Anmerkungen zum Papstinterview vom 19.08.2013                (29.09.2013)

 

Zu dem vieldiskutierten Papstinterview (19. August 2013) – veröffentlicht in der Jesuitenzeitschrift „Civilta Cattolica“ schreibt Thomas Jansen (KNA)  in der Paderborner Bistumszeitung „Der Dom“  am 27.9.2013 unter dem Titel „Hierarchie der Wahrheiten“ wie folgt: „ Franziskus macht in dem Interview einmal mehr deutlich, dass für ihn der konkrete Mensch und sein Schicksal stets an erster Stelle steht – vor der reinen Lehre. Das letzte Wort in moralischen Fragen gehört nach seiner Auffassung dem barmherzigen Seelsorger.

Eine gewisse Unschärfe, die Anlass zu Missverständnissen geben kann, nimmt er dafür offenbar in Kauf. So sagt er  einerseits mit Blick auf Homosexuelle, dass es „keine spirituelle Einmischung in das persönliche Leben „ geben dürfe. Andererseits bekennt er sich zu den kirchlichen Positionen. Die Antwort auf seine Frage, ob Gott eine homosexuelle Person mit Liebe anschaue oder sie verurteile oder sie zurückweise, überlässt er letztlich dem Leser.

 

Dazu schreibt Bernhard Mihm, Stadtrat a.D. Frankfurt am Main, jetzt wohnhaft in Paderborn Folgendes:

Die Äußerungen von Thomas Jansen, Papst Franziskus nähme eine gewisse Unschärfe, die Anlass zu Missverständnissen geben könnten offenbar in Kauf.

Das gilt nicht nur für  moralische bzw. moraltheologische Fragen. Auch das Wort von der „Hierarchie der Wahrheiten“ gehört dazu und wird prompt vom Kommentator missverstanden oder missdeutet. Es war der emeritierte Bischof Dr. Kurt Krenn, ehedem Theologieprofessor in Regensburg, der bereits vor Jahren darauf hingewiesen hat, das II. Vatikanum habe mit dem Begriff „Hierarchie der Wahrheiten“ nur eine „ökumenische Dialogregel“ gemeint. Das heißt, das Wort entbindet nicht davon, alle Teile des Glaubensgutes in religiös-gegründetem Gehorsam anzunehmen.

 

So gut das von Papst Franziskus auch gemeint sein mag, in Deutschland könnte sein Sprachstil katastrophale Auswirkungen haben. Denn einmal sind die Deutschen striktere Aussagen gewohnt, zum anderen aber gibt es genügend (Un-)Geister, die jede vom Papst „in Kauf genommene Unschärfe“ allzu behänd gebrauchen, um dann in deutscher Striktheit Glauben und Sitte  zu verfälschen.

 

Solchen katastrophalen Auswirkungen zu wehren, ist nun Aufgabe!  Man kann sie leisten, wenn man die „in Kauf genommene Unschärfe“ bei den päpstlichen Äußerungen einkalkuliert und stets weiß, dass er an der katholischen Lehre nichts ändern kann und will. Freilich ist mit all dem ein neues Feld eröffnet, sich im Geisteskampf zu bewehren.