Zur beabsichtigen Ernennung von Frau Schavan als Botschafterin beim Heiligen Stuhl ein Kommentar von Stadtverordnetenvorsteher a.D.  der Stadt Frankfurt am Main,  Bernhard Mihm

 

Annette Schavan. Eine „profilierte Katholikin“ wird Vatikan – Botschafterin                   (07.02.2014)

 

Die Nominierung der früheren Bundesministerin Annette Schavan zur deutschen Botschafterin beim Heiligen Stuhl ist geeignet, große Sorge auszulösen, Sorge nicht etwa politischer, sondern kirchlicher, kirchenpolitischer Art.

 

Bis 1945 waren alle deutschen Vatikan-Botschafter Protestanten. Katholiken verdächtigte man der geteilten Loyalität. Als Konrad Adenauer die diplomatischen Beziehungen wieder aufnahm, musste er einen Kompromiss mit Bedenkenträgern in der eigenen Regierung schließen: Fortan wechselte der Posten zwischen den beiden Konfessionen. Niemals aber zuvor hatte man einen Kandidaten als jeweils besonders  konfessionell profiliert der Öffentlichkeit verkauft, obwohl es etwa mit dem früheren Chef des Bundespräsidialamtes (unter Lübke) Hans Berger einen sehr profiliert katholischen Mann auf diesem Posten hatte.

 

Nun denn: Was ist das „besondere“ am katholischen Profil der künftigen Botschafterin?

 

Annette Schavan war bis zu ihrer Entdeckung für die Politik durch Erwin Teufel hauptberuflich im kirchlichen Dienst, und zwar als Geschäftsführerin der kirchlichen Hochbegabtenförderung „Cusanus-Werk“, aus der etwa Heinz Riesenhuber hervorgegangen ist, aber auch Oskar Lafontaine. In dieser Zeit vertrat sie ihre Einrichtung auch im Zentralkomitee der deutschen Katholiken, wo sie das Bündnis mit den Frauenverbänden und dem BDKJ suchte. Unter ihrer Federführung entstand das umstrittene bischofskritische Papier „Dialog und Dialogverweigerung“, das in Limburg lebhaft Unterstützung fand, über das ich selbst aber mit Schavan im ZdK, dem ich damals angehörte, in Streit geriet. Diese Affäre war kennzeichnend für ihre allgemeine Linie in der Kirche. Später als Bundesministerin setzte sie sich für die Weiterführung des Importes menschlicher Stammzellen zu Forschungszwecken ein, worüber sich damals Kardinal Marx „sehr enttäuscht“ zeigte, was Kardinal Sterzinsky aber nicht davon abhielt, Schavans Berufung als Honorarprofessorin an der FU Berlin abzusegnen.

Ich kritisierte das damals in der Zeitschrift „DER FELS“. Und ich hatte mit Schavan einen parteiinternen, in einem persönlichen Telefongespräch mit ihr ausgetragenen Streit um liberalisierende Programmäußerungen der stv. Bundesvorsitzenden.

 

Dass Schavan nun diesen Posten erhält, verdankt sie ihren doppelt guten Beziehungen: Zur Bundeskanzlerin einerseits und zu Führungsspitzen des deutschen organisierten Katholizismus andererseits.

 

Schavan hat nun neue Möglichkeiten, auf innerkirchliche Fragen Einfluss zu nehmen. Ich denke besonders an Bischofsberufungen. Da wird sie die „liberale“ Seite kräftig fördern.

 

Sollte sich der Limburger Bischofsstreit noch bis in den Sommer hinziehen, wird Schavan auch damit zu tun haben. In welche Richtung ihr Einfluss da gehen wird, mag Stadtdekan zu Eltz erfreuen – mich nicht!