Aufstand gegen den Limburger Bischof                     22.10.2012

 

Am 19.10.2012 erschien ein Artikel mit oben genannter Überschrift in der Frankfurter Neuen Presse.

Der Jurist und ehemalige Stadtverordnetenvorsteher der Stadt Frankfurt am Main, Herr Bernhard Mihm schreibt dazu folgenden Kommentar:

 

Lob der Orthodoxie

Nun hat sich auch ein Pfarrgemeinderat, der von Mengerskirchen, der Erklärung einiger gegen Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst rebellierender Kleriker angeschlossen. Und in der Übernahme der Argumente dieser Rebellen macht der Pfarrgemeinderat erneut deutlich, worum es sich bei den Auseinandersetzungen um die Person des Limburger Bischofs geht: nicht um die Planung und die Kosten eines neuen Bischofshauses oder die Modalitäten einer Indienreise, diese Themen erweisen sich nur als demagogische Mittel zum Zweck. Im Kern steht der „Eindruck“, dass bei Bischof Tebartz-van Elst die Orthodoxie Priorität habe vor dem Bemühen um moderne Menschen.

 

Bemühen um Menschen, das nennt man in der Kirche „Pastoral“, zu Deutsch Hirtenarbeit. Was tut ein Hirte? Er schützt die Herde vor Gefahren, und er sucht für sie gute Weiden. Wo die gute Weide jeweils ist, muss er aktuell herausfinden, und er muss sich um die Herde „bemühen“, sie dahin bringen, wo er die gute Weide gefunden hat. Was aber eine gute Weide ist, darf er, um Gefahren zu vermeiden, nicht immer wieder experimentell ermitteln. Dieses „was“ entspringt vielmehr seinem Sachverstand, seinem Vorwissen. Ein Hirte handelte schlicht verantwortungslos, vernachlässigte er dieses Vorwissen und passte sich in der jeweiligen Laune der Schafe an.

 

So steht es auch um das Verhältnis von Orthodoxie und Pastoral in der Kirche. Pastoral ist der Inbegriff von Mitteln, von Methoden, die Menschen, auch „moderne“ Menschen, zu Wahrheit zu führen und bei der Wahrheit zu halten. Was aber „Wahrheit“ ist, ist Inhalt der Orthodoxie, zu Deutsch der „richtigen Lehre“.

 

Orthodoxie ohne Pastoral bleibt Theorie, gewiss Pastoral ohne Orthodoxie aber führt ins Niemandsland dürrer oder gar wüster Weiden.

 

Wer „Pastoral“, „seelsorgerisches Bemühen“ gegen „Orthodoxie“, „richtige Lehre“ ausspielt, dem sind Inhalte völlig gleichgültig, wenn der Betrieb nur läuft. Noch Ärger, wenn es nur noch um sei sich Wohlfüllen ginge. Die Kirche ist ja keine Wellness- Abteilung, sondern soll die Menschen zu ihrem „Heil“ führen, sagen wir’s ganz schlicht: in den Himmel. Wer das vergisst, ignoriert den Sinn und Zweck von Kirche.

 

Der Vorwurf, Bischof Tebartz- van Elst gebe der Orthodoxie Priorität, trifft diesen Bischof nicht, der sich gerade dadurch als kenntnisreicher Hirte erweist. Er fällt auf die zurück, die aus Bequemlichkeit, Torheit oder gar als Deserteure von der Siesesfahne Christ die Menschen von der Orthodoxie entwöhnt haben.

 

Sie haben freilich auch allen Grund, „zunehmend Fuhrt vor Bischof und Bistumsleistung zu entwickeln“, wenn denn Bischof und Bistumsleistung  nur pflichtgetreu wahrnehmen, was ihnen als Aufgabe aufgetragen ist.

 

Bernhard Mihm