Buchbesprechung

Reinhard Dörner: „Wie sollen sie an den glauben, von dem sie nicht gehört haben?

(Röm 10,14b). Der Kampf um den Religionsunterricht. Eine Dokumentation, Verlag des Initiativkreises Münster e. V., Ergänzungsband zum Berichtsband der Osterakademie Kevelaer 2002

 

Das vorliegende Buch mit immerhin 194 Seiten enthält drei große Teile: 1. Der Kampf um den Religionsunterricht seit dem Konzil anhand der Auseinandersetzungen und Materialien des priesterlichen Katecheten Pfr. Georg Woratsch, 2. Der Kampf um die schulischen Religionsbücher von Hubertus Halbfas und 3. ein Anhang mit weiteren Materialien und Hintergrundbeiträgen zum gegenwärtigen Religionsunterricht.

Im ersten Teil werden die Umbrüche des Religionsunterrichts etwa von 1965 bis 1990 aus des Perspektive eines besorgten Pfarrers  angesprochen, der noch bis ins hohe Alter Religionsunterricht gibt. Interessant sind die Informationen zur Einrichtung der Bischöflichen Lehrbuchkommission sowie deren Argumentationsweise, die am Beispiel eines Ablehnungsbescheides gegen ein Buch von StD Franz Merz aufgezeigt wird. Weiterhin wird die Arbeit und Argumentation des Religionspädagogen Prof. Nastainczyk vorgestellt, der am Synodenbeschluss führend beteiligt war und später in der Schulbuchkommission. Aus den Briefen und Schriftsätzen ergibt sich der erschütternde Eindruck, dass ein besorgter Pfarrer und Religionslehrer sowie unbequemer Kritiker in unsäglicher Form und überheblicher Art und Weise fertiggemacht wird.

Der Hauptteil des Buches beschreibt die Auseinandersetzung um die Schulbücher des Hubertus Halbfas, die federführend durch den Arbeitskreis Theologie und Katechese sowie deren damalige Vorsitzende Gertrud Dörner geführt wird. Dieser Abschnitt liest sich teilweise wie ein kirchlicher Krimi, unblutig, aber mit verheerenden Folgen. Der Paukenschlag gleich am Anfang: Dem laisierten Priester und Religionspädagogen H. Halbfas, dem unter Zustimmung von Karl Rahner die kirchliche Lehrerlaubnis entzogen war (1968), wird die zwischenzeitliche Zulassung der bischöflichen Lehrbuchkommission für sein Religionsbuch zur 1. Grundschul-Klasse wieder abgesprochen, und zwar durch Erzbischof Degenhardt im Jahre 1983: „Das Religionsbuch ... ist mit dem katholischen Religionsunterricht nicht vereinbar“. Keine acht Wochen später wird „nach mehreren Gesprächen zwischen Halbfas und Bischof Degenhardt“ der Widerruf widerrufen, die Grundlage dafür, dass die Halbfas-Bücher nunmehr in der Bischöflichen Lehrbuchkommission durchgewunken wurden.

Halbfas hat erst kürzlich wieder bei einem Vortrag in Luzern (2004) seinen synkretistischen Religionsansatz verteidigt, den er schon in seiner Fundamentalkatechetik 1968 grundlegte, wenn er das Ideal eines „christlichen Buddhismus“ predigt (S. 243). Viele Stellungnahmen, von denen zwei (Hauke und Ortner) abgedruckt sind, belegen überdeutlich: Halbfas’ Bücher sind weder christlich und erst recht nicht katholisch, die dem Profil eines konfessionellen Unterrichts die Grundlage entziehen. Dem bewundernswerten und zähen Kampf vom ATK bzw. der Vorsitzenden Dörner gegen die Halbfasbücher an die Adresse von allen deutschen Bischöfen und bis nach Rom war kein Erfolg beschieden, obwohl die Sachlage vom katholischen Standpunkt aus  sonnenklar war. Die Niederlage der Antragsteller bzw. der Sieg des Apostaten Halbfas macht ziemlich  ratlos und deprimiert den zugesagten katholischen Optimismus bzgl. der Kirche, die von den Pforten der Hölle nicht überwunden werde. Dörner bietet mit einigen Texten im Anhang mögliche Antworten an: Die Feinde der Kirche haben sich in Klerus und Episkopat eingeschlichen und arbeiten am Abbruch der Kirche (Vision der A. K. Emmerich); oder: Die Freimaurer (des 19. Jahrhunderts) haben ihr Ziel, das öffentliche Leben zu säkularisieren und insbesondere die Schulen zu entkonfessionalisieren praktisch erreicht. – Wenn es nur ein Angriff von außen wäre! Nein, es sind nicht die Kräfte von außen oder machtvolle Geheimorganisationen, es ist die Kraft der Ideologien von new age, Modernismus, Humanismus und anderen Ismen einer zweiten Aufklärung, die wie ein reißender Strom auch Bischöfe mit sich reißen. Der Hinweis auf die Aufklärung mag vielleicht einen Funken Hoffnung geben: Im Limburger Land wurde um 1780 der Katechismus des Petrus Canisius durch ein modernes, aufgeklärtes Werk ersetzt. In der nassauischen Simultanschule ab 1817 war nur noch ein einheitlicher Religionsunterricht für  unierte Protestanten, Katholiken und Juden (!) vorgesehen, also eine interreligiöser Aufklärungsstunde. Ab 1830 wurde wieder der Canisius-Katechismus verwendet, 1848 hatte die ultramontane Bewegung endgültig die Oberhand gewonnen. Die Lehre daraus: Seit 40 Jahren haben in der Kirche – besonders in Deutschland – weitgehend die Modernisten das Regiment in der Hand, in zehn Jahren spätesten ist ihr Zeit zuende, endgültig. Tragen wir unseren Anteil dazu bei!

Hubert Hecker          Dornburg, 9. 4. 2005