer Denken, damit ihr prüfen und erkennen könnt, was der Wille Gottes ist: was ihm gefällt, was gut und vollkommen ist“.

     „Wandelt euch und erneuert euer Denken.“ - Das gilt für jeden von uns, ebenso für die ganze Kirche: „Ecclesia semper reformanda.“ - „Die Kirche ist immer der Erneuerung bedürftig.“

     „Erneuerung“ bedeutet nicht „Bekehrung zur Moderne“, sondern „Entweltlichung“, „Entmodernisierung“, d. h. Reinigung des menschlichen Herzens von den Wurzeln des sittlich Bösen, der Begehrlichkeit und dem Hochmut[53].

     Das Beispiel des Franziskus von Assisi zeigt, worin eine wirkliche Erneuerung besteht. In einem Brief, den der hl. Franz an den gesamten Orden geschrieben hat, findet sich das folgende Gebet: „Allmächtiger, ewiger, gerechter und barmherziger Gott, hilf uns, immer zu wollen, was dir gefällt, damit wir innerlich geläutert und erleuchtet werden, damit wir, erfüllt vom Feuer des Heiligen Geistes, den Spuren deines geliebten Sohnes folgen können“[54].

     Bleiben wir katholisch. Denn auch „Jesus Christus ist derselbe gestern, heute und in Ewigkeit“ (Hebr 13,8). Ebenso das Kreuz, das Zeichen unserer Erlösung.

     „Stat crux, dum volvitur orbis“, lautet der Wahlspruch des Kartäuserordens. - „Das Kreuz steht fest, während die Welt sich dreht.“

     Gewiß: Der katholische Glaube und die katholische Kirche scheinen im Zeitalter der Moderne von vorgestern zu sein. Sei es drum. „Katholisch“ ist von vorgestern. Ja - aber auch von heute - und von übermorgen!

 

Christoph Blath

 



[1] Der vorliegende Beitrag ist eine leicht veränderte Fassung des Vortrags, der am 1. Juni 2013 anläßlich der 13. Wallfahrt in der außerordentlichen Form des römischen Ritus in Altötting gehalten wurde. Der Vortragsstil ist beibehalten worden.

[2] Die Tagespost vom 13. 10. 2012, S. 6.

[3] „Deus, qui humanae substantiae dignitatem mirabiliter condidisti, et mirabilius reformasti: da nobis per huius aquae et vini mysterium, eius divinitatis esse consortes, qui humanitatis nostrae fieri dignatus est particeps, Iesus Christus, Filius tuus, Dominus noster […].” 

[4] Dieses Werk wird im folgenden zitiert nach: Ianotii Manetti De dignitate et excellentia hominis, edidit Elizabeth R. Leonard, Padua 1975.

[5] Ebda., II, 19: „Fecit igitur deus hominem ad imaginem et similitudinem suam; talem quippe illi animam creavit qua, ratione et immortalitate, intelligentia ac memoria et voluntate predita, ceteris omnibus animalibus prestaret et dominaretur.”

[6] Ebda., III, 5: „Nec quoque propter mundum mundus ipse factus est […].”

[7] Ebda.: „Nec enim dici potest deum propter se ipsum mundum fabricasse, sum sine ipso esse poutuisset et posset […].“

[8] Ebda.: „Relinquitur ergo animantium causa mundum esse constructum […].”

[9] Ebda.: „Si ceteras igitur animantes hominis tantummodo causa factas esse appareret, mundum utique hominis dumtaxat gratia a deo factum et constitutum fuisse concluderetur […].”

[10] Ebda., IV 36: „[…] profecto hominem […] non solum optimum quiddam sed etiam, ut ita dixerim, plusquam optimum esse iure dubitare et ambigere non possumus.”

[11] Zur Zielhaftigkeit der Schöpfung vgl. Leo Scheffczyk, Schöpfung als Heilseröffnung. Schöpfungslehre, Aachen 1997 (= Katholische Dogmatik, Band III), 154-159.

[12] De dignitate et excellentia hominis, III, 25: „Nostre sunt terre, nostri agri, nostri campi, nostri montes, nostri colles, nostri valles, nostre vites, nostre olee, nostre piri, nostri mali […].“

[13] Ebda., III, 26: „Nostri sunt celi, nostra astra, nostra sidera, nostre stelle, nostri planete, et quod mirabilius videri potest, nostri sunt angeli qui, ut inquit apostolus, administratorii spiritus in usum hominum creati fuisse creduntur.” - Mit dem „Apostel” ist Paulus gemeint, der im 1. Kapitel des Hebräerbriefs betont, Jesus Christus, der Sohn Gottes, stehe weit über den Engeln, die „alle nur dienende Geister“ seien, „ausgesandt, um denen zu helfen, die das Heil erben sollen“.

[14] Il principe wurde 1513 verfaßt und 1532 gedruckt.

[15] Ebda., XVIII: „E hassi ad intendere questo, che uno principe, e massime uno principe nuovo, non può osservare tutte quelle cose per le quali gli uomini sono tenuti buoni, sendo spesso necessitato, per mantenere lo stato, operare contro alla fede, contro alla carità, contro alla umanità, contro alla religione.” (zitiert nach: Niccolò Machiavelli, Il Principe. Der Fürst. Italienisch/Deutsch, übersetzt und herausgegeben von Philipp Rippel, Stuttgart 1986, 138).  

[16] Johannes Hirschberger, Geschichte der Philosophie, II. Teil. 8. Aufl. Freiburg, Basel und Wien 1969, 76.

[17] De legibus, III, 2, 3: „[…] quia ex natura rei omnes homines nascuntur liberi, et ideo nullus habet jurisdictionem politicam in alium, sicut nec dominium.“ (zitiert nach: R. P. Francisci Suarez, Opera omnia, V, Paris 1856: www. archive.org/stream/rpfrancissuare05suar#page/180).

[18] „Potestas autem politica non coepit donec plures familiae in unam communitatem perfectam congregari coeperunt” (Ebda.).

[19] Beantwortung der Frage: was ist Aufklärung?[1784] (zitiert nach: www. digbib.org/Immanuel_Kant_1724/ Was_ist_Aufklaerung). 

[20] De officio hominis et civis juxta legem naturalem libri duo, I, 7: „Ut quisque alterum hominem aestimet atque tractet, tanquam naturaliter sibi aequalem, seu, ut aeque hominem.” (zitiert nach: Sam. L. B. de Pufendorf De officio hominis et civis juxta legem naturalem libri duo, Frankfurt am Main 1714: www.digitale.bibliothek.uni-halle.de/vd18/content/pageview/6400851).

[21] „puta, quod ex eadem stirpe omnes descendamus, eodem modo nascamur, nutriamur, moriamur; quodque Deus nemini de stabili et inconcussa fortuna caverit” (Ebda., pageview/6400852).

[22] „[…] id inter communia Legis Naturalis Officia est: Ut ne quis, cui peculiare jus non est quaesitum, plus sibi quam reliquis arroget, sed alios aequo secum jure frui permittat” (Ebda., pageview/6400853).

[23] Art. Wolff, in: Jürgen Mittelstraß (Hrsg.): Enzyklopädie Philosophie und Wissenschaftstheorie, Stuttgart u. Weimar 1995-1996, Bd. 4, 773-777, hier: 775. 

[24] Ausführlicher und mit Quellenangabe: Christoph Blath, Der Mensch - das Maß aller Dinge? Kritische Überlegungen zu Skeptizismus, Agnostizismus und Relativismus, Theologisches 39 (2009), 137-152, hier: 142-145.

[25] Quintus Horatius Flaccus, Ars poetica, 139: „Parturient montes, nascetur ridiculus mus.” - Im Lateinischen stehen die Prädikate im Futur. 

[26] Diogenes Laertius, IX, 51, in: Die Sophisten. Ausgewählte Texte. Griechisch/Deutsch, herausgegeben und übersetzt von Thomas Schirren und Thomas Zinsmaier, Stuttgart 2003, 36 f.

[27] Gianfranco Ravasi, Überschattet vom Baum der Erkenntnis. Hermeneutische Anmerkungen zu Genesis 2-3, Internationale katholische Zeitschrift Communio 20 (1991), 294-304, hier: 298.

[28] Der Anfang. Papst Benedikt XVI. Joseph Ratzinger. Predigten und Ansprachen April/Mai 2005: Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls 168, Bonn 2005, 14.

[29] Theodor W. Adorno, Negative Dialektik, 3. Aufl. Frankfurt am Main 1982, 355; zitiert nach: Walter Hoeres, Heimatlose Vernunft. Denker der Neuzeit im Ringen um Gott und die Welt, Siegburg 2005, 279.

[30] Zur Bedeutung des antiken Naturrechts vgl. Wolfgang Waldstein, Ins Herz geschrieben. Das Naturrecht als Fundament einer menschlichen Gesellschaft, Augsburg 2010.     

[31] Apostolische Reise Seiner Heiligkeit Papst Benedikt XVI. nach Berlin, Erfurt und Freiburg 22.-25. September 2011. Predigten, Ansprachen und Grußworte: Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls 189, Bonn 2011, 37.

[32] Die Tagespost vom 20. 09. 2012, S. 6.

[33] Ebda.

[34] Die Tagespost vom 27. 04. 2013, S. 4.

[35] Ebda.

[36] Vgl. Christoph Blath, Richtet euren Sinn auf das Himmlische und nicht das Irdische“(Kol 3,2). Kritische Überlegungen zum Hedonismus, Theologisches 43 (2013), 129-144.

[37] Art. Rechtspositivismus, in: Jürgen Mittelstraß (Hrsg.): Enzyklopädie Philosophie und Wissenschaftstheorie, Stuttgart u. Weimar 1995-1996, Bd. 3, 514 f.

[38] Ansprache des Heiligen Vaters beim Weihnachtsempfang für die Kardinäle, Mitglieder der römischen Kurie und der Päpstlichen Familie am 21. Dezember 2012: Die Tagespost vom 28. 12. 2012, S. 6.

[39] Nicolás Gómez Dávila, Es genügt, dass die Schönheit unseren Überdruss streift... Aphorismen, ausgewählt und herausgegeben von Michael Klonovsky, Stuttgart 2007, 64.

[40] Ebda., 119.

[41] Max Horkheimer - Theodor W. Adorno, Dialektik der Aufklärung. Philosophische Fragmente, 20. Aufl. Frankfurt am Main 2011, 8.

[42] Ebda., 95.

[43] Ebda., 96. - Vgl. Max Horkheimer (Gesammelte Schriften,  Band 7, Frankfurt am Main 1985, 388-389): „Vom Standpunkt des Positivismus aus gesehen, läßt sich keine moralische Politik ableiten. Rein wissenschaftlich betrachtet, ist der Haß, bei aller sozial-funktionellen Differenz, nicht schlechter als die Liebe.“ - „ Der Positivismus findet keine die Menschen transzendierende Instanz, die zwischen Hilfsbereitschaft und Profitgier, Güte und Grausamkeit, Habgier und Selbsthingabe unterschiede.“

[44] Dialektik der Aufklärung, 96.

[45] Ebda., 100.

[46] Ebda., 106.

[47] Ebda.

[48] Ebda., 111.

[49] Art. Welt, in: Theologisches Begriffslexikon zum Neuen Testament, herausgegeben von Lothar Coenen, Erich Beyreuther und Hans Bietenhard, Studien-Ausgabe, 3. Aufl. Wuppertal 1983, 1381-1385; hier 1384.

[50] Ebda., 1385.

[51] Horst Opaschowski, Wir werden es erleben. Zehn Zukunftstrends für unser Leben von morgen, Darmstadt 2002, 189.

[52] „Protector in te sperantium, Deus, sine quo nihil est validum, nihil sanctum: multiplica super nos misericordiam tuam, ut, te rectore, te duce, sic transeamus per bona temporalia, ut non amittamus aeterna.“

[53] Zur Phänomenologie der Begehrlichkeit und des Hochmuts vgl. Dietrich von Hildebrand, Ethik, 2. Aufl. Stuttgart 1973 (= Gesammelte Werke II), 445-466.

[54] Franz von Assisi, Laudato si, herausgegeben von Wolfgang Bader, München 2008, Nr. 20.