‚Die globale sexuelle Revolution. Zerstörung der Freiheit im Namen der Freiheit.’       (13.04.2014)

Eine Rezension von Hubert Hecker zu dem Buch von Gabriele Kuby

 

Das Buch von Kuby aus dem fe-Verlag ist ein Augenöffner. Was man bisher zu den Themen Sexualität und Familie gehört und gelesen hat, vermittelt ein Gefühl des Unbehagens an den wahrgenommenen Werte-Veränderungen. Aber das Gelesene verschwimmt oft zu einem diffusen Bild. Man verbleibt im Schwanken zwischen Empörung und Beschwichtigung. Ratlosigkeit.

Frau Kuby fügt in 15 Kapiteln die Mosaiksteine der globalen sexuellen Kulturrevolution zu einem klaren Bild zusammen. Sie zeigt auf, wo das Geld, die Macht und die Macher dieser Werte-Revolution mit totalitären Tendenzen sitzen. Sie analysiert die Methoden und Strategien der Abschaffung der Grundrechte im Namen der Menschenrechte und spricht Gegenstrategien von der Basis christlicher Positionen an.

Das Lesen des Buches wirkt zunächst bedrückend, weil man sich als Christ angesichts der internationalen Machtgruppen und  Netzwerke, Bürokratien und Lobbygruppen erdrückt vorkommt. Indem andererseits die politisch-ideologische Krake der sexuellen Kulturrevolution aufklärend offengelegt wird, ermutigt Kuby zum kreativen Widerstand gegen die schleichende Zerstörung unserer bisher noch christlich geprägten Kultur, jedenfalls in den Grundfesten. Aus dem Buch erwächst die Hoffnung, dass die biblisch fundierte christliche Liebe auf die Dauer attraktiver und stärker ist als die Banalisierungs-Ideologien der sexuellen Kulturrevolution.

Die meisten Buch-Kapitel sind in sich abgeschlossen und insofern einzeln lesbar und  verständlich – etwa für die Leser, die sich über die Themen  „Christlicher Glaube und Homosexualität“ (11. Kap) oder „Sex-Erziehung in Schule und Kindergarten“ informieren wollen (12. Kap.). Es lohnt aber auch ein gründliches Studium des Komplexes der ‚globalen sexuellen Revolution’, insbesondere auch die Hintergründe dieses Zeitgeist-Phänomens in den Blick zu nehmen.

Kuby geht den historisch-idelogischen Wurzelsträngen dieser westlichen Kulturrevolution nach.

In den ersten drei Kapiteln geht Kuby auf die historisch-ideologischen Wurzeln der sexuellen Kulturrevolution ein.

• Der totalitäre Sowjetstaat probte erstmals den Umsturz der europäischen Wertetradition zum sexuell-familiären Komplex: Legalisierung von Abtreibung und Scheidung, Propagierung von ‚freier Liebe’ und Kommune-Häusern, Erziehung der Kinder im und zum Kollektiv, um die Frauen aus der Familie in die Arbeitskollektive zu dirigieren. Lenin und die Bolschewiken setzten damit um, was die Stammväter des roten Sozialismus siebzig Jahre vorher gefordert hatten: Die „irdische Familie muss theoretisch und praktisch vernichtet werden“ – so formulierte Karl Marx wörtlich. Und Friedrich Engels erklärte die anthropologische Polarität zwischen Mann und Frau in der Ehe zu einem „Antagonismus“, der nur mit der Aufhebung der „Einzelehe“ gelöst werden könnte.

Der kommunistische Sex-Ideologe Wilhelm Reich sah später in der „Sexualisierung der Massen“ ein Mittel, um die „Zwangsehe“ und die „Zwangsfamilie als Erziehungsapparat“ zu zerstören. Der als ‚Kulturbolschewist’ wahrgenommene Homosexuelle Magnus Hirschfeld gründete die ersten Netzwerke für Schwule.

Hirschfeld vertrat als Mitglied der ‚Gesellschaft für Rassenhygiene’ auch Positionen von „Selektion“ und „Aufartung“ – rassistische Tendenzen also, wie sie nach dem 1. Weltkrieg auch von der US-Amerikanerin Margret Sanger verbreitet wurden.

• Damit ist der rechts-bürgerliche Strang zur sexuellen Kulturrevolution angesprochen. Margret Sanger propagierte die ‚freie Liebe’ und deren Folge-Absicherung durch Verhütung, Abtreibung und Sterilisation. Die US-Aktivistin konzipierte die bis heute erfolgreiche Strategie einer Sexualpolitik, bei der mit Unterstützung des großen Geldes durch einflussreiche Lobbygruppen wie „Birth Control“ bzw. „Planned Parenthood“ Medien und öffentliche Meinung sowie Staat und internationale Institutionen bearbeitet und gelenkt werden. Auch die deutsche Organisation ‚pro familia’, deren Gründer und langjähriger Ehrenpräsident ein Rassist war, stammt aus diesem rechts-bürgerlichen Sumpf, zu dem Alfred Kinsey die schein-wissenschaftlichen Legitimations-Daten lieferte.

• Der dritte Wurzelstrang zum heutigen sexualpolitischen Komplex besteht im Feminismus. Die traditionellen Forderungen der Frauenrechtsbewegung radikalisierte die Französin Simone de Beauvoir, indem sie gegen die ‚Sklaverei von Ehe, Schwangerschaft und Mutterschaft’ polemisierte und eine Embryonen-Wegwerfgesellschaft propagierte. Geborene Kinder sollten ‚von der Gesellschaft betreut’ werden, damit sich die Frauen im Beruf – damals vorwiegend an Fließband und Kasse - selbstverwirklichen könnten.

Zu dieser alt- und linksbekannten Polemik gegen Ehe, Familie und Kinder setzte de Beauvoir aber einen neuen Akzent mit der folgenden These: Die Natur-Anlage der Menschen bei der Geburt als ‚männlich’ oder ‚weiblich’ sei irrelevant für das erwachsene Mann- oder Frau-Sein. Denn allein ‚die Gesellschaft’ würde das Kind zu einem ‚Mann’ oder einer ‚Frau’ „machen“. Das war die Geburtsstunde des Gender-Feminismus, nach der jeder Mensch seine gesellschaftliche ‚Geschlechtsrolle’ (englisch: ‚gender’) beliebig formen und verändern könnte. Die  Gender-Theorie verleugnet also die geschöpfliche Natur des Menschen als Mann oder Frau. Diese anthropologische Konstante der mann-fraulichen Bi-Polarität nennen Gender-Aktivisten „Zwangs-Heterosexualität“. Sie halluzinieren in die Schöpfungsordnung eine „Diktatur der Natur“ hinein.

An diesem Punkt stieg die Homosexuellen-Bewegung in die Gender-Strategie ein: Da Geschlecht und Geschlechtsbeziehungen in beliebiger Weise changieren könnten, müssten die Vorrechte der bipolaren Mann-Frau-Ehe und Familie abgebaut bzw. jeglichen Geschlechtsidentitäten und –Beziehungen die gleichen ‚Menschen-Rechte’ eingeräumt werden.

Die Gender-Strategie tarnt sich gerne als  eine Fortsetzung der Frauenrechtsbewegung zur  rechtlichen Gleichstellung von Mann und Frau. Tatsächlich ist sie eine fundamentale Kulturrevolution, die die menschliche Natur und Kultur auf den Kopf stellen will. 

In den Kapiteln vier bis acht analysiert Kuby die Strategien der Gender-Kulturrevolution, ausgehend von der UNO.

Die von der UNO 1948 verkündeten Menschenrechte beruhen auf biblischem Menschenbild und christlicher Tradition, wie es noch in der Formulierung der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung zu erkennen ist: ‚Alle Menschen sind gleichermaßen vom Schöpfer mit unveräußerlichen Rechten ausgestattet, darunter Leben, Freiheit und Streben nach Glück.’ Die ‚von Natur aus’ bestehenden Rechte sind vom Staat zu achten und zu schützen. Zu den vorstaatlichen Institutionen mit besonderen Rechten und Schutzanspruch gehört auch die „Familie als natürliche Grundeinheit der Gesellschaft“ (Art. 16 UNO-Dekl., ähnlich  Art. 6 GG). Mit den  Menschenrechtsprinzipien korreliert ein liberal-subsidiärer Staat, der die Rechte und Freiheiten der Einzelmenschen genauso achtet wie die Subsidiarität der gesellschaftlichen Gruppen.

• Kuby zeigt auf, wie es in den letzten 30 Jahren den geldbewehrten Minderheiten-Lobbygruppen von Feministinnen und Homosexuellen gelungen ist, die genannten UNO-Prinzipien auszuhebeln und für ihre Zwecke zu instrumentalisieren.

Am Beispiel des grundlegenden Menschenrechts auf Leben von Anfang an kann man erläutern, wie auf UNO-Konferenzen dieses Recht in sein Gegenteil verkehrt wurde – als ein vermeintliches Recht, ungeborene Kinder töten zu dürfen.

Zunächst wurden die klassischen Menschenrechte inflationär ausgeweitet und damit als grundlegende Rechte zu entwerten versucht. In den Yogyakarta-Prinzipien, ein für die internationalen Nichtregierungs-Organisationen stil-bildendes Dokument von 2007, heißt es im Prinzip 27: „Jeder Mensch hat das Recht, neue (!) Menschenrechtsnormen auszuarbeiten, zu erörtern und für deren Anerkennung einzutreten.“ Das ist als Aufforderung an sexualpolitische Lobby-Gruppen zu verstehen, ihre spezifischen Forderungen als allgemeine Menschenrechte zu deklarieren. Sodann werden diese Falschmünzer in Sachen Grundrechte zu Menschenrechtskämpfern hochstilisiert. Danach schließt man politische Forderungen an wie: „Die Staaten müssen…“ alle diese neuen MenschenrechtsverteidigerInnen unterstützen sowie jeden Widerstand gegen sie bekämpfen.

In den Formulierungen täuschen die ‚AktivistInnen’ hehre Prinzipien und hohe Menschheitsideale vor, in Wirklichkeit verstecken sie damit die banalen Forderungen von extremistischen MinderheitInnengruppen: Der alte FeministInnen-Slogan: „Mein Bauch gehört mir!“ wird nun umformuliert als ein Menschenrecht auf vollständigen Verfügung über den eigenen Körper einschließlich des Embryos. Nach diesem „neuen“ Menschenrecht aus dem Bauch heraus folgt dann das vermeintliche Recht auf Abtreibung. Auf Druck von Planned Parenthood versteckten diverse UNO-Konferenzen das angebliche Recht auf Abtreibung in der Formulierung eines „umfassenden Rechts auf reproduktive Gesundheit“.

Mit den beschriebenen unlauteren Methoden ist das unverletzliche Grund- und Menschenrecht auf Leben von Anfang an zu einem Un-Recht verdreht worden und das Unrecht der Embryonen-Tötung zu einem vermeintlichen Recht. Hundert Jahre nach Nietzsches ‚Umwertung aller Werte’ setzen Geldmacht und Minderheiten-Vertreter in der UNO die Abschaffung der klassischen Menschenrechte im Namen der neuen Menschenrechte durch.

In ähnlicher Weise werden auch andere Grundrechte wie Meinungs- und Versammlungsfreiheit oder Gewissens- und Wissenschaftsfreiheit verwässert, verdreht und dann ins Gegenteil verkehrt, etwa wenn  Homo-Lobbygruppen gegen Andersdenkende vorgehen.

Sind das alles nicht dumm-dreiste und lächerliche Täuschungsstrategien? Sicherlich, aber sie sind eben international wirksam und damit bedrohlich für unser kulturelles Werte-Niveau. Da auch die EU, unsere Regierung sowie fast alle gesellschaftlichen Großgruppen und Medien auf diesen Rechte-Schwindel hereinfallen, müssen sich die christlichen Gruppen umso mehr anstrengen, um  die internationalen Hochglanz-Betrügereien um gefälschte Menschenrechte zu entlarven. Dazu gibt das Buch von Kuby Aufklärung.

• In gleicher Weise wie mit den Grundrechten springen die Homo-Lobbygruppen auch mit dem grundlegenden Prinzip der Rechtsgleichheit um. Nach der UNO-Charta Artikel 16 wird „heiratsfähigen Frauen und Männern das Recht zu heiraten und eine Familie zu gründen“ gewährleistet. Mit der weiteren Definition der „Familie als natürlicher Grundeinheit der Gesellschaft“ wird klargestellt, dass die Heirats- und Familien-Rechte allein auf ehebasierte Familien als Mann-Frau-Kind-Gemeinschaft zutreffen. Nur diese Institution ist Familie und hat einen „Rechtsanspruch auf Schutz durch den Staat. “ Weiter heißt es: „Kinder haben ein Recht auf Eltern.“

Selbst für einen Laien wird klar, dass sich aus diesen Definitionen keine Rechte für Homosexuelle auf Ehe, Familie und Kinder ableiten lassen. Denn Homosexuelle untereinander, also Homo-Paare, sind steril, können also von Natur aus keine „natürliche Grundeinheit“ der Familie bilden und sind somit nichts „heiratsfähig“. Das hält die Homo-Lobbygruppen nicht von ihrem lächerlichen Versuch ab, mit großem Menschenrechts-Pathos die ihnen nicht zustehenden Rechte einzufordern.

Die Basis ihrer verqueeren Argumentation ist der Grundsatz der Rechtsgleichheit (vgl. Art. 3 GG): Da  alle Menschen vor dem Gesetz gleich zu behandeln sind, müssten auch homosexuelle Paare Zugang zur Institution Ehe haben. Es gilt aber das Rechtsprinzip, dass nur Gleiches gleich behandelt wird. Da aber die Ehe- und Familienrechte nur für ‚heiratsfähige’ Paare von Mann und Frau gelten, so ist der Gleichheitsgrundsatz in diesem Fall nicht anwendbar.

Als nächsten Schritt versuchen die Homo-Gruppen die Bipolarität der Geschlechter wegzudefinieren – mittels der Gender-Theorie: Die unaufhebbaren Merkmalsunterschiede zwischen Mann und Frau, zwischen Vater und Mutter werden zu „Vorurteilen und Stereotypen“ erklärt. An deren Stelle soll eine Identität der Menschen treten, die allein durch ihre ‚freie’, d. h. willkürlich gewählte sexuelle Orientierung bestimmt sei. Mit dieser Nivellierung der natürlichen Geschlechtsunterschiede zwischen Mann und Frau soll jede Beschränkung von Heirat und Ehe eingerissen werden. Die ‚Grüne Jugend’ fordert inzwischen schon ein Recht und die Anerkennung der Ehe zu dritt, Ehe unter Geschwistern – warum nicht auch die Ehe mit Menschenaffen?

Auch die Familie selbst wird von Gender-Aktivisten als „natürliche“ und normative Grundeinheit der Gesellschaft dekonstruiert und dann umdefiniert zu einer beliebigen Ansammlung von Erwachsenen und Kindern. Daher müssten „die Staaten dafür sorgen, dass alle Ansprüche, Vorrechte, Pflichten und Vorteile auch für Partner bzw. Partnerinnen gleichen Geschlechts gelten.“ Insbesondere soll der Sterilität gleichgeschlechtlicher Paare durch „Adoption und medizinisch unterstützter Fortpflanzung“ einschließlich Samenspende künstlich abgeholfen werden. Einige Homo-Gruppen fordern ein Recht auf Leihmutterschaft – jedenfalls für die, die einige Hunderttausend dafür hinblättern können wie Elton John. Dass diese Homopaare Kindern das Menschenrecht auf Eltern in der natürlichen, bipolaren Form verweigern, stört sie überhaupt nicht. Um diesen Rechtsverstoß zu verschleiern, versuchen internationale Organisationen und nationale Behörden in den USA und Europa die natürliche Bipolarität von „Mutter“ und „Vater“ auszumerzen und durch gleichmachende Vokabeln wie „Elter I“ und „Elter II“ zu ersetzen.

• Ein drittes wesentliches Charakteristikum der sexuellen Kulturrevolution besteht in seinen staatsautoritären Durchsetzungsprinzipien. Die Umwertung, Umgestaltung und Umerziehung der Gesellschaft soll von oben nach unten geschehen, „top down“, wie das auf Neudeutsch heißt. Tatsächlich ist der alte ‚demokratische Zentralismus’ der kommunistischen Länder das Vorbild: Was die zentralen Welt- und Staats-Organisationen  beschließen, soll in allen gesellschaftlichen Ebenen und Gliederungen Zug um Zug durchgesetzt werden. Die globale Gender-Politik ging von den UNO-Beschlüsse der Weltfrauenkonferenzen aus, die EU-Bürokratien machten sich die Gender-Prinzipien zu eigen und forderte per Rechtsverordnung die nationalstaaatlichen Behörden auf, das sogenannte ‚gender mainstreaming’ in die verschiedenen gesellschaftlichen Institutionen zu ‚implementieren’.

Diese zentralistische Top-down-Methode zur Gender-Gleichschaltung erinnert frappant an die Innenpolitik von totalitären Regimen links- und rechtsradikaler Provenienz. Jedenfalls ist es das Ziel der staatlichen Genderpolitik, alle staatlichen Ebenen, gesellschaftlichen Institutionen sowie Verbände und Gruppen auf Gender-Kurs zu bringen. Da aber diese zentralistische Genderpolitik nicht von staatlichen Droh- und Zwangskulissen begleitet ist, spricht man von einem „weichen Totalitarismus“. Ein besserer Begriffsvorschlag ist nach meiner Ansicht die Formel von der undemokratischen oder „staatsautoritären Gender-Gleichschaltung“. Denn klar ist jedenfalls, dass dieser Politik-Stil dem demokratischen Prinzip der gesellschaftlichen Subsidiarität widerspricht. Danach sind zivilgesellschaftliche Prozesse und Veränderungen den Basisgruppen zu überlassen. Der liberal-demokratische Staat hat die Freiheit der Bürger zu respektieren und darf sie in ihrem gesellschaftlichen Dasein diesbezüglich nicht bevormunden.

In den Kapiteln neun bis fünfzehn spricht Frau Kuby verschiedene Praxisfelder der sexuellen Revolution an.

Pornografie und Sucht sind hier Themen, die Homosexualisierungsprobleme und die „Sexerziehung in Schule und Kindergarten“ – ein Dauerbrenner-Thema seit Einführung der „schulischen Sexualerziehung“ im Jahre 1968. Wurde damals mit dem Sexual-Atlas eine kühle Aufklärung zu biologischen Vorgängen geboten, so hat inzwischen die Reise in die vollständige De-Moralisierung der Sexualität für Kinder und Jugendliche Fahrt aufgenommen. Schon Kindergartenkinder  werden zu Sex-Spielen und Selbstbefriedigung angeregt, Pubertierenden wird eine rein hedonistische Auffassung vom erwachenden Sexualtrieb vermittelt. In Schulbüchern und Sexualkunde der Mittelstufe wird die von der Verfassung geforderte, von den Eltern gewünschte und von den Jugendlichen ersehnte Orientierung auf Ehe, Treue und Familie konsequent verweigert und stattdessen die Defekt- und Zerfallsformen von Familien als Regel hingestellt – so jedenfalls in einigen Bundesländern wie Berlin, Schleswig-Holstein und ab 2015 in Baden-Württemberg.

Es läuft auf eine Vergewaltigung der Kindheit und Menschennatur hinaus, wenn Kindergarten- und Grundschulkinder mit sexuellen Anspielungen  und Anregungen überhäuft werden. Die zugrunde liegende These, dass Kinder von Geburt an sexuelle Wesen seien und sogar zu mehrfachen Orgasmen fähige wären – so Kinseys Behauptungen mithilfe pädophiler Manipulationen –, ist eine zutiefst unwahre Anthropologie. Auch die nachgeschobene Begründung, die aufklärende Frühsexualisierung habe eine Schutz- und Präventionsfunktion, ist eine glatte Lüge. Im Gegenteil führt die zunehmende Frühsexualisierung zu vermehrten Vergewaltigungen und Missbrauchshandlungen von Kindern, Jugendlichen und Heranwachsenden an Gleichaltrigen – die Zahlen liegen bei 20 bis 40 Prozent aller gemeldeten Missbrauchsfälle. Dazu kommen die Entwicklungs- und Persönlichkeitsschäden durch die ständige Reizung der sexuellen Triebphantasie. Die Verantwortlichen wollen selbst auf den Sexual-Übervater Siegmund Freud nicht hören, der davor warnte, dass nach seiner Erfahrung die frühzeitige Sexualisierung die Erziehhbarkeit des Kindes beeinträchtige.

Ab Seite 348 führt Frau Kuby zwölf gute Gründe an, „die Sexualisierung der Kinder durch den Staat zu beenden“. Damit bietet die Autorin eine kompakte Argumentationshilfe für Christen an, insbesondere für Eltern und alle Menschen guten Willens. Die jeweiligen Überschriften lauten:
1. Die Deregulierung der Sexualität führt zum Kulturverfall.
2. Die Deregulierung der Sexualität zerstört die Familie als den besten Ort für das Aufwachsen der Kinder.
3. Die Sexualisierung der Kinder führt zum Verlust der Kindheit.
4. Die Sexualisierung der Kinder und Jugendliche untergräbt die elterliche Autorität.
5. Die Sexualisierung der Kinder und Jugendlichen widerspricht ihrer hormonellen Entwicklung.
6. Gewohnheitsmäßige Masturbation fixiert auf narzisstische Sexualität.
7. Die Verunsicherung der Geschlechtsidentität durch Gender-Mainstreaming führt zu Persönlichkeitsstörungen.
8. Die Förderung des ‚Coming out’ in der Adoleszenz ist ein Angriff auf die natürliche Entwicklung der heterosexuellen Geschlechtsidentität.
9. Jugendliche müssen vor den Risiken praktizierter Homosexualität gewarnt werden.
10. Die Darstellung der Zerfallsformen der Familie als ‚Normalität’ blockiert bei betroffenen Kindern die Verarbeitung der psychischen Folgen.
11. Die Zerstörung der Familie als Ort der Persönlichkeitsbildung führt zur Verstaatlichung der Erziehung und uferlosen Sozialkosten.
12. Die demografische Krise ist eine Folge der Trennung der Sexualität von der Fruchtbarkeit.

Einige Seiten weiter formuliert Frau Kuby diese Thesen als Gewissensfragen an die Eltern – etwa in der Art: „Wollen Sie, dass Ihre Kinder ab der Grundschule mit sexuellen Praktiken aller Art vertraut gemacht werden, ihr Schamgefühl gebrochen wird?“

Damit leitet die Autorin zu „Widerstand“ gegen die gesellschaftliche und staatliche Sexualisierung über. Anschließend entwickelt sie auf acht Seiten die „katholischen Grundsätzen“ einer „christlichen Anthropologie und Erziehung zur Liebe“. Nach der bedrückenden Darstellung der aggressiven Sexualisierungsstrategien internationaler und staatlicher Agenturen als Angriff auf die Natur des Menschen und die Kultur der Völker wirkt diese christliche Perspektive allzu knapp, auch wenn sie nicht Thema ihres Buches ist. Frau Kuby hat die Kompetenz, mehr und Positives zur christlichen Liebe und ihrer Erziehung zu sagen – vielleicht in ihrem nächsten Buch!?