Kampf um den Kurs der Kirche im Bistum Limburg           (22.12.2013)

Um zu  einem ‚anderen Miteinander’ in der Diözese zu gelangen, ist eine ehrliche Bestandsaufnahme und ein offenes Gespräch  über die divergierenden theologischen Positionen zu Kirche und Rom dringend  notwendig.

Im Adventsbrief an die Gläubigen der Diözese Limburg hat Generalvikar Wolfgang Rösch zum wiederholten Male seine Überzeugung ausgedrückt:
Der Papst und seine Gremien „handeln klug“: Sie haben Bischof Tebartz-van Elst aus der Schusslinie der Medien genommen, während die DBK-Kommission die Vorgänge um die Dombergbebauung kompetent und gewissenhaft prüft. „Danach wird das Ergebnis bewertet und erst dann ergeben sich die entsprechenden Konsequenzen.“ Kurien-Erzbischof Gerhard Ludwig Müller hat für diesen Fall Gerechtigkeits-Akzeptanz gefordert:  «Wenn ihm nichts vorzuwerfen ist, was die von jedem Bischof angeforderten Pflichten betrifft, dann muss die Gerechtigkeit und nicht das Kalkül Vorfahrt bekommen.»

Die Medien betreiben weiterhin Stimmungsmache gegen den Bischof

Das von Generalvikar Rösch, Erzbischof Müller und Kardinal Meisner angemahnte Abwarten der Prüfergebnisse und das Vertrauen auf die kluge Entscheidung des Papstes gefallen den Bischofsgegnern gar nicht. Insbesondere die Medien schüren weiterhin Ressentiments gegen den Limburger Bischof. Die Nassauische Neue Presse behauptete am 16. 12. ins Blaue hinein: „Eine Rückkehr (des Bischofs) wünscht sich (fast) niemand, auch wenn es nach außen nicht offen gesagt wird.“ Das ist wieder mal ein Beispiel für den  unlauteren Meinungsmache-Journalismus der NNP, wenn es um den Bischof geht: Woher will die Zeitung die Wünsche von (fast) allen Limburger Katholiken bezüglich des Bischofs kennen, wenn sie keiner offen ausspricht, wie das Blatt selbst sagt?

Auch der FAZ-Journalist Daniel Deckers, der die letzte der sieben Medienkampagnen gegen den Limburger Bischof im Juni dieses Jahres anzettelte, führt seinen Gehässigkeits-Journalismus weiter. Aktuell streut er Zweifel aus, ob die Entscheidungen von Rom klug seien und in Zukunft sein würden. Insbesondere Erzbischof Müllers Gerechtigkeitsargument gegenüber Bischof Tebartz-van Elst schmeckt ihm gar nicht. Deckers desavouiert Müller als einen „Neunmalklugen“, auf dessen Rat der Papst nicht hören sollte.

Der Stellvertreter des Bischofs im Dienst an der Einheit

Generalvikar Wolfgang Rösch versucht in diesen ‚Zeiten des Widerspruchs, der Spaltungen und Gegnerschaften’ seine Aufgabe als Dienst an der Einheit zu praktizieren, indem er am konstruktiven Aufbau von ‚gemeinsamen Erfahrungen, Vertrauen und Versöhnung’ arbeitet. Er wendet sich ausdrücklich gegen die Tendenz von „Leuten, die ihr Urteil über den Bischof schon gefällt haben. Es sollte keine Vorverurteilungen geben“.

Die Vorverurteiler des Bischofs

Zu diesen Leuten, die den Stab über den Bischof gebrochen haben, gehört der Direktor des Hauses am Dom, Prof. Joachim Valentin. Der sprach kürzlich jedem Katholiken die eigene Seriösität ab, „der diesen Bischof öffentlich verteidigt“. Aus dieser Einstellung heraus hatte er zu einem Gesprächspodium im Haus am Dom ausschließlich Bischofsgegner aufmarschieren lassen. Dadurch wurde das einseitige „Podiumsgespräch“ zu einem Tribunal über den Bischof.

Auch der Frankfurter Stadtdekan Johannes Graf zu Eltz hat schon mehrfach sein vernichtendes Vor-Urteil über den Bischof gesprochen. Die Entscheidung des Papstes, „die Zukunft des Bischofs vorläufig in der Schwebe zu halten“, um den DBK-Prüfbericht zu der Domberg-Bebauung abzuwarten, erfüllt zu Eltz mit „Befürchtungen und Bedenken“. Er verbreitet die Ansicht, „dass eine Rückkehr ins Bischofsamt überhaupt nicht in Frage kommt“. Der Stadtpfarrer von Frankfurt will Rom „dazu drängen, dass wir bald einen neuen Bischof von Limburg wählen dürfen“.

Auch eine Mehrheit der Diözesanversammlung behauptet in ihrer Erklärung vom 16. November, dass das Vertrauensverhältnis zwischen dem Bischof und seiner Diözese so „nachhaltig gestört“ sei, „dass ein Neubeginn mit dem Bischof nicht möglich erscheint“. Zwar wollen die Synodalen die Rückkehr des Bischofs in sein Amt mit dem Wort ‚scheinen’ nicht so apodiktisch verweigern wie Valentin und zu Eltz. Aber  gleichzeitig beteiligen sie sich an den Vorverurteilungen des Bischofs. Sie sprechen dem DBK-Prüfbericht nur Klärung von „Detailfragen“ zu, während sie zu wissen glauben, dass der Bischof die Kostensteigerung für den Bau des Diözesanen Zentrums St. Nikolaus „verschleiert“ habe.

Für ein anderes Miteinander im Bistum

Generalvikar Wolfgang Rösch sieht das anders. Er sagte laut der Tageszeitung ‚Die Welt’, eine schnelle Suche nach dem Schuldigen werde dem Sachverhalt nicht gerecht. „Ich fand die Entscheidung des Heiligen Stuhls (zu der Auszeit des Bischofs) gut.“

Rösch wandte sich bei seiner ersten Pressekonferenz nach seiner Ernennung auch gegen den Eindruck, dass das gesamte Bistum gegen die Rückkehr von Tebartz-van Elst sei. Er jedenfalls werde sich sowohl mit jenen Gläubigen an einen Tisch setzen, die den Rücktritt des Bischofs fordern, als auch mit dessen Befürwortern. Er fügte hinzu: „Wir müssen das Lagerdenken überspringen.“

Mit dem Begriff ‚Lagerdenken’ hat Rösch eine wesentliche Dimension der Lage im Bistum gekennzeichnet. Die Frankfurter Synodalrätin Barbara Wieland formulierte es im Domradio-Gespräch vom 11. Oktober so: „Das Bistum ist schon lange in Parteien zerfallen.“ Und: „Im Bistum gibt es – quer durch alle Ebenen – eine unterschiedliche Vorstellung von Kirche, ohne dass darüber offen gesprochen wird“ (FAZ vom 27. August).

Wieland kritisierte auch die Art und Weise der ‚schnellen Lösung’, wie sie von Domkapitularen und Laien im Bistum gefordert wird. Das sei ein Vorgehen wie bei den Frankfurter Banken - Vorstandsvorsitzender raus – und der Nächste bitte! Dieser Weg könne schon deshalb im Bistum nicht die Lösung sein, weil damit das strukturelle Problem der unterschwelligen Parteiungen im Bistum nicht gelöst sei. Ein wirklicher Neuanfang „kommt nicht im Gebrüll daher“, sondern in einem „anderen Miteinander“ der Parteien.

Bestandsaufnahme über theologische und ekklesiologische Positionen

Dieses ‚andere Miteinander’ der Gläubigen und Gruppen ist genau das, was auch Generalvikar Rösch im Auge hat für einen Neuanfang im Bistum. Dazu ist es allerdings not-wendig, die widerstreitenden theologischen Positionen bei den Bistumsgruppen zu benennen. Erst wenn die auseinanderdriftenden Vorstellungen darüber, was Kirche ist, offen benannt werden, kann es zu einer „guten Streitkultur“ (Wolfgang Rösch) kommen. Es gilt also zunächst, eine Bestandsaufnahme über die divergierenden theologischen Positionen zur Kirche im Bistum aufzuzeigen.

1. Der Kirchenbegriff des Frankfurter Stadtdekans Johannes Graf zu Eltz

Domkapitular zu Eltz  hat in mehreren Zeitungsgesprächen – u. a. in einem FAZ-Interview am 15. 11. 2010 - sein „Langzeitprojekt“ einer anderen Kirche in Deutschland umrissen:

a. An erster Stelle steht bei dem Frankfurter Prälaten die ‚Delegitimisierung’ des sakramentalen Priestertums. Darunter ist die Verdrängung der Konzilslehre von dem besonderen, sakramentalen Priestertum mit seiner Lehr- und Leitungsfunktion zu verstehen. Zu der Dekonstruktion des römisch-katholischen Priestertums gehört auch die Aushöhlung des Zölibats mittels der Einführung verheirateter Priester, was zu Eltz mehrfach gefordert hat. Bei der offiziellen Pressekonferenz der Domkapitulare präsentierte sich der Frankfurter Stadtdekan  demonstrativ in legerer Freizeitkleidung - mit dem Signal, dass er auf die öffentlichen Zeichen seines Priestertums keinen Wert legt, erst recht nicht auf einen römischen Priesterkragen.

b. Die Herabstufung des „hierarchischen Priestertums“ (II. Vatikanum) korrespondiert bei zu Eltz mit einer Überhöhung des allgemeine Laienpriestertums vom Volke Gottes. Ihm sei das sakramentale Priestertum untergeordnet: „Die zentrale Gestalt der Kirche ist der Laie“, so der Prälat im FAZ-Gespräch, „nicht der geweihte Priester“. Dessen Aufgabe sei es, den „Laien beim Gebrauch ihrer Gaben behilflich“ zu sein. Die geweihten Priester hätten dann nur noch zuarbeitende Funktionen.
Im 10. Kapitel der Kirchenkonstitution wird freilich das Gegenteil dieser Zuordnung ausgesagt: „Das gemeinsame Priestertum der Gläubigen und das hierarchische Priestertum unterscheiden sich dem Wesen nach. Dennoch sind sie einander zugeordnet: Der Amtspriester nämlich bildet kraft seiner heiligen Gewalt das priesterliche Volk heran und leitet es.“ Damit wird klar: Zu Eltz vertritt mit seinem Langzeitprojekt einer ‚Laien-Kirche’ nicht die kirchliche Theologie des Konzils und der Päpste.

c. Öffentlich leugnet zu Eltz seine Absicht, „den Bischof wegen seiner Romtreue abzuschießen“, wie er kürzlich im ZEIT-Interview vorgab. In einem vertraulichen Schreiben an seine Mitarbeiter dagegen redet er Klartext: Angesichts der Tatsache, dass Rom den Bischof noch nicht abgesetzt habe, worauf er dränge, müsse man befürchten, „dass der Kampf um den Kurs der Kirche in Deutschland, in dem unserem Bischof (von Rom) eine wichtige Rolle zugedacht war, noch nicht entschieden ist“. Es passe zu „unserer Stadtkirche, dass wir dabei nicht außen vor bleiben“. Offensichtlich sieht sich zu Eltz und seine Stadtkirche als Vorkämpfer für eine andere Kirche in Deutschland, wobei ihm Bischof Tebartz-van Elst im Wege steht.

2. Kampf gegen den Kurs des romtreuen Bischofs von Anfang an

In diesem Punkt wiegelt auch Generalvikar Wolfgang Rösch ab: Es gebe keinen Kirchenkampf zwischen einem romtreuen Bischof und einem aufmüpfigen Bistum. Es gehe um ganz menschliche Dinge. Man merkt dem Generalvikar an, dass er dem Streit um den Bischof die theologische und kirchenpolitische Schärfe nehmen will, indem er die Auseinandersetzung auf eine Ebene von menschlichen Fehlern und Veränderungen herabstufen möchte.

Richtig an Rösch’ Aussage ist, dass nicht das ganze Bistum aufmüpfig ist gegen den Bischof. Doch Rösch scheint die Augen davor zu verschließen, dass es im Bistum unter Klerikern und Laien seit Bischof Kamphaus eine erkennbare anti-römische Strömung gibt. Ein Leserbriefschreiber in der Limburger Kirchenzeitung „Der Sonntag“ erinnerte kürzlich daran, dass es erst zehn Jahre her sei, als Bischof Kamphaus offen gegen den Entscheid von Papst Johannes Paul II. rebellierte, der die Abtreibungsscheinberatung der deutschen Bischöfe als eine Verdunklung der katholischen Lehre zum Lebensrecht feststellte.

Schon im ersten Amtsjahr Tebartz-van Elst’ wurden die anti-römischen Kräfte im Bistum wieder aktiv – diesmal gegen den neuen Bischof. Wolfgang Rösch müsste es hautnah als damaliger Regens des Priesterseminars mitbekommen haben, als die Limburger Regionalzeitung Nassauische Neue Presse  am 6. September 2008 einen  ganzseitigen Angriffsartikel gegen den Bischof veröffentlichte mit der Schlagzeile: „Der Statthalter Roms“. Dort hieß es: „Rom und der Bischof geben die Richtung vor.“ Und: „Der neue Bischof setzt nur auf die Linie Roms.“ Sowie: „Der Bischof ist ein Beamter von Rom.“ „Ungenannte Kleriker“ und „Protagonisten der Kamphauskirche“ – so der SPIEGEL – bejammerten den Kurs des neuen Bischofs. Schon damals forderten die Limburger Bischofsgegner einen Kurswechsel der Kirche in Deutschland. Sie beklagten, dass „die Amtskirche keine Vergabe der Kommunion an Wiederverheiratete“ zulasse sowie „keine Einladung von evangelischen Christen zur Kommunion“ ausspreche. Tebartz-van Elst blocke „beim Thema Zölibat komplett ab“ und sei auch gegen das Frauenpriestertum. Beim Umgang mit homosexuellen Paaren halte er sich stur an die vatikanische Erklärung von 2003. Diese Themen mit der gleichen Tendenz gegen Rom und den Bischof tauchen übrigens im Papier des Hofheimer Priesterkreises vom März 2012 wieder auf.

2010 – im dritten Amtsjahr von Tebartz-van Elst – diktierte der damalige Limburger Pfarrer Hubertus Janssen dem SPIEGEL auf den Redaktionsblock: Der Kurs des Bischofs bestehe „im autoritären Stil einer auf Rom fixierten Klerikerkirche“. Die „liturgiefixierte Frömmigkeit“ des Bischofs nannte der Runkeler Pfarrer Albert Dexelmann damals  „Hochglanzkitsch“, die Bischofs-Predigten seien „leere Worthülsen“ und seine Wertschätzung der Liturgie „selbstverliebte Rituale“. Der SPIEGEL fasste zusammen: „Traditionsprogramme wie die von Tebartz-van Elst stoßen im Vatikan auf Wohlgefallen.“ Bissiger drückte es der FAZ-Kirchenjournalist Daniel Deckers noch im März dieses Jahres aus: Der Limburger Bischof lasse sich an „Rom-Unterwürfigkeit“ von niemanden übertreffen.

Wie man sieht, ist die Kritik an der römisch-katholischen Glaubenstreue des Limburger Bischofs von  einige Klerikern und Laien – verstärkt durch die Medien – ein seit Jahren durchgehender Vorwurf gegenüber Tebartz-van Elst.

3. Der Hofheimer Pfarrer-Kreis: „Alle Getauften sind Geistliche“!!??

Eine ähnliche Kirchentheologie wie die des Frankfurter Stadtdekans findet man in dem Papier der Pfarrer des ‚Hofheimer Kreises’ von 2012. In Form und Stil gibt sich der Text versöhnlich-dialogisch als ein Beitrag zum kirchlichen Miteinander. In der Sache aber ist er ein Angriff auf die Theologie und Pastoral von Bischof und Kirche. Im ersten Abschnitt beklagen die Autoren, dass im Bistum die „Orthodoxie“ Priorität habe vor dem seelsorglichen Bemühen um moderne Menschen. Dass die Glaubenstreue der Pastoral nachzuordnen sei, hatten schon einige Kleriker 2008 laut NNP gefordert. Auch Vorgängerbischof Kamphaus hatte ein gewisses Misstrauen gegenüber der Glaubenstreue gesät, als er davon sprach, die „Orthopraxie“ müsse Vorrang haben vor der Orthodoxie.

Im zweiten Kapitel des Hofheimer Papiers geht es um die Laien, die angeblich im Zentrum der Kirche stünden. Der Text verwischt den Wesensunterschied zwischen dem allgemeinen Priestertum der Gläubigen und dem besonderen sakramentalen Weihe-Priestertum, an dem das Konzil festhält. Die Autoren verbreiten ekklesiologische Verwirrung, wenn sie behaupten, „alle Getauften“ – also auch die Evangelischen? – hätten Anteil an der dreifachen Aufgabe des Bischofsamtes in Leitung, Lehre und Heiligung. Dieser und der folgende Satz zeigen die theologische Odyssee  der 20 Pfarrer des Hofheimer Kreises: „Alle sind Geistliche“. Wenn diese Überzeugung die Grundlage für den bisherigen synodalen Weg im Bistum Limburg sei, wie die Pfarrer behaupten, dann führt der Weg in die Irre.

4. Was für eine Kirchenlehre vertritt das Frankfurter Haus am Dom?

Die Äußerung von Prof. Joachim Valentin als Leiter des Hauses am Dom zur Rechtfertigung seiner einseitigen Besetzung des Podiums ausschließlich mit Bischofsgegnern lassen aufhorchen. Valentin hatte die Seriösität bei jedem Katholiken bestritten, der sich für den Bischof einsetzt. Auf diesem Hintergrund sollte man genauer untersuchen, was für eine Theologie und Kirchenpolitik im Haus am Dom eigentlich verbreitet wird – mit 1 bis 2 Millionen Euro Kosten aus Kirchensteuergeldern pro Jahr.

5. Die Frankfurter Stadtkirche unterstützte die extremistische ‚konziliare Versammlung’

Stadtdekan Johannes Graf zu Eltz hatte in seinem Mitarbeiterpapier angedeutet, dass die Stadtkirche Frankfurt einen aktiven Part im „Kampf um den Kurs der Kirche in Deutschland“ wahrnimmt. Diese allgemeine Aussage kann am Beispiel der ‚konziliaren Versammlung’ vom Oktober letzten Jahres konkretisiert werden. Dieser anti-römische Kongress wurde  von der Frankfurter Stadtkirche organisatorisch und auch inhaltlich unterstützt. Auch das Haus am Dom förderte die Zusammenkunft der randständigen Katholiken mit einer Spende in ungenannter Höhe.

Bei dieser Versammlung waren etwa 50 Gruppen aus dem deutschsprachigen Raum zusammengekommen, die alle am äußersten Rand der Kirche und teilweise auch außerhalb angesiedelt sind. Man konnte vier Themenblöcke unterscheiden: Einmal die antikapitalistisch-befreiungstheologische Richtung. Auch das zweite Segment der Versammlung zu Ökologie und Sozialpolitik hatte eine links-sozialistische Schlagseite. Im dritten Veranstaltungssektor sammelten sich Feministinnen, Priesterinnen, Bischöfinnen und radikalfeministische US-Nonnen. Im vierten Bereich ging es um den Kurs der Kirche. Hier las ‚Wir sind Kirche’ öffentlich die Stänkereien aus dem unaussprechlichen Drecksbuch „Heilige S…“, es traten die ‚Ungehorsams-Initiative’ auf sowie die kirchlich entbundenen Lehrer Hubertus Halbfas und Hans Küng.

Man braucht dem Stadtdekan, seinem Anhang und dem Haus am Dom nicht unterstellen, dass sie mit allen Facetten der Versammlung konform gegangen wären. Aber man muss schon die Frage stellen, mit welchem Interesse und zu welchem Ziel Johannes zu Eltz und die Frankfurter Stadtkirche einen solchen Kongress von theologisch und kirchenpolitisch extremistischen bis offen häretischen Positionen unterstützte.

6. Die ZdK-Konturen einer anderen Kirche in Deutschland

Es hat einige Beobachter irritiert, dass zu dem Podiumsgespräch im Haus am Dom zur Tribunalisierung des Bischofs Stefan Vesper vom Sekretariat des Zentralkomitees der deutschen Katholiken eingeladen war. Der Generalsekretär hat keine besondere Beziehung zum Bistum und kennt die Vorgänge um den Bischof nur aus den Medien. Offensichtlich sollte mit Vesper eine kirchenpolitische Tendenz eingebracht werden, die so auf dem Podium noch nicht vertreten war. Zuhörer hatten den Eindruck, dass Vesper über die Kirche sprach wie ein Lobbyist von irgendeinem gesellschaftlichen Verband. Er propagierte eine Laien-Kirche ohne Rom und Hierarchie. Das sind anscheinend ZdK-Positionen, wie sie auch der ehemalige ZdK-Präsident Hans Maier kürzlich bei einem Vortrag in Münster vortrug:
„Das Limburger Beispiel stimmt mich positiv. Ich habe noch nie so viele Bistumsmitarbeiter und Domvikare erlebt, die offen Kritik an einem Bischof üben“, meinte Maier. Laien sollten dieses Risiko viel öfter eingehen. Es lohne sich. „Demokratische Verhaltensweisen haben in der Kirche jüngst an Gewicht gewonnen.“ Die vielfache Kritik an Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst sei „ein Stück Wahrnehmung von Grundrechten“ von Laien. Viele Bischöfe hingegen übten aus Kollegialität oft kaum Kritik untereinander, obwohl diese nötig sein könne. Im Weiteren forderte der ehemalige CSU-Politiker eine Angleichung der Kirchenleitung an die weltlichen Regierungen mit Gewaltenteilung, Parlament und unabhängiger Kirchenjustiz.

Aus dem anti-römischen Nebel tauchen die Konturen einer anderen Kirche in Deutschland auf.