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Bezahlen für einen belanglosen Verein?

Heinrich Bedform-Strohm, Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland und nebenbei Herzensfreund des Münchner Kardinals, macht in diesen Tagen von sich reden: um den unter jungen Leuten rapide ansteigenden Austritt aus der Kircheabzuschwächen, will er die Kirchensteuer für Auszubildende, Studierende und junge Berufseinsteiger rabattieren. Als ob es jenen 8 Prozent Aufschlag auf die Lohn- und Einkommenssteuer wären, die jemanden veranlassen könnten, der Kirche oder seiner kirchlichen Gemeinschaft den Rücken zu kehren. Religionssoziologen haben denn Bedform-Strohm auch schon widersprochen;  Vermeidung der Steuerzahlung sei allenfalls eine Zweitursache, in erster Linie träten junge Leute aus, weil bei ihnen und ihrem sozialen Umfeld Kirchenmitgliedschaft nicht (mehr) von Belang seie.

Von Belang, in der Kirche zu sein, kann und sollte bei voller Reifung des Blickes in die Wirklichkeit die Liebe zu Gott sein. Bei voller Reifung, und genau da gilt dann 1 Joh 4,18: „Furcht gibt es in der Liebe nicht, sondern die vollkommene Liebe vertreibt die Furcht. Denn die Furcht rechnet mit Strafe, wer sich aber fürchtet, ist nicht vollendet in der Liebe“. Wer aber möchte sich in der Liebe vollendet wissen? So bleibt auch gültig, was wir an anderer Stelle der Heiligen Schrift lesen: „Wirkt mit Furcht und Zittern Euer Heil!“ ( Phil 2,12).

Furcht und Zittern wovor? Sein Leben endgültig zu verfehlen. Denn jedes menschliche Leben hier auf Erden endet mit dem Tod, und dieser Tod ist Tor zu neuem Dasein mit doppeltem Ausgang. Möchten wir doch alle in die ewige Glückseligkeit des Himmels gelingen! Es könnte uns aber auch der Abgang in die ewige Verlassenheit der Hölle bevorstehen Darüber wird mitten unter dem Tor des Todes entschieden, und jeder Einzelne ist selbst dafür verantwortlich, wie diese Entscheidung ausfällt. Es iat der einzige Existenzgrund für Kirche, daß wir dort lernen, wie wir den Weg nicht zur Hölle, sondern in den Himmel nehmen, daß uns dort die Hand zur Hilfe gereicht wird, diesen Weg zu bewältigen und daß uns dort sogar die Hilfe Gottes dafür vermittelt wird, da Gott ja will, daß wir zum Himmel kommen und ihn nicht durch den Abweg zur Hölle verfehle. Dafür und nur dafür ist Kirche da.

Genau dieser Sinn von Kirche wird aber heutzutage in der Kirche nicht mehr gesehen und bekannt gemacht. Denn jetzt sei ja die Liebe (1Joh 4,16b) und könne deshalb nicht zulassen, daß ein Mensch irgendwo anders als im Himmel landen könne. Da haben diese Prediger und Religionslehrer den Ersten Johannesbrief schlecht gelesen und gehören gar zu denen, die man nach dem Zweiten Johannesbrief (9-11) aus dem Haus weisen und noch nicht einmal mehr grüßen soll. Denn in 1 Joh 4 steht im Vers 17, also genau zwischen den Aussagen, daß Gott die Liebe ist und daß wir keine Angst haben sollen, wenn in der Liebe vollendet, daß wir am Tage des Gerichtes Zuversicht haben sollten, wiederum unter der Voraussetzung, daß unsere Liebe „vollendet“ ist. Es gibt es also. Das Gericht, das darüber entscheidet, wohin der Ausgang geht: in den Himmel oder in die Hölle.

Der Freiburger Fundamentaltheologe Joseph Schumacher hat darüber schon vor Jahren in der Zeitschrift „Theologisches“ (07-08/2008) mahnend und warnend geschrieben, wer den Menschen diesen doppelten Ausgang für jedes irdische Leben verschweige, „paralysiere die Verkündigung und die Heilssorge der Kirche an der Wurzel“.

Und kürzlich erst hat der Münsteraner Zeithistoriker Thomas Großbölting den Schluß gezogen: „Mit der Abschaffung der Hölle ist es fraglich geworden, warum man sich noch um den Himmel bemühen muß“. Genau da liegt die nicht nur irgendwie selbstverschuldete, sondern im Sinn von Schuld vor Gott zu verantwortende Ursache für die Kirchenaustritte. Im Bestreben, jedermann gefällig zu sein, ist die Kirche belanglos geworden und sie hat zudem aus dem heiligen Kult eine Ansammlung von Banalittäten gemacht: Massenhafte Kirchenaustritte sind die unübersehbare Folge.

Bernhard Mihm