(1.6.2015)

Die Kirche lehrt: Es gibt keine Analogie zwischen der Homo-Partnerschaft und dem Schöpfungsplan Gottes zu Ehe und Familie (Abschlussdokument der Familien-Synode)

Eine Niederlage für die Menschheit in Irland, eine Fronde von Marx’isten gegen den Papst in Rom und ein kräftiger Wind aus dem Vatikan, der den Kasperianern ins Gesicht weht. Ein Kommentar von Hubert Hecker.

● Eine Mehrheit von 62 Prozent der Abstimmenden hat sich in Irland dafür ausgesprochen, dass auch gleichgeschlechtliche Paare eine zivilrechtliche Ehe eingehen könnten. Auch wenn der Anteil der Homo-Befürworter bei Berücksichtigung aller Abstimmungsberechtigten auf circa 40 Prozent der irischen Wähler schrumpft, wurde das Ergebnis vielfach als sensationell empfunden. Denn Irlands Geschichte und Kultur ist seit über 1500 Jahren zutiefst von der katholischen Tradition durchdrungen. Das irische Votum richtet sich frontal gegen die Lehre der Kirche, nach der es zwischen Homo-Partnerschaften einerseits und der Ehe und Familie nach Natur und Schöpfungsordnung andererseits  keinerlei Analogien gibt, auch nicht im weitesten Sinne – so das Abschlussdokument der vatikanischen Bischofssynode vom Oktober 2014. Das Befragungsergebnis von Irland ist aber nicht als Stimmungsbarometer für andere katholische Länder zu lesen, nicht einmal in Europa. Denn im ähnlich tiefkatholisch geprägten Polen würde eine entsprechende Abstimmung völlig anders ausgehen. Selbst im laizistisch dominierten Frankreich haben mehr als eine Million Menschen gegen die „Ehe für alle“ demonstriert.

Es sind also landes- und kirchenspezifische Gründe für das irische Ergebnis zu suchen: Die irischen Bischöfe haben mit ihrem unklugen Lavieren in der medialen Missbrauchskampagne um 2010 viel an Autorität verloren. Einige Oberhirten Irlands schwankten diesmal gegenüber der aktuellen  Kampagne der Homo-Lobby. Sie haben  damit die klare Orientierung der Kirche aufgeweicht und viele Katholiken verunsichert. Eine Rolle mag auch gespielt haben die traditionelle Nähe Irlands zu den USA, wo zurzeit die Homo-Lobby mit ihrer Ideologie die Gesellschaft überwältigt. Schließlich sind auch die irritierenden Signale aus dem Vatikan zu berücksichtigen, die die Verunsicherung der Katholiken in dieser Frage verstärkt haben könnten. Das Papst-Wort „Wer bin ich, um über Homosexuelle zu urteilen?“ hatte in dieser kontextverkürzten Version Tür und Tor für Homo-Lobbyismus in der Kirche aufgestoßen. Im Abschlussbericht der römischen Bischofssynode wurde ein Abschnitt ohne Zweidrittelmehrheit publiziert, der ebenfalls als Öffnung für die Homo-Lobby gedeutet wurde.

● Auf diesem Hintergrund war es die eigentliche Sensation, was aus Rom zu dem irischen Homo-Votum verlautete. Kardinal-Staatssekretär Pietro Parolin, das ‚alter ego’ von Papst Franziskus, hatte drei Tage nach dem Ereignis die Abstimmung in Irland zu einer „Niederlage für die Menschheit“ erklärt. Der vatikanische Pressesprecher Pater Lombardi bestätigte, dass Papst und Kurie „zu jedem Wort von Parolin stehen“. Dessen Erklärung lautete: „Ich bin sehr betrübt über dieses Ergebnis und ich denke, dass das nicht nur eine Niederlage für die christlichen Prinzipien ist, sondern eine Niederlage für die Menschheit. Die Kirche muss zwar diese Realität berücksichtigen, aber in dem Sinne, dass sie ihren Einsatz für die Evangelisierung verstärkt. Die Familie steht für die Kirche im Mittelpunkt. Wir müssen alles tun, um sie zu verteidigen, zu schützen und zu fördern, weil die Zukunft der Menschheit und der Kirche die Familie bleibt.“ Die Stellungnahme des Kardinal-Staatssekretärs ist zugleich als Weisung an die päpstlichen Landes-Nuntien weltweit zu verstehen und auch in dieser Hinsicht von großer Reichweite.

Die Süddeutsche Zeitung mit ihrem Vatikan-Korrespondenten hat als einziges deutsches Leitmedium  die Bedeutung des Parolin-Wortes richtig eingeschätzt mit der Zwischenüberschrift: „Die Stimmung im Vatikan scheint umgeschlagen zu sein“. Darunter bemerkt der Journalist: „Da man annehmen muss, dass Parolin vorab mit dem Chef geredet hatte, fragen sich manche italienische Vatikanologen: Hört man da etwa auch den Papst reden? Nimmt der Vatikan mit dem dezidierten Auftritt Parolins alle vermeintlichen (!) Signale der Öffnung zurück, die zu Beginn des Pontifikats von Jorge Mario Bergoglio auch auf diesem Gebiet zu sehen waren und die Bischofsynode im kommenden Herbst hätten beeinflussen können?“ Der SPIEGEL schreibt nichts von diesem Stimmungsumschwung, sonst hätte er seine ganze Titelstory über den „entfesselten“ Papst in der Pfingstausgabe schreddern können.

Was der SZ-Journalist vorsichtig als Frage formuliert, darin sind sich viele Vatikanisten ziemlich sicher. Der Papst hat in einigen Personalentscheidungen der letzten Monate sowie in zahlreichen öffentlichen Äußerungen deutlich gemacht, dass sich im Vatikan „der Wind gedreht hat“, wie es Guido Horst schon im April-Editorial des Vatican Magazins ausdrückte. Der Wind wehe nun kräftig gegen die Kasper-Fraktion, die die kirchliche Lehre zu Ehe und Sexualität aufweichen wollte. Als Wendepunkt für den päpstlichen Windrichtungswechsel gilt die überhebliche Äußerung von Kardinal Marx vom 29. 2. 2015 zu einer deutschen Sonderpastoral in diesen Fragen. Zugleich hatte der DBK-Vorsitzende eine unverhohlene Schisma-Drohung ausgesprochen als Druckmittel, um von der bevorstehenden Bischofssynode die von ihm und Kardinal Kasper formulierte „Öffnung“ zur Zulassung wiederverheirateter Geschiedener zur Kommunion und zur Anerkennung der Homosexualität zu erzwingen.

● Dieser vatikanische Gegenwind wird Kardinal Marx nicht verborgen geblieben sein. Daher begann er vor einiger Zeit mit einem neuen Strategie-Ansatz zur Durchsetzung seiner Forderungen. Am Pfingstsonntag benutzte er die Pfingstpredigt, um die Kirche als schöne neue bunte Wohlfühlgemeinschaft zu trivialisieren. Ausdrücklich will Marx die Homosexuellen und Partei-Grünen in den Reihen der neuen deutschen Regenbogenkirche sehen. Noch am gleichen Tag düste er nach Rom, um am Pfingstmontag eine Geheimkonferenz von ultraliberalen Bischöfen und Theologen zu leiten. Eingeladen hatten die Vorsitzenden der nationalen Bischofskonferenzen von Deutschland, Frankreich und der Schweiz. Man kann aber davon ausgehen, dass Marx der Initiator dieser Räubersynode war, um Netzwerke und Strategien gegen die bibel- und lehramtstreuen Stimmen der kommenden Bischofsversammlung zu schmieden. Der referierende Theologe Eberhard Schockenhoff sowie weitere modernistische Theologen aus dem Drei-Länder-Block sind dafür bekannt, dass sie in moralischen Fragen Lehramt und Lehre der Kirche in Millionen individuelle Gewissensentscheidungen aufheben wollen. Das bestätigte der Vatikanist der FAZ, Jörg Bremer, der mit einigen handverlesenen Journalisten zu dem Treffen eingeladen war. In der von ihm übermittelten Version erinnern die Forderungen der Theologen an den Katalog der kirchenferne Gruppe ‚Wir sind Kirche’: Abschwörung von der angeblich „körperfeindlichen Theologie“ der Vergangenheit, Offenheit für eine neue Theologie jeglicher Liebe. Das soll heißen: „Jede (!) Sexualität“ sei „als kostbare Gabe Gottes zum Ausdruck der Liebe“ zu würdigen. Der Satz stellt den größtmöglichen Gegensatz zur Lehre der Kirche dar, nach der nur die Einbindung in eheliche Liebe, Treue und Offenheit für Kinder die Sexualität menschlich sublimieren kann. Im übrigen lassen solche Formulierungen der Geheimbündler Assoziationen an die Illuminati im gleichnamigen Roman von Dan Brown aufkommen, bei denen alle Variationen schwüler Sexualität als mystischer Gottesdienst gefeiert wurde.

Nach dem Bericht des ebenfalls eingeladenen Reporters der italienischen Gazette „Republika“ hätten die erleuchteten Referenten mit Rückgriff auf Freud und Fromm Sexualität als Kitt jeder dauerhaften Beziehung ausgemalt. Soso, das sollen die neuesten Erkenntnisse von Anthropologie und Soziologie sein, die die Kirche in ihrer Sexualitätslehre unbedingt berücksichtigen müsste. Diese Loblieder auf die menschliche Sexualität enden meist mit dem Refrain der Schlager-Päpstin Leander, wonach Liebe niemals Sünde sein könne.

Formulierungen über beliebige Sexualität, die ausdrücklich den ehelichen oder heterosexuellen Bezug vermeiden, waren sicherlich auch als Signale  an die Homolobby gedacht. Positive Akzeptanz zu Homosexuellen, insbesondere auch zu den „Werten einer festen Partnerschaft“ sind die Zielpunkte solcher Referate. Die formelhafte „Abgrenzung zur Ehe“ wirkt dabei wie ein Dementi, das die Angleichung von Homopartnerschaft an die Ehe eher indirekt bestätigt.

● Es könnte durchaus sein, dass diese Räubersynode einer Bischofsfraktion in der päpstlichen Universität Gregoriana von Papst und Kurie als eine freche Fronde angesehen wird. Kardinal Marx würde damit erneut die kurialen Kreise um Franziskus gegen sich aufbringen. Denn neben der inhaltlichen Konfrontation gegen das Lehramt der Kirche verstößt die Konferenz der Geheimbündler auch gegen  kirchliche Regeln und Vorgaben: Zum einen haben die drei Vorsitzenden der nationalen Bischofkonferenzen ihre Ämter missbraucht zu einem lehramtlichen Dolchstoß, zu dem sie weder von der jeweiligen Bischofsversammlung beauftragt noch von ihrem Amt befugt sind. Des Weiteren unterlaufen sie mit ihrem „geschlossenen“ Treffen die Regel einer „offenen Diskussion über Ehe und Familie“, die Papst Franziskus zu Anfang der Bischofssynode ausgegeben hatte. Auf diese beiden Regelverstöße hat Manfred Spieker hingewiesen. Schließlich hatte Kardinal Marx eine Gruppe von Top-Journalisten der Leitmedien eingeladen, die im Sinne der Konferenz-Stoßrichtung medialen Druck auf die Familiensynode im Oktober aufbauen sollten.

Die unglaubliche Chuzpe der kirchlichen Marx’isten aber bestand darin, dass die drei Bischofskonferenzvorsitzenden ihre Vorstoß-Beratung nicht im Bereich ihrer Länder abhielten – also etwa in Straßburg, Konstanz oder Fribourg, sondern in einer römisch-päpstlichen Universität, gewissermaßen direkt vor oder auf der Nase  des Papstes tanzten. Dazu kam, dass am gleichen Termin der Ordentliche Rat der Bischofssynode tagte, und zwar unter dem Vorsitz des Papstes. Der bekundete mit seinem Präsidium den Willen, der kommenden Bischofsversammlung seine Impulse für die Festigung und Förderung von Ehe und Familie zu weisen, die er in seinen Familien-Katechesen der letzten Monate aufgezeigt hatte. Zu dieser Ratstagung der Bischofssynode war die Modernisten-Konferenz eine Art Gegenveranstaltung der Kasperianer.

● Aber wo war der deutsche Kardinal Kasper selbst, der zu Beginn der Bischofskonferenz im Oktober 2014 die Debatte um Öffnung der Kirche für Wiederverheiratete und Homosexuelle angestoßen hatte? Nachdem der emeritierte Prälat einige Monate medial untergetaucht war, entwickelt er in den Tagen nach Pfingsten hektische Medienpräsenz. Am Mittwoch verkündete er über eine italienische Tageszeitung, dass sich die kommende Bischofssynode „ganz zentral“ mit gleichgeschlechtlichen Paaren beschäftigen müsse, um insbesondere alle Diskriminierungen gegen Homosexuelle abzubauen. Diesen ungebetenen Ratschlag dürften Papst und Synodenrat schnell abgewunken haben, denn das Thema der Bischofssynode lautet bekanntlich: Die Berufung und Sendung der Familie in Kirche und Welt im Kontext der Evangelisierung.

Auch bei dem monatlichen Treffen vom ‚Freundeskreis Papst Franziskus’ spielte sich Kardinal Kasper wieder als Schrittmacher zum Thema Homosexualität auf. Sein Resümee: Die Kirche müsse vor der Homo-Lobby kapitulieren, weil sie einen „ideologischen Krieg“ dagegen nicht gewinnen könne. Die anderen hätten „gigantische ökonomische Mittel und die Massenmedien auf ihrer Seite“. Daher müsse die Kirche „in der Sprache abrüsten“, um mit der säkularisierten Welt in Dialog zu treten. Auch mit diesem defätistischen Vorschlag zeigte der Kurienkardinal a. D., dass er eigentlich nichts mehr zu sagen hat.

● Aus Deutschland sind noch zwei weitere Konfrontationsstimmen zu der eingangs erwähnten Erklärung des vatikanischen Staatssekretärs nachzutragen:

- Dem kirchenpolitischen Lautsprecher der FAZ, Daniel Deckers, hat das „markige“ Parolin-Wort von der „Niederlage der Menschheit“ gar nicht gefallen. Und von Neuevangelisierung will er in seinem Leitkommentar der Ausgabe vom 28. 5.  erst recht nichts wissen. Stattdessen stimmt er den Bischof-Bode-Refrain der „Kluft zwischen Lehre und Leben“ an, um sich dann auf die Seite der demokratischen Gläubigen-Mehrheit zu schlagen. Die meisten Katholiken würden sich sowieso nur noch „ihrem Gewissen verpflichtet“ fühlen. Dazu will uns Deckers weismachen, dass die Taufschein-Kirchenmitglieder Wert legten auf ein „informiertes Gewissen“, das in der „Auseinandersetzung mit den Weisungen des Lehramtes“ geschult sei. Das Gegenteil liegt aber offen zutage: Gerade in Fragen von Sexualität und Ehe, Scheidung und Wiederverheiratung sind die Meinungen der Betroffenen eher auf die Normativität des Faktischen festgelegt oder durch die „Lebensrealität“ ihres soziologischen Milieu geprägt, wie Deckers mit seinem Wort vom Widerspruch bei Leben und Lehre selbst dargelegt hat. Auch an der Erklärung der obersten deutschen Laien- und Gremien-Katholiken könnte der Journalist erkennen, dass man sich im ZdK bei der Aufstellung der bekannten  Zeitgeistforderungen weder mit dem „biblischen Menschenbild“ noch mit den lehramtlichen Positionen ernsthaft auseinandergesetzt hat. Schließlich gibt der promovierte Theologe Deckers Belege dafür, dass er die Diskussion zu den anstehenden Fragen nicht auf dem notwendigen Niveau von theologischer Diktion und Argumentation führt: Nach seiner allzu plakativen Gegenüberstellung  geht die „Hochschätzung der Ehe und die Wertschätzung der Familie“ in den bischöflich-vatikanischen Dokumenten einher mit der „unterschiedslosen Abwertung anderer Lebensformen“. Auf diesem Hintergrund verdreht Deckers das Parolin-Wort von der „Niederlage der Menschheit“ zu einer hämischen „Niederlage der Kirche“. Obwohl Papst Franziskus nach Lombardis Worten hinter jedem Wort des Staatssekretärs steht, glaubt der FAZ-Mann, den Papst für seine abfälligen Interpretationen zu Lehramt und Kurie  vereinnahmen zu können.

- Der Essener Generalvikar Klaus Pfeffer fühlte sich in einem Domradio-Interview berufen, die Formulierung des vatikanischen Staatssekretärs als „völlig unangemessen“ abzumahnen. Allerdings scheint er die Erklärung Parolins mit ihrem Schwerpunkt auf Neuevangelisierung gar nicht richtig gelesen und verstanden zu haben, wenn er sie als „sehr brachiale Art und Weise von Distanz und Abwehr“ ansieht. Des Weiteren unterschätzt er gewaltig die Logik und Tragweite der Vorstöße zur Angleichung von Homo-Partnerschaft und Ehe. Es ist blauäugig zu meinen, die Thesen über die „Werte“ und Wertschätzungen der Homo-Partnerschaften  würde auf den Charakter und die Güter der sakramentalen Ehe keinerlei verändernden Einfluss haben - auch nicht im Verständnis der Menschen.

● Prälat Pfeffer glaubt, dass man in regelmäßigen Gesprächen eine tolerante Dialogkultur mit Homosexuellen-Vertretern aufbauen könne. Das mag für kleine Gesprächszirkel zutreffen. Aber die mächtigen Organisationen der Homo-Lobby wollen etwas völlig anderes als einen herrschaftsfreien Argumenten-Austausch. Die Verbände der Schwulen und Lesben überziehen die Öffentlichkeit seit Jahren mit einer gnadenlosen Strategie der Stigmatisierung, Einschüchterung und Überwältigung. Dazu können sie sich auf potente Geldgeber und dominanten Medieneinfluss stützen. Zu diesem offenliegenden Prozess sollte auch der Krawatten-Priester Pfeffer seine Augen nicht verschließen:

Seit der damalige Kurien-Kardinal Joseph Ratzinger 2003 seine argumentativen „Erwägungen“ zu homosexuellen Lebensgemeinschaften vorgetragen hatte, wurde er auf dem Portal des Schwulen- und Lesben-Verbandes in Bild und Text als „Hassprediger“ beschimpft. Seither hat die Homo-Lobby ihre Brandmarkungs-Strategie gegen Andersdenkende verschärft. Über die Einforderung von Toleranz gegenüber Homosexuellen sind die Homo-Verbände längst hinausgegangen. Sie fordern bedingungslose Akzeptanz ihrer Positionen und Interessen. Alle entgegenstehenden Argumente und Meinungen werden vielfach als „homophob“ abgestempelt und am medialen Pranger zur öffentlichen Beschimpfung freigegeben. Das mussten kürzlich die 2.400 Demonstranten in Stuttgart erfahren, die unter dem Motto: „Ehe und Familie vor - Stoppt Gender-Ideologie und Sexualisierung unserer Kinder!“ ihr Grundrecht auf Meinungsfreiheit wahrnahmen. Unter dem Einfluss der Homo-Lobby wurde die Demo in fast allen Medien-Kanälen als Aufmarsch der Homophobie wahrheitswidrig hingebogen, auch von öffentlich-rechtlichen Anstalten wie dem SWR. Eine NDR-Reportage beschimpfte die Teilnehmer mehrfach als „homophobe Arschlöcher“. Solche Beleidigungen Andersdenkender gehen einher mit einer aggressiven Polemik gegen die „traditionelle Ehe und Familie“. „Nur Vater – Mutter – Kind im Jahre 2015?“ war das abfällige Resümee der NDR-Sendung. Das ehebasierte Familienmodell wäre doch nichts anderes als ein „Fake“ der bunten Regenbogenfamilie der  LSBTTIQ-Community, also von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgendern, Transsexuellen, Intersexuellen und andere Queerulanten.

An den USA kann man studieren, welche nächsten ideologischen Kampfschritte der Homo-Lobby für die genderbasierte Homosexualisierung der öffentlichen Meinung auf uns zukommen. Homogruppen und ihre Publikationen würden schon die einfachen Befürworter von Ehe und Familie vielfach als „bigott“ und „anti-schwul“ beschimpfen, stellte der US-Senator Marco Rubio fest. Dass die Zitierung der einschlägigen Stellen von Bibel, katholischem Katechismus und vatikanischen Verlautbarungen als „Hassreden“ gebrandmarkt werden, mussten schon manche bibel- und lehramtstreue Gläubige erfahren.
Inzwischen haben sich die US-Vertreter des ‚big business’ auf breiter Front in den politischen Kampf für die „Homo-Ehe“ eingeschaltet. Die Geschäftsführer der Kaffee-Kette Starbucks z. B. loben sich für ihre Akzeptanz aller sexuellen Orientierungen in ihren Betrieben. Allerdings sollen diese Regeln der Toleranz und Vielfalt für Andersdenkende und Gegenmeinungen nicht gelten. Die mächtigen Bosse  wollen die Befürworter der traditionellen Ehe und Familie sogar aus ihrem Aktien-Pool hinausdrängen.

Angesichts der homo-gesteuerten Phalanx von big business und big media bedeuten die blauäugigen Zirkelgespräche von Prälat Pfeffer oder die modernistischen Eiertänze der Marx’isten und Kasperianer nur eine Bestärkung für die Homo-Lobby. Will die Kirche von der Überwältigungsstrategie der Homo-Lobby nicht niedergewalzt werden, so muss sie sich auf ihre Kernlehre von Ehe und Familie konzentrieren. Die Chancen, etwa bei jungen Leuten die hohen Ehewerte von unverbrüchlicher Liebe und Treue sowie Offenheit für Kinder zu verankern, sind so schlecht nicht. Die Kirche muss die Aufgabe der „Neuevangelisierung“ allerdings auf allen Ebenen anpacken: so wie der Papst in den letzten Monaten in seinen Familienkatechesen alle Aspekte des Ehe- und Familienlebens im Lichte des Evanteliums ausgeleuchtet hat, so müssten die Bischöfe in ihren Diözesen, die Geistlichen in den Pfarreien und die Laien in ihren Verbänden Ehe und Familien fördern und stärken. Die kommende Bischofssynode könnte dazu den Auftakt bilden.   

 

 

  

 

 

 

 

Papst Benedikt XVI. erklärte in seiner Berliner Rede vom 22. September 2011:

„Auch der Mensch hat eine Natur, die er achten muss und die er nicht beliebig manipulieren kann. Der Mensch ist nicht nur sich selbst machende Freiheit. Der Mensch macht sich nicht selbst. Er ist Geist und Wille, aber er ist auch Natur, und sein Wille ist dann recht, wenn er auf die Natur hört, sie achtet und sich annimmt als der, der er ist und der sich nicht selbst gemacht hat. Gerade so und nur so vollzieht sich wahre menschliche Freiheit.“