Der bekannte Jurist und ehemalige Stadtverordnetenvorsteher der Stadt Frankfurt am Main Bernhard Mihm hat eine Stellungnahme zur derzeitigen Debatte verfasst, die wir den Lesern des Portals nicht vorenthalten möchten.

 

Von Anmaßung, Aufstand und Herumeiern

 

 

Ein Schelm, wer Böses dabei denkt? Wohl eher ein reichlich harmloses Gemüt, wer keinen Zusammenhang sieht zwischen dem anmaßenden Vorstoß deutscher Politiker gegen den priesterlichen Zölibat, dem Aufstand etwa eines Drittels der Staatstheologen, dem Beifall des „Zentralkomitees der deutschen Katholiken“ zu all dem und der lauen Reaktion des Sekretariates der deutschen Bischofskonferenz auf diese Vorgänge. Es geht um Kirchenpolitik im Vorfeld des Staatsbesuches des Papstes in Deutschland. Es geht darum, dem universalen Hirten der Kirche in nationaler Arroganz ein Kirchenbild aufzuzwingen, das man aus globaler Perspektive nur als reichlich provinziell bezeichnen kann.

 

Den Politikern mit der ihnen sicheren Medienaufmerksamkeit kam dabei die Funktion des Rammbockes zu, die Professoren stießen nach und die Apparatschiks und Funktionäre übernahmen die Aufgabe der „Anjubler“ einer ahnungslosen oder verwirrten Öffentlichkeit.

 

Und die Bischöfe? Sie sind doch die Hirten. Sie haben Anteil an der „Hierarchie“ der vom gottmenschlichen Stifter der Kirche gewollten „heiligen Ordnung“ Von daher haben sie die je personale Verantwortung, zu klären, der Verwirrung Einhalt zu gebieten und Einheit zu wahren – nicht nur untereinander und in dem ihnen anvertrauten Teil des Volkes Gottes, sondern gerade auch mit dem Vikar Christi auf Erden, dem Heiligen Vater. Was geschieht?

 

Da gibt es eine Bischofskonferenz, deren Sekretär den Theologenaufstand mit den Kommentaren zu kommentieren wusste, es sei „ein gutes Signal, wenn sich die Theologen mit ihrem Memorandum an Überlegungen der Zukunft der Kirche in Deutschland beteiligen wollten“.  Allerdings – ein erstes „allerdings“ in dem Text – stünden ihre Forderungen „ in Spannung zu theologischen Überzeugungen und kirchlichen Festlegungen“. Allerdings – das zweite „allerdings“ in kurzer folge – müsse sich die Kirche tatsächlich „den schwierigen Herausforderungen“ stellen. Und Reformerfordernisse der Gegenwart, besprochen und anerkannt werden“. Ei, wie denn nun? Festlegungen oder Reformerfordernisse ? „Herumeiern“ nennt man ganz profan solches Reden!

 

Solches herumeiern kennt man aus der Politik. Und es wird im Allgemeinen aus zwei verschiedenen Gründen aktuell. Entweder ist man sich seiner Sache nicht (mehr) sicher oder man will einen Gegner durch Umarmen unschädlich machen.

Den ersten Grund mag ich einer Hierarchie nicht unterstellen. Das beschriebene Umarmen ist kein Akt der Liebe, sondern ein solcher der Raffinesse. Ziemt sich das für die Kirche?  Gilt da nicht das Wort des Herrn:  „Deine Rede sei  `ja, ja´ oder  ´nein, nein`, alles andere ist vom Übel“?

 

Gut, dass wir unseren neuen Kardinal Brandmüller haben. Mit seinem klaren Wort hat er die Ehre der deutschen Hierarchie gerettet. Sie braucht sich seines Stils nicht zu schämen, wie das sein Mainzer Mitbruder Lehmann dieser Tage presseöffentlich zu erklären den Geschmack hatte.

 

Das Volk Gottes braucht Orientierung. Wer von unseren Bischöfen bricht aus der Umzäunung durch die Bischofskonferenz aus und folgt der Spur Brandmüllers?

Es wäre ein Befreiungsschlag für ihn ebenso wie für die ihm Anvertrauten.

 

Frankfurt/Main, den 7.2.2011