Die katholische Kirche in Deutschland - Neuevangelisierung oder Selbstsäkularisierung?    (5.01.2013)

 

Um die katholische Kirche in Deutschland ist es nicht gut bestellt. Dies zeigen u. a. der massive Rückgang des Gottesdienstbesuchs und des Empfangs des Bußsakramentes, der Priestermangel, der Niedergang des Ordenslebens, die Marginalisierung der authentischen Glaubens- und Sittenlehre, aber auch die vielen Kirchengebäude, die ihrer Schließung und Entwidmung entgegensehen.

 

Vor diesem Hintergrund steht außer Frage, wie sehr die katholische Kirche hierzulande der Neuevangelisierung bedarf, zu der der Heilige Vater aufgerufen hat.

 

Die Neuevangelisierung müßte als „konzertierte Aktion“ aller Personen und Institutionen, die mit der Glaubensvermittlung befaßt sind, erfolgen. Gefordert wären also die Theologischen Hochschulen und Fakultäten, die Institutionen der kirchlichen Erwachsenenbildung, der Kirchenfunk, die Kirchenzeitungen und die kirchliche Verlage, die sonntägliche Predigt, die kirchlichen Kindergärten, die Erstkommunion- und die Firmkatechese, die kirchliche Jugendarbeit und der schulische Religionsunterricht.

 

Diese Ressourcen stehen allerdings nur theoretisch für die Neuevangelisierung zur Verfügung. Denn de facto lehnen einflußreiche Personen und Institutionen, die für die Glaubensvermittlung verantwortlich sind, eine Neuevangelisierung im Sinne des Heiligen Vaters ab. Es sind jene Kräfte, die mit ihrem Gefolge schon seit Jahrzehnten darauf hinarbeiten, die katholische Kirche in Deutschland in eine offene Weltanschauungsgemeinschaft umzufunktionieren, welche es in das Belieben jedes Einzelnen stellt, ob und inwieweit er sich zur überlieferten Glaubens- und Sittenlehre bekennt.

 

Ohne Zweifel wird die Neuevangelisierung in unserem Land nur in dem Maße Erfolg haben, wie es gelingt, diesen Prozeß der Selbstsäkularisierung und Selbstzerstörung zum Stillstand zu bringen. Die Chancen dafür stehen jedoch schlecht.  

 

Was der Apostel Johannes vor mehr als 1900 Jahren der Kirche in Sardes geschrieben hat, gilt leider auch für die katholische Kirche in Deutschland: „Ich kenne deine Werke. Dem Namen nach lebst du, aber du bist tot. Werde wach und stärke, was noch übrig ist, was schon im Sterben lag. Ich habe gefunden, daß deine Taten in den Augen meines Gottes nicht vollwertig sind. Denk also daran, wie du die Lehre empfangen und gehört hast. Halte daran fest und kehr um!“ (Offb 3, 1-3 part.).