(16.2.2017)

Zum Nachdenken

Der selige Pfarrer Georg Häfner und die deutschen Bischöfe von heute

 

Vor einigen Jahren wurde der Priester des Bistums Würzburg Georg Häfner seliggesprochen. Häfner, Opfer des National-Sozialismus und ins deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts aufgenommen.

Was war geschehen?

Georg Häfner war Pfarrer einer unterfränkischen Landgemeinde. 1941 wurde er von der Gestapo festgenommen. Als Verhaftungsgrund wurde angegeben, daß er die Bevölkerung gegen Partei und Staat aufgehetzt habe.

In seiner Partei lebte ein lokal prominenter Parteigenosse, der geschieden und standesamtlich wiederverheiratet war. Als dieser auf dem Sterbebett lag und ihn Häfners Kaplan dort besuchte, war der Kaplan von Häfner angewiesen worden, den Todkranken darüber zu belehren, daß er die Sterbesakramente nur empfangen und kirchlich beerdigt werden könne, wenn er seine Zweitehe als vor Gott und seinem Gewissen für ungültig erkläre. Das geschah dann auch. Dem Empfang der Sakramente und der kirchlichen Beerdigung stand nichts mehr im Wege. Häfner hielt es zur Vermeidung von Mißverständnissen für angezeigt, der Trauergemeinde die erfolgte Aussöhnung des Verstorbenen mit der Kirche bekanntzumachen. Und genau das wurde ihm vom national-sozialistischen Regime als Volksverhetzung angekreidet. Deshalb kam er ins KZ, wo er nach wenigen Monaten den erlittenen Mißhandlungen und dem Hunger erlag.

 

Wenn nun die deutschen Bischöfe das Urteil darüber, ob eine nach erfolgter Scheidung standesamtlich eingegangene Zweitehe vor Gott gerechtfertigt sei, nun nur  dem „Gewissen“ der Beteiligten überlassen wollen, ohne zu differenzieren, ob dieses Gewissen gebildet, d.h. auf dem nötigen Wissen um das Gesetz Gottes ruht oder nicht; vielleicht sogar nur das Belieben der Betroffenen ist, verraten sie das Opfererbe eines zur Ehre der Altäre berufenen Mitbruders, dessen Martyrium genau um jener Wahrung des Gottesgesetzes und der Gewissensbildung willen erfolgt war.

 

Bernhard Mihm