Fragen an den Bischof von Limburg zur „Konziliaren Versammlung“ in Frankfurt               16.10.2012

► Entspricht es Satzung und Auftrag vom ‚Haus am Dom’, dass es von seinem kirchensteuerfinanzierten Etat für die kirchliche Arbeit an Fort- und Weiterbildung eine großzügige Spende an die weitgehend anti-kirchliche ‚Konziliare Versammlung’ weitergibt?

► Halten Sie es für richtig, dass zwei Frankfurter Pfarreien mit personellen und logistischen Ressourcen auf breiter Ebene eine Großveranstaltung unterstützen, die mit anti-kirchlichen Programmpunkten den aktuellen Bemühungen zur Glaubenserneuerung von Papst, Deutscher Bischofskonferenz und Bistum Limburg entgegenzuwirken versucht?

► Können Sie es als Diözesan-Bischof mitverantworten, dass die Synodal-Gremien im Stadtbezirk Frankfurt einschließlich des Frankfurter Stadtdekans und Domkapitulars Johannes zu Eltz eine Großveranstaltung ideell unterstützen, die in Programm, Trägervereinen und Unterstützerpersonen zum großen Teil anti-kirchlich und anti-bischöflich praktizieren und agitieren sowie unseriös mit Konzil und Evangelium umgehen?

Organisation einer anti-kirchlichen Großveranstaltung

Vom 18. -21. Oktober 2012 findet in Frankfurt eine sogenannte  Konziliare Versammlung“ statt.  Organisiert wird diese Veranstaltung  von dem privaten „Institut für Theologie und Politik“ in Münster, das auch die entsprechende Werbeseite ‚pro-konzil.de’ betreibt. Von 32 Kleinst-Gruppen und größeren Vereinigungen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz wird die Versammlung getragen, die an den drei Veranstaltungstagen in  Arbeitskreisen ihre je eigenen Programme vorstellen.
Das Eröffnungsplenum findet am 18. Oktober um 18 Uhr in der Frankfurter Paulskirche statt mit Hans Küng, Susan George (Mitbegründerin von attac Frankreich), Ida Raming (geheim geweihte Priesterin und Bischöfin), Magdalena Bussmann (Gründungsmitglied ‚Kirche von unten’ und ‚Wir sind Kirche’) u. a. Am Samstag und Sonntag sollen sich die etwa 500 aus ganz Deutschland angemeldeten Personen auf 53 Arbeitskreise und Projektgruppen verteilen.

Die Versammlungsorte für die Arbeitskreise sind einmal der kommunale ‚Saalbau Gallus’, zum andern die beiden katholischen Pfarrgemeinden St. Gallus und Maria Hilf sowie die evangelische Friedensgemeinde. Die katholischen Pfarrgemeinden stellen neben den Versammlungsräumen auch ihre Kapazitäten für das „Bekochen“ von je 200 Teilnehmern zur Verfügung. „Die katholischen …Kirchengemeinden im Gallus haben in besonderer Weise die Versammlung organisiert, mitgestaltet und Räume zur Verfügung gestellt“ - heißt es im Veranstaltungsprogramm - auch das ‚Monikahaus’ in Frankfurt steht für Gruppentreffen zur Verfügung.  Die Veranstaltung wird durch Spenden von Einzelpersonen und Kirchengemeinden unterstützt, namentlich als Spender genannt werden einige Institutionen, u. a. das ‚Haus am Dom, Frankfurt’.

Um welche Inhalte und Ziele geht es bei der Veranstaltung?

Mit der Terminsetzung (50 Jahre nach Konzilsbeginn) und der Überschrift „Konziliare Versammlung – Zeichen der Zeit – Hoffnung und Widerstand“ deuten die Veranstalter an, dass sie das II. Vatikanische Konzil zum Inhalt ihrer Überlegungen machen wollen. Wie man aus der Reihe der Hauptredner bei der Eröffnungsveranstaltung aber schon erahnen kann, sind das reale Konzil und seine Textergebnisse  nur publizistische Aufhänger, um einerseits in wenigen Arbeitskreisen gegen das Konzil zu polemisieren, andererseits in 90 Prozent der Arbeitsgruppen Thesen und Themen zu behandeln, die bestenfalls mit Kirche und Konzil kaum was zu tun haben, meistens aber eine betont anti-kirchliche Stoß- und Zielrichtung enthalten.

Etwa ein Viertel der 53 Arbeitskreise stehen unter marxistischen Vorzeichen - wie: „Den Kapitalismus überwinden“ oder „Befreiungstheologische Exegese und Kapitalismuskritik“.

Einer der Protagonisten der anti-kapitalistischen Arbeitsgruppen ist der Theologe Michael Ramminger vom Institut für Theologie und Politik in Münster. Er vertritt in einem marxistischen Kampfblatt die These:
„Christen müssen Sozialisten sein!“

Die Gruppe „ChristInnen gegen den Finanzkapitalismus“ wollen in der Frankfurter Innenstadt gegen die Deutsche Bank protestieren.

Auch die zweite Abteilung  der Arbeitsgruppen zu Ökologie und Sozialpolitik hat eine links-sozialistische Ausrichtung.

„Ökosozialismus oder Barbarei“ heißt ein Arbeitskreis von einem gleichnamigen Netzwerk.  In einem weiteren Werkstattgespräch soll das „ökologische und soziale Klima weltweit“ gerettet werden. Mit „Aktionen von zivilem Ungehorsam oder Waldbesetzungen“ will man „nach dem Atomausstieg den Ausstieg aus der Braunkohle“ erzwingen. Mit Reden und Aktionen gegen „Kaputtalismus und strukturelle Ungerechtigkeit“ ist auch die Organisation ‚pax christi’ dabei.

Der dritte Veranstaltungsbereich ist ein Sammelbecken für Feministinnen und  Homosexuelle.

Feministisch-befreiungstheologische Frauen der deutschsprachigen Länder wollen in Frankfurt „Re-Visionen“ erleben. In einem anderen Arbeitskreis versammeln sich die exkommunizierten „Priesterinnen und Bischöfinnen“.

Die Gruppe „Wir sind Kirche“ nähern sich über das Thema „Die Bischöfinnensynode“ der Forderung: „Freie Wahl der Lebensform- Selbstbestimmte Sexualität“.

Bei der ‚Vereinigung katholischer Priester und ihrer Frauen’ werden alte Texte der Weinerlichkeit wiedergekäut. In einem weiteren Workshop reden „Pionierinnen der feministischen Theologie“ einen „radikalfeministischen Nonnenaufstand“ in den USA herbei.

Schließlich feiert das Frankfurter „Projekt: schwul und katholisch in der Gemeinde Maria Hilf“ sein „Coming-out in der Basis-Gottesdienstgemeinschaft“.

Den größten Veranstaltungsbereich bilden die antikirchlichen Gruppen gegen Papst, Bischöfe und Kirche.

Die Gruppe „Ökumene 2017“ will die Kirche bis zum Lutherjahr vollständig protestantisiert haben. Dazu hat sie die Gallionsfigur der „Ungehorsam-Initiative“ als Propagandisten angeheuert.

Bei der Anti-Kirchen-Bewegung macht sich auch die Gruppe „Wir sind Kirche“ stark. Man will durch eine öffentliche Lesung den Unflat des Buchs „Heilige Scheisse“ verbreiten. Danach sollen die emeritierten Professoren  Pater Friedhelm Hengsbach (75) und Hubertus Halbfas (80) ihre antikirchliche Munition zünden. Weitere Mitglieder in dieser Greisen-Runde sind die Progressiv-Theologen Hans Küng (84), Johann Baptist Metz (84) und Hermann Häring (75).

Bei dieser modernistisch und progressistisch ausgerichteten Versammlung darf die „Leserinitiative Publik“ nicht fehlen. Sie will zwei Stunden lang über die „Selbstmarginalisierung des politischen Katholizismus“ palavern.

Diese Gruppe bedient sich als Moderator des ehemaligen Kaplans aus dem Bistum Münster, Joachim Frank. Der Chefkorrespondent der Zeitungen ‚Frankfurter Rundschau’ und ‚Kölner Stadtanzeiger’ wird sicherlich als Claqueur dafür sorgen, dass die Ergebnisse des Frankfurter Treffens in der linksliberalen Presse beklatscht werden.

Affront gegen Papst, Kirche und Konzil

Nach Durchsicht von Programm und Protagonisten der Frankfurter Versammlung wird klar, dass diese Veranstaltung in mehrfacher Hinsicht als Affront gegen Papst, Kirche und Konzil gerichtet ist:

► Der Papst hatte am 12. 11. 2011 für den 11. Oktober 2012 zum  „Jahr des Glaubens“ aufgerufen – mit dem zentralen Thema „Die Neuevangelisierung für die Weitergabe des christlichen Glaubens“.  Es ist offensichtlich, dass die Macher der ‚Konziliaren Versammlung’ mit ihrem „Aufruf“ vom 18. 12. 2011, also  vier Wochen nach der päpstlichen Ankündigung, eine direkte Gegenkampagne gegen Papst und Weltkirche organisieren wollten und wollen. Inhaltlich haben sie weder mit Glaubenserneuerung und Neuevangelisierung noch mit Glaubensweitergabe etwas im Sinn, sondern sie  propagieren zum größten Teil anti-kapitalistische und anti-kirchliche Praxis. Insofern ist ihr zeitliches Parallel-Programm diametral gegen das päpstliche Jahr der Glaubensvertiefung gerichtet.

► Die Deutsche Bischofskonferenz hat sich in mehreren Stellungnahmen dafür ausgesprochen, die päpstlichen Impulse zum ‚Jahr des Glaubens’ als Glaubenserneuerung und Glaubensweitergabe in den deutschen Bistümern aufzunehmen. Auch gegenüber diesem Konzept der deutschen Bischöfe ist das Programm der Frankfurter Versammlung eine Provokation, da sie ebenfalls deutschlandweit eine anti-kirchliche Evangeliums- und Konzils-Interpretation propagiert.

► Im Bistum Limburg hat Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst seit seinem Amtsantritt im Bistum Limburg mehrere Initiativen auf den Weg gebracht, um der Verdunstung des Glaubens entgegenzuwirken sowie die Glaubenserneuerung zu unterstützen - etwa mit den beiden Projekten: „Bereitschaft zur Bewegung“ und dem „Bischof-Blum-Kolleg. Eine Schule des Glaubens, des Gebetes und der Gemeinschaft. Mit diesen bistumsweiten Initiativen sollen immer mehr Pfarreien und engagierte Katholiken zur vertieften christlichen Glaubenspraxis befähigt werden. Was aber die beiden Frankfurter Pfarreien ‚St. Gallus’ und ‚Maria hilf’ (mit tatkräftiger Unterstützung der Stadtsynodalgremien) an Programmen und Veranstaltungen organisieren und propagieren, wirkt diesen bischöflichen und bistümlichen Initiativen frontal entgegen.

Letzte Änderung am 21.10.2012