Die deutschen Bischöfe sollten die kirchlichen  Medienbeauftragten aus ihren Affirmationsschläfen wecken   (27.06.2013)

Die Chefredaktion von ‚ARD-aktuell’ (Tagesschau) weigert sich, ihre kirchenpolitischen Einseitigkeiten zu korrigieren und die Voreingenommenheit gegen die Kirche abzubauen. Eine Kurskorrektur zu journalistischer Unparteilichkeit und Fairness bei der Berichterstattung über  kirchliche Ereignisse ist nicht zu erkennen

Mit Datum vom „6. Mai 2913“ schickte uns die stellvertretende Vorsitzende des ARD-Aufsichts- und Programmrats eine Stellungnahme zu unserem Beschwerdeschreiben, in dem wir detailliert Kritik  an der Kirchenberichterstattung der ARD-Tagesschau geübt hatten (vgl. den Beitrag vom 25. 3. auf dieser Seite). Das halbseitige Antwortschreiben auf unsere zehnseitige Beschwerde wurde von der verantwortlichen Chefredaktion von ‚ARD-aktuell’ erstellt und ist unten als Abschrift angefügt. 

Nach eingehender Analyse des ARD-Schreibens nimmt der Katholikenkreis dazu wie folgt Stellung:

Der ‚Arbeitskreis von  Katholiken im Raum Frankfurt’ hatte sich im März d. J. beim ARD-Programmrat darüber beschwert, dass die Sendeanstalt innerhalb von sechs Wochen drei Mal den Sprecher der bedeutungslosen Rand-Gruppe ‚Wir sind Kirche’ mit verzerrenden Kommentaren gegen Papst und Kirche an prominenter Stelle in der ‚Tagesschau’ zu Wort kommen ließ. Der WsK-Sprecher äußerte sich dabei herabwürdigend gegen die Kirche.

In einem zehnseitigen Papier konnten wir detailliert und überprüfbar nachweisen, dass die ARD in diesen Beiträgen mit ideologischer Parteilichkeit und kirchenpolitischer Einseitigkeit gegen ihre eigenen Leitprinzipien verstößt – wie „Ausgewogenheit und Unparteilichkeit“ sowie „journalistische Fairness“ und „Relevanz“ bei der Auswahl von Themen und Gesprächspersonen. Aber auch bei der medialen Vermittlung und sachlichen Kompetenz in Kirchenfragen zeigten sich journalistische Mängel in den diesbezüglichen ARD-Beiträgen.

Es ging bei diesen Tagesschau-Themen einmal um die Rücktrittsankündigung des Papstes als Oberhauptes der Weltkirche mit 1,2 Mrd. Katholiken und zum andern um zwei Beschluss-Tagungen der Deutschen Bischofskonferenz, also den Oberhirten von 25 Mill. Katholiken in 16 Bistümern in Deutschland.

Wenn die Tagesschau zu solchen Ereignissen der weltweiten Kirche regelmäßig die marginale Mini-Gruppe ‚Wir sind Kirche’ in antikirchliche Gegenposition bringt, macht sie sich die anmaßende Überheblichkeit dieser kleinen Gegenkirche zu eigen und spricht ihr eine absurd hohe Bedeutsamkeit zu.

In der Realität ist die unbedeutende Rand-Gruppe WsK weder relevant für die Kirche noch repräsentativ für die Laien-Katholiken. Sie ist nicht einmal eine inner-„kirchliche Reformgruppe“, wie die ARD ständig falschbehauptet. Als außerkirchliche Vereinigung von Katholiken ist sie – ähnlich wie ‚Donum vitae’ - weder Teil der synodal verfassten Kirche noch ist das Mini-Grüppchen ein relevanter Teil der Millionen in kirchlichen Vereinen organisierten Laien, die vom Zentralkomitee der Katholiken repräsentiert werden.

In einem Antwort-Schreiben vom 6. Mai zeigt sich die Chefredaktion von ‚ARD-aktuell’ nicht gewillt, ihre Einseitigkeiten zu korrigieren und die Voreingenommenheit gegen die Kirche abzubauen. Eine Kurskorrektur zu journalistischer Unparteilichkeit und Fairness bei der Berichterstattung über  kirchliche Ereignisse ist nicht zu erkennen. Die elementare Gleichbehandlung der Kirche analog zu anderen Glaubensgruppen wie Juden, Moslems und evangelischer Kirche wird ihr nicht zugestanden. Denn diese Konfessionsgemeinschaften werden nie einem medialen Heckenschützen-Beschuss durch marginale Quertreiber-Gruppen ausgesetzt, wie das allein bei der Tagesschau-Berichterstattung über die katholische Kirche praktiziert wird. 

Bei der Frühjahrstagung der Deutschen Bischofskonferenz hatte die WsK-Gruppe einen Karnevalswagen aus dem Düsseldorfer Fastnachtsumzug nach Trier gekarrt, um mit Hass und Häme zu stänkern gegen die ernsthafte Erörterung der Bischöfe zur ‚Pille danach’. Mit  knapp 30 war die Zahl der als antikirchliche Wutbürger verkleideten Demonstranten kleiner als die der Journalisten. Die Tagesschau dagegen machte aus dieser Lachnummer einen epochalen Kirchenreformansatz. Aus dem Häufchen hämischer Hanseln wurde mit optischen und sprachlichen Manipulationen eine breite Bewegung „der Kirchenkritiker“.

Sollen wir solche einseitige Verzerrungsberichte über kirchliche Ereignisse als seriöse Informationspolitik eines öffentlich-rechtlichen Senders schlucken?

Die Chefredaktion von ARD-aktuell will uns diese Manipulationslügen noch im Nachhinein als „verantwortungsvolle“ Berichterstattung unterjubeln.
Sie betreibt Etikettenschwindel, wenn sie das WsK-Grüppchen entgegen besseren Wissens als „repräsentativ“ verkaufen will.
Deren Bedeutungslosigkeit wird kaschiert durch Wendungen wie „federführend und verzahnt mit anderen kirchlichen Gruppen“.
Die zuständige Chefredaktion täuscht Millionen TV-Zuschauer über den außerkirchlichen Status der WsK-Gruppe, indem sie die antikirchlichen Nörgler als inner-„kirchliche Reformgruppe“ ausgibt.

Es ist auch keine seriöse Argumentation, wenn der Vize-Chefredakteur von ARD-aktuell die ständigen Auftritte des WsK-Sprechers Weisner in der Tagesschau mit den einmaligen Einladungen von Martin Lohmann und Gabriele Kuby im Talkshow-Formate aufrechnen will: Weisner wird vor einem Millionenpublikum stets wohlwollend präsentiert, während die TV-Gesprächsrunden zu kirchlichen Themen oftmals so konzipiert sind, dass die lehr- und kirchentreuen Katholiken ausgebuht werden sollen – wie kürzlich Lohmann in der Jauch-Sendung. 

Für den letzten Hinweis der ARD-Chefredaktion muss man allerdings dankbar sein: In den Rundfunkräten aller Sender sitzen Kirchenvertreter. Doch „eine grundsätzliche Kritik aufgrund einer einseitigen Berichterstattung gibt es von dieser Seite nicht“ – so die Nachrichtenverantwortlichen  von ARD-aktuell.  Immerhin gesteht der zuständige Chefredakteur damit ein, dass „die einseitige Berichterstattung“ der ARD-Anstalten zu Lasten der Kirche Praxis ist. Auf der anderen Seite kann man dem Hinweis entnehmen, dass die gutdotierten Kirchenvertreter in den Sendergremien diese Einseitigkeiten seit jeher verschlafen.

Es ist die Aufgabe der Bischöfe in den Sendegebieten, die Rundfunkbeauftragten aus ihren Affirmationsschläfen aufzuwecken und an ihre Pflichten zur kritischen Analyse der Kirchenberichterstattung zu  erinnern. Als Wachmacher und Augenöffner sollten die Bischöfe ihren Medien- und Gremienbeauftragten den zehnseitigen Beschwerdebrief unseres Kreises als Pflichtlektüre zu lesen aufgeben (siehe den Beitrag auf unserer Seite: „Das Erste verschaukelt Millionen Zuschauer“ vom 25.03.2013)

Werner Rothenberger

Anlage:

Abschrift des Antwortschreibens der Chefredaktion von ‚ARD-aktuell’ auf die Beschwerde des Frankfurter Katholikenkreises

Den zentralen Vorwurf von Herrn Rothenberger, die Redaktion habe mit Herrn Weisner den Vertreter einer völlig irrelevanten katholischen Gruppe als Interviewpartner gewählt, kann ich nicht teilen. Es besteht sicherlich Verständnis dafür, dass ich nicht detailliert auf alle Kritikpunkte eingehe, sondern mich auf den Hauptvorwurf von Herrn Rothenberger beschränke.

Die Gruppe „Wir sind Kirche“ hat tatsächlich nicht mehr so viele Mitglieder wie zur Zeit ihrer Entstehung. Sie ist aber eng verzahnt mit anderen kirchlichen Reformgruppen und durchaus repräsentativ für diesen Flügel der kirchenkritischen Bewegung. Die enge Zusammenarbeit dieser Gruppen, häufig unter Federführung von „Wir sind Kirche“, ist zum Beispiel im vergangenen Jahr beim Katholikentag in Mannheim deutlich geworden.

Als Beleg für die angebliche Irrelevanz dieser Gruppe weist Herr Rothenberger darauf hin, dass sie nicht in kirchlichen Gremien verankert sei. Ohne die Vorgänge bewerten zu wollen, ist festzustellen, dass vereinzelt Mitglieder von „Wir sind Kirche“ das passive Wahlrecht für verfasste innerkirchliche Gremien durch die Ortsbischöfe aberkannt wurde. Dadurch wurde ihre Mitarbeit beendet. Die dazu vorgebrachten innerkirchlichen Gründe muss der öffentlich-rechtliche Rundfunk zur Kenntnis nehmen, kann und darf sie aber nicht zum eigenen Wertmaßstab machen.

Auch Vertreter konservativ-katholischer Gruppen kommen in der ARD zu Wort, so zum Beispiel Martin Lohmann in „Hart aber fairUnd bei „Jauch“ oder Gabriele Kuby bei „Maischberger“.

Im Übrigen sind die Kirchen in den Rundfunkräten aller Sender vertreten. Eine grundsätzliche Kritik aufgrund einer einseitigen Berichterstattung gibt es von dieser Seite nicht.

Die Redaktion von ARD-aktuell geht verantwortlich und seriös bei der Auswahl ihrer Interviewpartner vor. Angeregt durch die Kritik von Herrn Rothenberger wird sie sicherlich auch neben Herrn Weisner noch zusätzliche Stimmen aus dem kirchenkritischen Spektrum finden.

gez. Thomas Hinrichs
Zweiter Chefredakteur ARD-aktuell