Reinhard Dörner: Gehet hin in alle Welt und lehret alle Völker (Matth 28,19)

Selbstverständnis der katholischen Kirche, ihr Missionsauftrag und die Neuevangelisierung Europas

 

Vorträge der Osterakademie Kevelaer 2002

 

Mit Anhang von Gertrud Dörner:

Die Zerstörung des katholischen Religionsunterrichtes.

Die Hintergründe und Auswirkungen des Würzburger Synodenbeschlusses zum Religionsunterricht.

Verlag Initiativkreis Münster ISBN 3-00-01 30 42-X

 

Neuevangelisierung- Programm und Auftrag der Kirche

„Die 68er Generation hat es perfekt verstanden, alle Meinungen, die dem Erhalt traditioneller Werte entsprechen, als „überholt, unzeitgemäß und undemokratisch“ abzukanzeln. Ich selbst bin erst 26 Jahre alt und habe bereits für mich schmerzlich erfahren müssen, dass Religion, Glaube und Kirche gezielt auseinander gerissen werden. Der Religionsunterricht in der Schule dient nicht mehr dazu, den Kindern Kenntnisse über den Inhalt der Bibel und ein Gefühl für den Glauben zu vermitteln, sondern über Jahre hinweg wird der Religionsunterricht verkappt als Sozial- und Ethikkunde mit Schwerpunkten Nationalsozialismus und der damit verbundenen Verfolgung der Juden sowie dem Zusehen der Kirche verkauft.

 

So erinnere ich mich, in der Oberstufe im Religionsunterricht mehr über Nietzsche und Marx gelesen zu haben als über Gott und die Bibel. Trotz dreizehn Jahren Religionsunterricht in der Schule bliebt mir und sicher auch meinen Mitschülern das Wissen über die Institution Kirche in ihrer Struktur, mit ihren Aufgaben und ihrer Verbindung zum Glauben vorenthalten.

 

Doch die Kirche selbst tut ihr Bestes dazu, dass das auch so bleibt.

 

Das Grundübel liegt in der überzogenen „Demokratisierung der Kirche“. Bei allem Übermaß an Freizeit- und Unterhaltungsangeboten sollte entgegen aller Beteuerungen auch in Kreisen der Kirche nicht der Weg beschnitten werden, die Kirche noch offener, noch moderner, noch basis- demokratischer zugestalten. Sie selbst wird auch z einem Teil unseres Zeitgeistes und begibt sich auf eine Stufe mit Freizeitplauderrunden, wissenschaftlichen Talkshows und so weiter.

Ich bete zu Gott- und dies meine ich wörtlich- dass unser Papst Johannes Paul II und auch seine Excellenz Kardinal Joseph Ratzinger die Kraft und die Standfestigkeit aufbringen, weiteren Bewegungen speziell von deutscher Seite hin zu freien Gestaltung des kirchlichen Lebens vehement entgegen zu wirken, damit ich und auch einmal meine Kinder noch das Gefühl erleben können, dass Glauben etwas anderes ist als eine intellektuelle Antwort auf noch nicht von der Wissenschaft beantwortete Fragen.“

                                                          Aus einem Leserbrief an „Die Tagespost“