Fronleichnamsgottesdienst von Kardinal Woelki                                                                    (2.6.2016)

Was viele Katholiken denken, findet sich in einem Brief an den Herrn Pressesprecher des Erzbistums Köln wieder.

 

 

 

Sehr geehrter Herr Pressesprecher des Erzbischofs von Köln!


Als Katholikin kann ich die Fronleichnamsaktion Ihres Dienstherrn, Kardinal Rainer M. Woelki, nicht unkommentiert lassen. Solche unkatholischen Aktionen fallen auf uns Laien zurück, die wir im Alltag oftmals vergeblich versuchen, die Ehre jener apostolischen Kirche zu retten, die der Herr vorrangig dem Herrn Kardinal und seinen Mitbrüdern im Amt anvertraut hat. – Ich möchte den Herrn Kardinal bitten, seine Arbeit als Bischof zu tun und sich nicht mit Events der Gesinnungsethik davon abzulenken.                                                            

Hätte der Herr Kardinal doch nur einen Bruchteil jener Sorge um das ewige Leben seiner Schäfchen, wie er um das zeitliche Jener hat, für die er vor Gott gar keine Verantwortung trägt, wäre ihm klar: Wenn Jesus zu seinen Lebzeiten so viel Beifall bekommen hätte, wie der Herr Kardinal für seine Predigt von heute, wäre er  als Mitglied des Sinedriums 80 Jahre alt geworden und einen Herrn Kardinal gäbe es gar nicht. Nemo potest duobis dominis servire.

Erstens:

Es "lässt" niemand Flüchtlinge (oder Migranten oder Wen-auch-Immer) im Mittelmeer ertrinken!

So wie Jeder, der im Fall, dass er keine Million Euro geschenkt bekommt, mit Selbsttötung droht, von der Polizei nach Möglichkeit an der Aufführung seines Vorhabens gehindert wird, wird, wer auch immer im Mittelmeer herumtreibt, weil er nach Europa will, nach Möglichkeit herausgefischt, bevor er ertrinkt.

Erpressung bleibt aber auch dann Erpressung, wenn sie den Erpresser das Leben kostet. Und Verleumdung (der Küstenwachen u.a.) bleibt auch dann Verleumdung, selbst wenn sie nur zum Zweck einer moralischen Hyperbole mißbraucht wird.

Für den Herrn Kardinal läuft es darauf hinaus, dass man in jedem Fall moralisch verpflichtet ist, den jeweiligen Herausgefischten in Europa an Land zu nehmen.

Die katholisch-korrekte Antwort dazu ist eine andere: Wenn der Herr Kardinal bereit ist, die Menschen aus seiner Privatschatulle durchzufüttern, dann kann ihn niemand verwehren, die ihm genehmen Herausgefischten in seiner Residenz bis unter die Decke zu stapeln und selbst auf dem Boden zu schlafen. Aber wenn er solche Fernstenliebe von seinem Nächsten verlangt, dann begibt sich der Herr Kardinal leider aus dem Rahmen seiner moralischen Kompetenz, zumindest nach korrekter katholischer Lehre.

Zweitens:

Wer fremde Sünden behauptet, wo es nachweislich keine gibt, und dabei auch noch Gottes Namen missbraucht, braucht sich auf "Spezial-Effekte" selbst dann nichts einzubilden, wenn sie neuerdings in Rom in Mode sind.

Zu behaupten, ein Flüchtlingsboot könne als Altar für eine Messe (=das Opfer Christi) dienen, weil "Jesus" in ihm säße, ist grenzwertig, wenn nicht blasphemisch.

Schließlich ist Jesus am Kreuz für uns gestorben und nicht beim Sturm auf dem See Genezareth für uns ertrunken.

Drittens:

Es ist auch so eine Effekthascherei und obendrein eine Vermessenheit zu behaupten, dass ohne Ausnahme in jedem Menschen Gott steckt und auf jeden Fall mit ihm ertrinken würde, wenn es soweit kommt.

Bekanntlich sind nach katholischer Lehre, Menschen frühestens mit dem Willen zur Taufe und Nachfolge durch die heiligmachende Gnade "in Christus" und könnten dann überhaupt erst auf eine bestimmte Weise mit Gott identifiziert werden. Es ertrinkt im Mittelmeer also (um im Bild des Kardinals zu bleiben) in den meisten Fällen höchstens ein potentieller Gott.

Ich sehe derzeit allerdings den Willen von Kardinal Woelki auch gar nicht, aus diesen Menschen nach Landung in Europa Glieder am Leib Christi und dadurch Gott-fähige Menschen zu machen, ganz im Gegenteil.

Wenn diese Heiden aber nach dem Willen des Herrn Kardinals vom Ertrinken im Mittelmeer gerettet werden, um im christlichen Abendland dann doch nur als Heiden sterben zu können, dann hat der Herr Kardinal, die ihm geschenkte Gnade, die ihn in irgendeinerweise mit Gott identifizieren würde, vorerst gründlich in Hochmut und Heuchelei ersäuft. -



Zum Abschluss ein grundsätzliche Überlegung zur Kenntnis des Kardinals:

Gott hat uns den Verstand gegeben, damit wir ihn gebrauchen. Wie seiner Exzellenz bekannt sein dürfte, übersteigt der Glaube den menschlichen Verstand, er unterbietet ihn nicht. Und: Im Zweifelsfall ist Schweigen Gold.


Mit freundlichen Grüßen


K. Brosei

Saarbrücken