Eine Weihnachtspredigt  von honigfließender Beredsamkeit  (22.12.12)

Schon in den Waben des Alten Testaments ist die ganze Fülle des menschgewordenen Gottessohnes verborgen – erklärt der ‚doctor mellifluus’ Bernhard von Clairvaux in seiner Weihnachtspredigt.

55 Mal erscheint der Begriff Honig in der Bibel, davon 16 Mal in der Verbindung „Land von Milch und Honig“. Bisher gingen einige Archäologen und Historiker davon aus, daß mit „Honig“ in diesem Zusammenhang der süße Saft von Feigen und Datteln gemeint war. Für ‚Bienenhonig’ gibt es nur zwei explizite Schriftbelege und archäologische Nachweise für biblische Imkerei standen bisher aus.

Nunmehr haben Forscher der Hebräischen Universität Jerusalem in den Ruinen der antiken Stadt Tel Rehov eine große gewerbliche Imkerei aus dem 9. Jahrhundert vor Christus ausgegraben. Die Archäologen fanden Reste von etwa 100 Bienenstöcken aus Tonröhren, wie sie bisher nur aus ägyptischen Wandzeichnungen bekannt waren und bis heute in Ländern mit trockenem Klima gebraucht werden.

Reiche Honigernte war in der Antike Ausdruck eines blühenden Landes und so auch in der Bibel die Umschreibung des Gelobten Landes für die Nachkommen Abrahams.

„Eure Arbeit soll der eines Bienenstocks ähneln“ – so eine Bienenkorb-Predigt des hl. Ambrosius

Bei den frühchristlichen Kirchenvätern spielte die Bienen- und Honigsymbolik eine große Rolle. Die mitreißenden Predigten und großartigen Hymnen des heiligen Bischofs Ambrosius  von Mailand (+ 397) wurden bereits zu Lebzeiten  als honigsüße Reden gelobt und später mit dem Heiligenattribut Bienenkorb symbolisiert. Die Legende erzählt, schon dem Kleinkind habe ein Bienenschwarm Honig in den Mund geträufelt und so die honigsüße Sprache des späteren Bischofs eingeleitet.

Bereits im alttestamentlichen Buch der Sprüche werden gute Reden mit einer Honigwabe verglichen, „süß für die Seele und gut für die Gesundheit“. Ambrosius selbst – sein Name erinnert noch an die Götterspeise der antiken Götzen - stellt in seinen Predigten die Biene als Lebensvorbild der Christen hin: «Seht zu, dass eure Arbeit der eines Bienenstocks ähnelt, denn eure Reinheit und eure Keuschheit sollen mit den arbeitsamen, bescheidenen und enthaltsamen Bienen verglichen werden.“

Einen anderen metaphorischen Bezug des Honigs stellt der heilige Augustinus auf. Papst Benedikt XVI. zitiert in seiner  Enzyklika zur christlichen Hoffnung jene Stelle des Augustinus, in der dieser die überfließende Güte und Liebe Gottes zu den Menschen mit einer Honiggabe vergleicht.

Bernhard von Clairvaux – ein Kirchenlehrer mit honigfließender Beredsamkeit

Neben Ambrosius ist der hl. Bernhard von Clairvaux der bekannteste Heilige im Symbolkontext von Bienen und Honig. Er wird „doctor mellifluus“ genannt – der Kirchenlehrer mit honigfließender Beredsamkeit - und gelegentlich mit einem Bienenkorb dargestellt.

Der Bienenkorb stellt einerseits ein Symbol für das Alte Testament dar, das den von den Propheten gesammelten Honig des Logos birgt – so ein Gedanke des Origines. In den Waben des Alten Testaments ist die ganze honigfließende Fülle des Gottessohnes schon verborgen angelegt – so deutet dieses Bild der hl. Bernhard von Clairvaux.

In seinen berühmten Weihnachtspredigten betrachtet Bernhard immer aufs Neue das Geheimnis, daß das ewige Wort, das nach Jeremia ‚Himmel und Erde erfüllt’, sich zu einem „verbum infans“, zu einem hilflosen Kind in der engen Krippe kleinmacht. Durch alle Worte der Heiligen Schrift sagt Gott nur ein Wort aus: sein eingeborenes Wort, in dem er sich selbst aussagt. Nach Bernhard sind die „vielen Worte“ des Alten Testaments auf das neue „abgekürzte Wort“, den einen „Satz“: Jesus Christus hin auszulegen:

„Jesus Christus, der Sohn Gottes, wird zu Bethlehem in Juda geboren! O kurzes Wort über das abgekürzte Wort (de verbo abbreviato), doch ein Wort voll himmlischer Süße! Mein Herz ist bedrückt, denn es verlangt, die Fülle der honigfließenden Süße (mellifluae dulcedinis) nach allen Seiten ausfließen zu lassen, findet aber keine Worte.“

Von den Bernhard-Darstellungen mit Bienenkorb ist der honigschleckende Putto mit einem Bienenkorb am Bernhard- Altar der Zisterzienser-Propstei Birnau bei Überlingen am Bodensee vielleicht der bekannteste.

Maria spendet - wie eine jungfräuliche Biene - der Welt in ihrem Kind den Honig des Evangeliums

Eine weitere Verbindung von Kirche, Honig und Weihnachten besteht in den honiggesüßten Lebkuchen, die schon um 800 nach Christus von süddeutschen Klöstern gebacken und an die Gläubigen verteilt wurden.

Schließlich wird mit der Flamme der Bienenwachskerze seit den Kirchenvätern eine reiche Christussymbolik entfaltet: Für Augustinus ist die aus der Wachskerze erstrahlende Flamme ein Gleichnis Christi, der - sich selbst verzehrend – die Welt erleuchtet und vom Dunkel der Sünde erlöst.

Dem Wachs als von den jungfräulichen Bienen erzeugten Material wird seit altersher eine besondere Reinheits-Symbolik zugesprochen. In diesem Kontext konnte die Wachskerze auch zum Sinnbild der Menschwerdung Christi aus dem Schoße seiner jungfräulichen Mutter Maria werden.

Aus der Marienminne des Hochmittelalters erwachsen weitere Deutungen zum Themenkreis Bienen. In der um 1275 von Konrad von Würzburg verfassten „Goldenen Schmiede“ wird Maria als die Biene besungen, welche der Welt jungfräulich in ihrem Kind den Honig des Evangeliums spendete.

Ähnliche Bilder kommen in den „Revelationes“ der heiligen Brigitta von Schweden zum Vorschein, nach denen Maria die Honigwabe oder der Honigstock ist, das Gefäß also, aus dem die Süßigkeit der Menschwerdung und Erlösung Christ hervorfließt.

Schließlich wird dieses Bild – auch in einer Legende von der Hostie im Bienenstock - auf die Kirche übertragen, die mit dem Altarssakrament den Menschen eine Lebensspeise spendet, die „köstlicher als Honigseim“ ist.

Datei:St.Peter am Wimberg Kirche - Kanzel 4 Ambrosius.jpg

Ambrosius von Mailand, Statue in der Kirche St. Peter am Wimberg

Bernhard von Clairvaus, der doctor melifluus, mit dem Bienenkorbsymbol


Honigschlecker

Der Honigschlecker, ein Putto am Bernhard-Altar des Zisterzienser-Priorat Wllfahrtskirche Birnau am Bodensee