„Theologisches“ wird  verboten!   (24.06.2014)

 

 

Vladimir Palko  Die Löwen kommen. Warum Europa und Amerika auf eine neue Tyrannei zusteuern“

Fe-Medienverlag, Kisslegg 2014

504 S., gebunden, ISBN 978-3-86357-072-9, 12,80 €

 

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51m7VrYpidL.jpg Wenn Sie angesichts dieser Überschrift der felsenfesten Überzeugung sind, das könne niemals geschehen, dann sollten Sie unbedingt zu diesem Buch von  Vladimir Palko greifen: „Die Löwen kommen. Warum Europa und Amerika auf eine neue Tyrannei zusteuern“.  In ihm wird die Genese eines „Sozialismus light“ erzählt, in dem die Christen, wie schon im real existierenden Sozialismus, die ersten Opfer sind. Es ist die Erfolgsgeschichte von Kommunisten, die nach der Implosion des realen Sozialismus sich zu halbierten Kommunisten wandelten. Sie verzichteten auf die marxistische Kritik am Kapitalismus und konzentrierten sich stattdessen auf das Projekt einer linken Kultur. Nachdem die Linke auch in Westeuropa nicht in der sozialen Frage punkten konnte, vereinigten sich nicht nur in Deutschland die Ostkommunisten mit linken Westlern zu dem Projekt einer kulturellen Hegemonie. Inspirator dafür war das theoretische Werk Antonio Gramscis, der für den Kulturkampf plädierte. Dieses Projekt war nun so erfolgreich, dass sich in Europa nun selbst die „christlichen“ Parteien diesem linken Kulturprojekt unterwerfen. Worin besteht dieses linke Kulturkonzept? Im Zentrum, so führt Palko detailreich aus, steht das Ja zur Abtreibung, das Ja zur praktizierten Homosexualität und das Ja zur Euthanasie. Das ist die Kultur des Todes, die im Christentum ihren größten Feind sieht und ihn entschlossen bekämpft.

Der  Autor muss selbst  die Absurdität erleben, dass die Christen Osteuropas, die führende Kraft der Auflösung der sozialistischen Staaten, nun im neuen Europa wieder diskriminiert werden und zwar nun von einer erfolgreichen Allianz von gewendeten Kommunisten, Linken und Liberalen. Der Feind ist wieder das Christentum! In Europa gilt nun die Parole: lieber ein gewendeter Kommunist als ein Christ. Am Beispiel der Affäre um Rocco Buttiglione veranschaulicht das Buch diesen Skandal. Weil Buttiglione katholisch ist und sich nicht von der Lehre der Kirche bezüglich der Homosexualität  distanzierte  und die  traditionelle Ehe verteidigte, konnte er nicht EU-Kommissar werden. Für die Institution Europa sind gläubige Katholiken nicht tragbar - aber gewendete Kommunisten schon.

Was sind nun die Ziele des neuen, nicht mehr abendländisch christlichen Europas? Zuallererst  die Zerstörung der Familie. Friedrich Engels Votum: „In der Familie ist der Mann der Bourgeois und die Frau repräsentiert das Proletariat“ setzte den Startschuss zum Kampf wider die Ordnung der Ehe und der Familie (S. 34). Die Etappensiege zeigt das Buch auf: die Liberalisierung des Scheidungsrechtes und der Kampf um die Legitimierung der Ehe zwischen Homosexuellen, die Verstaatlichung der Kindererziehung und die Legalisierung der Abtreibung. Im Zentrum steht dabei die Apotheose der freien Liebe und ein rein hedonistisches Lebensverständnis. Was den Ostkommunisten einst die unverkennbaren Zeichen der westlichen Dekadenz des Kapitalismus in seinem Fäulnisstadium waren, mutierte nun für sie zu den kulturellen Hochleistungen der aufgeklärten Moderne.  Aus dieser Perspektive erscheint nun das Christentum, insbesondere der Katholizismus, als „schwarzer Totalitarismus“. Exkommunisten, Linke und Liberale sonnen sich dagegen im Glanze ihres Strebens nach mehr Freiheit. 

Was ist nun mit den C-Parteien, mit dem christlichen Konservatismus? Diese Frage beantwortet anschaulich die Darstellung des Falles des US-Präsidentenkandidaten John F. Kennedy. Um Präsident zu werden, schwor er öffentlich ab: Sein Katholisch sein wird keinerlei Einfluss nehmen auf seine Regierungsweise. Es wäre seine reine Privatoption. Kennedy formulierte das so: „Ich glaube an ein Amerika, in dem die Trennung von Kirche und Staat absolut ist ... Ich glaube an einen Präsidenten, dessen religiöse Ansichten seine private Angelegenheiten sind. Diese Anliegen zwingt er dem Volk nicht auf, und das Volk zwingt sie ihm nicht als Vorbedingung für das hohe Amt auf“ (S. 124).

Diese Privatisierungstendenz im politischen Raum bestimmt so das Christsein in Europa wie in Amerika. Die Anpassungs- und Unterordnungsgeschichte der C-Parteien unter dieses linke Kulturprojekt gehört zu den erschütterndsten Teilen dieses Buches. Ein  trauriges Beispiel bietet der italienische Christdemokrat und Präsident  F. Cossiga: „Die größten historischen Verdienste der Christdemokratie bestehen darin, dass sie es fertig gebracht hat, ihre eigene ideologische Position und ihre Ideale hintenanzustellen, Gesetze über Abtreibungen und Scheidungen wurden mit Staatsoberhäuptern und Ministern aus der Christdemokratie gemacht, die damals ihre politische Identität zurückgestellt haben zu Gunsten von Demokratie, Freiheit und  Unabhängigkeit“ (S. 184). Und der christdemokratische Erfolg sind 5 Millionen getötete Kinder, euphemistisch „abgetriebene“ genannt! Dieses Buch ernüchtert, indem es kenntnisreich aufzeigt, wie in Europa und Amerika die christliche Moral aus dem öffentlich-politischen Raum heraus gedrängt wurde und wird und wie christliche Politiker und Parteien hier Schritt für Schritt nachgaben, um so vor dem linken Zeitgeist zu kapitulieren. Für den deutschen Leser bilden dafür die C-Parteien und die EKD mit ihrem dem Zeitgeistopportunismus frönenden Papier zur Familie das beste Anschauungsmaterial.

Christenverfolgung und neue Tyrannei mag manchem Leser als Übertreibung vorkommen. Wird hier nicht zu dick aufgetragen? Aber die Fülle der in diesem Buch aufgezeigten Fälle zeigt an, wie sehr wir uns auf dem Weg dahin befinden. Anschaulich zeigt das Buch, wie viele Christen in Amerika und Europa ihren Beruf nicht mehr ausüben können, weil sie Christen sind. Verschleiert wird diese Unterdrückungstendenz aber dadurch, dass in den Kirchen und insbesondere im Protestantismus der Weg der Anbiederung an dieses linke Kulturprojekt konsequent beschritten wird. Opfer der linken Kultur sind ja nur die Kirche und die Christen, die am Glauben festhalten! Der in der Katholischen Kirche tobende Richtungsstreit zwischen Bewahrern und Reformern ist ja im Kern nichts anderes als der Kampf darum, ob und inwieweit sich die Kirche dem linken Kulturprojekt anzupassen habe. Die Kampfthemen: die Glorifizierung der Homosexualität, das Ja zur Abtreibung (welch ein Euphemismus für die Tatsache millionenfachen Kindermordens), die Auflösung der Ehe und das Ideal der freien Liebe bilden die Agenda des heutigen Kulturkampfes, der so wesentlich ein Kampf gegen die Katholische Kirche ist. So forderte Sir Elton John, der berühmte Popstar, gar das Verbot organisierter Kirchen, und weil das politisch korrekt klingt, wiedersprach niemand (S. 315). 

So ist dieses Buch in seinem Realismus ernüchternd, aber gerade darum doch so lesenswert. Der Autor hat es Papst em. Benedikt XVI. gewidmet. Dem wird das Werk gerecht in seinem Nein zur  Unterordnung unter den linken Zeitgeist.       

 

Uwe C. Lay

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Quelle: Theologisches. Katholische Monatsschrift