Im Widerspruch zum Grundgesetz                                                                                                                                           (5.5.2016)

In einem überheblichen Tonfall hat kürzlich der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki kritische Bemerkungen einiger AfD-Vorstände zum Thema Islam und Verfassung abgekanzelt. Der Prälat scheint sowohl das Grundgesetz als auch den Islam nur oberflächlich zu kennen. Sonst wüsste er, dass der Artikel 4 zur Religionsfreiheit nicht uneingeschränkt gilt, wie der Fall Böhmermann in Bezug auf die Meinungsfreiheit (Art. 5) zeigt. Der Islam ist nach Urschrift, Stifterperson und Geschichte eine politische Religion. Scharia und Streben nach muslimischer Oberherrschaft sind integraler Bestandteil des Islam. Das steht im Widerspruch zum Grundgesetz. Auch in Deutschland expandieren die muslimischen Milieus, die unsere Rechtsordnung und Demokratie ablehnen. Statt auf diese Problemanzeige der AfD einzugehen, dreschen Politiker, Prälaten und Medien einmütig auf die Boten ein, um die Botschaft zu verdrängen.

Selbst der Zentralrat der Muslime in Deutschland erkennt unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung nur unter Vorbehalten an. Das bleibend gültige Scharia-Recht ist nur ausgesetzt, solange die Muslime in der Minderheit sind. In der Islamischen Charta von 2002 haben die Muslime schon begonnen, die Grundprinzipien unserer Verfassung im Sinne der Scharia umzudeuten. Danach werden die westlichen Menschenrechte in ihrer Gegebenheit von Natur aus oder Geburt an nicht anerkannt, sondern zu gottgegebenen Gaben uminterpretiert. Auch das Gleichheitsgebot des Grundgesetzes und insbesondere die Gleichberechtigung von Mann und Frau (Artikel 3) bestreitet der Islam. Denn  für Koran und Scharia stehen die Islam-Gläubigen rechtmäßig über den Ungläubigen, so wie der Mann über die Frau gestellt ist. Es ist an der Zeit, dass Staat und Gesellschaft dem islamischen Bestreben, die staatlich-politischen, rechtlichen und gesellschaftliche Normen zu durchdringen, um sie später zu dominieren, klare Grenzen setzen.

Hubert Hecker 

(Erstveröffentlichung als Leserbrief in der Tagespost am 30. 4. 2016)