Protestantisierung als Langzeitprojekt des Domdekans  (10.11.2013 mit Nachtrag vom 13.11.13)

Am 12.11.13  sollen  in einem „Aktuellen Forum“ im Frankfurter Haus am Dom die Weichen für das Bistum Limburg umgestellt werden – zugleich auch für eine andere Kirche in Deutschland.

Die zentrale Figur bei diesem Podiumsgespräch ist der Domdekan Johannes Graf zu Eltz aus Frankfurt. Der hatte schon am 28.10.13 - päpstlicher als der Papst - verkündet: Eine Rückkehr des Bischofs kommt nicht in Frage. Und dann gab er die entscheidende Kampfparole aus: Jetzt gehe es auf zum „Kampf um den Kurs der Kirche in Deutschland“. Für diesen Kampf um eine andere Kirche lässt der gräfliche Prälat nun seine Verbündete aufmarschieren.

Im Gleichschritt gegen den Bischof

Zu Eltz hatte noch vor zwei Wochen mit liberalem Anschein verkündet, ihm liege sehr daran, Gegenmeinungen zu achten und zu hören. Heute zeigt sich dieser Schein als scheinliberale Heuchelei, insofern die kräftigen Gegenstimmen aus Frankfurt, Barbara Wieland etwa oder Bruder Paulus Terwitte, nicht ins Forum einbezogen werden. Anscheinend macht sich der einladende Hausdirektor zum Handlanger des herrischen und selbstherrlichen Prälaten.

Die Ankündigung der Veranstaltung als Forum mit kontroverser Diskussion und offenen Fragestellung ist also Vortäuschung: Die Mehrheit der Teilnehmer dürften sich mit zu Eltz einig sein, dass der Bischof „weg muss“ und eine andere Kirche „her muss“. Weihbischof Thomas Löhr wird es nicht wagen können, wirksam der Front der Bischofsfeinde entgegenzutreten.

Die Medienkampagne für Kirchenpolitik instrumentalisiert

Der FAZ-Journalist Daniel Deckers – ein weiterer Teilnehmer - hatte mit einem unsäglichen Artikel im Boulevard-Stil die letzte der sieben Medienkampagnen gegen den Limburger Bischof eingeleitet. Er beschimpfte den Oberhirten als „reaktionäre Kreatur“ und rief ihm „irres Bambi“ hinterher. Deckers steht für die Medienphalanx, die im Gleichschritt den Limburger Bischof vorläufig vertrieben hat. 

Der teilnehmende Stefan Vesper, Generalsekretär des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, beklatscht diese Medienkampagnen gegen den glaubenstreuen Bischof. In einem Schreiben äußerte er sich zynisch: „Wir müssen dankbar dafür sein, dass wir als Kirchen (sic!) nach wie vor so intensiv wahrgenommen werden (von den Medien).“

Überhaupt macht die Forumsankündigung den Eindruck, als wenn den Veranstaltern die Medienkampagne gerade recht käme, um ihren kirchlichen Kursänderungskampf draufzusetzen. Sie instrumentalisieren die von den Medien intendierten und aufgebauschten Austritte aus der katholischen und evangelischen Kirche, um die „Strukturen“ der Kirche zu ändern.

Im übrigen ist es nicht seriös, bei etwas erhöhten Austrittszahlen nach Strukturänderungen zu rufen. In den 90er Jahren – also in der Ägide von Bischof Kamphaus - waren die Austrittszahlen weitaus höher als heute. Während der Amtszeit von Bischof Tebartz-van Elst sind die Austrittszahlen im Bistum Limburg Jahr für Jahr zurückgegangen – trotz der Medienkampagne von Anfang an.

Der Bischof wurde wegen seiner Romtreue abgeschossen

Zu Eltz kann als der Kommandant der Kampftruppe um den Kurs der Kirche angesehen werden. Im ZEIT-Interview auf den Vorwurf angesprochen, „wir wollten den Bischof wegen seiner Romtreue abschießen“, leugnete er hartnäckig. Aber genau dies ist Fakt: Schon ein halbes Jahr nach Amtsantritt Tebartz-van Elst beschimpften damals „ungenannte Kleriker“ den Bischof als „Lakaien und Beamten Roms“. In dem Laien-Gremium ZdK wird dieser Kampf gegen Rom auf die Formel gebracht: „Ihr (Kard. Meisner, einige andere Bischöfe sowie die glaubenstreuen Katholiken) seid römisch-katholisch, wir (Gremien-Katholiken und liberale Kleriker) sind einfach katholisch.“ Da ‚römisch-katholisch’ die Weltkirche meint, bedeutet die Absetzbewegung davon in diesem Fall ‚deutsch-katholisch’.

Schon lange Parteiungen im Bistum Limburg

Um diese Kursänderung auf eine deutsch-katholische Nationalkirche hin geht der Kampf quer durch das Bistum Limburg. Die Frankfurter Synodalrätin Barbara Wieland hat kürzlich darauf hingewiesen, dass es schon lange diese Parteiungen im Bistum gebe – „mit unterschiedlichen Vorstellungen von Kirche, ohne dass darüber offen gesprochen wird“. Auch die aktuelle Veranstaltung ist wieder so ein Versuch, unter der Form einer scheinbar sachlichen Informations- und Diskussionsveranstaltung dem Kurs der deutschen Kirche einen weiteren Dissens-Schlag gegen Rom zu verpassen.

Protestantisierung als Langzeitprojekt des Domdekans

Johannes Graf zu Eltz hat sein „Langzeitprojekt“ einer anderen Kirche in Deutschland in mehreren Interviews umrissen. Seine Perspektive kann unter dem Oberbegriff ‚Protestantisierung’ zusammengefasst werden. An erster Stelle steht bei ihm die „Delegitimisierung“ des sakramentalen Priestertums einschließlich der geweihten Bischöfe. Dazu gehört auch die Aushöhlung des Zölibats mittels der Einführung verheirateter Priester. Er möchte die Konzilslehre von dem besonderen, sakramentalen Priestertum mit seiner Hirten-, Lehr- und Leitungsfunktion marginalisieren und das allgemeine Laienpriestertum des Volkes Gottes ins Zentrum der Kirche stellen, wie das in den protestantischen Gemeinschaften üblich ist. Die geweihten Priester hätten dann nur noch zuarbeitende Rand-Funktionen – etwa als „Sakramentenonkel“ zu fungieren, wie ein Pastoralassistent sich einmal ausdrückte.

Kommt der Prälat wieder in seinem lächerlich-laienhaften Aufzug?

Der Frankfurter Stadtdekan und Domkapitular pflegt seine anti-klerikale Einstellung auch in seinem äußeren Gehabe auszudrücken. Bei der Pressekonferenz des Domkapitels betonte er mit seinem legeren Freizeit-Outfit seinen laienhaften Auftritt. Neben dem Weihbischof Thomas Löhr mit seinem römischen Priesterkragen signalisierte der gräfliche Prälat seinen Widerwillen gegen alles, was nach römisch-katholisch Glaubenszeichen aussieht.

In Betrieben und Dienstleistungsunternehmen wird es mehr und mehr üblich, mit Dienstkleidung die ‚corporate identity’ auszudrücken und zu stärken. In der Kirche dagegen meiden diverse Kleriker diese Zeichen der kirchlichen Identität wie der Teufel das Weihwasser. Vermutlich wird Johannes Graf zu Eltz auch auf dem Podium im Haus am Dom wieder den  Laien mimen, um sein eigenes Weihe-Priestertum zu verleugnen.

Nachtrag vom 13.11.13:

Der Frankfurter Stadtdekan hat sich tatsächlich bequemt, im Haus am Dom halbwegs unterscheidbar von den vier Laien auf dem Podium aufzutreten, mit denen er allerdings einer Meinung gegen seinen Bischof war.

Die Veranstaltung hatte alle Kennzeichen eines Tribunal-Verfahrens. Auf dem Podium saßen ausschließlich Ankläger. Daniel Deckers brachte vor, der Bischof habe das Recht gebrochen. Joachim Valentin fuhr ein besonders schweres Geschütz auf: Der Bischof habe zusammen mit seinem Generalvikar „alle seine Mitarbeiter in Angst und Schrecken versetzt“ (nach kath.net-Bericht). Johannes Graf zu Eltz fuhr wieder die untergriffige Tour mit Andeutungen zu psychischen Krankheitssymptomen. Es gab vom Podium aus nur Kontra gegen den Bischof – und diese Inzenierung war so gewollt vom Veranstaltungsleiter Prof. Valentin. Der Direktor vom ‚Haus am Dom’ hatte sogar mit ZdK-Vize Stefan Versper einen Ankläger eingeladen, der zu Bischof und Bistum keinerlei Bezug und Ahnung hat. Wichtig war nur, dass er mit den Wölfen gegen den Bischof aufheulte.

Besonders skandalös war Valentins Begründung für die einseitige Besetzung des Podiums und damit seine Tribunalisierungsabsicht. Laut NNP sagte der Akademie-Direktor, es gebe derzeit keine seriösen Menschen, die hinter Bischof Tebartz-van Elst stehen. „Keiner steht mehr hinter ihm.“ Gegenüber kath.net präzisierte der Leiter des Domhauses später:
„Ich bin tatsächlich der Meinung, dass jemand, der einen Bischof,
• der öffentlich der Lüge überführt ist und
• gegen den mit guten Gründen zwei Staatsanwaltschaften ermitteln,
• der die Gläubigen in Scharen aus der Kirche treibt und
• dessen Verhalten die Spenden-Bereitschaft der Bundesbürger auf einen historischen Tiefstand bringt,
• der mit Unterstützung seines Generalvikars alle seine Mitarbeiter in Angst und Schrecken versetzt hat,
• der bis heute nicht einen Funken Reue zeigt,
dass, wer diesen Bischof öffentlich verteidigt, schlicht seine eigene Seriosität verspielt hat.“

Was Valentin hier als angeblich erwiesene Schuld des Bischofs anklagt, ist nichts anderes als das Skandalisierungsprogramm der Medien bzw. die Folgen des Medien-Prangers bei den presse-gläubigen Lesern. Wenn der Domhaus-Direktor nicht zwischen dem Handeln einer Person und den Folgen von Medienhetze in diesem Fall unterscheiden kann oder will, dann ist es mit seiner Seriösität auch nicht weit her, auch wenn er einen Professoren-Titel vor sich her trägt.

Der vom Bischof beauftragte und vom Bistum bezahlte Direktor des Hauses am Dom will also endgültig den Stab brechen - nicht nur über den Bischof, sondern auch über seine zahlreichen Unterstützer und Pro-Sprecher. Das waren in letzter Zeit Manfred Lütz, Martin Lohmann, Markus Günther, Albert Schmid,  Eva Demmerle, Abt Franz Xaver Brandmayr, Paul Badde, die Bischöfe Müller und Vorderholzer und andere mehr. Selbst der Heilige Vater dürfte nach Ansicht von Vatikanmitarbeitern dem Limburger Bischof durchaus freundlich gesonnen sein.