Dank der Zustimmung des Autors, Prof. Dr. May, freuen wir uns, Ihnen diese denkwürdige Predigt wiedergeben zu können.  (25.08.2014)

 

Falsche Propheten

 

Professor May 27. Juli 2014

 

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

 

Geliebte im Herrn!

 

 

Ein ernster Warnruf dringt heute an unser Ohr: „Hütet euch vor den falschen Propheten.“ Der Herr hatte in seiner Gegenwart Lehrer der Theologie vor Augen, welche die kleinen Dinge wichtig, aber die großen Dinge nicht wichtig nahmen. „Ihr gebt den Zehnten von Minze, Dill und Kümmel“, sagte er seinen Gegnern, „aber die großen Dinge: Treue, Barmherzigkeit, Nächstenliebe, die lasst ihr beiseite.“ Und er hat das erschütternde Gleichnis erzählt von den Männern, die an dem Wundgeschlagenen vorbeigingen, weil sie angeblich Wichtigeres zu tun hatten, als ihm zu helfen, bis auf den einen, der sich seiner annahm. Die falschen Propheten halten sich an geringfügige Dinge und lassen die großen, die bedeutenden auf dem Speicher stehen. Das allwissende Auge des Herrn hat aber auch in die Zukunft geschaut. Er wusste, dass in seine Gemeinden Irrlehrer eindringen werden. Häufig schon in den Briefen, die uns im Neuen Testament vorliegen, wird vor falschen Lehrern, vor Irrlehrern, vor falschen Propheten, vor irrlehrenden Propheten gewarnt.

Und der Herr hat sicher auch in die Zukunft unserer Zeit geschaut und hat die Irrlehrer gesehen, die heute unter uns sind. Die Geschichte der Kirche hat gezeigt, wie berechtigt der Warnruf des Herrn ist. Es gibt kein Jahrhundert der Kirchengeschichte, das nicht seine falschen Propheten gehabt hat. Immer sind in die christlichen Gemeinden falsche Prediger eingesickert und haben die Gläubigen zu verführen gesucht. Es gibt keine Lehre des Christentums, die nicht im Laufe der Jahrhunderte verzerrt oder geleugnet worden wäre.

 

            Und wie ist es heute? Gibt es auch heute falsche Propheten? Die meisten – und gewöhnlich die gefährlichsten – falschen Propheten unserer Zeit sind Theologen. Sie treten mit dem Schein des Wissens auf und mit dem Anspruch ihres Titels. Sie behaupten mit der Autorität des Gelehrten zu reden, verkehren aber in Wirklichkeit den Dienst, der ihnen aufgetragen ist. Ich habe hier ein Buch von Klaus Berger. Dieses Buch hat den Titel „Die Bibelfälscher: Wie wir um die Wahrheit betrogen werden.“ In diesem Buch, das soeben erschienen ist, listet Berger all diese Irrtümer der falschen Propheten auf, z.B. Jesus ist nicht in Bethlehem geboren; Jesus war verheiratet; Jesus hat nicht den Lazarus vom Tode erweckt, den Lazarus hat es gar nicht gegeben; Jesus hat keine Kirche gestiftet; Jesus hat kein Bundesmahl eingesetzt; die sieben letzten Worte Jesu sind Erfindungen der Evangelisten. Das ist nur eine kleine Auswahl aus dem, was die falschen Propheten unserer Tage von sich geben. Das alles dringt auf unsere Jugend, auf die kommenden Religionslehrer und die kommenden Priester ein. Zahlreiche falsche Propheten befinden sich in den Redaktionen der Zeitungen und der Medienanstalten. Sie lauern auf jede Blöße, die sich die Kirche gibt, stürzen sich darauf, verbreiten sie als eine schlimme Sensation. Sie machen aus menschlicher Schwäche einen Skandalfall, zerstören den Gläubigen die Freude an der Kirche und am Glauben, bereiten sie für den Abfall und den Kirchenaustritt. Leider gibt es falsche Propheten auch unter den Hirten der Kirche. Sie sind es müde geworden, eine Botschaft zu verkündigen, die auf Ablehnung stößt. Sie möchten ankommen bei den Menschen, beliebt, geehrt, anerkannt sein. So lassen sie in der Verkündigung das aus, was den Menschen nicht eingeht. Und so predigen sie harmlose Dinge, mit denen sich auch der gottvergessenste Mensch zufrieden geben kann.

            Die falschen Propheten treten in verschiedener Form auf, aber eines ist ihnen gemeinsam, nämlich dass sie in „Schafskleidern“ kommen. Sie geben sich den Anschein der geistigen Überlegenheit, des Wissens, des Fortschritts, des Willens zur Erneuerung, sie sprechen von Reformen. Sie führen große und schöne Worte im Munde und missbrauchen edle Begriffe und Ideen, um sie ihren falschen religiösen Lehren dienstbar zu machen: Wissenschaft, Freiheit, Humanität, Menschenrechte, soziale Gerechtigkeit, frohe Lebensbejahung. Das alles wird angerufen, um die Botschaft der falschen Propheten annehmbar zu machen. Eines haben alle falschen Propheten gemeinsam, nämlich sie wollen es mit ihren Lehren nicht Gott, sondern den Menschen recht machen. Sie tragen das vor, was ankommt, was Beifall findet, wofür man anerkannt, belobigt, eingeladen, befördert wird. Es ist das Kennzeichen der falschen Propheten, dass sie das lehren, was die Menschen wünschen, nicht das, was sie brauchen. Die falschen Propheten verkaufen das Christentum zu Discountpreisen.

Sie sagen: Mach dir’s auf Erden schön. Kein Jenseits gibt’s, kein Wiedersehen. Die ewige Wahrheit sagt: „Was der Mensch sät, das wird er ernten. Wer auf sein Fleisch sät, wird vom Fleisch Verderben ernten; wer aber auf dem Geist sät, wird vom Geist das ewige Leben ernten.“ Die falschen Propheten sagen: Ich habe gesündigt, und was ist mir passiert? Gar nichts.

            Die ewige Wahrheit sagt: „Täuscht euch nicht. Gott lässt seiner nicht spotten.“ Die falschen Propheten sagen: Eitel ist es Gott zu dienen. Welchen Vorteil haben wir davon, dass wir seine Gebote halten? Die ewige Wahrheit lehrt: „Die Liebe verzeiht alles, mit einer einzigen Ausnahme: die ist darin gelegen, nicht wieder geliebt zu werden.“ Die falschen Propheten sagen: Der Sonntag ist zum Ausschlafen, zum Feiern, zum Sporttreiben da. Die ewige Wahrheit lehrt: „Diejenigen, welche im Leben die Glocken der Kirche nicht gehört haben, werden die Posaunen des ewigen Gerichtes nicht überhören.“ Die falschen Propheten sagen: Es ist egal was man glaubt, Hauptsache man ist ein anständiger Mensch. Die ewige Wahrheit lehrt:„Wenn du mit dem Munde bekennst Jesus als den Herrn und im Herzen glaubst, dass Gott ihn von den Toten erweckt hat, wirst du gerettet werden.“ Christus ist gekommen, die Wahrheit zu bringen. Wie soll es da egal sein, was einer glaubt? Und was ist das: ein anständiger Mensch? Wer sagt uns, was anständig ist? Woher weiß man es, wenn es uns Gott nicht sagt? Der Reichsführer SS Heinrich Himmler hielt im August 1943 eine Rede in Posen vor SS-Leuten. Und da sagte er: „Die meisten von euch werden wissen, was es heißt, wenn da tausend, zehntausend Tote liegen. Das alles mitgetragen zu haben und dabei anständig geblieben zu sein, das ist ein Ruhmestitel, auf den wir nie verzichten werden.“ – und dabei anständig geblieben zu sein! Die Menschen sind sehr verschiedener Ansicht darüber, was anständig ist. Lügen, Steuerhinterziehung, Schwarzarbeit, Seitensprünge; dadurch wird man nicht unanständig nach der Meinung der Menschen. Ich staune immer wieder, was sich Politiker leisten, besonders auf dem Gebiet des Geschlechtlichen und doch von uns als anständige Menschen anerkannt sein wollen. Der französische Staatspräsident Hollande lässt sich mit einem Motorroller zur Unzucht fahren! Die Moral des anständigen Menschen, des sogenannten anständigen Menschen, kommt ohne Gott aus. Die religionslose Moral leugnet Gott, aber er ist doch der Urheber des Sittengesetzes. Ohne ihn hängt doch das Sittengesetz in der Luft. Es gibt doch kein Gesetz ohne Gesetzgeber. Nur Gesetze, die von Gott ausgehen, sind unverbrüchlich. Nur Gesetze, die Gott gibt, sind sicher zu begründen. Nur Gesetze, die Gott als Urheber haben, vermögen die Kräfte zu erwecken, die notwendig sind, um das Sittengesetz auch unter schwierigen Umständen zu beobachten.

 

            Die falschen Propheten sagen: Es ist alles gleich unter den Konfessionen. Es ist gleichgültig, welcher Konfession man anhängt, ob man Katholik oder Protestant ist. Der Apostel Paulus lehrt: „Wenn einer euch ein anderes Evangelium verkündet, als ihr empfangen habt, der sei verflucht!“ Der Apostel Johannes lehrt: „Wenn einer zu euch kommt und bringt nicht diese Lehre, den nehmt nicht ins Haus auf und bietet ihm nicht den Gruß.“ Die falschen Propheten erzeugen den heute alltäglichen „Zwitterkatholiken“: den protestantischen Katholiken. Er hat Restbestände aus der katholischen Vergangenheit bewahrt – soweit sie nicht anspruchsvoll sind –, aber er lebt aus den beliebigen Ansichten, wie sie nun einmal bei unseren evangelischen Brüdern gang und gäbe sind. Falsche Propheten sind Theologen und Bischöfe, welche die Weihe von Frauen zu Diakonen oder Priestern fordern. Falsche Propheten sind Männer der Kirche, die Kommunionunwürdigen die Kommunion spenden wollen. Falsche Propheten sind jene, die die Beichte für überflüssig erklären. Falsche Propheten sind Prediger, welche die ernsten Wahrheiten des Evangeliums unterschlagen. Der Münchener Erzbischof Marx fordert die Kirche auf, für die Bilder der Hölle und des Fegefeuers Buße zu tun, mit denen sie angeblich den Menschen Angst vor dem Tode gemacht hat. Ich frage Herrn Marx: „Sind Hölle und Fegefeuer Bilder oder Wirklichkeiten? Sind sie Meinungen oder unaufgebbare Wahrheiten des Evangeliums?“ Und warum soll die Kirche dafür Buße tun? Weil Menschen dadurch erschreckt wurden? Ja, das ist der der Sinn dieser Wahrheiten! Wenn uns die Liebe nicht zur Buße treibt, dann wenigstens die Furcht! Wir sollen uns fürchten, damit uns wenigstens die Furcht vom Sündigen abhält, wenn es die Liebe nicht vermag. Seit wann tut die Kirche Buße, d.h. nimmt sie Strafe auf sich, wenn sie das Evangelium verkündet? Weiß Herr Marx, welche Ungeheuerlichkeiten er hier in Erding von sich gegeben hat?!

            Alle falschen Propheten nehmen sich der Welt des Geschlechtlichen an und bereiten sie nach ihrem Empfinden zu. Ich kenne keine einzige Irrlehre, die nicht Abstriche an der katholischen Sittlichkeit des Geschlechtlichen macht. Daraus erklärt sich ihre Beliebtheit. Die falschen Propheten sagen: Was ich mit meiner Geschlechtlichkeit tue, geht niemand etwas an. Wirklich? Auch Gott nicht, der sie geschaffen hat? Der sie mit unveränderlichen Gesetzen ausgestattet hat? Die Kirche erfindet nicht diese Gesetze, sie verkündigt sie.

            Die falschen Propheten sagen: Die homosexuelle Betätigung ist eine andere mögliche Form geschlechtlicher Liebe. Die ewige Wahrheit lehrt: Homosexualität ist eine diabolische Verirrung und eine himmelschreiende Sünde.

            Ein falscher Prophet, meine lieben Freunde – es fällt mir schwer, es zu sagen – ein falscher Prophet lebt in Trier. Er heißt Ackermann und sitzt auf dem Bischofsthron. Nach ihm hört das Geschlechtsleben in einer ungültigen Ehe nach einiger Zeit auf, sündhaft zu sein. Nach ihm kann Geschlechtsverkehr zwischen Nichtverheirateten zulässig sein. Nach ihm ist  die Unterscheidung zwischen Geschlechtsverkehr in der empfängnisfreien Zeit und Verkehr mit „Gummi“ oder Pille unverständlich. Nach ihm ist Homosexualität nicht widernatürlich. Es ist nicht zu viel gesagt, dass sich dieser famose Nachfolger der Apostel von der katholischen Sittenlehre verabschiedet hat!

 

Der Erzbischof Marx fordert eine breite Debatte über Ehe und Familie. Ich erlaube mir die Frage: Was ist hier zu debattieren? Ist nicht aus der unfehlbaren und unwandelbaren Lehre der Kirche bekannt, was Gottes Wille über Ehe und Familie ist? Wissen wir nicht aus den Erkenntnissen der Natur, der Offenbarung und aus den Entscheidungen der Konzilien und Päpste, wie es um Ehe und Familie steht? Was soll hier eine Debatte? Ich vermute, es geht darum, die unfehlbar vorgetragene Lehre der Kirche zu verbiegen. Es soll solange über die Ehe und über die Familie geredet werden, bis die Wahrheit nicht mehr durchdringt. Der Erzbischof Marx behauptet, die Unauflöslichkeit der Ehe sei keine moralische Leistung des Menschen, sondern eine Verheißung. Eine Verheißung ist die Zusage der künftigen Erfüllung. Was wird bei der Eheschließung verheißen? Die Gnade und die Treue Gottes zu diesem Bunde. Der Bund selbst ist keine Verheißung. Der Bund ist ein Gesetz, und Gesetze muss man halten. Es macht mir keinen Spaß, Bischöfe vor das Tribunal zu zerren, aber um der Wahrheit willen muss gesagt werden, was zu sagen notwendig ist.

            Ich weiß mich bei dieser Arbeit mit der Kirche der Apostel verbunden. „Glaubt nicht jedem Geiste“, sagt der Apostel Johannes, „sondern prüfet die Geister, ob sie aus Gott sind.“ Wir haben einen Maßstab, einen sicheren Maßstab, um die Geister zu prüfen. „Einer ist euer Lehrer: Christus. Wer die Kirche nicht hört, der sei euch wie ein Heide.“ An der Lehre der Kirche prüfen wir die Aussagen der falschen Propheten und verwerfen sie. Christus weist auf ein doppeltes Kennzeichen der falschen Propheten hin: auf ihre Früchte und auf ihr Schicksal. „An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen.“ Welches sind denn die Früchte der falschen Propheten? Die leeren Priesterseminare? Die zusammenbrechenden Klöster? Die Millionen Geschiedenen? Das ist das Kennzeichen jeder Häresie: Ihre Lehren sind unfruchtbar. Nimm den Rest des katholischen Glaubens fort, den die Häresie noch bietet, und was bleibt, ist Lehr-

streit, Wortspalterei, Proteste. Und das Schicksal? „Jeder Baum, der keine guten Früchte bringt, wird umgehauen und ins Feuer geworfen.“ Das Schicksal der falschen Propheten ist, dass sie in den Abgrund der Vergessenheit ziehen. Alle Religionsgemeinschaften, die sich von der römischen Kirche getrennt haben, sind entweder versteinert wie Alpenberge oder zerflossen wie die Wogen eines Sees. Die Religionsgeschichte ist ein riesiges Trümmerfeld voll von Ruinen großer und kleiner Bauwerke, die der Menschengeist errichtet hat. Und wenn sich, meine lieben Freunde – was ja leider Gottes wahr ist – und wenn sich Menschen wegen der Verkündigung von uns, von unseren Gemeinden, von unserer Kirche abwenden, was dann? Dann erinnern wir uns an das, was der Apostel Johannes schreibt: „Sie sind von uns ausgegangen, aber sie waren nicht wirklich von uns. Denn wenn sie wirklich von uns gewesen wären, wären sie bei uns geblieben.“ Dann denken wir auch an das, was der Herr den ausgesandten Jüngern auf den Weg mitgab: „Wenn ihr in eine Stadt kommt, in der man euch nicht  aufnimmt, dann geht hinaus an ihre Straßen und sprecht: Auch den Staub, der sich in eurer Stadt an unsere Füße gehängt hat, schütteln wir auf euch ab. Aber das sollt ihr wissen: dass das Reich Gottes nahe ist. Ich sage euch: Sodoma wird es an jenem Tage erträglicher ergehen

als jener Stadt.“

 

Amen.