Alexander Kissler:

Der deutsche Papst. Benedikt XVI. und seine schwierige Heimat.

Verlag Herder, Freiburg i.Brg.

192 Seiten, 17,50 Euro   ISBN 3-451-28867-2

 

In einem journalistischen Kurzdurchgang, aber in der Sache korrekt akzentuierend stellt der Verfasser den theologischen Weg Ratzingers vor, auf den er auch bei späteren Erörterungen gern zurück kommt. Er räumt mit dem Gerede auf von einem angeblichen Gegensatz zwischen dem „fortschrittlichen“ jungen Konziltheologen und dem späteren „reaktionären Panzerkardinal“. Kissler betont die Kontinuität des Denkens des heutigen Papstes von dessen Habilitationsschrift bis zu den aktuellen Äußerungen.

 

Ausführlich beleuchtet der Verfasser die kirchliche Lage in Deutschland. Er stellt die ekklesiologischen und kirchenpolitischen Schwachsinnigkeiten des „Zentralkomitees der deutschen Katholiken“ dem soliden Kirchenbild des Papstes gegenüber. Und für regional interessierte sei vermerkt, dass Kissler die aktuellen Vorgänge im Bistum Fulda bis hin zu Einzelheiten durchaus bissig aufspießt.

 

Die Geschichte und Gegenwart deutscher Rom- Phobien werden eindrucksvoll erörtert.

 

In mich überraschender Ausführlichkeit widmet sich der Verfasser der freundschaftlichen Zuwendung Ratzingers zur „Katholischen Integrierten Gemeinde“.

 

Das Buch schließt mit interessanten und differenzierten Voraussagen zur „Politik“ des neuen Papstes in der Liturgie- Frage. Hat Kissler Recht, dann dürfen alle, die unter der liturgischen Verirrungen der Gegenwart leiden, vom neuen Pontifikat einiges erhoffen, ohne dass es etwa zu einer kompletten und flächendeckenden Restaurierung des tridentinischen Ritus kommen wird.

 

Insgesamt ist das Buch unentbehrlich für jeden, der in der aktuellen innerkirchlichen Debatten steht oder diese Debatten verfolgt. Es ist sehr lesbar geschrieben, teilweise geradezu „spannend“ gemacht. Und es ist kurz: gerade einmal 192 Seiten genügen dem Verfasser, um ein umfassendes Bild des angekündigten Gegenstandes zu zeichnen.

 

Bernhard Mihm